Vielfalt auf Events: Ganzheitlicher Ansatz sollte tragfähig sein

Diversität & Inklusion bei der Eventplanung

Deutschland wird bunter. Aber spiegelt sich das auch bei der Vorbereitung und Durchführung von Events wider? Wie können Veranstaltung divers und inklusiv gestaltet werden?

Seile, Knoten(Bild: Shutterstock/Lightspring)

Am 10. und 11. November findet digital die Konferenz „Diversity“ statt – organisiert vom Charta der Vielfalt e.V. und dem Verlag Der Tagesspiegel. Das Event möchte Inspiration und Austauschmöglichkeiten zu aktuellen Themen und Trends rund um Vielfalt in der Arbeitswelt bieten. Nach eigenen Angaben ist es die einzige Konferenz in Deutschland, die alle Dimensionen des Diversity Managements beachtet. Der Initiative geht es dabei um Berücksichtigung der „sieben Vielfaltsdimensionen“, die ihrer Meinung bei jeder Gelegenheit und in jeder Situation bedacht werden sollten: Alter, körperliche und geistige Fähigkeiten, ethnische Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtliche Identität, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und soziale Herkunft. „Wir sind der festen Überzeugung, dass Vernetzung und Austausch das Thema am besten voranbringen“, betont Katinka Inger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Charta der Vielfalt e.V. „Business Events haben als Vernetzungsveranstaltungen eine große Bedeutung für die Praxis.“

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Eventmanager:innen rät sie: „Schaffen Sie breite und attraktive Plattformen, die viel Gelegenheit zum Austausch bieten, und sorgen Sie für eine respektvolle Kommunikationskultur, online und offline.“ Wichtig sei, von Anfang an auf Barrierefreiheit zu achten, sowohl in der Außendarstellung als auch der Organisation. Das beinhalte selbstverständlich auch Diversität bei den Panels und der Moderation: „Denn auch damit senden Sie eine Botschaft.“

Katinka Inger, Martin Klinger, Laura Medak, Caroline Franke
Katinka Inger, Martin Klinger, Laura Medak, Caroline Franke (v. l. n. r.) (Bild: Uniplan, Charta der Vielfalt e.V., marbet, Joke Event AG)

Inklusive Veranstaltungen – nur wie?

Dass Inklusion und Barrierefreiheit zukünftig ein wesentlicher Teil bei Veranstaltungen sein werden, davon sind auch Kerstin Hoffmann-Wagner und Gudrin Jostes überzeugt. Sie unterstützen Agenturen und Unternehmen im Rahmen der Eventplanung dabei, Zugang und Teilhabe zu schaffen. Grundlagen und praktische Tipps veröffentlichen sie unter anderem auf ihrer Webseite events-barrierefrei.de und im Fachbuch „Barrierefreie Events“.

Denn in puncto Vielfalt bei Events gibt es durchaus noch Optimierungsbedarf. Auch Martin Klingler, Director m.digital und Brand Communication Marketing bei marbet, gibt zu: „Tatsächlich sind wir hier noch am Anfang, haben bisher wie wahrscheinlich die meisten Agenturen eher aus dem Bauch heraus mehr oder weniger divers agiert. Das wird sich aber in den nächsten Jahren radikal ändern, wir werden Diversität in unsere Haltung übernehmen, Diversität strukturell und strategisch in Prozesse und Handlungen integrieren – nicht ohne die besten Beispiele anderer zu beobachten, die Benchmarks bei unseren Kunden und unserer Konzernmutter Würth im Blick zu haben.“ Grundsätzlich sei Diversität für sie eine Haltung, ein Grundwert, der immer mehr und immer nachhaltiger Faktor und Zutat für alle Events und alle Handlungen werde – ähnlich der Digitalisierung. Auch hier sei das Thema in den letzten Jahren konkret und fokussiert aufbereitet worden, mittlerweile sei es aber schlicht ein Erfolgsfaktor, eine Grundzutat, eine Pflichtkompetenz und ziehe sich durch alle Kommunikationsmaßnahmen. „Diversität wird und muss zum Standard werden – ähnlich wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit“, ist Klingler überzeugt.

Diversity Konferenz Hochschule Bremen
Diversity Konferenz unter dem Motto „Brave New Work“ für das Zentrum für Interkulturelles Management & Diversity der Hochschule Bremen (Bild: Joke Event AG)

Auch bei der Joke Event AG wird nach eigenen Angaben Diversität seit 30 Jahren gelebt, so Lara Medak, Marketing Communications und Business Development bei Joke: „Selbstverständlich achten wir in Bezug auf Corporate Events in jeder Hinsicht auf Diversität und auch ganz konkret etwa auf barrierefreie Zugänge oder mehrsprachige Programmtexte. Vor allem bei Veranstaltungen für öffentliche Institutionen merken wir, dass das Thema auch im Rahmen des staatlichen Auftrages zur Förderung von Gleichberechtigung und Inklusion inhaltlich im Mittelpunkt steht. So haben wir etwa 2021 die virtuelle Diversity Konferenz unter dem Motto ‚Brave New Work‘ für das Zentrum für Interkulturelles Management & Diversity der Hochschule Bremen in unserem Streaming-Studio umgesetzt. Klar, dass sich bei der Agenda alles um Vielfalt und Chancengleichheit drehte und die Akteure entsprechend divers aufgestellt waren – von der Moderation über die Speaker bis zum Entertainment.“

Entwicklungen, die, so Lara Medak, „bei Joke alle sehr begrüßen. Wir leben diese Werte auch seit unserer Unternehmensgründung im eigenen Hause. Unter unseren über 100 Kollegen finden wir eine große Vielfalt an Herkunftsländern. Wir haben die Regenbogen-Liebe im Team und eine bunte gemischte Altersstruktur – von Teenie-Azubi bis Projektleiter-Silberrücken. Und Power-Frauen in allen Bereichen – angehende Veranstaltungstechnikerinnen genauso wie eine Geschäftsführung mit einem vierzigprozentigen Frauenanteil. Diversität war und ist für uns eine Selbstverständlichkeit, ein natürlich mitfließendes Thema. Um dem Ganzen noch mehr Nachdruck zu verleihen, werden wir zukünftig in Lieferantenverträgen explizit darauf eingehen und Richtlinien etablieren, um etwa Benachteiligung und Diskriminierung grundsätzlich zu unterbinden.“

Die sieben Dimensionen von Vielfalt
Die sieben Dimensionen von Vielfalt (Bild: Frei nach Gardenswartz und Rowe: „4 Layers of Diversity“)

Ausgestaltung branchenabhängig

„Bei der Programmgestaltung denken wir DEI (Diversity, Equity and Inclusion) immer mit“, betont auch Caro Franke, Senior Concept Designerin Brand Experience bei Uniplan. „Viele Kunden begrüßen das oder fordern es sogar aktiv ein. Die meisten Kunden bitten um diverse Vorschläge, wenn es beispielsweise um die Programmgestaltung geht. Wenn wir diese als Agentur von vornherein mitdenken, punkten wir natürlich. Es gibt aber auch Branchen, die noch nicht so weit und sehr männerdominiert sind, weil einfach weniger Frauen dort arbeiten.“

Die inhaltliche Ausgestaltung eines Events sei eben am Ende doch branchenabhängig, so die Kreative. Barrierefreiheit würde bei Uniplan sowohl in Bezug auf die Location als auch, was die Inhalte betrifft, mitgedacht, etwa bei den Themen Audiodeskription, Untertitel und barrierefreie Unterlagen. Eingebunden in die Planung und Umsetzung werden Partner:innen von Verbänden, Expert:innen und Influencer ebenso wie Caterer, Fotograf:innen und Designer:innen, die für Diversity Management stehen. Caro Franke: „Beim Catering achten wir darauf, dass vegetarische und vegane Gerichte angeboten werden. Bei religiösen Speisevorschriften wie halal oder koscher gibt es allerdings noch Luft nach oben. Auch beim Bühnenprogramm ist auf Ausgewogenheit zu achten.“

Ganz klar ergeben sich für sie daraus Vorteile: „Wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass Diversität unser Tun leitet, können Vorurteile abgebaut und der Horizont von jeder und jedem geweitet werden. Das gilt etwa auch im Hinblick auf Cis-Frauen und -Männer. Das ist gerade in unserer streckenweise doch noch recht patriarchalisch geprägten Branche eine sehr begrüßenswerte Entwicklung.“

Denn hier sieht Caro Franke durchaus noch viel Potenzial: „Das Verständnis für LGBTQ+-Belange ist auch in unserer Branche oft noch durch konservative Denkmuster verstellt. Es macht einen Unterschied, ob einmal im Jahr eine Regenbogenflagge am Firmensitz gehisst oder DEI im Unternehmen gelebt wird und auch bei jedem Event Ausdruck findet.“

Diversität & Inklusion bei Events: Checkliste für eine sensible Eventplanung

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich finde, dass sich die Lage in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Ich arbeite bei einem Messebauer-Dienst und konnte die Veränderung spüren. Bei uns gibt es viel mehr Verständnis für die LGBTQ+-Belange und die Arbeitsatmosphäre ist offen und tolerant. [Hinweis der Redaktion: URL entfernt]

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  2. Ich war 1966 Lehrling, da wurde noch über lange Haare diskutiert. Bin dann ans Theater und ins Showgeschäft gegangen, da war sowas, wie auch sexuelle Neigung und Klamotten schon damals kein Thema.

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