Veranstalten mit temporären Bauten

Eventplanung: Mit Gefährdungsanalysen auf der sicheren Seite

Denkt man an temporäre Bauten, denkt man automatisch an die Richtlinie für den Bau und Betrieb Fliegender Bauten – was natürlich auch richtig ist. Wirft man allerdings einen Blick auf das, was so passiert, erkennt man schnell – sofern dies nicht selbsterklärend ist – dass auch temporäre Bauten, die nicht in den Geltungsbereich der FlBauVO fallen, fliegen können. Und sie können nicht nur fliegen: Sie können im Weg stehen, ob nun verrutscht oder aktiv verstellt, sie können in sich zusammenfallen oder auf andere Weise die Sicherheit einer Veranstaltung beeinflussen.

Bei großen Events unerlässlich: Eine lückenlose Organisationsstruktur.
Bei großen Events unerlässlich: Eine lückenlose Organisationsstruktur. (Bild: Pixabay.com)

Neben den hier nicht diskutierten baulichen Bedingungen – angefangen beim geeigneten Untergrund, dem ordnungsgemäßen Aufbau oder dem Nachweis der Standsicherheit – geht es dabei in den meisten Fällen vor allem um eines: Organisation. Während die Aufbauten im Rahmen des Geltungsbereiches der FlBauVO vergleichsweise gut durch Baubücher und Abnahmen dokumentiert und kontrolliert werden, ist das mit „den anderen“ Aufbauten gerne auch einmal „anders“.

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Es wäre nun ein Leichtes, Beispiele aufzuzeigen, in denen Dinge falsch gemacht wurden, in denen „irgendetwas“ von „irgendwem“ aufgebaut wurde, in denen „irgendetwas“ jemandem auf den Kopf gefallen ist – aber das wäre nicht zielführend. Denn die Fehler, die in den meisten Fällen gemacht werden, sind so eklatant, dass der einzige Lerneffekt an dieser Stelle wäre, dass Richtlinien eingehalten werden sollten. Wichtiger ist stattdessen, den Blick auf die Dinge zu lenken, die darüber hinaus verbessert werden können – meistens tatsächlich durch Verbesserung der Organisationsstrukturen.

RAdrennen
Gerade kleinere Veranstaltungselemente werden im Veranstaltungsverlauf oft vernachlässigt. (Bild: Pixabay.com)

Hier anzusetzen ist insofern auch von Bedeutung, da es zwar schön, aber nicht realistisch wäre, dass fortan auf jedem Schul- oder Vereinsfest professionelle Zelte von professionellem Personal aufgebaut werden. Dennoch gilt es hier, Hilfestellungen zu geben, die auch die „3 x 3m Baumarktvariante“ berücksichtigen.

Grundlage nicht nur der Materialauswahl, sondern auch der notwendigen Organisation ist immer eine Gefährdungsanalyse – zusammengefasst in der Frage: Welche Gefährdungen können von dem jeweiligen Aufbau ausgehen. Hier reicht die Bandbreite von der Frage nach dem geeigneten Untergrund, vorhandenen Sicherungsmöglichkeiten, der Platzierung, dem Zugriff durch Dritte bis hin zu – natürlich – dem erwarteten Wetter am Veranstaltungstag.

Infrastrukturkataster

In Bezug auf das Wetter liegt eine vergleichsweise einfach, wenn auch je nach Umfang der Veranstaltung aufwändige Lösung, in einem „Wetter-/ Infrastrukturkataster“, das darüber Auskunft gibt, was alles aufgebaut wird, welche Maßnahmen bei welcher Wetterentwicklung notwendig sind, wer dafür verantwortlich ist und welche möglicherweise zusätzlichen Sicherungen oder Kontrollen nötig sind. Eine solche Übersicht hat den Vorteil, dass sie die Aufbauten bei den „kleinen“ Veranstaltungen automatisch in den Fokus rückt und bei großen, komplexen Veranstaltungen dafür sorgt, dass sich wetterrelevante Abläufe bis hin zu Abbrüchen deutlich beschleunigen, sobald die kleineren Aufbauten bereits abgeräumt / gesichert sind.

Windhose
Das Vorgehen unter bestimmten Umständen – z. B. Unwetter – sollte im Vorfeld festgelegt werden. (Bild: Pixabay.com)

In den meisten Fällen geht es hier um kleinere Zeltaufbauten, Sonnenschirme, Dekobauten etc. Fehlt es hier an Informationen, wann z.B. ein Sonnenschirm reingebracht werden muss, ist die zugrundeliegende Frage nicht, wann der Schirm davonfliegt, sondern wie lange es braucht, um den Schirm zu sichern. Die Erstellung des Katasters bringt dabei nahezu automatisch die Frage auf, wer für das Einbringen und die Sicherung verantwortlich ist. Denn auch das ist eine wichtige, in der Realität aber oft vernachlässigte Frage.

Macht man sich einmal die Mühe, ein solches Kataster zu erstellen, erhält man eine einfache Aufstellung mit den folgenden Mindestinhalten: Art des Aufbaus, Standort-Betreiber, vorhandene Vorgaben, Sicherungsdauer, Verantwortlicher für die Sicherung, Zeitpunkt der Sicherung, Angaben zu den Umständen, z.B. die Windstärke sowie Rückmeldungsinformationen, wann was gesichert wurde. Gegebenenfalls kann die Wiederinbetriebnahme als weitere Informationsangabe mit eingefügt werden. Zur Ergänzung und Erleichterung der Umsetzung können die Strukturen auch unmittelbar gekennzeichnet werden, beispielsweise mit Hilfe eines einfachen Farbkatasters. Allerdings ist es nicht nur der Wind, der Aufbauten einstürzen lässt: Oftmals ist es auch eine fehlende Sicherung oder auch eine vorzeitige Nutzung ohne Sicherstellung des ordnungsgemäßen und abgeschlossenen Aufbaus.

Kategorisierung von Bauphasen

Eigentlich ist die Kategorisierung von Bauphasen für einige Strukturen entsprechend vorgegeben. Das Zauberwort lautet hier: „Freigabe“ oder „Sicherung der Baustelle“. Um aber auch hier sowohl dem Vereinsfest, als auch den Menschen Rechnung zu tragen, die unwissentlich die noch nicht freigegebene Konstruktion betreten, empfiehlt sich ein einfaches farbliches Kennzeichnungssystem der jeweiligen Aufbauphasen und -bereiche in vier Schritte.

Tribüne
Bevor der Publikumsverkehr den Eventbau betreten darf, müssen die Strukturen entsprechend abgenommen werden. (Bild: Pixabay.com)

Nun kann man argumentieren, dass dies ja nun wirklich nichts Besonderes ist – was es auch nicht ist. Aber eine solch einfache und strukturierte Herangehensweise und Visualisierung hilft genauso wie das Infrastrukturkataster bei der Bewusstmachung von Gefährdungen und Verantwortlichkeiten. Zudem erinnert es den ein oder anderen auch noch einmal daran, dass man nicht immer und überall hingehen darf, nur weil man es kann. Um realistische Veränderungen in Gang zu bringen, können die einzelnen Schritte dahin gar nicht klein genug sein.

Es liegt in der vermeintlichen Trivialität der Sache, dass die Lösungen so einfach anmuten – Profis werden diese Tipps nicht brauchen, haben möglicherweise sogar bessere. Doch ist es oft einfach so, dass gerade die kleineren temporären Bauten vernachlässigt werden – sei es, weil man sich auf die großen Strukturen konzentriert oder weil man schlichtweg keine Vorstellung hat, dass es eben nicht damit getan ist, einen Pavillon zu leihen und ihn mal eben für das Vereinsfest aufzubauen.

Sonnenschirm aus Holz
Die Sicherheit einer Veranstaltung beginnt schon bei kleinen Dingen, wie beispielsweise der Verantwortlichkeit für Sonnenschirme. (Bild: Pexels.com)

Die darüber hinausgehenden Hinweise sind allerdings noch trivialer: Die Auswahl des geeigneten Materials, die Verwendung von dafür vorgesehen, intakten Teilen, den ordnungsgemäßen Aufbau. All diese Hinweise sind so banal, dass man sie sich kaum zu sagen traut. Doch solange es an diesen Dingen hapert und möglicherweise Menschen dadurch zu Schaden kommen, bleibt es eine wichtige Aufgabe, hier nach nachhaltigen Lösungsansätzen zu suchen.

Oftmals ist es aber auch nur die fehlende Konzentration auf ein Thema, die – gepaart mit fehlendem Wissen – zu unschönen Bildern und realen Schäden führt. Einfache, organisatorische Lösungsansätze, sind dabei ein sinnvoller Baustein in der Vermeidung von Gefährdungen durch temporäre Bauten.

 


Die vier Phasen einer Baustelle

A – grüne Phase:
Sicherer Bereich / Planungs- und Koordinationsphase, keine Fahrzeug- und / oder Materialbewegungen

B – rote Phase:
Auf- und Abbau, Fahrzeug- und oder Materialbewegungen / lose Teile etc.

C – orangefarbene Phase:
Einbringen der Produktion, Einräumen der Zelte; Strukturen sind abgenommen und dürfen von unterwiesenem Personal betreten werden.

D – gelbe Phase:
Betrieb (z. B. Show, Waffelverkauf etc.)

 



 

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