Die Eventbranche im Einsatz für Flüchtlinge

Wie die Eventbranche zur Verbesserung der Flüchtlingssituation beitragen kann

In seinem Blogbeitrag für den Famab gibt Stephan Schäfer-Mehdi der Eventbranche einen wichtigen Denkanstoß: Dass eine Branche voller Eventmanager, Caterer und Veranstaltungsdienstleister die idealen Voraussetzungen mitbringt, um die Lage der Flüchtlinge enorm zu verbessern – eine Ausgangslage, die viel mehr genutzt werden sollte.

Welcome asylum seekers and refugees
Als Branche ein gemeinsames Zeichen setzen und die Situation der Flüchtlinge verbessern. (Bild: John Englart)

Auf den ersten Blick würde man sagen, dass Flüchtlinge und die Eventbranche nichts miteinander zu tun haben: Dort verlassen tausende Menschen unter widrigsten Bedingungen ihre Heimat in der Hoffnung, woanders ein besseres Leben führen zu können, während wir hier zur selben Zeit einen Kurztrip nach Dubai planen oder die Ostküste Amerikas besuchen. Unsere Arbeit ist oft hart, doch dafür bekommen wir ein Leben voller Luxus. Fast überall auf der Welt werden wir freundlich empfangen. Sicherheit ist für uns selbstverständlich. Es ist höchste Zeit, als Branche der Welt etwas zurückzugeben: Das Mindeste, das wir geben können, ist unsere Gastfreundschaft und eine offene Begrüßung für die Menschen, die hier suchen, was für uns zum Alltag gehört: Sicherheit, Schutz und Freiheit.

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Die Freiheit ist unser höchstes und doch oft zu wenig respektiertes Gut: Unsere Freiheit ermöglicht es uns, unsere Ideen umzusetzen und fast überall auf der Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Bei einem Produktlaunch in Italien gehen wir ohne weiteres davon aus, dort willkommen geheißen zu werden. Niemand von uns würde lautstarke Demonstrationen und Proteste erwarten. Aber ist das selbstverständlich? Wir nehmen es als selbstverständlich an, schließlich bringen wir Arbeit und Chancen auf Wohlstand. Doch reicht dieses nahezu an Selbstgefälligkeit grenzende Selbstverständnis aus?

Einmal angenommen wir kommen in ein Land, um unseren Job zu machen und begegnen den dortigen Eventmanagern, Catering-Unternehmen und Veranstaltungstechnikern, die uns anfeinden, bedrohen und beschimpfen, weil wir ihnen scheinbar die Aufträge wegnehmen. Einer solchen Situation sehen sich Flüchtlinge fast jeden Tag gegenüber – seien es offene Anfeindungen wie in Freital und Heidenau, online auf den Social Media Plattformen oder heimlich am Stammtisch.

Natürlich gibt es auch in unserer Branche Menschen und Agenturen, die sich für die Flüchtlinge einsetzen und Zeichen für ein friedliches Miteinander und gegen Rassismus setzen. Am 15. September gibt es beispielsweise ein Willkommenskonzert in der neuen Notunterkunft Zweigstraße in Solingen und Anfang September startete die bundesweite virale Kampagne „Refugees Welcome by Musicians“. Doch solche Aktionen sind noch zu selten. Es ist Zeit, offen und laut darüber zu reden. Nur so können wir andere motivieren, es uns gleich zu tun. Oder wir bleiben weiter untätig, genießen unseren Cocktail auf der Sonnenterrasse eines entfernten Landes und pflegen unser bisheriges Geschäftsmodell. Riefenstahl und Speer haben ihrer Zeit auch vermeintlich fantastische Veranstaltungen gemacht. Aber das ist nicht meine Vorstellung von der Branche. Ich wünsche mir eine Branche voller Menschlichkeit, die menschlich handelt. Eine Branche, die ein Zeichen gegen den lautstarken Hass setzt und den Menschen, die helfen, ein Zeichen gibt. Die Menschen werden von der Politik allein gelassen, sei es bei dem Versuch Versorgungsdefizite auszugleichen oder bei Begegnungen mit offenen Anfeindungen.

Unsere Branche besteht aus Kommunikationsexperten, Veranstaltungsdienstleistern und Logistik-Profis. Damit verfügen wir über die optimale Basis und könnten Zelte verleihen, Transportmittel und Nahrung zur Verfügung stellen und noch vieles mehr. Ob als Unterstützung und Entlastung der unzähligen ehrenamtlichen Helfer, Spendenaktionen oder Deutschunterricht für Flüchtlinge – die Möglichkeiten sind endlos.

Wir sprechen gerne von Nachhaltigkeit. Wichtig wäre angesichts der akuten Hilfewelle nicht nur ein euphorischer Aktionismus , sondern auch der lange Atem, wenn im Winter noch immer Flüchtlinge kommen. Es braucht auch allumfassendere Zeichen: Als Aufstand der Anständigen. Beispielsweise könnten die Eventagenturen zeitgleich an einem Aktionstag in ihren jeweiligen Städten ein Event gestalten, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. Dazu kann die Reichweite über Social Media genutzt werden, um den Menschen täglich zu zeigen, was wir gemeinsam bewirken können.

 

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