Virtual Reality im Selbstversuch

Wie sich Virtual Reality für Events einsetzen lässt

Wer an Virtual Reality denkt, denkt vermutlich zuerst an die Möglichkeiten, die sich damit für die Unterhaltungsindustrie ergeben. Die Anwendungsgebiete von VR gehen jedoch um ein Vielfaches weiter. Mit dem Versprechen einzigartiger Erlebnisse und ausgerüstet mit erschwinglichen Geräten, spricht der Trend mittlerweile die breite Masse an – und auch die Eventbranche setzt auf die neue Technologie.

Die HTC Vive in der Praxis
(Bild: Sylvia Koch )

Eventmanager, -planer und -konzeptioner sind ständig auf der Suche nach einzigartigen Konzepten und Technologien, um Unternehmen und Auftraggeber mit spannenden Events zu überraschen. Virtual Reality schafft Illusionen, die wir als real wahrnehmen. Wir sehen nicht nur, was passiert, sondern fühlen uns gleichzeitig involviert. Sogar körperlich reagieren wir auf die virtuelle Realität: Wenn in der VR ein Zug auf uns zurast, haben wir den Reflex auszuweichen; wenn wir aus großer Höhe herabschauen, meldet sich bei manchen die Höhenangst zurück.

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Virtual Reality ermöglicht eine neue Form der Wahrnehmung und Darstellung von Inhalten. Während man beim Live-Streaming, gewöhnlichen Videos oder Filmen außenstehender Betrachter ist, vermittelt Virtual Reality den Eindruck, tatsächlich an der Veranstaltung teilzunehmen.

Samsung Gear, Oculus Rift & HTC Vive im Test
Vier Unternehmen haben es sich auf die Fahnen geschrieben, den Trend auch für Events salonfähig zu machen. Dazu luden Neumann&Müller Veranstaltungstechnik, projektwerft, showpixel und Jan Erik Stahl zu einem Virtual Reality Event ins Hamburger Curio-Haus ein. Drei verschiedene VR-Brillen standen für die Gäste zum Testen bereit: die Samsung Gear, die Oculus Rift sowie die zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienene HTC Vive.

Die Samsung Gear im Test
Vom außenstehenden Betrachter zum teilnehmenden Besucher: 360-Grad-Sicht in der VR macht es möglich. (Bild: Sylvia Koch )

Jede der drei VR-Brillen konnte mit besonderen Aspekten überzeugen. So bot die Samsung Gear eine vollkommene 360-Grad-Sicht, durch die man sich in den VR-Content hineinversetzt fühlte. Beim VR-Event im Curio-Haus konnte man auf diese Weise etwa eine Show des Cirque du Soleil quasi live aus der ersten Reihe erleben. Ein besonderes Erlebnis bildete auch der VR-Content, in dem man in gut 50 Metern Höhe durch Bilder von Salvador Dalí schwebte. Von oben betrachtet und zusammengefügt in einen Film ließen sich die fantastischen Figuren aus den Bildern des spanischen Künstlers aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten.

Die Oculus Rift stand beim VR-Event in zwei verschiedenen Varianten zum Testen bereit, die einen Schritt weiter gingen als die Samsung Gear: Neben einem 360-Grad-Erlebnis wurde hier die Illusion des eigenen Körpers simuliert. So sah man beim Hinunterblicken den Oberkörper und die Beine eines sitzenden Avatars, was das gesamte VR- Erlebnis realer wirken ließ. Dass sich die Beine und der Körper nicht den eigenen, in der Realität ausgeführten Bewegungen anpassten, störte in der VR nur wenig.

Die zweite Version der Oculus Rift, die im Curio-Haus zum Testen bereit stand, war zusätzlich zu dem Head-Mounted Display ein Motion Tracker installiert, durch den man in der virtuellen Realität mit den Händen interagieren konnte. Unterschiedliche kubische Formen konnten bewegt oder neu erschaffen werden – eine Funktion, die die User nur zu gern nutzten. Am Bildschirm konnte zudem die Sicht der Testbesucher mitverfolgt werden, so dass die oft seltsamen, weil ungewohnt wirkenden Bewegungen der Tester auch für Außenstehende einen Sinn ergaben.

Motion Tracker bei VR
Motion Tracker ermöglichen die Interaktionen mit der virtuellen Realität. (Bild: Sylvia Koch )

Motion Tracker erweitern Interaktionsmöglichkeiten
In der oberen Etage des Curio-Hauses warteten scheinbar leere Räume auf die Gäste. Offene Flügeltüren, leere Wände und bläuliches Licht zeichneten die Räume aus, in denen die HTC Vive getestet werden konnte. Neben dem benötigten Server und einem Techniker, der für die reibungslose Übertragung des VR-Contents auf das Head-Mounted Display sorgte, befand sich meist nur der Tester selbst im Raum. Ein Quadrat im Raum bildend, ermöglichten vier Motion Tracker eine erweiterte Interaktion des Testers mit der virtuellen Realität: Nicht nur registrierten die Motion Tracker die Bewegungen der Person innerhalb des Quadrats, über zwei Controller konnten zudem Gegenstände in der VR-Welt bewegt werden. Die Bedienung der Controller erfolgte dabei intuitiv, da sie in der Funktionsweise an andere Systeme angeglichen sind.

So wurde man nicht nur auf ein versunkenes Schiff transportiert und erlebte einen 28 Meter großen Wal, der nur wenige Handbreit entfernt vorbeischwamm, sondern konnte sich auch daran versuchen, einen Roboter zu reparieren. Eine andere virtuelle Realität bot die Möglichkeit, eigene Kunstwerke in 3D zu erstellen, durch die man hindurchgehen und sie so von allen Seiten betrachten konnte. Von den derart gestalteten Kunstwerken konnten zudem digitale Bilder angefertigt werden.

„Im Rahmen des Experience Abends ‚Meet Virtual Reality‘ im Hamburger Curio-Haus ist es uns mit unseren Partnern gelungen, den Kunden aus Agenturen und mittelständischen Unternehmen nicht nur einen Eindruck dieser virtuellen Welten zu verschaffen, sondern sie für die Möglichkeiten zu sensibilisieren, die Simulationstechnologien bieten. Und das ist für Agenturen im Umfeld der Live-Kommunikation ebenso spannend wie für Unternehmen in technischen oder gestaltenden Branchen“, kommentierte Jan Krieger von Neumann&Müller Veranstaltungstechnik den Erlebnisabend.

Darüber hinaus arbeitet N&M an der Realisierung virtueller Anwendungen und verfeinert stetig die Simulationstechnologien, so dass sich die gewünschten Effekte für die Kunden auch realisieren lassen.

Die Kundenbasis langfristig halten
Es gibt verschiedene Gründe, warum Virtual Reality in diesem Jahr vermehrten Einsatz auf Events finden wird. Zum einen sind Facebook, Sony, Samsung und Google beteiligt. Obwohl diese Unternehmen keine großen Player im Eventbusiness sind, wird ihr Engagement den Wert der Technologie bestätigen und die Kosten für die notwendigen Geräte senken.

Zudem wird es in Zukunft schwieriger werden, die Aufmerksamkeit der stetig jünger werdenden und aktionsverwöhnten Kunden zu gewinnen, besonders wenn bei Veranstaltungen weiter auf konventionelle Eventbespaßung gesetzt wird. Eventplaner werden sich mit Virtual Reality auseinandersetzen müssen, um ihre Kundenbasis halten zu können. Um neue und unverbrauchte Erlebnisse für Events bieten zu können, ist Virtual Reality zurzeit definitiv eine geeignete Option.

 

Welche Zukunft hat VR?
“VR bietet ein Medium, mit dem nahezu jede Veranstaltung in vielfältiger Ausprägung räumlich und zeitlich erweitert werden kann. Museen, Ausstellungen, Trainingsveranstaltungen, Kongresse, Fachmessen oder auch Fashion Events können von VR profitieren. Sport- und KulturEvents können durch VR- und 360-Grad-Technologie vom Veranstaltungsort unabhängig gemacht werden. Dies ist insbesondere für Menschen relevant, die aus finanziellen oder gesundheitlichen Gründen keine weiten Reisen machen können. Auch wenn es derzeit noch gewisse technische Einschränkung bei den Erlebnissen gibt, wird die immersive Erfahrung von VR allen bisherigen Medientechnologien in Bezug auf nachhaltig erinnerte Erlebnisse überlegen sein.“

Christoph Steinhard, Kommunikationswissenschaftler und Gesellschafter von projektwerft
Christoph Steinhard, Kommunikationswissenschaftler und Gesellschafter von projektwerft (Bild: Christoph Steinhard )

„Man ist ja mit dem Begriff ‚Megatrend‘ gern schnell zur Stelle. Virtual-Reality-Anwendungen haben allerdings tatsächlich das Vermögen dazu, für Events beeindruckend realistische Erlebniswelten zu schaffen, sowie für geschäftliche Anwendungen im Business-to Business-Bereich Räume oder Gestaltungskonzepte zu visualisieren. Der Zuschauer reist durch die (virtuelle) Welt und bleibt dabei doch im eigentlichen Raum – was ganz praktisch deutliche Zeit- und Kostenersparnisse bedeutet.“

Jan Krieger, Projektleiter N&M Veranstaltugnstechnik
Jan Krieger, Projektleiter N&M Veranstaltungstechnik (Bild: Jan Krieger )

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