Agenturportrait

trend factory: Vom Underdog aus Rottweil zum Eventmacher der Wirtschaftsriesen

Daimler, ThyssenKrupp, Telefónica, SAP – warum kommen solche Branchengrößen auf die Idee, ihre Events von einer kleinen mittelständischen inhabergeführten Agentur aus Rottweil durchführen zu lassen? Was bringt der Underdog, der nicht bellt, sondern Schwäbisch schwätzt – auch beim Pitch in Berlin – mit, um derartige Unternehmen von sich zu überzeugen?

Mike Wutta (l.) und Thomas Wenger
Mike Wutta (l.) und Thomas Wenger (Bild: trend factory)

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Imposante Gebäude wachsen rechts und links empor, auf der einen Seite thront das Brandenburger Tor, auf der anderen das Berliner Schloss, eine lange Allee aus Linden begrünt die Prachtstraße in Berlin Mitte; Unter den Linden ist nicht nur Heimat vieler schicker Restaurants und Hotels, sondern auch namhafter Konzerne. Hier stehen vor knapp fünf Jahren zwei schwäbische Jungs mit PowerPoint und jeder Menge Ideen und Überraschungen im Gepäck bereit. Bereit abzuliefern.

Mike Wutta und Thomas Wenger sind aus dem beschaulichen Rottweil am Rande des Schwarzwalds zum Pitch bei Telefónica in die Hauptstadt gekommen. Sie konkurrieren mit großen Agenturen; auf den Visitenkarten der anderen stehen New York, Singapur, Berlin oder Frankfurt. Doch der Underdog, Wuttas und Wengers Agentur trend factory, wird am Ende den Kunden von sich überzeugen. Diese Position lieben die Zwei: In der Angreiferrolle, nicht ganz greifbar für den Kunden und klar unterschätzt von der Konkurrenz. „Das ist so wie rechts überholen“, sagt Wutta und lacht laut auf.

Für die Umsetzung des Live-Marketing-Events der Zeiss Convention „The Future of Optics 2017“ wurde trend factory 2018 mit dem Heavent Award ausgezeichnet.
Für die Umsetzung des Live-Marketing-Events der Zeiss Convention „The Future of Optics 2017“ wurde trend factory 2018 mit dem Heavent Award ausgezeichnet. (Bild: trend factory)

Gute Laune im Blut

Wer Mike Wutta und Thomas Wenger trifft, merkt schnell, dass sie anders sind als andere Agenturinhaber. Kennengelernt haben sie sich während des Zivildienstes. Dort haben sie Kulturveranstaltungen organisiert, ein Open-Air-Kino, viele Konzerte. Party, gute Laune und Tanzen liegen ihnen im Blut und spielen auch heute noch bei vielen ihrer über 180 jährlichen Events eine Rolle. Auch deshalb veranstalten sie einmal im Monat in der agentureigenen Location Kraftwerk in Rottweil bzw. im süddeutschen Raum Partys für bis zu 4.000 Leuten mit internationalen Top Acts und Top DJ’s. Die Losung Rock’n‘Roll gilt gleichermaßen auch für die Live-Events der beiden: Markenbotschaften ihrer Kunden auf den Punkt orchestrieren. Und dabei immer neu, anders, innovativ, progressiv und quer denken. Venue und Agentur sind bei den Trend Factoristen fest miteinander verbunden, Symbiose in Reinkultur.

Neben der Backsteinfassade und den 75 Meter hohen Schornsteinen, macht auch die Freitreppe im Stil barocker Schlossarchitektur die Industrie-Location zu einem besonderen Blickfang.
Neben der Backsteinfassade und den 75 Meter hohen Schornsteinen, macht auch die Freitreppe im Stil barocker Schlossarchitektur die Industrie-Location zu einem besonderen Blickfang. (Bild: trend factory)

Türöffner Kraftwerk

Bereits drei Jahre nach der Agenturgründung 1996 beschließen Wutta und Wenger, die damalige Industriebrache zu kaufen. Sie haben große Träume, spüren die besondere Atmosphäre und Energie des Kraftwerks. Um sich nicht zu übernehmen, richten sie neben den Büros zunächst nur einen Veranstaltungsraum her, den ehemaligen Turbinensaal. Ein mehr als smartes Konzept, wie sich später herausstellt. Statt mit einer fertigen Idee an die gesamte Location ranzugehen, entwickeln sie jeden Raum einzeln und geben sich selber Zeit zum Lernen. Wutta und Wenger wachsen mit dem Gebäude, mit den Anforderungen der sich stetig entwickelnden Live-Kommunikations-Branche und als Agentur.

Schnell wird die Industrie-Location mit ihrer Backsteinfassade, dem bröckelnden Putz, rostigen Stahl und derben Charme neben der eigenen trend factory Live-Event-Philosophie zum Türöffner bei den Kunden. Nicht nur der in der Region starke Mittelstand (z.B. Automobilzulieferer, Maschinenbau, Medizintechnik), sondern auch große Konzerne wie die damalige Daimler-Benz-Tochter debis (später mobilcom-debitel) oder die Carl Zeiss AG erkennen ob der Verbindung aus Kreativität, Können und ungewöhnlicher Location, dass Thomas Wenger und Mike Wutta Events anders machen.

Der Turbinensaal war der erste Raum, der im Kraftwerk für Events nutzbar gemacht wurde.
Der Turbinensaal war der erste Raum, der im Kraftwerk für Events nutzbar gemacht wurde. (Bild: trend factory | BURKart Fotografie)

„Wir machen unser eigenes Ding“

Sie wollen gemeinsam mit dem Kunden Projekte entwickeln, neue Formate ausprobieren. Mit einem hohen Maß an Identifikation und auf Augenhöhe sind sie ganz nah dran am Unternehmen, am Markt und der Marke des Kunden und natürlich auch der eigenen Branche. Einer ihrer größten Erfolgsfaktoren ist sicher die Eigenschaft, immer über den Tellerrand hinauszuschauen, die digitale mit der analogen Welt zu vernetzen, komplexe Markenbotschaften unerwartet und emotional erlebbar zu gestalten – und dabei stets den Fokus auf die Menschen zu richten. „Das coolste Event zählt nichts, wenn es den Menschen nicht gefällt.“, sagt Wutta.

Aus jedem Projekt nehmen sie Impulse und Trends mit und vernetzen Kunden und Themen. Automobil, Mobilfunk und Maschinenbau, von Konzern bis Mittelstand – davon sind Wutta und Wenger überzeugt. Diese Einstellung und Denke kommt an: Unternehmen wie Zeiss, metabo oder mobilcom-debitel betreut trend factory schon seit Jahren, fast 20 Millionen Euro Umsatz generierte die Agentur im letzten Jahr.

Zeiss Event „The Future of Optics 2017“ in Berlin
Zeiss Event „The Future of Optics 2017“ in Berlin (Bild: trend factory)

Dabei machen Wenger und Wutta immer ihr eigenes Ding und orientieren sich nicht an der Konkurrenz; das nicht nur in Bezug auf ihre Projekte, sondern auch das Kraftwerk, die Agentur und ihr Team. Obwohl trend factory über die Hälfte des Umsatzes mit Projekten in Berlin macht, kommt ein Büro in der Hauptstadt für die Agenturinhaber derzeit nicht in Frage. Rottweil ist ihr Lebensmittelpunkt, die Agentur und die Location sind ihr Baby. In der kleinen Stadt kommen sie zur Ruhe, fühlen sich nicht so getrieben vom Agenturalltag, dem steten Innovationsdruck.

Ein Büro in Berlin, ein weiteres in Düsseldorf brauchen sie nicht fürs Ego. Sie wollen nicht um jeden Preis wachsen. Die beiden stehen als Köpfe für die Agentur und geben ihre Ideen, ihren Spirit ans Team weiter. „Wir glauben, dass unser Team den Herzschlag, den Puls von uns spüren muss.“ Thomas Wenger und Mike Wutta wollen die Agentur nicht nur managen, sie wollen mittendrin sein und das auch noch nach über 20 Jahren. Ein Ende ist nicht in Sicht. Wenger und Wutta haben viel Erfahrung, sind aber noch lange nicht müde. Neugier liegt in ihrer Natur. Sie haben Lust auf morgen, auf übermorgen und die nächsten Jahre.


Das Kraftwerk Rottweil

Das Kraftwerk Rottweil
Konzert im Kraftwerk Rottweil
Eden Bar im Kraftwerk Rottweil
Kohlebunker im Kraftwerk Rottweil
Kolossaal im Kraftwerk Rottweil
  • Ehemaliges Kohlekraftwerk der Pulverfabrik Rottweil aus dem Jahr 1916.
  •  Entworfen vom bekannten Architekten Prof. Paul Bonatz.
  • Der damalige Besitzer der Pulverfabrik Max Duttenhofer lud selber gerne zu Festen in den Räumlichkeiten der Fabrik ein.
  • Ab den 70er Jahren stand das Gebäude leer und rottete vor sich hin.
  • Neun unterschiedlich große Veranstaltungsräume plus Outdoorbereich auf insgesamt über 3.000 m² Nutzfläche.
  • Platz für 20 bis 4.000 Gäste.
  • Räume wie der Turbinensaal, die Kohlebunker und die Schaltzentrale sind in ihrem Ursprung belassen, wurden aber zeitgemäß modernisiert.
  • Location Award 2016: „Beste Eventlocation mit Erlebnischarakter in Deutschland“
  • German Brand Award 2017 in der Kategorie „Industry Excellence in Branding Trade Fairs & Event Locations“

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo Thomas, hallo Mike,

    ein tolles Portrait! Es hat sich ja wieder jede Menge getan, in den letzten Jahren. Es wird mal Zeit für einen Besuch! Macht weiter so! Bei Eurer Freude im Job wird der Erfolg anhalten!

    Weiterhin viel Erfolg und beste Grüße,
    Heiner

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