Einpacken, auspacken, repeat: Doch was passiert dazwischen?

Eventlogistik: Das Lager-Leben bei JMT

Einpacken, liefern, auspacken – einpacken, zurückliefern und einlagern: Diese sechs Schritte bilden das Grundgerüst der Vermietung von Möbeln. Doch wie sehen die Prozesse im Detail aus? Wir haben uns in Hilden, beim Dreh- und Angelkreuz von JMT in Deutschland, erkundigt.

Das Lager von JMT Mietmöbel
Sylvia Koch
Reinigung, Werkstätten, Hochregale: Das Lager von JMT verteilt sich auf knapp 10.000 m².

Mit sechs Standorten in Deutschland und der Schweiz sowie sieben Niederlassungen in ganz Europa ist JMT einer der größten Mietmöbelanbieter in der Eventbranche. Grundlage für den Erfolg ist das ausgefeilte Warenwirtschafts- und -aufbereitungssystem von JMT. Erst Anfang 2017 bezogen, bietet der JMT-Standort in Hilden eine Lagerfläche von 10.000 m². An normalen Tagen verlassen knapp 15 Sattelzüge mit Mobiliar oder Bodenbelägen das Gelände.

Mehr Effizienz durch Schmalgang- und Breitgangregale

Um die Abläufe des Mietmöbelanbieters so strömungsfrei wie möglich zu gestalten, steht hinter den Prozessen von JMT ein ausgeklügeltes Warenwirtschaftssystem. Optisch zeichnet sich dieses System durch penibel eingeteilte Areale sowie Breitgang- und Schmalgangregale aus, die bis an die Decke des Lagers reichen.

Effektiv bilden sich die Lageraktivitäten bei JMT wie folgt ab: Sobald der Auftrag eines Kunden eingegangen und gebucht ist, erhält der Gabelstapler, der dem Artikel im Lager am nächsten ist, einen Auftrag zur Abholung. Artikel, die häufiger geordert werden, befinden sich in der Regel in den Breitgangregalen, die im vorderen Teil des Lagers – und damit näher am Beladungsort für die Sattelzüge – angesiedelt sind. Im hinteren Teil des Lagers warten in schmaleren Gängen die Artikel mit einer geringeren Nutzungsfrequenz auf ihre Buchung. Grund für die unterschiedlichen Breiten der Gänge ist eine optimierte Platzausnutzung des Lagers, die allerdings eine weitere Herausforderung mit sich bringt: Denn gewöhnliche Gabelstapler sind für die schmalen Gänge nicht geeignet. Aus diesem Grund wurde für die hinteren Gänge in besonders schlanke Gabelstapler investiert – und auch die haben zwischen sich und den Regalreihen zu beiden Seiten nur eine Handbreit Platz. Da kann es leicht passieren, dass ein Stapler mal ein Hochregal tangiert. Um das zu umgehen, wurden in die Böden der Schmalgangregale Induktionsschleifen eingelassen, an denen sich die Schmalgangstapler orientieren und die ein Lenken innerhalb der Regale überflüssig, ja sogar unmöglich machen. Die Schmalgangstapler verfügen deshalb nur über einen eingeschränkten Bewegungsradius: Im Prinzip können sie nur vor und zurück sowie hoch und runter fahren. Um die Sicherheit in den engen Gängen zu erhöhen, verfügen die Stapler zudem über eingebaute Bewegungssensoren, die automatisch eine Notbremsung auslösen, sollte sich aus Versehen eine Person in die hinteren Bereiche verirren. Auch die Abholung der Waren erfolgt durch automatisierte Unterstützung: Sobald der Auftrag für ein Produkt beim Schmalgangstapler eingegangen ist, bewegt sich der Stapler zu dem angegebenen Regalplatz, die entsprechende Palette wird zu einem Übergabeort gebracht und dort von einem „gewöhnlichen“ Gabelstapler abgeholt.

Breitgangregale im Lager von JMT
Sylvia Koch
Die Breitgangregale bieten relativ viel Platz …

Im Warensystem von JMT liegt die Priorität meist auf kurzen Wegen: Sobald ein neuer Artikel sowie dessen Regalplatz im System als Auftrag eingehen, wird der am nächsten befindliche Stapler zur Abholung ausgewählt, um Fahrzeit innerhalb des Lagers einzusparen und den Verkehr der Stapler untereinander besser koordinieren zu können. Auf diese Weise wird außerdem gewährleistet, dass die Ware immer strömungsfrei fließen kann und die gewünschten Artikel schnell verfügbar sind.

Zugriff auf das Kontingent von 13 Standorten

Alle Artikel, die von einem Gabelstapler angeliefert werden, werden in der Kommissionierung für den Kunden bzw. für die jeweiligen Messen oder Projekte neu zusammengestellt und verpackt. Sobald die einzelnen Pakete mit Strichcode und Auftragsnummer gelabelt und verladen sind, werden sie eingescannt. Dank des JMT-internen Warensystems – das in allen europäischen Standorten genutzt wird – haben alle Kollegen stets Einsicht auf detaillierte Informationen zu einzelnen Artikeln und Aufträgen. Dazu gehören Informationen darüber, ob ein Warenauftrag gepackt, verladen, auf dem Weg zum Kunden oder dort sogar schon angekommen ist. Das Tracking der Mietmöbelgruppe verfügt damit über eine ähnliche Transparenz, wie man sie sonst eher von internationalen Versandhändlern kennt.

Schmalgangregal bei JMT
Sylvia Koch
… während die Beinfreiheit in den Schmalgangregalen schon eingeschränkter ist.

Das interne Warensystem bietet jedoch noch einen weiteren Benefit: Durch die Vernetzung der verschiedenen Standorte ist es möglich, auf die gesammelte Anzahl eines Artikels in der Mietmöbelgruppe zurückzugreifen. Besonders großen Veranstaltungen und Aufträgen kommt dieser Gesamtüberblick zu Gute.

Wenn´s mal schnell gehen muss

Neben den enormen Stückzahlen einzelner Artikel kann JMT jedoch auch mit seiner Geschwindigkeit punkten: Wie bereits erwähnt, erhalten die Gabelstapler einen Abholungsbefehl, sobald ein neuer Auftrag eingebucht ist. Muss es jedoch einmal schneller gehen, kann die Priorität einzelner Aufträge hochgestuft werden. Nur so ist es möglich, dass ein Auftrag, der bis 18 Uhr im Lager eintrifft, schon am nächsten Morgen auf der entsprechenden Veranstaltung steht.

Für die Logistik an sich kann JMT auf einen eigenen Fuhrpark zurückgreifen: Vom Caddy bis zum 40-Tonnen-Sattelzug ist alles dabei. Sollte das einmal nicht ausreichen, bedient man sich externer Speditionen und Kuriere, die auch gerne mal in der Nacht losfahren, damit die Mietmöbel pünktlich beim Kunden eintreffen. In Hochzeiten sind 80 Mitarbeiter im JMT-Lager in Hilden tätig. Diese arbeiten dann in einem Zwei-Schicht-System, um einen Zeitrahmen von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends abdecken zu können.

Plattenhebeanlage bei JMT
Sylvia Koch
Für schwerere Artikel wurde eigens eine Plattenhebeanlage angeschafft, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schonen.

Von der Werkstatt bis zur Lackiererei: Inhouse Upcycling bei JMT

Wie die Mietmöbel aus dem Lager rausgehen, ist nun geklärt. Aber wie kommen sie wieder rein? Sobald die Mietzeit eines Auftrags endet, werden die einzelnen Artikel bereits auf dem Messestand bzw. der Veranstaltung sortenrein zusammengepackt, um später effizienter arbeiten zu können. Im Lager angekommen, wird jedes Möbelstück ausgepackt, gereinigt und gesichtet, ob es eventuell beschädigt oder defekt ist. Die Reinigung erfolgt dabei hauptsächlich manuell. Für schwerere Gegenstände kommen jedoch auch technische Hilfsmittel, wie beispielsweise eine Plattenhebeanlage, zum Einsatz. Reicht es bei einem Artikel nicht aus, ihn nur zu reinigen, wird der beschädigte Artikel in die hauseigene Werkstatt gebracht und repariert. Neben der Werkstatt verfügt JMT zudem über eine Polsterei, eine Schreinerei und eine Lackiererei. Auch Extrawünsche der Kunden werden hier entgegengenommen: Ist beispielsweise ein Tisch nur in Weiß verfügbar, aber in Blau gewünscht, können Artikel kurzerhand umlackiert werden. Nach der Oberflächenbearbeitung werden die Artikel dazu in einen separaten Lackierraum gebracht, dessen Temperatur nach Bedarf erhöht werden kann, um die gewohnte Trocknungszeit des Lacks auf zehn bis zwanzig Minuten zu verkürzen.

Sobald der Artikel wieder bereit für den nächsten Auftrag ist, wird er verpackt, an einem Übergabeort von einem Gabelstapler abgeholt und in einem freien Regalplatz abgeliefert. Dort bleibt er solange, bis es wieder Zeit ist für den nächsten Einsatz …

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