Glossar: Zuständigkeiten in der Veranstaltungstechnik

Wer darf eigentlich was in der Veranstaltungstechnik?

„COMPLIANCE!“, ruft der Kunde und verlangt allerlei Mögliches und schwer Mögliches von den zu beauftragenden Dienstleistern und Partnern einer Veranstaltung. In den Ausschreibungstexten wird zusätzlich viel gefordert und auf allerlei Normen, Regelwerke und „Stand der Technik“ verwiesen. Kaum wurden die Unterschriften gesetzt, wird nicht mehr kontrolliert, und oft weiß der Kunde offenbar auch nicht, welche Funktionen, Qualifikationen und Personen wirklich erforderlich sind, damit er seiner Auswahl- und vor allem Kontrollverantwortung nachkommen kann. Denn blind einer Unterschrift zu glauben, ohne das Geforderte zu kontrollieren, kann im Ernstfall problematisch werden…

Mann hängt Lichterkette auf
(Bild: Winternitz / pixelio.de)

Wie sagte einmal ein Richter auf die Frage: „Muss ich mir denn von meinem Subunternehmer und dessen Sub usw. die Nachweise zeigen lassen?“ – „Das wäre schon mal ein Anfang!“ Ein Nicht-prüfen der durch die jeweiligen Regelwerke vorgesehenen Qualifikationen und Tätigkeiten kann im Ernstfall zu Sach- oder gar Personenschäden und entsprechenden Konsequenzen führen.

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Zur einfachen Übersicht haben wir nachfolgend ein kleines und übersichtliches Glossar mit Begriffen zusammengestellt, hinter denen die erforderlichen Qualifikationen aufgeführt und ggf. kurz erläutert werden:

 

Befähigte Person
Befähigung durch: Berufsausbildung, Berufserfahrung und zeitnahe berufliche Tätigkeit. Weiterbildungspflicht für befähigte Personen!

CAD-zeichnen und statisch planen
Beim Zeichnen und Planen setzt der VDI in der Richtlinie 6201, Blatt 1 voraus, dass für statische Planung erforderliche Qualifikationen beim Anwender der Software vorhanden sind. Die Ergebnisse bedürfen einer Bewertung durch erfahrene und qualifizierte Ingenieure oder Personen mit vergleichbarer Qualifikation.

Gerüstbau
Fachkundige und befähigte Person im Gerüstbau nach Besuch entsprechender Ausbildungen.

Hubarbeitsbühnen
Bedienung nur nach Qualifizierung und gesonderter Beauftragung. Die Personen in der Arbeitsbühne müssen sich mit einem Rückhaltesystem im Korb sichern.

Koordinator/SiGeKo
Zwei Begriffe, die oft durcheinandergebracht werden. Es besteht nach ArbSchG Koordinationspflicht, sobald Beschäftigte von mindestens zwei Arbeitgebern auf einer Produktion zusammenarbeiten. Es besteht keine Ausbildungserfordernis des Koordinators. Bei möglicher gegenseitiger Gefährdung und auch bei gefährlichen Arbeiten (z. B. Arbeiten mit Absturzgefahr) ist ein extra Koordinator gefordert.

Der SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator) kommt nur bei Anwendung der Baustellenverordnung zum Einsatz. Hier ist eine zweiwöchige Ausbildung Pflicht.

Laser
Ein Laserschutzbeauftragter muss anwesend sein, die Anlage einrichten und während des Betriebs auf die Einhaltung der Sicherheitsauflagen und Einstellungen achten.

Leitung und Aufsicht bei Auf- und Abbau
Die Leitung und Aufsicht der Arbeiten in Veranstaltungs- und Produktionsstätten muss nach DGUV Vorschrift 17 je nach Gefährdungsgrad durch Bühnen- und Studiofachkräfte, also Fachkräfte für Veranstaltungstechnik bis zu Meistern stattfinden. Vor Gastspielen (im eigenen Haus) oder Nutzung der Veranstaltungs- oder Produktionsstätten durch Dritte muss die Zuständigkeit hinsichtlich Leitung und Aufsicht festgelegt werden.

Pyrotechnik
Effekte der Klassen T2, F3, F4, S2 dürfen nur von Befähigungsscheininhabern nach SprengG gezündet werden. Die Effekte müssen zudem eine Prüfnummer der Bundesanstalt für Materialprüfung haben. Die Qualifikation ist nachzuweisen.

Rigging
Für die Ausführung von Rigging-Tätigkeiten sind umfangreiche Kenntnisse notwendig, die im igvw-Qualifikationsstandard SQ Q2 definiert sind. Für einfache Tätigkeiten wie Montage und Anschlagen von Lasten ist die Ausbildung nach Level 1 nötig, für Tätig keiten wie Leitung und Aufsicht im Rigging, Erstellen von Anschlagpunkten, Systemauswahl Arbeitsmittel und Gefährdungsbeurteilung das Level 2 und für komplexe Riggingprojekte (Planung, Gefährdungsbeurteilungen und Führung von Mitarbeitern) das Level 3.

Stapler/Teleskopstapler
Bedienung nur nach Qualifizierung und gesonderter Beauftragung. Für den Teleskopstapler ist seit Anfang 2016 eine gesonderte, eintägige Zusatzausbildung erforderlich, und sollte der Teleskop noch einen drehbaren Oberwagen haben, ist ein weiterer Schulungstag erforderlich, da die Maschine dann ein Kran ist.

Auf öffentlichen Wegen benötigt der Fahrer den passenden PKW- oder sogar LKW-Führerschein gemäß zulässigem Gesamt gewicht. Klasse B reicht ab 3,5 t nicht mehr!

Strom
Hier ist eine Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik (EFK) erforderlich. Diese muss die zur Verfügung gestellten Speisepunkte vor Benutzen prüfen und nach Errichten der mobilen elektrischen Anlage diese messen und prüfen. Alle elektrischen Betriebsmittel (Kabel, Verteiler, Geräte usw.) müssen regelmäßig von einer EFK geprüft werden.

Verantwortlicher für Veranstaltungstechnik (VfV)
Ein Meister für Veranstaltungstechnik ist nach VStättVO bei mehr als 200 m2 Szenenfläche gefordert, eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik von 50 m2 bis 199 m2 . Diese Person muss Auf-, Ab- und Umbauten, Proben, Veranstaltungen und Wartungsarbeiten leiten und beaufsichtigen. Sie muss Sicherheit und Funktionsfähigkeit der Veranstaltungs- und sicherheitstechnischen Einrichtungen gewährleisten. Der VfV ist eine Funktion, die der Betreiber sicherstellen muss.

Zeltbau
Sachkundiger im Zeltbau mit von der Berufsgenossenschaft an erkanntem Ausbildungsnachweis.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Koordinator/SiGeKo
    Hier bin Ich sehr daran interessiert, wieviel Koordinatoren man benötigt, wenn da mindestens Zwei aber schon mal 18 Arbeitgeber gleichzeitig tätig sind.

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  2. Es gibt viel zu wenige Nachrichten über Mängel in der Durchführung von Veranstaltungen…Das muss nicht teuer werden….nur gut geplant….A.E..A.Zi

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  3. Schöner Artikel zum Einstieg in die VT-Sicherheit. Gibt es in diesem Zusammenhang auch tiefergehende Betrachtungen betreffend die Gewerke Beleuchtung, Beschallung, Video etc. .. ? Falco Zanini?

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    1. Hallo Ado,

      leider habe ich heute erst Deinen Kommentar gesehen. Vielen Dank für Deine Anregung. Ich werde das gerne mit dem EP besprechen und mal schauen, was ich noch dazu schreiben kann. Für konkrete Fragen bin dankbar.

      Viele Grüße, Falco Zanini

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  4. Ein sehr schönes Beispiel für maßlos überzogene Regulierung. Ich besitze einen Führerschein, der auch selbstfahrende Arbeitsmaschinen beinhaltet. Ich besitze einen Flurförderschein, darf also Gabelstapler fahren. Nun muss ich für Hubbühnen noch einen separaten Schein haben, ebenso für Teleskopstapler… Wenn es danach geht, bin ich ja nur noch auf Lehrgängen, zumal man die Dinger jedes Jahr neu machen muss, und komme nicht mehr zum Arbeiten. Und dann enthält die Regelung mit dem Sichern im Korb der Hubbühne einen wesentlichen Fehler: Im Falle, dass so eine Hubbühne wirklich mal umfällt, ist das angurten darin unter Umständen tödlich. Ich stürze mit dem Ding um, und kann nichts machen. Andernfalls könnte ich mich ja vielleicht irgendwo an einer Traverse, Mauer oder sonstigem festhalten und nicht mit abstürzen. Oder noch rechtzeitig abspringen, bevor es mich mit voller Wucht auf den Boden haut und das Gestänge des Korbes mir schwerere Verletzungen zufügt…. Genau die Diskussion hatten wir jetzt auf einer Grossbaustelle. Der dortige Sicherheitsbeauftragte war der selben Meinung und hat das Sichern im Korb untersagt.

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    1. Gerne gehe ich auf diesen Kommentar ein, um mit einigen Missverständnissen aufzuräumen. Der Ausbildungsgrundsatz für Staplerfahrer, der schon sehr alte DGUV Grundsatz 308-001, hat immer schon drei Ausbildungsstufen in Punkt 3 gekannt. Der salopp “Staplerschein” genannte Ausbildungsteil ist die Stufe 1. In der Stufe 2 wird eine Zusatzausbildung z.B. für Fahrer von Teleskopstaplern ausdrücklich genannt. Das hat nur niemanden interessiert und die Teleskopstapler wurden immer beliebter aber nicht ungefährlicher. Deswegen hat die DGUV und auch die Behörden anderer Staaten die Notbremse gezogen und einen neuen DGUV Grundsatz 308-009 für die Ausbildung der Teleskopstaplerfahrer eingeführt. Es ist übrigens NICHT richtig, dass die Ausbildugn jedes Jahr neu gemacht werden muss. Der den Fahrer einsetzende Unternehmer muss mindestens jährlich eine Unterweisung durchführen und einen Fahrauftrag erteilen. Die Unterweisung beschränkt sich in der Regel auf die übllichen Gefahren und Schutzmaßnahmen und sollte nicht länger als eine halbe Stunde betragen. Die Bildugnsträger verkaufen natürlich gerne die eintägigen Auffrischungsschulungen. Gleiches gilt für die Bediener von Hubarbeitsbühnen. Hier schreibt nur die IPAF für ihre PAL-Card eine Auffrischung ALLE 5 Jahre vor. Allerdigns ist auch hier jährlich eine Unterweisung und Beauftragung fällig. Was die Gefahr des Umstürzens/rausgeschleudert werdens aus dem Korb einer HAB angeht, kommt es darauf an, die richtige PSA zu verwenden. Hier ist eben NICHT eine normale PSA gegen Absturz zu verwenden, sondern ein Rückhaltesystem ähnlich einem Höhensicherungsgerät, wie in der DIN EN 280 vorgeschrieben. Hier gibt es besonders kleine Geräte schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Das Tragen dieser Rückhaltesysteme sollte übrigens die logische Konsequenz einer Gefährdungsbeurteilung des Unternehmers sein.

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    2. Und schon von Anfang an vermischt du einige Dinge, die nichts miteinander zu tun haben…
      Die Klasse L des gesetzlich vorgeschriebenen Führerscheins berechtigt dich zum Führen dieser Fahrzeuge auf öffentlichen Geländen.

      Alle weiteren, von dir angesprochenen, Scheine, sind dchon einmal nicht gesetzlich vorgeschrieben.
      Generell kann dir niemand untersagen, dass du diese Fahrzeuge irgendwo führst, solange es in deiner eigenen Verantwortung liegt (noch einmal:Es gibt kein Gesetz, das diese Scheine vorschreibt, wie z.B. den Flurförderschein). Hier ist allerdings dann der Punkt erreicht, an dem du nicht die alleinige Verantwortung trägst, weswegen du sie eben doch nicht führen darfst, solange du den notwendigen Befähigungsschein nicht erstanden hast.
      (Außerdem ist der Flurförderschein kein Befähigungsnachweis für Gabelstapler, sondern allgemein für Flurförderzeuge, unter die noch andere Dinge fallen)

      Ich habe in den letzten Jahren die Entwicklung nicht mehr ganz verfolgt, allerdings könntest du auch einen ganz anderen “Schein” machen, da dieser, meines Wissens, nicht an eine jährliche Nachunterweisung gebunden ist.

      Wenn du außerdem bei den maximal 3 Tagen schon Probleme hast, dann hoffe ich, dass du auf diesem Level bleibst, denn denk einmal darüber nach, dass bei Führerscheinklasse C und D schon alle 5 Jahre 5 Tage Nachschulung und eine arbeitsmedizinische Untersuchung sogar gesetzlich vorgeschrieben werden. (Solange du diese Führerscheinklassen für gewerbliches Fahren nutzen möchtest)
      Dann die jährliche Sicherheitsunterweisung und jede weitere Unterweisung auf neue Fahrzeuge, wie Flurförderzeuge jeglicher Art oder jede weitere Art an Hubarbeitsbühnen, deren Befähigungsnachweis nicht erst seit gestern zu erbringen ist… (für die Verantwortungsstellen und den Versicherungsschutz)…

      Ich setze mich im Übrigen stark dafür ein, dass die Nachschulungen, die gesetzlich gefordert werden, auch auf Klasse B und A erweitert werden, dazu ebenfall jeweils eine Abschlussprüfung der Nachschulung mit inbegriffen ist und sämtliche Fußgänger und Radfahrer einen Führerschein machen müssen (der für diese beiden Fälle staatlich finanziert ist), um sie, der Chancengleichheit und Umgangsweise wegen, wie Führerscheininhaber belangen zu können.

      Wenn du dich also über die 3 Nachweise beschwerst, dann scheinst du das ganze zum einen selbständig auszuführen – was dann noch ganz andere Problematiken aufwirft – und zum anderen nicht gerade sehr oft in einem Jahr. Hier ist dann die Frage, ob die praktische Erfahrung ausreichend ist oder eine Verlängerung überhaupt sinnvoll.
      Im unwahrscheinlichen anderen Fall ist es doch schön, dass der Arbeitgeber dafür sorgt, dass du die Schulungen bekommst und du kannst 3 Tage etwas entspannen, wenn du denn ohnehin weißt, wie es richtig ist – so wie ich.

      Also?

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