Zukunftstechnologien in narrativen Räumen

Eventtechnik: Was uns die Zukunft (vielleicht) bringt

Immer neue Technologien erobern den Markt und immer wieder stellt sich die Frage: Was wird sich am Ende durchsetzen? Unser Autor Andreas Horbelt hat sich in das Jahr 2020 versetzt und beschreibt, wie Ausstellungsräume der Zukunft aussehen könnten. Eine Prognose.

Hologramm(Bild: Pixabay.com)

1. Ausstellungserlebnisse werden persönlich. Sehr persönlich.

Die Individualisierung des Internets hat unseren Zugang zur Welt komplett verändert: Die Algorithmen von Google, Spotify oder Netflix sortieren Informationen und Angebote individuell nach unseren Interessen. Alles ist individuell auf uns zugeschnitten. Was heute virtuellen Räumen vorbehalten ist, wird in Zukunft auch reale Räume prägen. Sie werden intelligent und lernen aus unserem Interaktionsverhalten. Während narrative Räume früher statisch und unveränderlich waren, wird sich in Zukunft die Art, wie wir in Ausstellungen erzählen, grundsätzlich verändern. Inhalte können sich in Echtzeit an die Interessen ihrer Rezipienten anpassen, die narrativen Räume der Zukunft sind veränderlich und lebendig. Ausstellungsmachern beschert das neue, machtvolle narrative Möglichkeiten – und große Verantwortung, sie entsprechend einzusetzen.

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2. Besucher werden zu Co-Kuratoren. Sie sind die Ausstellung.

Ein Trend der letzten Jahre wird durch diese neuen technologischen Möglichkeiten weiter verstärkt: Narrative Räume der Zukunft sind nicht länger passiv, sie verändern sich mit ihren Besuchern und lassen sie aktiv Teil der Ausstellung werden. Besucher hinterlassen (digitale) Spuren. Im Kleinen wie im Großen. Sie teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen Besuchern, hinterlassen Ideen oder begleiten komplette Projekte. Sie helfen bei der Erarbeitung und der Entwicklung von Ausstellungen. Das schafft neue Einblicke, erweitert die Perspektiven, erhöht die Relevanz und erhöht die Identifikation: Alle haben Anteil an der Ausstellung.

3.Technologie wird immer unsichtbarer, Räume immer intelligenter.

Langfristig wird Technologie nahezu unsichtbar. Es gibt nicht länger die Notwendigkeit, ein Gerät mit sich herum zu tragen oder einzelne Geräte im Raum zu verteilen. Bildschirme, Knöpfe, Kabel und Handhelds sind Vergangenheit, wenn Räume als Ganzes intelligent und interaktiv werden. 2020 wird es noch viel sichtbare Technologie geben, aber auch immer mehr unsichtbare: Basierend auf Technologien wie Indoor Tracking, Gesichtserkennung, RFID, IoT, Big Data Analysen und Live Render Technologien und ihrer intelligenten – und verantwortungsvollen – Verknüpfung und Nutzung interagieren wir nicht länger mit Geräten, wir interagieren mit Räumen als Ganzes. Das ermöglicht neue, überraschende Ausstellungskonzepte, die den Raum selbst zum Erzähler und Dialogpartner machen.

4. Alles wird „augmented“. Alles.

Augmented Reality wird eine Standard-Technologie des Alltags – und damit auch in Ausstellungen. Neue Generationen von AR-Brillen kombiniert mit neuen, superschnellen Network-Standards (5G) werden die Erweiterung weiter Lebensbereiche mit überraschenden, digitalen Schichten vorantreiben. Dabei entscheidend: Eine weitgehende Standardisierung, die es vereinfacht, die Technologie in ihrer vollen Bandbreite zu nutzen. Pokémon Go hat gezeigt, wie man den Globus in ein Spielbrett verwandelt. Zukünftige Technologie-Generationen werden noch präziser funktionieren, und das auch in Innenräumen: Ein perfektes Tool für Ausstellungsentwickler.

5. Virtual Reality wird narrativer Standard.

2020 wird VR ein Standard-Medium in Ausstellungsumgebungen sein. Ideal, um Menschen in andere Welten oder fantastische Umgebungen zu versetzen, von Micro zu Makro, in die Steinzeit oder auch nur hinter die nächste Wand. Neue Headset-Generationen verfügen über bessere Qualität und Auflösung und bieten neue Lösungen zur Interaktion der VR-Welt mit dem eigenen Körper, so dass tatsächlich immersive Erlebnisse möglich werden. Die Technologie wird einfacher und günstiger – und damit auch für Ausstellungen immer einfacher einzusetzen.

Virtual Reality (Bild: Pixabay.com)

6. Volle Immersion wird Wirklichkeit. Willkommen im Holodeck.

Neben der Verbesserung von Headsets und Brillen spielt Immersion auch als Konzept für gesamte Räume eine immer wichtigere Rolle. Immer bessere Projektoren, realitätsechtes Audio und Live Render Tools erlauben es, ganze Gruppen in immersiv gestaltete und interaktive Welten mitzunehmen. Auch hier verlagert sich die Technologie vom Gadget in den Raum. Filmreife 360° Holodecks stehen vor der Tür!

7. Das Internet of Things bringt die Welt ins Museum.

Im Verlauf der nächsten Jahre werden die meisten Dinge, die uns umgeben, intelligent. Alles kann Teil des Internet of Things werden. IoT kann die Spielflächen von Ausstellungen erweitern: Es unterstützt die Emanzipation des Raums als intelligenten Erzähler, lässt aber vor allem Besucher Geschehnisse beobachten und steuern, die außerhalb der Ausstellung stattfinden. In Kombination mit Big Data Analysen lassen sich komplexe Prozesse in neuer, überraschender Einfachheit illustrieren und erleben. IoT und Big Data als komplementäre Tools sind in der Lage, vielfältige Verbindungen zwischen dem Ausstellungsraum und der Außenwelt zu kreieren.

8. Unterhaltung auf Augenhöhe. Frag Deine künstliche Intelligenz!

Die AI-Technologie hat sich in den letzten Jahren dramatisch weiterentwickelt. Museen und Ausstellungen können AI auf unterschiedliche Weise einsetzen: Sammlungen und Archive werden auf völlig neue Weise verfügbar, indem Daten von Künstlichen Intelligenzen ausgewertet und bereitgestellt werden. Außerdem wird AI eine wichtige Rolle bei der Führung von Besuchern durch Museen und Ausstellungen spielen, erste Experimente in diese Richtung gibt es bereits. Audioguides und andere Besucherführungssysteme werden dialogisch und gehen individuell auf die Bedürfnisse und Interessen der Besucher ein.

9. Robotik erobert sich neue Räume.

Aktuell gibt es die ersten Roboter, die ohne jedweden Schutz mit Menschen zusammenarbeiten dürfen. Hochwertige Sensorik und intelligente Steuerung machen es möglich. Zunächst für Produktion und Lager entwickelt, sind jetzt die ersten Roboter im Kunstkontext, auf Veranstaltungen und in Museen zu sehen. 2020 werden Roboter als Moderatoren und Erzähler genauso wie als interaktive, kinetische Elemente der Rauminszenierung deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Dabei sind, nach statischen Robotern, mobile Roboter und Drohnen der nächste Schritt.

10. Alles digital? Keine Chance.

Zwischen all diesen digitalen und virtuellen Technologien wird die Realität immer wichtiger werden. Museen und Ausstellungen sind in allererster Linie reale, sinnlich erfahrbare Räume mit authentischen, auratischen Objekten. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Digitale Technologien und Narrationen erweitern und unterstützen, entscheidend aber bleibt die Realität. Umfangreiche Szenographien, mitreißende Geschichten und sinnliche Erfahrungen bleiben das stärkste Mittel, um Menschen zu erreichen und sich in ihrer Erinnerung zu verankern. Reale Erfahrungen und Objekte strahlen umso heller, je digitaler unser tägliches Leben wird. Kurz gesagt: Eine überzeugende Ausstellung wird immer eine Kombination aus analogen und digitalen Aspekten sein, die den Besuchern Freude und Faszination bringt.

Laptop(Bild: Pixabay.com)

 



 

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