Technology meets Design

Die besten Rednerpult Mikrofone

Rednerpult-Mikrofone sind ein Stiefkind des Bühnendesigns. Die Architekten und Stage-Designer verlassen sich hierbei meistens auf die Technikverleiher. Inzwischen gibt es jedoch eine ganze Anzahl von einsetzbaren Mikros, deren Vorzüge nicht nur in den tontechnischen Daten stecken.

Diese Art Mikrofone sind technisch aufwändiger, also in der Regel auch teurer. Aber dafür liefern sie das Signal schneller und detailreicher, und wurden lange Zeit bevorzugt in Tonstudios benutzt. Das Prinzip geht auf den Berliner Pionier Georg Neumann zurück. Durch den Weltkrieg und den kalten Krieg hindurch entstanden mit Neumanns Können zwei Firmen, eine in Thüringen, die heute Microtech Gefell heißt und die Treuhand überlebte, sowie die Georg Neumann GmbH, die heute zu Sennheiser (bei Hannover) gehört. Fritz Sennheiser war dann auch ein weiterer deutscher Mikrofon-Pionier.

Neumanns „Flasche“, das erste Großmembrankondensatormikrofon, wurde durch die Wochenschauen von Olympia berühmt. Kleiner wurden die Kondensator-Mikrofone erst viel später. Daran war die Firma Schoeps in Durlach nicht ganz unschuldig. Schaut man sich den Markt für hochwertige Mikrofone genau an, so stellt man fest, dass deutsche Ingenieurskunst immer noch auf der ganzen Welt gefragt ist. Deutschland ist eben nicht nur ein Automobilland. Und die Weltmarktbestücker sind alles mittelständische Firmen, die Standards gesetzt haben und ihre Innovationskraft immer noch als Trumpfkarte gegen die Billigkonkurrenz aus Fernost ausspielen.

American Retro, auch mit deutschen inneren Werten

Bei den amerikanischen Präsidenten ist übrigens – man wundert sich nicht wirklich – mit dem Shure SM57 ein amerikanisches Produkt und ein fast fünf Jahrzehnte alter unverwüstlicher Klassiker in Gebrauch, meist im Dreierpack gebündelt. Bei uns wird es zumeist für Elektrogitarren und Snares verwendet. Die Brüder Simon und Samuel Shure bauten auch das bekannte Elvis-Mikro, dass es – wenn auch überarbeitet – immer noch gibt. Das 55 SH eignet sich auch als Rednermikro, allerdings sollte der Redner dann, wie bei allen dynamischen Mikros, möglichst nah rangehen.

Ebenfalls aus den USA kommen dynamische Mikrofone der Firma Heil, die bei uns eher als Exoten gelten, aber durchaus ein Geheimtipp unter Tontechnikern sind. „Fin“, die Flosse, leuchtet gleich in mehreren Farbvarianten. Ein weiterer Anbieter mit modernen Retrolook-Mikrofonen ist die Firma Electro-Voice, die mittlerweile zu Bosch Communications gehört, mit dem Raven (dynamisch) und dem Cardinal (Kondensator), bei denen Holz als Gehäusewerkstoff dient.

Heil Fin und Electro-Voice Cardinal
Heil Fin und Electro-Voice Cardinal

Kondensatormikros als Rednerpult-Mikrofone – vor allem kleinmembranige – haben den Vorzug, dass man mit dem Mund nicht so nah ran muss und sie auch außerhalb der direkten Einsprechrichtung ziemlich exakt die Stimme abbilden. Sie sind nach hinten besser gedämpft als Großmembrankondensator-Mikrofone, die natürlich auch den Nachteil haben, das Bild des Redners zu dominieren. Kleinmembrankondensator-Mikrofone sind deshalb als Redner-Mikrofone sehr beliebt. Das Sennheiser ME 36, von vielen liebevoll Möhrchen genannt, wird gerne von der deutschen Kanzlerin besprochen.

Das ehrliche Arbeitstier ist in Weiß, Grau oder Schwarz zu haben. Es hatte zeitweilig auch die Mikrofone von Schoeps in einigen Fernsehstudios verdrängt, in denen Letztere aufgrund ihrer Zuverlässigkeit, den inneren Werten, gepaart mit ihrer optischen Unauffälligkeit beliebt waren und noch immer sind.

Einen besonderen Trick hat sich die amerikanische Firma AEA ausgedacht. Sie ist Spezialist für Nachbauten klassischer amerikanischer Bändchenmikros (auch eine Art der dynamischen Spezies), die immer noch gerne in Tonstudios eingesetzt werden. Sie haben ein Gehäuse im Retrolook dieser recht großen „Trümmer“ gebaut, in dem man ein schlankes, seitlich besprochenes Schoeps-Mikrofon verbergen kann. Das klingt dann modern und ist auch so zu handhaben, sieht aber aus wie in den frühen Fernsehstudios der USA.

Neuheiten aus der Feinkostabteilung von Tontechnik und Design

Einen ganz anderen Weg ist Microtech Gefell mit dem Ebenen- oder Line-Array-Mikro KEM 970 gegangen. Dieses ist vom Rednerpult des Bundestages bekannt. Unter der designpreisausgezeichneten Hülle verbirgt sich ebenfalls ein Innenleben, das beim ersten Blick nicht zu erwarten wäre. Die Thüringer Ingenieure haben acht Kleinmembrankondensatorkapseln in Reihe montiert. Das Mikrofon hat damit einen horizontalen Erfassungswinkel von satten 120 Grad, in der vertikalen Ebene von 30 Grad. Mittlerweile gibt es nicht nur einen Nachfolger KEM 975 für die vertikale Abnahme, sondern mit dem PEM 975 einen Zwillingsbruder für die horizontale Nutzung am Pult.

Bei den bekannten tontechnischen Vorzügen des „Rolls Royce am Rednerpult“, kommt der optische Vorteil hinzu, dass das Mikrofon fast unsichtbar ist, Rednern aber viel Spielraum lässt, das Publikum wie auch Kameras beliebig heftig anzuflirten. Das Schoeps Kompakt-Mikrofon CCM4 gibt es auch schon auf Wunsch in verschiedenen Farbgebungen, allerdings ist den Süddeutschen mit dem Studiomikro V4 U ein noch größerer Coup gelungen.

Das Mikrofon im Schoeps-Retrodesign der Fünfziger (serienmäßig in zwei Farben erhältlich), hat ein sehr modernes Innenleben. Es ist nicht nur im Tonstudio für Sprech- und andere Vocalanwendungen ebenso brillant wie der dortige Studiostandard Neumann U 87, sondern auch für die Event- wie Musikbühne sehr gut nutzbar. Mit einer Ringscheibe um die im Durchmesser 12 Millimeter kleine Kapsel erreichten die Schoeps-Entwickler die vom menschlichen Ohr als angenehm empfundenen Schallverbiegungen eines Großmembrankondensator-Mikros, ohne auf all die Vorzüge einer kleinen Membran bzw. Kapsel verzichten zu müssen. Der Raum bleibt wunderbar dezent, wird fast ausgeblendet. Trotzdem hat die Person davor eine große Bewegungsfreiheit.

Das Mikrofon ist auch gegen elektromagnetische Einstrahlungen geschützt, die in Event-Räumen mit all ihrer heutigen Technik nicht auszuschließen sind. Die Kapsel ist intern elastisch gelagert, was diese auch ohne sogenannte Spinne vom Trittschall oder Körperschall entkoppelt – ein Designvorteil. Das Signal ist ohne große Verbiegungen am Equalizer brillant – vorausgesetzt die Schallwandler namens Lautsprecher am anderen Ende der Verarbeitungskette sind auch von entsprechender Güte. Das ist aber bei heutigen Events meistens so gegeben. Auch der geschliffenste Redner ist von der Technik abhängig, wenn er ein (großes) Publikum erreichen will.

Bei der Vermittlung der gewünschten Botschaften sollte der geneigte Eventplaner nicht immer auf die bequemste oder billigste Lösung setzen. Auge wie Ohr haben das verdient. Sind wir doch ehrlich, die Mietkosten für hochwertige, schicke Mikros sind bei den heutigen Technikbudgets echte Peanuts, sie erfordern nur das Wissen um ihre Existenz. Eine echte kreative Leistung entsteht erst durch das konsequente Kümmern um solche Details.

 

Aber welches Mikro setze ich wo ein, sollte es sich nicht um eine klassische Rednerpult-Situation handeln? Nützliche Mikrofonierungstipps für viele Anwendungen von Mikrofonen finden Sie bei den Kollegen von PRODUCTION PARTNER.

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