Nach Weihnachten ist vor Weihnachten

Was bedeutet das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel?

Für viele Einzelhändler ist es Realität: Kurz nach Weihnachten sind sie schon wieder auf Messen wie der Christmasworld oder der Tendence aktiv, holen sich dort die neuesten Ideen und ordern direkt für das nächste Weihnachtsgeschäft. Welche Bedeutung das für den Einzelhandel hat, der seine Produkte stationär im Ladengeschäft, auf Märkten oder im Versandhandel und E-Commerce vertreibt, zeigt eine Studie zur Messe Tendence.

Weihnachtsgeschäft auf der Tendence
(Bild: Thomas Fedra / Tendence)

Der besagte Managementreport der Messe Frankfurt läuft unter dem Titel „Oh du fröhliche… Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für den deutschen Einzelhandel“, herausgegeben anlässlich der Tendence 2016, der internationalen Konsumgütermesse rund um die Themen Wohnen und Schenken. Die Studie wurde vom Institut für Handelsforschung Köln (IFH Retail Consultants) im Auftrag der Messe Frankfurt erstellt und beschäftigt sich mit Fragen wie: Ab wann sehen wir eigentlich die erste weihnachtliche Dekoration? Schon im September? Wie wichtig ist das Weihnachtsgeschäft wirklich für den deutschen Einzelhandel? Und hat es sich verändert über die letzten Jahre? Befragt wurden insgesamt 240 Unternehmen aus sieben unterschiedlichen Einzelhandelsbranchen: GPK-Fachhandel, Möbel-, Elektrofach-, Lederwarenfachhandel, Gartencenter, Kaufhäuser, Uhren- und Schmuckfachhandel. Bei gut 70 % der Befragten handelt es sich um Einzelgeschäfte, bei knapp 30 % um filialisierte Unternehmen.

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Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

• Anteil des Weihnachtsumsatzes am Jahresgeschäft geht tendenziell zurück
Obwohl die Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts als Wirtschaftsfaktor im Handel außerordentlich hoch ist, verliert das Fest aufs Jahr gesehen prozentual an Bedeutung. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 472,4 Milliarden Euro im Einzelhandel umgesetzt, wovon 87,2 Milliarden Euro, das sind 18,5 %, in den Monaten November und Dezember ausgegeben wurden, Tendenz abnehmend.

• Weihnachtsgeschäft stark branchenabhängig
60 % der befragten Fachhändler sind der Meinung, dass sich der Startpunkt des Weihnachtsgeschäfts nicht verändert hat. Die Mehrheit der Händler gibt an, dass es weiterhin von der zweiten Novemberhälfte bis zur zweiten Dezemberhälfte stattfindet. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass in einzelnen Branchen das Weihnachtsgeschäft sehr wohl später beginnt.

• Messen wichtigste Informationsquelle für den Handel
Auf der Suche nach den angesagten Trends und Neuheiten der Saison sind (Fach-)Messen für den Handel die wichtigste Informationsquelle. Den höchsten Wert erreicht der GPK-Fachhandel. Hier sprechen sich 9 von 10 Händlern dafür aus.

• Nur knapp ein Viertel nutzt Online-Vertrieb als Umsatztreiber
Lediglich 24,2 % der befragten Händler vertreiben ihre Produkte auch online. Der Elektrofachhandel ist in diesem Bereich mit 63,3 % der Spitzenreiter. Die Händler sind mehrheitlich überzeugt: Der Online-Anteil am Weihnachtsgeschäft hat grundsätzlich eine wachsende Bedeutung.

• Weihnachtsdekoration ist der Schlüssel zum Umsatz
82 % der Fachhändler sind sich einig: Die Dekoration ist in der Vorweihnachtszeit das wichtigste Instrument, um auf das Produktsortiment aufmerksam zu machen. 7 % der Befragten nutzen dieses Instrument nicht.

• Gesamtes Produktportfolio kann vom Weihnachtshype profitieren
Nicht nur Artikel, die in die Weihnachtszeit passen, werden in der Vorweihnachtszeit gekauft. 30 % der befragten Unternehmen stellen signifikante Cross-Selling-Effekte für ihr ganzes Portfolio fest.

 

Obwohl der Anteil des Weihnachtsumsatzes am Jahresgeschäft tendenziell zurückgeht, boomt das Weihnachtsgeschäft, so Philipp Ferger, Group Show Director Tendence: „Gerade für den kleinen Einzelhandel, ist es ein sehr wichtiger Umsatzfaktor und auch weiterhin von großer Bedeutung. Auf der Tendence machen sich genau diese Händler fit fürs Weihnachtsgeschäft und stellen ihre Sortimente zusammen.“

Weihnachtszeit ist auch Eventzeit, und neben den traditionellen Weihnachtsmärkten finden viele Konzerte, Shows und Feierlichkeiten statt. Dabei sind den Ideen der Agenturen und Veranstalter kaum Grenzen gesetzt: In Berlin beispielsweise gastiert der Weihnachtsmann am Potsdamer Platz mit einer Abseil-Show, in Ulm findet die UNESCO Weihnachtsgala im Ulmer Münster statt und in Köln gibt es die Vagalume, eine Weihnachtslichter-Parade am Rheinauhafen.

Auch die Messebranche ist auf Weihnachten spezialisiert. Einige Messen wenden sich das Jahr über gezielt an Fachbesucher, die rechtzeitig von Neuheiten für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft profitieren. Und in vielen Städten gibt es um die Weihnachtszeit Verbrauchermessen, die mit Geschenken aller Art und Inspirationen kaum Wünsche zum Fest offen lassen

Weihnachten bietet zukünftig weiterhin Potenzial für den Handel, vor allem online, und lässt der Event- und Messebranche Raum für immer neue Ideen – auch wenn es für manchen Kunden trotz aller guten Vorsätze oftmals bedeutet: „Weihnachten kommt immer so plötzlich …“.

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