Zielgruppendurcheinander in Ludwigsburg

Raumwelten: Plattform für Szenografie, Architektur und Medien

Inspirationen. Hintergründe. Neue Trends und Technologien. Raumwelten will das Branchentreffen für all jene sein, die mit Kommunikation im Raum zu tun haben. Und lieferte auch dieses Jahr wieder ein hochkarätiges Programm mit vielen Höhepunkten. Das dennoch einige Enttäuschungen produzierte.

Publikum bei den Raumwelten 2015
Die Raumwelten 2015 boten mehr Potenzial als tatsächlich ausgeschöpft wurde. (Bild: Reiner Pfisterer)

Das Setup ist klar und fein sortiert. Am Donnerstag erörtert Raumwelten Business praxisorientierte Fragestellungen für professionelle Besucher. Am Freitag zeigt Raumwelten Art & Research neue Trends und Technologien. Am Samstag stehen dann die Studierenden im Fokus. Ein strukturierter Ansatz, der leider nur bedingt aufging.

Anzeige

Der erste Tag sollte sich laut Veranstalter vor allem an Firmen und Unternehmen richten, die Anregungen und Know-how für den Umgang mit Kommunikation im Raum suchen. Im Publikum saßen derweil hauptsächlich Agenturvertreter, vermutlich in der Hoffnung, hier potenzielle Neukunden anzutreffen. Diese Hoffnung wurde enttäuscht, genauso wie die Sehnsucht nach wertvollen Inspirationen und anregenden Neuheiten.

Das Programm war, mit wenigen Ausnahmen, zu banal und beliebig, um die Besucher zu begeistern, die präsentierten Technologien und Lösungen repräsentierten vornehmlich einzelne Unternehmen und deren Wissensstand, der Gesamtzusammenhang blieb unklar.

Anregende Diskussionen, aber Begeisterungspotenzial verschenkt
Versöhnlich dagegen der zweite Tag. Im Publikum jetzt vermehrt Studierende, obwohl der Tag sicher auch viele Anregungen und Ideen für das Fachpublikum bereitgehalten hätte. Das erste Panel, kuratiert von Petra Kiedaisch, widmete sich der jungen Disziplin des Retail Design und fragte nach der Zukunft des Verkaufens – und seiner Inszenierung.

Philipp Teufel präsentierte den neuen Düsseldorfer Studiengang Retail Design und dessen erste Arbeitsergebnisse, Tristan Kobler von Holzer Kobler Architekturen beeindruckte mit fast 15 Jahre alten visionären Entwurfspräsentationen, einer gelungenen Analogie von Bebauungsplan und Käseplatte und der Erkenntnis, dass Einkaufen in Shoppingcentern nicht so wichtig sein dürfe. Jan Knikker zeigte detailliert die Entstehungsgeschichte der gefeierten Rotterdamer Markthalle von MVRDV.

Die Vortragenden ergänzten sich, die abschließende Diskussion war offen und bereichernd, insgesamt ein anregendes Plenum, wie auch die beiden anderen zu den Themen Edutainment und Immersive Architektur. Hier ist insbesondere auch der beeindruckende Vortrag von Wolfram Putz von Graft zu erwähnen, der – überraschend für einen Architekten – Geschichtenerzählen zur globalen Währung erhob. Insgesamt waren die Raumwelten damit auch 2015 wieder ein lohnenswertes Besuchsziel.

Für die Zukunft sei die Frage erlaubt, ob eine Gliederung nach Themen nicht deutlich sinnhafter sein könnte als eine nach Zielgruppen. Warum sollten sich Studierende, Kreative und Kunden nicht ein Plenum teilen und sich gegenseitig inspirieren? Eine Weiterentwicklung des Formates scheint jedenfalls angebracht. Das Thema hat mehr Begeisterungspotenzial, als 2015 gehoben wurde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.