Produkt: Architektur und Ausstattung in Recht & Versicherung
Architektur und Ausstattung in Recht & Versicherung
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EVENT PARTNER Umfrage

Problematische Arbeitsbedingungen im Messebau: Ursachen und Lösungen

Messebauer, die ungesichert stundenlang auf einer Leiter in sieben Metern Höhe arbeiten, zweckentfremdete Hubarbeitsbühnen oder Tischkreissägen auf dem Gang, die unbeaufsichtigt weiterlaufen – was EVENT PARTNER Autor und Meister für Veranstaltungstechnik Falco Zanini in seinen über 30 Jahren Berufserfahrung auf deutschen Messen erlebt hat, lässt nicht nur Sicherheitsfanatiker vom Glauben abfallen. Übertrieben oder Realität? Wir haben Sie in unserer nicht repräsentativen EVENT PARTNER Umfrage nach Ihrer Meinung gefragt!

Messe-Messebau-Technik-Event(Bild: Sylvia Koch)

In dem Kommentar „Messebau – wir müssen sprechen“ schildert Falco Zanini seine Erfahrungen zu den Arbeitsbedingungen im Messebau und stößt dabei auf viel Zuspruch. Auch der FAMAB e.V. beteiligt sich mit einem eigenen Artikel an der Diskussion. Einig ist man sich vor allem darüber, dass das Thema Arbeitsschutz auf keinen Fall vernachlässigt werden darf. Doch was ist Ihre Meinung zu den Arbeitsbedingungen im Messebau? Antworten darauf liefert unsere Umfrage. Darin wollten wir nicht nur wissen, was die Ursachen für die problematischen Arbeitsbedingungen sein könnten, sondern auch, wer die Verantwortung dafür trägt und wie die Probleme behoben werden könnten.

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Teilnehmerstruktur

Teilnehmer der Umfrage kamen vor allem aus dem Bereich Veranstaltungstechnik (60,8 %), und Messebau (19,6 %), weitere 9,8 % sind selber als Aussteller auf Messen unterwegs. Dabei sind 25,5 % der Befragten als Geschäftsführer tätig, 51 % arbeiten in leitenden Positionen, wie z.B. dem Projektmanagement. Etwas mehr als 20 % der Umfrageteilnehmer sind als Angestellte oder Freelancer beschäftigt.

47,1 % sind dabei an sieben oder mehr Messen im Jahr beteiligt, 27,5 % an vier bis sechs und weitere 25,5 % an ein bis drei Messen. 64,7 % der Befragten sind hier bei Messen in Deutschland involviert, 52,9 % auch bei Messen innerhalb der EU und 9,8 % bei Messen außerhalb der EU, wie etwa in den USA, Russland oder dem asiatischen Raum. Insgesamt haben 51 Personen an der Umfrage teilgenommen.

In welchem Bereich sind Sie tatig_ - kreisdiagramm(Bild: Survio)

Ursachen

Gefragt nach den Ursachen für die problematischen Arbeitsbedingungen im deutschen Messebau bewerten 60 % der Teilnehmer das Lohndumping als sehr problematisch, weitere 51 % der Befragten nehmen die geringe Aufbauzeit als äußerst kritisch war. Ebenfalls als sehr schwierig schätzen die Umfrageteilnehmer die zu geringe Kontrolle der Messegesellschaften (51 %) ein. Auch die unübersichtliche Lage bzw. Logistik-Probleme vor Ort (60,7 %), die Vorbereitung bzw. Einweisung vor Ort (54,9 %) und das ungeschulte Personal (72,6 %) wird von den Befragten als problematisch bzw. sehr problematisch wahrgenommen.

Wenig bis nicht kritisch scheint hingegen die zum Teil unklare Formulierung in der Gesetzgebung (53 %), fehlende Ansprechpartner (54,9 %) und fehlendes Material bzw. zu wenig oder nicht geeignete Hilfsmittel (Maschinen, Hebewerkzeug etc.) (58,9 %) zu sein.

Gefragt nach weiteren Ursachen für die problematischen Arbeitsbedingungen im Messebau, beklagt ein Befragter insbesondere die Ungleichbehandlung lokaler Dienstleister im Vergleich zu insbesondere osteuropäischen Dienstleistern. Diese würden, so der Umfrageteilnehmer, „mit allem durchkommen, indem sie fehlende Sprachkenntnisse anführen; fehlende Sicherheitskleidung, keine Arbeitsmittel, ungeeignete Werkzeuge, gefährliche Konstruktionen, Übernachten in Fahrzeugen auf dem Messegelände uvm. Lohndumping und Preisdruck sind zu 80  % durch die Konkurrenz aus den EU-Ostländern begründet. Die Messegesellschaften machen es sich – so sehr oft selbst erlebt – viel zu einfach.“

Ein weiteres Problem sei laut der Umfrageteilnehmer das fehlende Bewusstsein und/oder Interesse bzw. Verständnis vieler Beteiligter, welches sich auch in einer „Arbeitssicherheit-ist-uncool-Einstellung“ manifestiere. Auch der vermehrte Einsatz von Subunternehmen führe, so die Befragten, zu Sicherheitsrisiken.

Wer trägt die Verantwortung

Geht es darum festzustellen, wer die Verantwortung für die schlechten Arbeitsbedingungen im Messebau trägt, sind sich 80,4 % der Befragten einig, dass diese bei den Auftraggebern liegt. Für weitere 60,8 % der Umfrageteilnehmer tragen auch die Messebau-Unternehmen eine Verantwortung. Immerhin 52,9 % der Befragten machen die Messegesellschaften mitverantwortlich für die Arbeitsbedingungen im Messebau und 33,3 % sind der Meinung, dass auch der Gesetzgeber eine Verantwortung für die aktuelle Situation trägt.

Wer tragt aus Ihrer Sicht die Verantwortung fur die schlechten Arbeitsbedingungen_ - balkendiagramm vertikal(Bild: Survio)

Diese geteilte Verantwortung zwischen den unterschiedlichen Playern und Institutionen der Branche wird bereits bei der Feststellung der Ursachen deutlich. So sagt ein Befragter ganz klar, dass es eine mangelnde Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben auf allen Seiten gibt. Weitere Befragte bemängeln den Kostendruck durch die Auftraggeber, stellen aber auch fest, dass dies erst durch fehlende Kontrollen (z.B. der Arbeitsmittel oder des Ausbildungsstands) möglich werde.

Verbesserungsmaßnahmen

Stärkere Kontrollen durch die Messegesellschaften (76,5 %), härtere Konsequenzen bei Verstößen (z.B. Ausschluss von der Messe) (72,5 %) und das Unterbinden des Lohndumpings durch Ausschluss von der Ausschreibung (60,8 %) gehören zu den beliebtesten Maßnahmen zur Verbesserung der problematischen Arbeitsbedingungen im Messebau. Rund 45 % der Befragten sehen zudem ein vertraglich festgelegtes Mindestbudget für Hilfsmittel und Schutzausrüstung und das Verbessern der Kommunikation durch klare Ansprechpartner mit entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen als geeignete Maßnahme. Rund ein Drittel der befragten Personen glauben zudem, dass sich die Arbeitsbedingungen durch Präventionskampagnen für mehr Arbeitssicherheit und mehr Eigenverantwortung der Arbeiter verbessern lassen könnten.

Auch der gesteigerte Zeitdruck und die daraus resultierenden Folgen sind ein großes Problem, welches durch unterschiedliche Maßnahmen verbessert werden könnte: „Ein Arbeitszeiten-Management durch die Messe könnte die Situation verbessern. Oftmals ist es zu eng in den Gängen, da zu viele Personen gleichzeitig dort arbeiten und viele Materialien lagern. Nach einer Auswertung der benötigten Gesamtarbeitszeit könnten die Arbeitszeiten vorgegeben werden. Benachbarte Stände sollten möglichst nicht zeitgleich arbeiten. Ein Früh-/Spätschicht-System wäre denkbar. Oder benachbarte Stände werden nacheinander aufgebaut“, gibt einer Befragter zu bedenken.

Welche Masnahmen wurden Ihrer Meinung nach die Situation verbessern_ - balkendiagramm vertikal(Bild: Survio)

Generell merken jedoch viele Befragte an, dass ein Umdenken bei den Auftraggebern stattfinden muss: „Hier fehlt es an der entsprechenden Sensibilisierung, sodass dieses Thema über die reine Preisentscheidung hinaus Beachtung findet. Ähnlich der nachhaltigen Projektumsetzung sollte die sichere Arbeitsweise ein Entscheidungskriterium werden, das bereits bei der Auftragsvergabe abgefragt und beachtet wird und so entsprechende Mittel rechtfertigt.“ Statt über Nachhaltigkeit zu fabulieren oder Corporate Social Responsibility zu bewerben, sollten Auftraggeber, Messebauer aber auch Messegesellschaften stattdessen den Sprung zu echter (sozialer) Nachhaltigkeit vollziehen.

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