„Dialogtage Ernährungswirtschaft“ der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg

Dialogräume für die politische Kommunikation

Die politische Öffentlichkeit braucht wahrnehmbare Plattformen für die Vermittlung ihrer Inhalte. In Zeiten der medialen Reizüberflutung entschloss sich die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH daher dazu, ihre „Dialogtage Ernährungswirtschaft“ zu den Menschen zu bringen, genauer an drei Tagen Anfang Juli 2017 an den prominenten Standort des Berliner Hauptbahnhofs.

Dialogtage Ernährungswirtschaft 2017 vor dem Hbf Berlin
(Bild: David Marschalsky | Junes Poppenheger )

Wie entstehen Magnetismus und Anziehung, wenn eine „Institution“ oder ein „Verband“ kommuniziert? Und wichtig für den Planungsprozess: Welche Bedingungen sind nötig, um politische Kommunikation aus Institutionen heraus lebendig zu erarbeiten?

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Die Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH versteht sich als Ansprechpartner und Vernetzungsplattform der wirtschaftlichen Akteure ihrer Region. In acht strategischen Clustern werden Unternehmen bei Kooperationen unterstützt, verschiedene Forschungsprojekte initiiert und Marketing- und Kommunikationsformate angeboten. Der Veranstalter, das Clustermanagement Ernährungswirtschaft, suchte in der Bundeshauptstadt Berlin vom 5. bis 7. Juli 2017 mit den „Dialogtagen Ernährungswirtschaft“ einen zentralen Auftritt für seine Leistungsfähigkeit.

Ziele, die mit dem Konzept eingelöst werden sollten, waren die Wahrnehmung des Ernährungsclusters Brandenburg und die Sympathie des Industriezweigs zu steigern, aber auch eine Sensibilisierung für regionale Verantwortung zu erreichen: auf Konsumenten- wie Produzentenseite.

Das Raumkonzept – ein Orchester der Formen, Linien und Proportionen

Das Konzept sah vor, in einer attraktiven Ausstellung in und vor der Location mit großflächigen Fotos, grafisch aufbereiteten Zahlen und Fakten und Produktbeispielen Spannung zu erzeugen. In verschiedenen Dialogformaten wurde für alle Interessierten ein eintrittsfreier Ort der Begegnung geschaffen. Das Eventformat wurde unterstützt und begleitet von Branchenverbänden, Forschungseinrichtungen und der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie.

In einer Ausschreibung wurden Agenturen aufgefordert, für die „Dialogtage“ einen technisch-organisatorischen Lösungsansatz, einen Vorschlag für das Gestaltungskonzept, die Möblierung und weitere Inszenierungsideen zur Ansprache des Publikums auszuarbeiten. Welche Faktoren begünstigen die Kommunikation und den Dialog? Wie verbinden sich einzelne Ansätze zur gewünschten Wirkung?

Der Veranstaltungsort musste gleich mehreren Anforderungen gerecht werden: Er sollte über eine attraktive Ausstrahlung, eine gute Erreichbarkeit und über die erforderliche Infrastruktur verfügen. Der Washingtonplatz am Berliner Hauptbahnhof erfüllte mit seiner Lage nah am Regierungsviertel, einen Steinwurf von der Spree und unweit der Landesvertretung Brandenburg entfernt, umfassend diese Auflagen. Seine edle Oberfläche aus Granitplatten, das ihn rahmende imposante Bahnhofsdach und die Stadtmöblierung als Begrenzung erzeugten ein einladendes Flair.

Dialogtage Ernährungswirtschaft 2017 vor dem Hbf Berlin
(Bild: David Marschalsky | Junes Poppenheger )

Als Austragungsort für die „Dialogtage“ wurde eine besondere und für die Zielgruppe überraschende Zeltform eines Domes ausgewählt. Die räumliche Proportion vor Ort veranlasste den Veranstalter nach einem Vergleich mit 3D-Visualisierungen dazu, den Zeltbau zu vergrößern. Die steil ansteigenden Wände des halbkugelförmigen Dome-Zelts boten eine effiziente und maximale Raumnutzung und ließen einen Gesamtraum entstehen, in dem sich jeder Besucher bereits mit Zutritt als Teil eines Ganzen fühlen konnte.

Die Ausstellungsthemen wurden stringent in drei Themenschwerpunkten aufbereitet und auf 2,5 Meter hohen L-förmigen Messebaumodulen präsentiert. Bei einem Grundriss von 110 m2 und einer Ausstellungsfläche von 60 m2 wurde genau jenes Gleichgewicht zwischen Dichte und Weite im Zeltraum erzeugt, welches dem Besucher Rundgang und Verweilen ermöglichte. Kontraste zwischen den vertikalen und horizontalen Linien des Messebaus, dem opakfarbenen Halbkugeldach des Dome-Zelts und der weißen Ringtraverse zauberten einen Hauch „White Cube“-Atmosphäre in die Themenwelt.

Gesprächsrunde auf den Dialogtagen Ernährungswirtschaft 2017 vor dem Hbf Berlin
(Bild: David Marschalsky | Junes Poppenheger )

Für die Gespräche wurde eine intime, modulare und minimalistische Konfiguration gewählt. In einem nur auf 16 m2 als Raum-in-Raum-Konzept eingerichtetem Forum, begrenzt durch eine drei Meter hohe Podiumswand mit zentralem Bildmotiv, wurde jeder Gast zu einem Protagonisten auf einer Bühne. Ein transparentes Gaze-Bildmotiv markierte dezent die Forumfläche und eröffnete den Besuchern vielfältige Blickachsen zwischen innen und außen, bis hin zum Portal des Hauptbahnhofs oder ins Dach des Reichstages. Als Sitzmöbel dienten gebrandete Sitzhocker aus Karton, die schnell ergänzt oder in ihrer Anzahl minimiert werden konnten. So konnte immer flexibel die Anzahl der Teilnehmer an Vorträgen und Präsentationen begleitet werden. In diesem Setting wurde jeder Wortbeitrag zu einem authentischen Statement – egal ob Kraft der eigenen Stimme oder mit Mikrofon.

Setting mit Stopping Power

Prominente Orte wie der Washingtonplatz in Berlin sind keineswegs Garanten für erhöhten Traffic und einen kontinuierlichen Besucherstrom. Die besondere Form des Zeltes wirkte wie ein Eyecatcher auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs und rief unterschiedlichste Reaktionen hervor: Flanieren, Neugier, Fremdheit und Interesse bildeten ein Gleichgewicht. Geladene Schulklassen, Passanten, Touristen, Zaungäste und Geschäftspublikum wechselten sich ab.

Deshalb war es bedeutsam, mit effizienten Mitteln zusätzlich Aufmerksamkeit zu erzeugen, Besucher anzusprechen und eine hohe Verweildauer zu erreichen. Mit nur zwei Elementen wurde der Außenraum inszeniert und zur Kontaktfläche: Durch acht in akkurater Linie aufgereihte City-Lights für die Ausstellung „Unsere Zukunft Ernährung.“ in vertikaler und mittels dreier 12 Meter langer Bodenmarkierungen in horizontaler Achse entstand ein Arrangement, das die Fläche vor dem Zelt zu einer Plaza einte. Flanieren mit Ansage.

Ausstellungsdetail der Dialogtage Ernährungswirtschaft 2017 vor dem Hbf Berlin
(Bild: David Marschalsky | Junes Poppenheger )

Risiken eingehen bewirkt Resonanz

Ein sorgfältiges, an den Erfordernissen von Austausch orientiertes Konzept, in dem ein ergonomisch stimmiges, gestalterisch ausgewogenes und in seinen Bestandteilen wohlproportioniertes Gesamtensemble entsteht, wird positiv wahrgenommen. Die Mischung aus geladenen Gästen in den Dialogforen und der kostenfreie Zugang für jeden erzeugte eine breitere Besuchermischung. Bleibt bei Neukombinationen aus Thema, Inszenierung, Ort und Umgebung auch immer ein gewisses Risiko, so ist die Wahl einer experimentelleren Versuchsanordnung für zukünftige Projekte immer noch aussichtsreicher, als ausgetretene Pfade zu gehen.

Politische Kommunikation braucht einen produktiven Bezug, intuitiver und experimenteller mit Settings und Formaten umzugehen. Vielleicht lassen sich gerade in kleineren Projektteams, wie hier, die großen Zusammenhänge, um Dialoge lebendig werden zulassen, greifbarer umsetzen.

 

 

Projektbeteiligte

Veranstalter: Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH, Clustermanagement Ernährungswirtschaft Brandenburg

Agentur: mitwirkende – KK Mitwirkung für gute Kommunikation UG

Gestaltung/Produktion: Vogelhaus büro für gestaltung GbR

Zeltanbieter: freedomes, Freegroup Spolka z.o.o Spolka Komandytowa

Technik: KFP Five Star Conference Service GmbH

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