Ergebnisse aus dem Diskussionsentwurf des BMAS

Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Weißbuch Arbeiten 4.0

Wie kann das Leitbild der „Guten Arbeit“ auch im digitalen und gesellschaftlichen Wandel erhalten oder sogar gestärkt werden? So lautete die zentrale Frage, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit dem Dialogprozess und der Vorlage eines Grünbuchs mit zahlreichen Fragen in 2015 begonnen hat. Zwischenzeitlich wurden zahlreiche Workshops und Veranstaltungen u.a. mit Verbänden, Gewerkschaften, Unternehmen und Bürgern veranstaltet sowie Studien in Auftrag gegeben. Zur Abschlusskonferenz „Arbeiten 4.0“ Ende 2016 wurde ein Weißbuch erstellt, einige wichtige Fakten und Prognosen aus diesem Diskussionsentwurf werden im Folgenden vorgestellt.

Menschenkette
(Bild: Pixabay.com)

Trends der Arbeitswelt

Als Trends und wichtige Treiber, die die Arbeitswelt verändern können, werden im Weißbuch vier genannt. Die Digitalisierung mit neuer Qualität, sich rasant entwickelnden Technologien und neuen Anwendungsfeldern, v.a. in den Bereichen IT/Software, Robotik/Sensorik sowie der Vernetzung. Neue Möglichkeiten verändern unsere Gesellschaft und die Struktur der Branchen extrem schnell, so wie beispielsweise neue Konsumgewohnheiten und ein zunehmender Onlinehandel einige Branchen bereits radikal verändert haben. Je erfolgreicher die Unternehmen digitale Veränderungen bewältigen, desto wettbewerbsfähiger werden sie sein können.

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Der demografische Wandel, mit einer wachsenden Zahl älterer Menschen, steigender Lebenserwartung und mehr gesunden Lebensjahren, wird das Arbeitskräfteangebot zukünftig beeinflussen. Und auch die weltweite Mobilität der Menschen, ein Höchststand an Zuwanderung in 2015 und das Bildungsniveau werden auf den Arbeitsmarkt in Deutschland einwirken.

Der Globalisierung mit ihren bisherigen Trends stehen jüngere Entwicklungen gegenüber: Bisher verbreiteten sich Ideen eher langsam und Waren wechselten v.a. physisch über die Grenzen hinweg. Heute stehen Informationen unmittelbar, global zur Verfügung und die digitalen Ströme nehmen zu. Waren es bisher multinationale Konzerne, sind es zunehmend Kleinunternehmen und Individuen, die die Globalisierung antreiben. Zudem nehmen Schwellen- und Entwicklungsländer verstärkt an den Waren- und Dienstleistungsströmen teil.

Der kulturelle Wandel bringt Veränderungen der Wirtschaft und Gesellschaft und damit veränderte Lebensstile und Werte mit sich, z.B. durch Individualisierung, neues Konsumverhalten, neue Familienmodelle, den Wunsch nach Gleichberechtigung in der Arbeit oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Eine Studie des BMAS hat die unterschiedlichen Ansprüche der Menschen an die ideale Arbeitswelt in sieben Wertewelten herausgebildet. Menschen, die sorgenfrei von der Arbeit leben möchten, diejenigen, für die es selbstverständlich ist, sich den Wohlstand hart erarbeiten zu können, oder die, die sich eine Balance zwischen Arbeit und Leben wünschen. Den Sinn der Arbeit außerhalb der Arbeit suchen, engagiert Höchstleistungen bringen, sich in der Arbeit zu verwirklichen oder das Arbeiten in einer starken Solidargemeinschaft sind weitere Wertewelten, die sich in der Umfrage ergeben haben. Die Herausforderung wird darin bestehen, diesen unterschiedlichen Werten mit vielseitigen Lösungen zu begegnen.

„Im Zusammenspiel dieser Entwicklungen eröffnen sich viele Möglichkeiten, in der Zukunft anders – produktiver, flexibler, vernetzter, internationaler – zu arbeiten. Zugleich erzeugen diese Möglichkeiten aber auch Veränderungs-, Anpassungs- und Innovationsdruck, zu dem wir uns als Einzelne und als Gesellschaft, im Kleinen wie im Großen verhalten müssen. Je klarer wir erkennen, warum und in welcher Gestalt das Neue auftritt, desto entschiedener können wir es nach den Werten und Regeln unserer Gesellschaft mitgestalten“ (Quelle: Weißbuch Arbeiten 4.0, S. 18)

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Weißbuch Arbeiten 4.0

 

Spannungsfelder der Arbeitswelt 4.0

Wie sich die Trends und Treiber auf die Arbeitswelt auswirken können, wird im Weißbuch an mehreren Spannungsfeldern aufgezeigt:

Beschäftigungseffekte – Wandel von Branchen und Tätigkeiten

In der „Arbeitsmarktprognose 2030“ des BMAS aus 2016 rechnet man bei einer beschleunigten Digitalisierung mit insgesamt positiven Auswirkungen auf Beschäftigung und Wachstum. Dabei werden branchenbezogen starke Unterschiede prognostiziert: Zuwächse werden u.a. in den unternehmensnahen Dienstleistungen, im Sozialwesen, dem Gesundheitswesen oder auch bei der Vermittlung von Arbeitskräften erwartet, Rückgänge hingegen werden u.a. in der öffentlichen Verwaltung, im Beherbergungs-/Gastgewerbe, der Metallerzeugung oder im Einzelhandel erwartet.

Digitale Plattformen – neue Märkte und Arbeitsformen

Neues wird auf Plattformen unmittelbar erfahrbar, dabei gibt es vier Ausprägungen mit hohem Wachstumspotenzial und neuen Geschäftsmodellen: soziale Kommunikationsplattformen wie z.B. Xing, Facebook; digitale Marktplätze wie z.B. eBay, MyHammer, Kleiderkreisel; Vermittlungsplattformen wie z.B. Uber, Helpling, Airbnb; Crowdworking-Plattformen wie z.B. Upwork oder Amazon Mechanical Turk.

Big Data – Rohstoff der Digitalen Wirtschaft

Wichtig für Unternehmen, Verwaltungen, das Gesundheitswesen, die Sicherheit und die Gesellschaft, aber auch Risiken der Technik, ethische und rechtliche Fragen sowie neue Herausforderungen beim Datenschutz und der Datensicherheit. Für letzteres wurde in der EU in 2016 eine „Europäische Datenschutz-Grundverordnung“ geschaffen.

Industrie 4.0 – Interaktion von Mensch und Maschine

Komplexere und zunehmend autonome Maschinen können sowohl zu mehr Qualifizierung als auch Dequalifizierung führen sowie das Risiko von physischen/psychischen Belastungen erhöhen.

Zeit- und ortsflexibles Arbeiten – jenseits der Präsenzkultur

Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmern hierfür sind höchst unterschiedlich. Sie können zu Spannungen führen und erfordern einen fairen Interessenausgleich zwischen allen Beteiligten.

Unternehmensorganisation – Strukturen im Umbruch

Betriebliche Mitbestimmung und neue Konzepte zur Teilhabe in der Unternehmens- und Arbeitsorganisation sowie Konzepte für flexibles Arbeiten gelten als Chance. Voraussetzung hierfür sind moderne Führungskultur, Arbeitsschutz und ein intelligentes Personalmanagement.

Menschenkette um Globus
(Bild: Pixabay.com)

Leitbild

Im Dialogprozess Arbeiten 4.0 wurde ein Leitbild herausgearbeitet, das fünf Dimensionen umfasst und an den Stärken des deutschen Wirtschafts- und Sozialmodells ansetzt:

– leistungsgerechtes Einkommen und soziale Sicherheit

– jeder sollte die Chance auf Integration bekommen

– vielfältige Arbeitsmodelle die nicht starr, sondern an den Lebensphasen orientiert sind

– Qualität der Arbeit erhalten

– Mitbestimmungsrechte und Teilhabe der Arbeitnehmer und eine gute Unternehmens- und Führungskultur sollen keine Gegensätze darstellen

Gestaltungsaufgaben

Zu den Handlungsmöglichkeiten und politischen Schlussfolgerungen, die sich im Dialogprozess Arbeiten 4.0 ergeben haben, gehören:

Beschäftigungsfähigkeit: Wandel von der Arbeitslosen- zur Arbeitsversicherung und ein Recht auf Weiterbildung

Arbeitszeit: flexible, aber selbstbestimmte Arbeitszeiten mit dem Ansatz eines Wahlarbeitszeitgesetzes

Dienstleistungssektor: gute Arbeitsbedingungen sollen gestärkt werden

Gesunde Arbeit: Sicherstellung der Bedingungen und Ansätze für den Arbeitsschutz 4.0 weiterentwickeln

Beschäftigtendatenschutz: hohe Standards und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sichern

Mitbestimmung und Teilhabe: den Wandel in der Arbeitswelt partnerschaftlich gestalten und Bedürfnisse zwischen Unternehmen und Beschäftigten ausgleichend berücksichtigen

Selbstständigkeit: Förderung und Absicherung von Selbstständigkeit

Sozialstaat: stabile und zukunftsfähige Lösungen/Perspektiven schaffen sowie Dialog auf europäischer Ebene

Globalisierung
(Bild: Pixabay.com)

Grundsätze zur Realisierung des Leitbilds

Der Dialogprozess wird weiter gehen – und so wurden für das Thema Arbeiten 4.0 folgende vier Grundsätze formuliert:

  1. Wir wollen eine innovative und lernende Gesellschaft sein, in der wir auch neue Risiken eingehen müssen.
  2. Arbeit und Sozialstaat müssen immer zusammen gedacht werden.
  3. Trotz aller modernen Entwicklungen bleiben die Tarifautonomie und die Mitbestimmung auch in der digitalen Wirtschaft wichtige Institutionen.
  4. Alle Regeln und Prinzipien, ob staatlich oder tariflich, müssen in den Unternehmen und Betrieben auch akzeptiert und praktiziert werden.

Erkenntnisse für die Event- und Messebranche

Auf Nachfrage beim BMAS liegen keine branchenspezifischen Ergebnisse für die Event- und Messebranche vor, konkrete Einschätzungen sind nicht möglich. Empfohlen werden eigene unternehmensspezifische Ableitungen aus den Erkenntnissen des Weißbuchs Arbeiten 4.0. Der Dialogprozess bietet hierfür zahlreiche Ansätze. Kreativität beispielsweise, ein zentrales Element der Event- und Messebranche, wird trotz oder gerade durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung gefragt sein. Um in Zukunft Ideenreichtum und Innovationen sicherzustellen, sind Sicherheit und Flexibilität im Arbeitsleben, wie im Leitbild gefordert, extrem wichtige Faktoren für den Erfolg.

Auch die im Weißbuch thematisierte Selbstständigkeit zeigt deren mögliches Wachstum und Einfluss auf eine noch flexibler werdende Arbeitswelt in der Branche. Der prognostiziert wachsende Dienstleistungs- und Kreativsektor, etwa im Zusammenspiel mit digitalen Plattformen wie Crowdworking, kann schnelle Veränderungen am Markt und bei den Aufgabengebieten mit sich bringen. Ebenso kann die Weiterentwicklung der Kommunikationsmöglichkeiten das orts- und zeitflexible Arbeiten auch innerhalb der Event- und Messebranche weiter verändern.

Die generelle Prognose für Arbeiten 4.0 im Glossar des Weißbuchs lautet: „… ‚Arbeiten 4.0‘ wird vernetzter, digitaler und flexibler sein. Wie die zukünftige Arbeitswelt im Einzelnen aussehen wird, ist noch offen.“ Wie auch immer, stay tuned!

 

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Weißbuch Arbeiten 4.0
(Bild: BMAS)

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