Nachhaltigkeit beim Wacken Open-Air

Cradle to Cradle: Der Weg zum nachhaltig-positiven Festival

Das Wacken Open-Air (W:O:A) macht sich auf den Weg, um Nachhaltigkeit nach dem Cradle to Cradle (C2C) Prinzip umzusetzen. Markus Diem von EPEA – part of Drees & Sommer aus Hamburg und Festival-Mitbegründer Holger Hübner erklären, wie C2C im Unternehmen effektiv angewendet werden kann.

Wacken Open Air(Bild: Queen soft/Shutterstock)

Zum 30. Jubiläum trafen die Macher des Wacken Open-Airs, des größten Metal-Festivals der Welt, unter Nachhaltigkeits- und Umweltgesichtspunkten eine Entscheidung: Sie wollten ein Investment in die Zukunft tätigen und künftig mit der EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) zusammenarbeiten, mit dem Ziel, in zehn Jahren ein positives Event nach C2C-Kriterien zu werden.

Anzeige

Cradle to Cradle (C2C) ist eine Methodik der Circular Economy, ein Designprinzip, das die Natur zum Vorbild hat: Negative Einflüsse sollen nicht nur minimiert, es soll ein positiver Fußabdruck hinterlassen werden. Gleichzeitig liefert C2C ein Mindset, das die Grundlage für neue Qualitäten in Bezug auf die Materialgesundheit und ein kreislauffähiges Design liefert – in allen Branchen. Der ganzheitliche Ansatz des C2C-Prinzips betrachtet fünf Kriterien: die Materialgesundheit, die Kreislauffähigkeit des Produktes, saubere Luft und Klimaschutz, die Verantwortung für Wasser und Böden sowie das Thema soziale Verantwortung. Seit mittlerweile über zehn Jahren existiert ein Produktzertifikat, mit dem die Qualität von Produkten, deren Herstellung und die verwendeten Materialien bewertet werden können.

Von der Effizienz zur Effektivität

Ein kleines Dorf und Metal-Hochburg – so beschreibt Festival-Mitbegründer Holger Hübner Wacken heute. Seit dem ersten Festival in 1990 hat sich die Dimension um ein Vielfaches vergrößert, mit einem Mehr an Besuchern, Flächen, Bands, Fahrzeugen, Müll, Energie, Ressourcenverbrauch und vielem mehr. Und so starteten die beiden Partner EPEA und W:O:A in 2019 ihre gemeinsame Nachhaltigkeitsreise für das Metal-Großevent nach dem C2C-Prinzip.

Der Weg soll nach EPEA von der Effizienz zur Effektivität und über die Zeit zu einer Qualitäts- und Leistungsverbesserung aller verwendeter Materialien und Produkte führen. Denn: „Weniger schlecht zu sein, ist Teil des Problems!“ Der Beginn mit Reduzierung und ersten Maßnahmen zum Recycling führt über die Qualitätsverbesserung der Produkte hin zu deren Wiederverwendung und endet idealerweise in Gebrauchsinnovationen. Um Effektivität zu erreichen, nennt Markus Diem, Leiter des Hamburger EPEA-Büros, beispielsweise den Ersatz von Erdöl als Brennstoff und Quelle für Kunststoffe durch erneuerbare Energien und Kunststoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden und dabei CO2 speichern, endlos recycelt und eines Tages trotzdem von der Natur abgebaut werden können.


Cradle-to-Cradle-Prinzipien

Als Innovationspartner für umweltverträgliche und kreislauffähige Industrieprodukte, Gebäude und Stadtquartiere entwickelt die EPEA Lösungen für die Circular Economy. Gegründet in 1987 in Hamburg durch Prof. Dr. Michael Braungart, der als Pionier des C2C-Prinzips gilt. Folgende Grundsätze stehen hierfür im Vordergrund:

  • „Nährstoff bleibt Nährstoff: Alles wird zu Nahrung oder Nährstoffen für etwas anderes.“
  • „Nutzung erneuerbarer Energien: Die Energie entspringt Sonne, Wind, Wasser und Erde.“
  • „Unterstützung von Diversität: Es gibt eine schier unendliche Vielfalt.“

Das Problem liegt dabei aus Sicht der EPEA in der Linearwirtschaft, bei der Rohstoffvielfalt und Produktkomplexität; die Lösung in der Circular Economy, also der Kreislaufwirtschaft, die durch die C2C-Methode gestützt wird.


Investment bis 2031

Die Pandemie habe zwei Jahre „gestohlen“ und viele Einschnitte mit sich gebracht, trotzdem hoffen alle im Team auf ein W:O:A live in 2022. Und sie wollen ihrer damaligen Entscheidung treu bleiben, so Holger Hübner. Unter Berücksichtigung der C2C-Prinzipien und -Kriterien wurden für das W:O:A relevante Themen herausgearbeitet und geeignete Maßnahmen definiert. Folgende Module spielen im Rahmen des Festivals bereits bis 2022 eine wichtige Rolle:

  • Verpackung: Einsatz von Mehrweggeschirr, welches im kommenden Jahr wieder zu Geschirr recycelt wird
  • Textil-/Arbeitskleidung: Cradle to Cradle zertifizierte Textilien, die keinen Mikroplastikabrieb beim Waschen erzeugen und kompostierbar sind
  • Druckartikel: die mit sicheren Druckfarben produziert worden sind und so keine Schadstoffe ins Altpapier einbringen
  • Essen & Trinken: Fokus auf lokale Produkte mit kurzen Lieferwegen

Zum Prozess gehört auch, geeignete Lieferanten zu finden und die Dienstleister und Fans in das Konzept mit einzubeziehen, ohne die wirtschaftliche Seite aus dem Blick zu verlieren – hin zu einem positiven Festival.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.