Sicherheit im Eventbau

Arbeitssicherheit bei Eventbauten: Der besondere Kick, ganz sicher

Wer gerne auf die Kirmes ging oder noch geht, hat sicher noch die Schilder in den Kassenhäuschen vor seinen Augen, die die große weite Welt verhießen: „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“. Oder die Erinnerung wird wach an die jungen Männer, die dann auf dem Autoscooter mit einem Chip an einer Plastik-Rose den ganzen Tag den Scooter (vor allem rückwärts) fuhren und dafür sorgten, dass diese beim Neustart am Fahrbahnrand bereitstanden. Ein Hauch von Abenteuer und Ungebundenheit schwebte immer schon über der Kirmes, ihren aufregenden Bauten und deren Arbeitswelt. Heutzutage arbeiten die Leser des EVENT PARTNER in einer dem Zirkus und der Kirmes verwandten Branche. Deshalb betrachten wir in diesem Artikel die arbeitsschutztechnischen Herausforderungen in unserer Event-Welt bei Sonderbauten.

Gerüstbau eines Eventbaus
(Bild: Falco Zanini)

Ganz global betrachtet werden die meisten Bauten in mühseliger Handarbeit errichtet. Die Männer und Frauen müssen über die Auf- und Abbauzeit verteilt tonnenschwere Lasten regelmäßig von Hand bewegen. Abladen, aufladen, heben, tragen, schieben und ziehen. Festhalten und dabei sich mit den Kollegen abstimmen. Auf allen Untergründen, staubig, nass, schlammig, uneben oder vereist. Bei widrigen Wetterbedingungen, ob Regen, Schnee, Hagel oder Sonne. Mitten in der Pampa oder direkt vor dem Dom.

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Gegen all diese Einflüsse hilft zuerst die geeignete Kleidung und persönliche Schutzausrüstung, die die Arbeiter vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen haben sollten. Dazu gehört zuerst ein guter Auftritt, wozu Sicherheitsschuhe der Klasse S3 verhelfen sollten, die mit Stahlsohle, -kappe und zusätzlich durchtrittsicherer Sohle bis 60 Minuten wasserdicht sind. Selbstverständlich sollten die Kollegen wetterfeste Kleidung tragen, wozu Regenjacke und Regenhose gehören, die idealerweise auch Warnfunktion haben sowie wasserdichte Handschuhe. Gegen Sonne (und Regen) schützt ein breitkrempiger Hut.

Zeltbau

Beginnen wir mit dem Klassiker unter den Eventbauten: Das Zelt wie es auf jedem Fest steht. Modular zu errichten, werden nach dem Entladen per Stapler, Teleskopstapler oder Lkw-Kran von dafür geschulten Beschäftigten die Teile am Aufbauort verteilt und zusammengesteckt, die Binder-Einheiten Stück für Stück aufgerichtet und untereinander mit Pfetten verbunden. In manchen Regionen Deutschlands werden die Zelte auf sogenannten Schwerlastböden aufgebaut. Diese Böden werden in der Regel mit dem Lkw-Ladekran abgeladen und positioniert. Dazu muss ein Arbeiter auf den Anhänger, auf dem die Böden liegen, klettern und das Krangehänge einhängen. Er sollte dafür über eine ausreichend lange Anlegeleiter aufsteigen und nicht mühselig über die Seiten hinaufkrabbeln. Durch den Kran und das Gehänge kann er Kopfverletzungen erleiden, gegen die er mit einem Helm geschützt sein sollte. So cool es aussehen mag, so gefährlich (und unzulässig) ist es, zusammen mit dem Boden nach unten befördert zu werden, oder sich gar mit einem Fuß im Gehänge wieder nach oben fahren zu lassen.

Sicherheitsschuhe
Wichtiger Faktor der Arbeitssicherheit: Die passende Ausrüstung. (Bild: Pixabay.com)

Beim weiteren Aufbau kann der Helm gleich auf den Köpfen der Männer bleiben, da permanent damit zu rechnen ist, dass etwas auf den Kopf fällt, wie z.B. eine Pfette (die Querstange, die von Binder zu Binder läuft und in eine genietete Lasche lediglich eingehängt wird) oder ein anderes Hindernis auf den Kopf wartet. Zum Einhängen wird entweder eine Leiter benötigt, um dorthin zu kommen oder eine Stange. Dabei sollte die Leiter natürlich geprüft und unbeschädigt sein. Dass alle diese Arbeiten durch einen bei der BG BAU geschulten „Aufsichtführenden im Zeltbau“ beaufsichtigt werden, der die Sprache der Arbeiter spricht – die oft nicht die Deutsche ist – sollte selbstverständlich sein.

Bühnenbau

Beim Bühnenbau liegen ebenfalls viele der Gefährdungen vor, die bereits beim Zeltbau vorhanden sind. Hinzu kommen weitere Herausforderungen dadurch, dass heutzutage sehr große Stahl-Modulbauteile (Türme und Traversen) mittels schwerer Autokräne gehoben und positioniert werden. Teilweise arbeiten mehrere Kräne gleichzeitig an einer einzigen Bühne. Um die Kranhaken wieder zu lösen, müssen die schwindelfreien Bühnenbauer mehrfach am Tag bis an die Spitze der jeweiligen Türme klettern und können nach einem falschen Tritt dabei zu Tode stürzen. Damit dieser schlimmste aller Unfälle verhindert wird, tragen die Beschäftigten Sicherheitsgeschirre mit Haken und oft einem mitlaufenden Höhensicherungsgerät (HSG). Dieses kann in eine sogenannte Life-Line, ein vorher an dem Turm befestigtes spezielles Seil, eingeklinkt werden. Das HSG läuft bei normaler Bewegung ohne Behinderung mit. Erst wenn der Beschäftigte abstürzt, greift die Sicherung, die den kompletten Absturz aufhält.

Kran
Besonders wichtig ist im Bühnenbau die zwingend erforderliche Absturzsicherung. (Bild: Pixabay.com)

Sollte nun ein Bühnenbauer in seine Sicherung gestürzt sein, muss er unverzüglich von dazu in Höhenrettung ausgebildeten Kollegen aus dieser Lage befreit werden, denn nach spätestens 15 Minuten würde er ein sogenanntes Hängetrauma und somit den Tod erleiden. Ein entsprechendes Höhenrettungskonzept sollte selbstverständlich vorhanden sein, ebenso wie ggf. spezielle Rettungsmittel.

Weitere Gefährdungen ergeben sich beim Aufbau des Bühnenbodens, der oft aus Systemteilen des Gerüstbau-Weltmarktführers errichtet wird. Hier wird eine Stahlunterkonstruktion errichtet, auf die die Bühnenplatten aufgelegt werden. Dabei agieren die Bühnenbauer im wahrsten Sinne oft immer noch „ohne Netz und doppelten Boden“. Doch selbst hier kann nach einem Absturz aus 2 m bis 3 m Höhe eine lebensgefährliche Verletzung auftreten. Deswegen gibt es als technische Schutzmaßnahme nur die Möglichkeit, ein Fallschutznetz unter dem Bühnenboden einzuziehen, bevor, bzw. während dieser aufgelegt wird. Damit die Kollegen auf der Bühnenfläche vor Absturz geschützt sind, ist ein ordentliches Geländer aus Handlauf und Knieleiste zu errichten und zum Erreichen der Bühnenfläche sollte mindestens eine ordentliche (ggf. mobile) Treppe mit Geländer zur Verfügung stehen.

Sonderbau

Der neue Trend in der Event-Welt sind teilweise spektakuläre Sonderbauten, wie z.B. das Wappentier einer bekannten Likörmarke, das als Bar und Aussichtsplattform auf mehreren Etagen begehbar ist und in der warmen Jahreszeit auf den großen Festivals der Republik präsentiert wird. Hierbei sind selbstverständlich alle Gefährdungen von Zelt- und Bühnenbau vorhanden, ergänzt durch aufwändige Dekorationen und enge Zeitpläne.

Construction
Oft müssen mobile Konstruktionen für den jeweiligen Standort vor Ort angepasst werden. (Bild: Pixabay.com)

Die Dekorationen bestehen häufig aus Holz und anderen Werkstoffen, die teilweise an die Situation vor Ort angepasst werden müssen. Dazu arbeiten mitreisende Schreiner und Dekorateure mit Handwerkzeugen und zum Bearbeiten und Befestigen mit Hubarbeitsbühnen (HAB). Die Bediener der HAB benötigen eine Schulung und müssen, besonders in Teleskopbühnen, ein Sicherheitsgeschirr tragen, mit dem ein Herausschleudern bei umstürzender Maschine verhindert wird. Damit die Maschine nicht umstürzen kann, sollte der Untergrund sorgfältig ausgewählt werden und das Wetter beobachtet werden. In der Regel fordert der Hersteller der Maschine das Einstellen der Arbeiten ab Windstärke sechs.


Social responsibility, Nachhaltigkeit und der Arbeitsschutz

Wichtigstes Instrument bei den genannten Situationen ist die auch gesetzlich vorgeschriebene aktive Koordination im Arbeitsschutz, die durch einen erfahrenen, geschulten und eigens dafür bestellten Koordinator durchgeführt wird. Dieser begleitet nach dem Willen des Verordnungsgebers die „Baustelle“ von der Planung bis zum Abbau.

Eine Aufgabe des Koordinators besteht darin, für angemessene Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu sorgen – vom ersten bis zum letzten Handschlag. Dazu gehören u.a. Unterkünfte, Pausenräume/-container/-zelte, gesunde Ernährung und sanitäre Einrichtungen. Schon unsere Eltern wussten schließlich, dass eine Baustelle mit dem Aufstellen des Bauwagens beginnt. Kümmern sich die beteiligten Firmen um all diese Dinge, können sie mit Recht sagen, dass sie „compliant“, „sustainable“ und „social responsible“ sind, denn dies ist die dritte Säule der Nachhaltigkeit.


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