Wenn Führungskräfte plötzlich zu Underperformern werden
von Redaktion,
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Interne Firmen-Events sollen Teams stärken, Führung erlebbar machen und die Unternehmensperformance verbessern. Doch häufig verschenken sie ausgerechnet das Potenzial, das persönliche Begegnungen so wertvoll macht. In seinem Gastbeitrag für Event Partner zeigt Frank Mielke, CEO der B+D Agenturgruppe, fünf typische Fehler bei Führungskräfte- und Vertriebs-Events auf – und erklärt, wie es besser geht.
Frank Mielke, Geschäftsführer von der B+D Agenturgruppe (Bild: B+D Agenturgruppe)
Eine kleine Rechenübung zum Aufwärmen: Wir haben in Deutschland etwa 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Grob geschätzt nimmt jeder dritte von ihnen jährlich an einem internen Firmen-Event teil. Sales Meetings, Strategie-Tagungen, Town Halls, Produktlaunches, Sommerfest und, und, und. Rechnen wir defensiv mit acht Stunden im Jahr pro Mitarbeiter und einem kalkulatorischen Wert von 50 Euro pro Arbeitsstunde. Bei rund 11 Millionen Menschen ergibt sich daraus ein Wert von 4,4 Milliarden Euro Arbeitszeit, die Mitarbeiter in internen Firmenmeetings verbringen.
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Weil sich dieser Wert in unzähligen kleineren und größeren Events von Unternehmen versteckt, bleibt er unsichtbar. Unterschätzt, weil kaum einer den Effekt solcher internen Veranstaltungen anschließend evaluiert. Besonders gilt das für Sales- und Führungskräfte-Events, von denen Unternehmen sich mehr Umsatz, bessere Führung und letztlich bessere Performance versprechen. Über allen Fehlern, die Event-Verantwortliche in Unternehmen machen, schwebt einer: Unternehmen wollen echte Macher in ihren Reihen, aber bei den eigenen Veranstaltungen degradieren sie diese High Performer zur passiven Zuschauerschaft. Das ist paradox, aber erklärbar. Nichts fürchten CEOs mehr als Improvisation, Kontrollverlust, mal nicht die erste Geige zu spielen. Und so werden sie manchmal selbst zum Chief Underperformer.
Diese fünf Fehler sehen wir besonders häufig:
1. Fake-Partizipation ist kein Führungsstil
Wenn es keinen echten Spielraum für die Mitgestaltung gibt, sollte man das offen sagen. Vorgetäuschte Partizipation schafft mittelfristig kein Engagement. Sie schafft Misstrauen. Wenn am Anfang insgeheim schon klar ist, wie das Ergebnis aussieht, braucht auch keine Event-Projektgruppen, Komitees oder ähnliches. Dann hält der Chef eben wieder seine Rede, die beste Mitarbeiterin bekommt die gleiche Auszeichnung wie jedes Jahr und der DJ spielt die Malle-Evergreens runter.
2. Präsenz muss einen Mehrwert haben
Information allein rechtfertigt kein Präsenz-Event. Dafür gibt es Teams, Zoom und Google Meet. Präsenz muss ermöglichen, was ein Bildschirm nur schwer reproduzieren kann: Gruppendynamik erzeugen, ein Team zusammenschweißen. Doch wer jede Minute verplant, verhindert genau das. Und irgendwann bekommt in diesem FOMO-Spiel sogar die Kaffeepause einen KPI. Deshalb: Besser nicht jede Minute der Agenda ausfüllen. Denn der wichtigste Moment eines Events steht oft gar nicht im Programm. Er entsteht in der Lücke zwischen zwei Sessions, am Kaffeetisch oder wenn Menschen aus Abteilungen, die sonst nur E-Mails austauschen, plötzlich ins Gespräch kommen.
3. Führung muss von der Bühne runter
Führung muss anfassbar sein. Denn für viele Mitarbeitende ist ein internes Event eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Geschäftsführung nicht nur ein Gesicht auf dem Bildschirm ist, sondern bestenfalls tatsächlich ansprechbar wird. Diese Gelegenheit für den Austausch mit einer Rede und dem anschließenden Verschwinden durch die Seitentür zu beenden, heißt, sie zu verschenken. Leadership muss stattdessen auch abseits der Bühne stattfinden: in kleinen Gesprächsrunden und bei Fragen, die vorher nicht abgestimmt wurden. Und manchmal bedeutet Führung auch, beim eigenen Event die Nebenrolle zu akzeptieren: im Publikum zu sitzen, zuzuhören, Fragen zu stellen und anderen die Show zu überlassen.
4. Der Bergsteiger darf zu Hause bleiben
Nach der zehnten Geschichte über Disziplin, Rückschläge und den Weg zum Gipfel darf man fragen: Was verändert das am Montagmorgen im Unternehmen wirklich? Es fehlt häufig die individuelle Passung für das eigene Unternehmen. Spannender sind Menschen, die Kunden oder Märkte früher verstanden haben als andere, eine Regel infrage stellen, oder eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen haben. Menschen also, die nicht nur motivieren, sondern neue Perspektiven auslösen.
5. Begegnung passiert nicht von allein
„Networking“ auf die Agenda zu schreiben, schafft noch keine Verbindung. In der Praxis braucht es dafür eine kleine Inszenierung . Ein Beispiel: Warum nicht ganz einfach die Teilnehmenden selbst zu analogen Quartettkarten machen: mit Foto, besonderen Skills, dem, was jemand besonders gut kann, und der Person, die er oder sie sucht. Wer sein Quartett vervollständigen will, muss die richtigen Kolleginnen und Kollegen finden. Dahinter steckte kein ausgefeilter Matchmaking-Algorithmus. Sondern Papier, Neugier und ein guter Grund, jemanden anzusprechen, den man noch nicht kannte.
Unternehmen bringen Menschen nicht zusammen, damit sie gemeinsam Informationen aufnehmen. Sie bringen sie zusammen, damit etwas zwischen ihnen entsteht. Denn Vernetzung, Kollegialität und Leidenschaft bleiben trotz aller Digitalisierung erstaunlich analog.