Bewegung bewegt

Showkonzepte: Von der Idee zum erfolgreichen Event

Die Konzeption und Vorbereitung einer Veranstaltung ist weniger eine Frage optimal abgearbeiteter Checklisten, sondern die individuell zugeschnittener Ideen. Die Kölner Sanostra GmbH bewegt seit über zehn Jahren Publikum und Kunden mit ihren Show-Inszenierungen und beschreibt den Werdegang von Showkonzepten – von der Idee zum erfolgreichen Event. 

Sanostra Flying Globe
Grundidee mit Add-Ons: Die Showkonzepte von Sanostra sind grundsätzlich modular aufgebaut. (Bild: Sanostra GmbH)

Kunden-Incentives, Jubiläen, Verabschiedungen, Produkteinführungen – gerade große Konzerne lassen es dabei gern so richtig krachen und veranstalten zum Teil spektakuläre Shows. Bis es soweit ist und das Bühnengeschehen das Publikum in seinen Bann zieht, ist es ein langer Weg. Bei Konzeption und Vorbereitung gilt es, eine Vielzahl von wichtigen Faktoren mit einzukalkulieren. Trotzdem gibt es keinen allgemeingültigen Fahrplan, kein Konzept-Handbuch, nach dessen Vorgaben eine tolle Bühnenshow aus dem Hut gezaubert werden kann.

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Das wird im Gespräch mit Björn Hanefeld deutlich, der seit 2006 gemeinsam mit Annegret Köhler mit der Kölner Sanostra GmbH die Konzeption, Organisation und Realisierung von Showinszenierungen anbietet. So unterschiedlich Kunden nach Branche und Zielsetzung der Veranstaltung sind, so vielfältig gestalten sich auch die daraus ergebenden Konzepte.

Björn Hanefeld, CEO Sanostra
Björn Hanefeld, CEO und Show Director Sanostra (Bild: Sanostra GmbH)

Um ein passendes Konzept zu erstellen, so Björn Hanefeld, muss also zunächst aufmerksam und detailliert nachgefragt werden, damit die Aufgabenstellung klar wird. Wie sind die Rahmenbedingungen? Was soll kommuniziert werden? Welche Ziele werden verfolgt? Hier ist vor allem aktives Zuhören gefragt, entweder im Telefonat oder noch besser im persönlichen Gespräch. Auf der Grundlage des Briefings geht das Sanostra-Team ins Brainstorming. Hier werden alle Ideen zusammengetragen. Anschließend werden die Vorschläge dann sondiert, sortiert und aufbereitet. Kundenwünsche und Ideen werden abgeglichen, analysiert und auf Machbarkeit geprüft.

Technische Machbarkeit

Die praktische Umsetzbarkeit einer Idee ist ein ganz grundsätzlicher Rahmenfaktor und muss daher ab dem ersten Moment berücksichtigt werden. Hierzu ein Beispiel: Um Sanostras Premium Act Flying Drummers in ein Showkonzept zu integrieren, wird eine erforderliche Mindesthöhe benötigt. Denn bei dieser Show werden Trommler mit Hochgeschwindigkeit an Personenflugwinden in die Luft emporgezogen. Für Beschleunigung und Bremsweg wird eine entsprechende Strecke benötigt. Zudem werden Hängepunkte mit einer gewissen Traglast benötigt. Das gilt natürlich genauso für andere luftakrobatische Inszenierungen.

Wenn die Location nicht die entsprechenden Voraussetzungen bietet, müssen Konzept- und Showideen also dem zur Verfügung stehenden Rahmen folgen, entsprechend angepasst und ausgewählt werden. Auf diese Weise erspart man sich von Anfang an unnötigen Leerlauf.

Modulare Projektaufteilungen

Sanostras Showkonzepte sind grundsätzlich modular aufgebaut. Der Kunde erhält eine Grundidee, die dann mit Add Ons, Upgrades und Alternativen ausgebaut und verfeinert werden kann. “Wir fügen sehr viele Bausteine ineinander und setzen sie zu einem großen Ganzen zusammen”, erklärt Hanefeld. Leider begnügen sich viele Kunden nur mit der Auswahl von Einzelelementen wie Akrobaten, Tänzern etc. Dabei wäre es auch im Kundeninteresse, zunächst die Grundidee festzulegen und danach die passenden Einzelpunkte auszusuchen.

“Wir sind kein Zirkus”

Bewegung ist für Sanostra das Hauptelement, die Shows leben von Bewegung, Emotionen und Dynamik. Das Konzept, die Idee, wird über Bewegung kommuniziert. Es geht nicht nur um die Darbietung beeindruckender Akrobatik. “Wir sind kein Zirkus”, sagt Hanefeld.

Flying Drummer von Sanostra
Ist die Deckenhöhe ausreichend? Die technische Machbarkeit ist ein ständiger Begleiter der Showkonzeptionierung. (Bild: Sanostra GmbH)

Grundsätzlich sind Endkunden der Entwicklung von Gesamtkonzepten gegenüber offener, so Hanefelds Erfahrung.  In der Zusammenarbeit zumal mit großen Agenturen spielt dagegen vor allem der Zeitdruck eine wichtige Rolle. Oft wird nur schnell etwas Spektakuläres angefragt, eine tiefergehende konzeptionelle Einordnung des Showgeschehens dagegen nicht.

Für eine gelungene Show-Inszenierung ist daher der direkte Kontakt zum Kunden immer ein großer Vorteil. Wenn Agenturen als weitere Instanz dazwischengeschaltet sind, hemmt das oft den Informationsfluss. Nicht selten werden agenturseits künstlerische Aspekte einer Veranstaltung auch als nachrangig angesehen. Der offene, direkte Umgang mit dem Kunden erlaubt dagegen die breitere konzeptionelle Arbeit für die Show. Dann sind sehr individuelle und berührende Umsetzungen von Ideen möglich, die ganz auf das beauftragende Unternehmen zugeschnitten sind.

Pakete für Otto

So etwa bei der Verabschiedung von Michael Otto als Vorstandschef beim Otto Versand. Die naheliegende Idee beim Brainstorming für ein passendes Showkonzept waren Pakete. 80 von Otto zur Verfügung gestellte Pakete wurden in eine temporeiche und rasante Performance eingebunden. Trial-Biker, Parkour-Läufer und Sprungakrobaten agierten als Kuriere, die immer mehr Otto-Pakete auf die Bühne brachten. Beim Höhepunkt blieb noch ein Paket übrig, das dem scheidenden Vorstandschef überreicht wurde und Geschenke und Danksagungen von seinen Mitarbeitern enthielt.

Sanostra Showkonzept für Otto Versand
Für Otto konzipierte Sanostra eine individuelle Show mit großer thematischer Nähe zum Marktbereich des Kunden. (Bild: Sanostra GmbH)

Das liebe Geld

Ein anderer wichtiger Punkt bei der Vorbereitung einer Show-Inszenierung ist der  Budgetrahmen. Es kommt häufig vor, dass Kunden im Gespräch gar keinen konkreten Kostenrahmen vorgeben, sondern zunächst vor allem inhaltliche Wünsche à la “machen Sie etwas Schönes” äußern. Natürlich lassen sich etwaige Kosten recht gut einschätzen, sobald z. B. klar wird, wie groß der Teilnehmerkreis sein soll. Zudem hat jeder Kunde bei Sanostra die Möglichkeit, weitere kreative Ideen zu äußern und dann entsprechend das Budget aufzustocken.

Ein problematischer Aspekt der frühen Vorbereitungsphase ist der inzwischen fast generelle Wegfall von Konzept- und Angebotshonoraren. Anders als jeder Handwerker, der seinen Kostenvoranschlag dem Kunden berechnet, gehen kreative Konzeptioner mit ihren sehr umfangreichen Entwürfen in der Regel in Vorleistung. Das hat zur Folge, dass Konzepte oft nicht so detailliert und tief ausgearbeitet werden können, wie es eine Idee eigentlich erfordern würde.

Die Message

Was die zu vermittelnde Kundenmessage betrifft, lauten die derzeit häufigsten Themen: Zukunft, Digitalisierung, Vernetzung, Verbund. Dabei geht es häufig um bestimmte Attribute, die visualisiert werden sollen, etwa Kraft, Stärke, Dynamik, Schnelligkeit, Flexibilität, Eleganz oder Ästhetik. Die Sanostra-Künstler kommunizieren das mit darstellenden Künsten und setzen diese in Verbindung zu einem Produkt, einer Aussage oder einem Gefühl.

Sanostra Showkonzept
Ob Kraft, Stärke oder Flexibilität: Die Kundenmessage steht im Mittelpunkt. (Bild: Sanostra GmbH)

Bleibt am Ende die Frage, wie eigentlich Erfolg und Effizienz einer Veranstaltung gemessen und bewertet werden. Björn Hanefeld bringt es kurz und knapp auf den Punkt: “Unsere Aufgabe ist es, Menschen emotional zu berühren, dies ist nicht in Zahlen messbar.” Wie für jeden Künstler gilt auch für Show-Veranstaltungen, welche Rückmeldungen und Reaktionen aus dem Publikum, vom Kunden kommen. Unmittelbar während oder nach dem Event ist starker Applaus zweifellos ein Gradmesser für den Erfolg. Aber es gibt auch Show-Konzepte, die weniger auf den äußeren Effekt abzielen, sondern die Anwesenden zum Staunen bringen. Dann sind die Zuschauer auch gefesselt vom Geschehen und nicht laut – das bedeutet ganz und gar nicht, dass die Show nicht gefällt.

“Das Wichtigste ist für uns, dass wir es schaffen, in Kommunikation mit dem Zuschauer zu treten, ihn zu berühren und zu bewegen”, so Hanefeld. “Wirkliche Resonanz bekommen wir daher neben dem Geschehen vor Ort nur über das direkte Gespräch zwischen Zielgruppen und Kunden.”

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wirklich ein sehr interessanter Beitrag. Es ist echt immer wieder erstaunlich wie viel Arbeit hinter so einem Event steckt. Das bekommt man als Zuschauer natürlich nie so mit.
    Liebe Grüße [externer Link entfernt – Anmerkung der Redaktion]

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