Planung und Realisierung von Eventbauten

Vom Kundenauftrag zum Designprozess: Die Realisierung temporärer Bauten

Von der Idee eines Eventbaus bis hin zu seiner finalen Realisierung ist es ein spannender Weg, wenn auch oftmals ein kurzer: Längere Pitchphasen lassen die Vorplanungszeiten schrumpfen, während unterschiedlichste Länderordnungen und Genehmigungsverfahren ihr Übriges tun, um für eine stete Abwechslung zu sorgen. Wir haben mit Michael Kelm, Niederlassungsleiter bei Nüssli, über die Planung und Realisierung temporärer Bauten gesprochen!

METRO unboxed
Die Planung und Realisierung temporärer Bauten ist ein steter Prozess zwischen den beteiligten Gewerken. (Bild: Marco Vedana / Nüssli GmbH)

Mit der Idee fängt es an: Sobald ein temporärer Bau zum festen Bestandteil einer geplanten Veranstaltung erklärt wird, beginnen sich in den Köpfen der Agenturen und Veranstalter verschiedenste Möglichkeiten zu entwickeln. Von welcher Art soll die Konstruktion sein? Welche Größe ist gewünscht? Aus welchem Material soll sie bestehen? Viele Auftraggeber erkundigen sich bereits in der Konzeptionsphase nach realisierbaren und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Oft werden aber auch feste Vorstellungen an den Eventbautenhersteller herangetragen – einige Wünsche sind erfüllbar, andere entwickeln sich im Austausch zwischen Berater und Kunde.

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Kosten und Nutzen in Relation setzen

In seiner Laufbahn bei Nüssli hat Michael Kelm schon viele solcher Anfragen erhalten: „Oft werden Ideen an uns herangetragen, die nicht exakt umsetzbar sind, doch genau das finde ich gut: Dann merkt man, dass der Kunde eine Vision hat und mit Begeisterung bei der Sache ist.“ In solchen Fällen ist es die Aufgabe von Michael Kelm als Architekt und Berater, gemeinsam mit den Kunden eine Lösung zu entwickeln, die auf der einen Seite noch an ihre Idee anknüpft und auf der anderen Seite realisierbar ist – besonders in Bezug auf die statischen Auflagen, die Materialität, die Standfestigkeit oder auch die benötigte bzw. verfügbare Aufbauzeit. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass sich ein Konzept während der Planungsphase mehrfach wandelt: Sowohl vom Kostenrahmen, als auch in Bezug auf die Ausführungsdetails, die bei Bedarf angepasst werden müssen.

Eines der wichtigsten Basisregelwerke für Eventbauer: Die Versammlungsstättenverordnung.
Eines der wichtigsten Basisregelwerke für Eventbauer: Die Versammlungsstättenverordnung. (Bild: Marco Verdana / Nüssli GmbH)

Oft muss während der Planung nachjustiert werden: Legt der Kunde mehr Wert auf den Innenraum, muss im Außenraum abgespeckt werden; soll die Außenwirkung priorisiert werden, müssen im Innenraum Abstriche gemacht werden. Auf diese Weise entsteht ein Designprozess zwischen Kunde und Berater. Agenturleistungen übernimmt Nüssli jedoch nicht – schließlich möchte man den eigenen Kunden nicht ins Handwerk pfuschen. Am Ende ist es meist eine Kosten-Nutzen-Frage, die die Dimensionen und das Design der Konstruktion bestimmen.

Mietvarianten als nachhaltiger Mittelweg

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei temporären Bauten eine immer wichtigere Rolle, weshalb oft auf Mietvarianten zurückgegriffen wird, die rückbaubar und wiederholt nutzbar sind. Mietlösungen unterliegen dabei in der Regel gewissen Systemgrenzen: Schließlich ist die Verfügbarkeit der speziellen Bauelemente u.a. abhängig von dem entsprechenden Lager- und Veranstaltungsort, der Logistik sowie der Zeit. Soll zum Beispiel in Spanien eine Konstruktion gebaut werden, die derzeit in einer amerikanischen Nüssli-Niederlassung gelagert ist, können sich schnell Unstimmigkeiten zwischen Kosten und Nutzen ergeben.

Architekt und Niederlassungsleiter bei Nüssli: Michael Kelm.
„Warum ich den Job mache? Das eine Bauwerk steht auf dem Gletscher, das andere in einer belebten Innenstadt: Kein Bauwerk ist wie das andere. Jeder Bau hat ganz neue Herausforderungen, die unterschiedliche Herangehensweisen erfordern – das macht die Arbeit immer wieder spannend.“ Michael Kelm, Architekt und Niederlassungsleiter bei Nüssli. (Bild: Nüssli GmbH)

Ähnlich nachhaltig wird auch die Qualität des Eventbaus kalkuliert: Soll ein temporärer Bau einen Monat bespielt werden, dann wird auch die Wahl des Materials danach ausgewählt, dass über die gesamte Veranstaltungsphase ein ansprechender Look gewährleistet wird – nicht länger. Es wäre weder kostensparend noch nachhaltig in einer Qualität zu bauen, die mehrere Jahre hält, wenn der Bau im Endeffekt nur fünf Monate im Einsatz ist.

Verkürzte Planungszeit

Während man sich früher für die Planung eines temporären Baus noch verhältnismäßig viel Zeit lassen konnte, werden die Vorplanungszeiten heutzutage immer kürzer. Denn im Eventbau läuft es anders als in einem normalen Architekturprozess, in dem den Architekten abhängig von Größe und Komplexität des Projektes etwa ein Jahr der Vorbereitung eingeräumt wird, während derer verschiedene Varianten durchgespielt werden können. Im Temporärbau muss die Planung sehr zielgerichtet erfolgen, denn in der Regel steht nur ein Bruchteil der Zeit zur Verfügung, die für gewöhnlich bei einem klassischen Hochbau anfällt. Projektabhängig beträgt die Vorplanungszeit von Temporärbauten zwischen einem und sechs Monaten – wobei Letzteres schon Luxus ist. Gründe dafür gibt es verschiedene: Häufige Ursache ist die Kurzfristigkeit und der Prioritätenwandel der Kunden. Sobald Unternehmen die Ausschreibungen zu einem Projekt kommunizieren, wird oftmals zuerst mit mehreren Agenturen gepitcht – eine Phase, die oftmals genauso viel Zeit in Anspruch nimmt wie die anschließende Umsetzungsphase.

Das Electric Zoo Festival 2017 in New York
Das Electric Zoo Festival 2017 in New York (Bild: Daniel Leinweber | Razberry Photography)

Dazu kommt, dass auch die Bauzeiten für Eventbauten schrumpfen: Die Veranstaltungsorte sind nur in bestimmten Zeiträumen bespielbar, Mietzeiten werden optimiert. „Wo früher vier Wochen für den Aufbau einer Konstruktion eingeplant wurden, sind es heute nur noch zwei. Man gönnt sich einfach nicht mehr die Zeit und das Geld so etwas langfristig und in Ruhe aufzustellen“, erklärt Michael Kelm. Aufgrund der verkürzten Planungszeit müssen sowohl Kunden als auch Auftraggeber darauf achten, möglichst wenige Schnittstellen zu haben, die zudem gut koordiniert werden müssen, um Planungsfehler zu vermeiden.

Konstruktionen im Fertigungsprozess

Um Kunden und Auftraggebern einen ersten Eindruck ihres Temporärbaus zu geben, werden die Konstruktionen bei Nüssli in 3D geplant – so können die Bauten problemlos visualisiert werden. Falls es nötig sein sollte, stehen den Nüssli-Niederlassungen zudem 3D-Drucker zur Verfügung, mit denen kleinere Architekturmodelle und Probebauten erstellt werden können. Auch Teile der Konstruktion, wie beispielsweise Fassadenelemente, können auf diese Weise für den Kunden haptisch erlebbar gemacht werden.

Wie es von da an mit dem eigentlich Bau der Konstruktion weitergeht, hängt von der Art und Weise des Temporärbaus ab. Als Beispiel soll hierzu das Electric Zoo Festival in New York dienen: Für den dort eingesetzten Eventbau wurden alle Teile in der Schweiz vorgefertigt, probegebaut und anschließend im Container nach Amerika verschickt. Dort am Veranstaltungsort angekommen, wurden die entsprechenden Teile direkt auf ihrer Position zusammengesetzt. Besonders die Aufbauzeiten und die Möglichkeiten der Ingenieurskunst in Amerika würden ein anderes Vorgehen oftmals auch gar nicht erlauben.

Für den Transport der vorgefertigten Teile wurden die einzelnen Elemente zudem auf ein Standard-Logistikmaß angepasst, um einen möglichst kostenarmen Transport zu gewährleisten. Eine solche Vorfertigung wie bei dem Electric Zoo Festival ist jedoch nicht bei allen Eventbauten möglich. Besonders bei Individualbauten werden die nötigen Arbeiten häufig vor Ort auf der Baustelle erledigt.

Electric Zoo Festival 2017 in New York.
Installation der Elefantenkopfbühne auf dem Electric Zoo Festival 2017 in New York. (Bild: Nüssli GmbH)

Safety first

Bevor das Bauwerk für Besucher geöffnet werden darf, müssen zudem noch einige Genehmigungen eingeholt werden. Die Komplexität der Genehmigungsverfahren variiert dabei stark von Stadt zu Stadt. Einige Behörden sind äußerst flexibel und verfügen über geschultes Personal, die sich mit Brandschutz und Prüfstatik auskennen. Oft werden jedoch auch Mitarbeiter beauftragt, die in der Vergangenheit weniger bis gar keine Berührungspunkte mit der Prüfung temporärer Bauten hatte. Denn anders als gewöhnliche Konstruktionen – wie beispielsweise im Hochbau – werden fliegende Bauten nach der Norm DIN EN 13814 bemessen. Dort sind gewisse statische Grundnormen für Wind, Schnee, Brandschutz u.ä. definiert. Die Sicherheitsanforderungen im Temporärbau können weniger anspruchsvoll sein als jene im Hochbau. Sofern ein Prüfstatiker mit diesen unterschiedlichen Normen nicht vertraut ist, setzt er womöglich die Normen des Hochbaus mit denen fliegender Bauten gleich, wodurch immense Differenzen in der Kostenplanung entstehen können.

Die Verhältnismäßigkeit bewahren

Ist die Konstruktion nach den Maßstäben der Hochbaunormen nicht erfüllbar, muss der Eventbauer bei Bedarf intervenieren und dem Prüfstatiker beratend zur Seite stehen. Dadurch entsteht kein Mangel an Sicherheit, sondern es ist lediglich eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Die Normen im Hochbau sind für die Nutzungsansprüche eines Temporärbaus schlichtweg überdimensioniert: Schließlich werden im Temporärbau keine 20 Geschosse gebaut, die Konstruktion muss nicht erdbebensicher sein und auch eine Haltbarkeit von 20 Jahren ist definitiv nicht erforderlich. Auch die unterschiedliche Materialität spielt eine Rolle: Wo im Hochbau zumeist Beton eingesetzt wird, nutzt man im Temporärbau Modulgerüste.

METRO unboxed, Düsseldorf 2017
Vorgefertigte Fassadenelemente verkürzen die Aufbauzeit. (Bild: Nüssli GmbH)

Zwischen den bestehenden Risiken und den zu ergreifenden Maßnahmen muss immer eine gewisse Verhältnismäßigkeit bewahrt werden, um Kosten und Nutzen wirtschaftlich miteinander zu verknüpfen. Oft finden sich für überdimensionierte Maßnahmen kostengünstigere Alternativen. Ein Beispiel: Die Planung einer Sprinkleranlage mit ihren vielen kleinen Rohren kostet Zeit, Material und damit Geld. Abhängig von der Konstruktion des fliegenden Baus und der dort gegebenen Übersichtlichkeit können sich eine Brandschutzwache, die doppelte Anzahl an Löschmitteln, eine klar gekennzeichnete Fluchtsituation oder die Verwendung nicht brennbarer Materialien als die sinnvolleren Alternativen erweisen.

 

Metro unboxed by Nüssli

Von der planerischen Umsetzung über den ersten Pinselstrich bis hin zum eigentlichen Bau betreut Nüssli Projekte während der gesamten Planungs- und Realisierungsphase – und tritt damit als Generalunternehmer auf. Besonderes Merkmal von Nüssli ist die Kombination von Eventbau und Messe-/Pavillonbau – zwei Abteilungen, die bei Nüssli unter einem Dach zusammen kommen. Dadurch bietet Nüssli die Möglichkeiten nicht nur die Struktur im Inneren, sondern auch die Außenhülle zu bauen. Gutes Beispiel für eine gelungen Kombination aus beiden Divisionen ist das Projekt „Metro unboxed“, unter Leitung der verantwortlichen Agentur Milla & Partner. Neben dem Content lieferte die Agentur letztendlich die gesamte Gestaltung, den Showcontent sowie die Betriebselemente – immer unter der stetigen Skalierung zwischen Budget und Kosten, Wunsch und Wirklichkeit.

METRO unboxed
Für das Projekt „Metro unboxed“ arbeiteten Nüssli und die Agentur Milla & Partner Hand in Hand. (Bild: Jahreiss Fotografie)

Die Zeit als ständiger Gegner

Auf etwa 2.000 m² Grundfläche und über zwei Etagen erstreckte sich der Eventbau Metro unboxed, für den Nüssli den Großteil des benötigten Materials lieferte: Konstruktion, Ausbau, Messebau sowie Außenanlagen. Besonders die kurze Vorplanungszeit war einer der ausschlaggebenden Punkte, auf die Einbindung zu vieler externer Dienstleister zu verzichten, denn viele Schnittstellen beanspruchen auch viel Zeit. Für Bereiche, die außerhalb der Kernthematik von Nüssli liegen – beispielsweise die benötigte elektrische Einrichtung, Brandschutz und technische Gebäudeausrüstung – übernahm Nüssli die Koordination der jeweiligen Dienstleister, um auch hier zeitaufwändige Schnittstellen zu sparen.

Um auch die Fassade in der vorgegebenen Zeit und unter dem anvisierten Qualitätsanspruch fertig stellen zu können, wurden einzelne Fassadenelemente vorgefertigt und per LKW an den Ort des Geschehens transportiert. Durch die Vorfertigung der einzelnen Elemente konnten die Arbeitsschritte sowie damit einhergehend die Teams verkleinert werden – ein weiterer Punkt der positiv auf den Faktor Zeit einwirkte.

 

 

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