Produkt: Die Sustainability-Checkliste für die Eventbranche
Die Sustainability-Checkliste für die Eventbranche
Eine komprimierte Checkliste, damit wirklich jeder Veranstaltungen sofort nachhaltig umsetzen kann.
The Raise of the Robots

Roboter im Eventkontext

Im Film und in der Werbung sind Roboter schon lange präsent. Doch auch auf Events, Messen und Ausstellungen sind Roboter immer häufiger ein Teil der Eventinszenierung. Trotzdem steht ihr Einsatz noch relativ am Anfang, bietet jedoch viel Potenzial. EVENT PARTNER Autor Andreas Horbelt beleuchtete das spannende Thema bereits 2016, seine Erkenntnisse haben aber auch jetzt noch eine hohe Relevanz.

Roboter-Choreografie auf der Volkswagen Group Night in Genf
Roboter-Choreografie auf der Volkswagen Group Night in Genf

Der neue Kollege wird Rob genannt. Er ist fest angestellt, hat sein eigenes Büro, zwei Assistenten und einen festen Tagessatz. Doch der ist „niedriger als mancher denken mag“, sagt sein Chef, Daniel Strauß von Triad Berlin. „Rob“ ist ein Roboter. Genauer gesagt ein Light Weight Robot IIWA 14 von Kuka. Und damit einer der vielen Roboter, die plötzlich in Event- und Ausstellungsprojekten auftauchen.

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Sein aktueller Einsatz führt Roboter „Rob“ um die ganze Welt. Er ist der Concierge der „Siemens 360° Digitalization Tour“ aus dem Jahr 2016, einer Roadshow, mit der Siemens seine Digitalisierungsstrategie weltweit vorstellt. In Asien, Südamerika, Europa und den USA präsentierte der Roboter bereits anhand von verschiedenen Touren durch ein interaktives Stadtmodell die Strategie, er scannt Fabriken und Gebäude und erläutert die neuen Technologien. Zwei baugleiche Roboter präsentieren das erfolgreiche Exponat inzwischen in festeingebauten Showrooms in London und Den Haag.

Siemens 360° Digitalization Tour mit Rob, dem Roboter
Siemens 360 Digitalization Tour mit Rob, dem Roboter (Bild: Triad)

Triad Berlin hat sich intensiv mit Robotik beschäftigt. Man habe mehrere Kollegen bei Kuka schulen lassen, ein eigenes Roboterlabor eingerichtet und schlussendlich selbst einen Roboter gekauft, der liebevoll „Rob“ genannt werde, berichtet Daniel Strauß, Leiter der Unit Messe- und Markenwelten. Es galt, diverse Herausforderungen zu bestehen, bevor der Roboter einsatzbereit war. „Wir haben unter anderem eine eigene Schnittstelle entwickelt, die die Bewegung des Roboters mit den Medieninhalten koordiniert.“ Aber der Aufwand habe sich gelohnt: „Wir sind heute in der Lage, unseren ‚Rob‘ relativ unkompliziert für Messen und Events anzubieten – zu einem überschaubarem Tagessatz.“

> Für die Touristinformation Thüringen setzte Triad Berlin 2018 einen Showroom mit Roboter um.


Digitales Live-Marketing mit NOX Robots

NOX Robots(Bild: NOX Robots)

Die digitale Transformation und besonders die Robotik nimmt immer mehr Platz in unserem Leben ein. Dennoch herrscht häufig Unwissenheit und Abneigung gegen diesen Wandel. NOX Robots hat es sich zum Auftrag gemacht, die digitale Welt für Menschen greifbarer zu machen, sie zu begeistern und somit Berührungsängste abzubauen. Als Botschafter zwischen physischer und digitaler Welt, können Roboter über ihre menschenähnliche Interaktion, individuelle und affektive Erlebnisse auf Veranstaltungen schaffen. Durch die Neuheit der Roboter entsteht Aufmerksamkeit und Interesse. Ebenso können zukunftsorientierte Unternehmen sich als besonders innovativ präsentieren.

NOX Robots(Bild: NOX Robots)

NOX Robots waren im vergangenen und in diesem Jahr mit ihren Robotern Pepper, NOX und NAO bereits auf der Best of Events 2020, der IMEX 2019 und der Ambiente in Frankfurt zu sehen. Dazu Geschäftsführer Tobias Danzer: „Die meisten Menschen kennen humanoide Roboter nur aus Videos. Aber die wenigsten haben mal einem die Hand geschüttelt, geschweige denn sich mit einem unterhalten. NOX, Pepper und NAO sind eindrucksvolle Besuchermagnete. Die Zuschauer filmen und fotografieren fleißig und teilen anschließend ihren Content auf allen Sozialen-Netzwerken. Roboter als Markenbotschafter, Entertainer und Dialogpartner einzusetzen, um noch mehr Menschen von der digitalen Transformation zu begeistern, ist ein gelungenes Konzept.


Tanz der Roboter auf der Volkswagen Group Night

Ähnliche Erfahrungen haben Stephan Overkott, Mitglied der Geschäftsleitung der Dortmunder Agentur Xpion, und Jörg Wienforth, Head of Creation bei United Visions, gemacht. Gemeinsam mit IBG Automation haben sie im Herbst 2015 die Volkswagen Group Night in Genf entwickelt und realisiert. Hauptdarsteller: Zehn Roboter, ebenfalls von Kuka, aber deutlich größer und schwerer als der fragile „Rob“. Sie bewegen in einer beeindruckenden Choreografie große Screens, setzen sich zu Flächen zusammen, trennen sie wieder, scheinen Fahrzeuge mit ihren Blicken zu verfolgen. Und immer ist die Bewegung der Roboter genau abgestimmt auf die Bespielung der Screens.

„Wir haben bei diesem Projekt zusammen mit unseren Dienstleistern echte Pionierarbeit geleistet“, so Christian Genz, Senior Eventmanager Konzernkommunikation von Volkswagen, der das Projekt auf Kundenseite geleitet hat. Und Pionierarbeit bedeutet immer auch den Mut zum Risiko: Noch bei der Generalprobe hatten sich zwei der Roboter mit den LEDs leicht touchiert. Als Ursache stellte sich schnell ein menschlicher Fehler heraus. „Den Robotern wäre das nicht passiert“, sagt Christian Genz.

Auch für dieses Projekt wurde individuell und mit großem Aufwand eine Schnittstelle zwischen der Robotersoftware und dem Medienzuspieler entwickelt. „Wir konnten schlussendlich alle Roboter, ihre Bewegungen und die Bespielung der Medienflächen komplett in Cinema 4D simulieren und die Roboterbewegungen anschließend an die Kuka Software übergeben“, erklärt Jörg Wienforth von United Visions. Dass die zehn Roboter dabei sehr eng nebeneinander standen, habe das Projekt zusätzlich verkompliziert: „Bewegt sich einer, müssen sich auch alle anderen bewegen.“

Nach dem erfolgreichen Projekt arbeiten Xpion und United Visions weiter mit den Robotern. Inzwischen können sie genauso wie Triad Berlin relativ unkompliziert Roboter im Event- und Ausstellungskontext anbieten. Stephan Overkott berichtet von großem internationalen Interesse: Auf der ISE 2016 hat Xpion bereits eine weitere „Robotic Experience“ gezeigt, diesmal für Panasonic.

Bewegungen wie Blätter im Wind

Es wird also nicht mehr lange dauern, bis Roboter zu alltäglichen Bestandteilen von Events und Messeauftritten werden, und entsprechend bleibt die immer gleiche Herausforderung: „Roboter sind erst mal nur ein weiteres technisches Mittel. Entscheidend ist, was man damit macht“, sagt Andreas Schimmelpfennig, Gründer und Geschäftsführer von Elastique in Köln. Für Mitsubishi Electric hat Elastique 2016 die neue Brandworld in Ratingen gestaltet. Highlight-Exponat: eine Installation mit drei Robotern. Auch sie tragen Screens. Nur dass die Besucher hier zusätzlich zwischen einem choreografierten und einem interaktiven Modus wechseln können. Im interaktiven Modus „erklären“ die Roboter den Besuchern Komponenten der Automation von Mitsubishi Electric.

„Was uns besonders interessiert hat, war die Entwicklung einer eigenen künstlerischen Sprache“, legt Schimmelpfennig dar. „Wir haben ausgelotet, wie wir die Hightech-Maschinen so organisch und untechnisch wie möglich bewegen können.“ Die Bewegungen der Roboter definieren sich daher nicht durch den effizientesten Weg von Position A zu Position B, sie sollen im Gegenteil bewusst an natürliche Bewegungen erinnern: „Eine Maschine, deren Bewegungen unterbewusst an den Bewegungskanon der Natur erinnern, das ist ein Widerspruch, der fasziniert.“ So schaukeln die schweren Roboter wie leichte Blätter im Wind, scheinen sich zu unterhalten, spielen Pong miteinander oder federn leicht voneinander ab, als hätten sie sich berührt.

Die zusätzliche Herausforderung: Das Exponat sollte die Sicherheitstechnik von Mitsubishi Electric demonstrieren. Die Choreografie kann deswegen zu jedem Zeitpunkt unterbrochen werden. Die Guides der Ausstellung zeigen das, indem sie ganz bewusst in den Sicherheitsbereich der Roboter langen – die Roboter stoppen sofort. Ein scheinbar simpler Vorgang, der doch sehr viel Komplexität mit sich brachte, denn die drei Roboter müssen auch aus Positionen, in denen sie extrem eng aneinander stehen und miteinander verschränkt sind, wieder sicher an ihre Ausgangspositionen verfahren werden können. „Das war nicht einfach“, bekennt Andreas Schimmelpfennig, „aber es hat sich gelohnt: Die Besucher sind von der Demonstration begeistert.“ Entsprechend ist als Weiterentwicklung die Möglichkeit zur echten Interaktion geplant: „Wir arbeiten an der Implementierung eines Echtzeit-Modus, in dem die Roboter dynamisch auf Bewegungen und Aktionen von Besuchern reagieren.“

Hersteller öffnen sich für Kreativwirtschaft

Der Einsatz von Robotern für Events, Messen und Ausstellungen steht erst am Anfang und hat noch viele Potenziale, darin sind sich alle einig, die bisher mit Robotern gearbeitet haben. „Sie müssen nur mal eine unserer Produktionsstraßen besuchen und sich ansehen, was Roboter heute schon alles leisten. Da lassen sich noch viele Ideen ableiten, wie man Roboter für Events einsetzen könnte“, sagt Christian Genz von Volkswagen. „Roboter werden in viele Lebensbereiche vordringen. Natürlich auch ins Entertainment“, ergänzt Stephan Overkott von Xpion. Die Bereitschaft der Roboterindustrie, sich mit neuen Branchen neben der klassischen Automation auseinanderzusetzen, sei deutlich gestiegen: „Die Hersteller suchen neue Märkte und öffnen sich auch für Anwendungen der Kreativwirtschaft.“ Und diese Anwendungen sind umgekehrt auch für die Hersteller durchaus interessant.

Andreas Schimmelpfennig von Elastique berichtet, dass die Automationsspezialisten von Mitsubishi Electric beeindruckt waren von der intuitiven Steuerung der Roboter über die Animationssoftware. Die enge Zusammenarbeit birgt also noch viel Potenzial. So glaubt auch Daniel Strauß von Triad Berlin, dass „Rob“ nicht sein letzter vollautomatischer Mitarbeiter bleiben wird: „Jetzt gibt es die ersten Roboter wie den IIWA, die mit Menschen zusammenarbeiten dürfen“, erzählt Daniel Strauß. Sie müssen nicht mehr in Käfige eingehaust oder durch Lichtschranken geschützt werden. „Die Barriere zwischen Mensch und Maschine ist gefallen. Die neuen Roboter dürfen mit Menschen kollaborieren. Das wird die Welt verändern. Und Messen und Events.“


Eine kleine Roboter-Historie, subjektiv und unvollständig

Im Film und in der Werbung sind Roboter schon lange präsent, CGI macht es möglich. Man denke nur an das legendäre Tischtennisspiel zwischen Timo Boll und einem Kuka Roboter und die Verwicklungen, die sich aus der missverständlichen Ankündigung eines angeblichen Live-Duells ergaben. Bis dieses Spiel wirklich live möglich ist, wird es noch dauern, so wie generell die ersten Live-Auftritte von Robotern auf Events und Messen lange auf sich warten ließen.

Den Anfang machte, wie so oft, die Haute Couture: Schon 1999 (!) ließ der visionäre Alexander McQueen zwei Roboter das weiße Kleid des Models Shalom Harlow auf der Bühne mit Farbe besprühen. Eine Sensation.

Vereinzelte Kunstprojekte wie die von Audi gesponserte Installation „Outrace“ von Clemens Weisshaar und Reed Kram folgten: Acht Industrieroboter schrieben 2010 auf dem nächtlichen Trafalgar Square Lichtbotschaften in die Nacht. Im selben Jahr ließen die Berliner von insglück einen Roboter zum Eröffnungskonzert der CeBIT antreten. Die Kanzlerin war begeistert.

Für den BMWStand auf der IAA 2011 entwickelte Mutabor ein Set von Exponaten, die alle mit Robotik spielten.

Auf der Automatica 2012 beeindruckten Soul Architects mit dem Messestanddesign für Kuka: Über den Köpfen der Besucher bauten Roboter immer wieder das Dach des Messestandes um. Drei Jahre später präsentierte sich Korea auf der Expo in Mailand mit einer aufwändigen Show mit zwei Robotern.

Eine faszinierende XXL-Variante der Konstellation „Roboter bewegt Medienfläche“ präsentierte die niederländische Agentur Bind im selben Jahr zur Eröffnung des neuen Containerterminals in Rotterdam: Hier wurden containergroße LEDs von den Roboterfahrzeugen des Terminals in Bewegung gesetzt.

Eine wirklich tragende Rolle übernahm 2015 der humanoide Roboter Myon in der Oper „My Square Lady“ von Gob Squad an der Komischen Oper Berlin – er spielte die Hauptrolle.

Ähnlich und doch ganz anders ließ der chinesische Fernsehsender CCTV dann Anfang 2016 die Puppen tanzen. 540 humanoide Roboter begleiteten tanzend einen Schmuserocksänger. Eine Roboterarmee im Softrock-Modus. Man kann eben alles gut und schlecht machen.

 

 

Produkt: Event Partner 04/2020
Event Partner 04/2020
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