Vom Gedanken zur Inszenierung

Wie entsteht ein Licht-, Motion- oder Setdesign?

Wie gehen Licht-, Motion- oder Setdesigner an den Entwurf eines Designs heran? Wie unterscheiden sie sich voneinander, welche Schwerpunkte setzen sie?

Kreativität ist Trumpf. Auf diese Kernaussage lassen sich die Antworten herunterbrechen, hört man sich unter Eventdesignern um. Wer wissen will, wie sie an den Entwurf für die Gestaltung einer Veranstaltung herangehen, wird immer wieder auf diesen Punkt hingewiesen. Alles steht und fällt immer mit der Fähigkeit, originell zu denken, quer zu eingefahrenen Gewohnheiten zu handeln und damit Kunden wie Publikum zu überraschen. Andererseits ist alle noch so geniale Einfallskraft wertlos, wenn nicht auch die entsprechende technische Kompetenz dazukommt. Schließlich müssen die Konzepte und Designs auch umgesetzt werden. Neben der Frage der technischen Machbarkeit sollte ein Designer auch wissen, welche Kosten der Einsatz verschiedener Techniken mit sich bringt, um entsetzte Reaktionen auf Kundenseite zu verhindern.

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Die Bühne des LEA-Awards 2016 in der Frankfurter Festhalle erstrahlte im Licht von u. a. 100 SGM G-1 LED Moving-Heads. Lichtdesign: Jerry Appelt
Die Bühne des LEA-Awards 2016 in der Frankfurter Festhalle erstrahlte im Licht von u. a. 100 SGM G-1 LED Moving-Heads. Lichtdesign: Jerry Appelt (Bild: Thomas Giegerich | bright! gmbh)

Dabei ist es unter diesem Blickwinkel bei allen Unterschieden sekundär, ob sich ein Licht- oder Setdesigner an den Entwurf eines Konzeptes für eine Bühne oder eine Produktpräsentation macht. Der Kern der Arbeit, ihr Ausgangspunkt, ist die Interaktion zwischen der Idee, ihrer Zielsetzung und der technischen Umsetzbarkeit.

 

Wir haben drei Experten gefragt, wie sich ihr  Herangehen an Designentwürfe unter Kundenvorgaben und den Bedingungen technischer Machbarkeit darstellt:

 


 

Jerry Appelt erklärt, wie er an den Entwurf des Lichtdesigns geht:

 

Wie beziehen Sie die verschiedenen Faktoren, also Betrachter, Raum (Bühne, Outdoor etc.) und den Inhalt bei der Lichtgestaltung ein?
Wie gewichten Sie diese Aspekte? Es gibt hierbei keinen generellen Maßstab. Der Inhalt der Veranstaltung, das Setting ist wichtig. Am Anfang steht die Frage, was will der Kunde? Das bedingt dann die Zielsetzung und kann jeweils ganz anders, weil an den individuellen Erfordernissen des Auftraggebers orientiert.

Wie unterscheiden sich die Inszenierungen für Formate wie Produktpräsentationen, Ausstellungen oder Bühnen?
Da ergeben sich je nachdem ganz unterschiedliche Spannungsbögen. Es ist ein großer Unterschied, wenn z. B. Exponate in einer Austellung ansprechend präsentiert werden sollen. Hier ist die Situation eine statische, die Lichtinszenierung soll auf die Ausstellungsstücke hinführen und sich nicht in den Vordergrund drängen. Bei einer Outdoor-Inszenierung, wie etwa der Beleuchtung von architektonischen Elementen, sind diese Objekte zwar auch statisch, aber hier kann der Lichtdesigner ganz anders arbeiten. Hier können Verläufe, Bewegungen einen Prozess erzeugen, eine Geschichte mit einer dynamischen dramatischen Struktur.

Bei diesen Inszenierungen ist interdisziplinäres Arbeiten elementar, es verhindert die Gefahr der Betriebsblindheit. Für mich ist bei der Arbeit die große Bandbreite unterschiedlichster Settings sehr wichtig. Deshalb realisiere ich Automotive Events, TV-Veranstaltungen oder große Tourneen, die alle völlig unterschiedliche Anforderungen an mich stellen. Die Erfahrungen der verschiedenen Inszenierungen befruchten sich hier gegenseitig, so dass Elemente immer wieder in neue Zusammenhänge gestellt werden können.

Lichtdesigner Jerry Appelt
Lichtdesigner Jerry Appelt (Bild: Privat )

Wie greifen technische Kompetenz und Kreativität ineinander?
Inzwischen sind die technischen Anforderungen und die zur Verfügung stehenden Produkte so hochkomplex, dass ein Designer gar nicht mehr mit dem Anspruch auftreten kann, alle technischen Aspekte in ihrer Tiefe zu durchdringen. Deshalb ist es wichtig, mit den entsprechenden Fachleuten zusammenzuarbeiten, Netzwerke zu bilden.

Eine klare Trennung Kreativität/Technik ist schwer zu ziehen. Allerdings sollte die Technik nie zum Selbstzweck werden, sondern immer im Dienst der Inszenierung stehen. Das gilt auch dann, wenn für eine große Bühnenshow jede Menge bombastische Schauwerte geliefert werden müssen.

Natürlich ist es interessant, innovative Produkte in Konzepte einzubinden. Aber das darf nicht zu einer oberflächlichen Gadget-Spielerei werden. Es ist viel spannender, Produkte für andere als ursprünglich gedachte Zwecke einzusetzen. Für dieses Querdenken beim Einsatz benötigen dann auch Techniker ein gewisses Maß an Kreativität. Aus diesem Grund arbeite ich auch gern mit SGM-Produkten. Die sind auf der einen Seite innovativ, ermöglichen aber auch über das ursprünglich vorgesehene Einsatzfeld ganz andere Nutzungsarten. Dabei hilft es natürlich sehr, dass es zwischen mir als Designer und dem Hersteller kurze und direkte Kommunikationswege gibt. Das ermöglicht Herstellern wie eben SGM, nahe an den Bedürfnissen von Designern zu produzieren.

 


 

Creative Director und Motiondesigner Lois Kainhuber von Monomango erläutert seine Herangehensweise an ein herausragendes Motiondesign, das nicht nur die Kunden, sondern auch die Zuschauer begeistert: 

Wie beziehen Sie die verschiedenen Faktoren, also Betrachter, Raum (Bühne, Outdoor etc.) und den Inhalt zur Gestaltung und Anordnung der Elemente ein? Wie gewichten Sie diese Aspekte?
Im Mittelpunkt jeder Kreation steht die Frage nach der Botschaft. Um welches Produkt, um welche Personen oder Showacts geht es? Was zeichnet sie aus? Was bringen sie mit? Was soll kommuniziert werden? Und darum entwickeln wir in erster Linie unser Design- und Inszenierungskonzept. Das Design zahlt zwingend auf diese Botschaft und den Kontext ein und muss funktionieren. Es ist dabei oft inspiriert von zeitgeistiger Ästhetik, Kunst und Kultur, und trägt immer auch unsere Handschrift.

Inszenierung von Monomango für Mercedes-Benz auf der Auto China 2016
Mediendesign von Monomango für Mercedes-Benz auf der Auto China 2016 Lead –  Agentur: Atelier Markgraph – Mediendesign: Monomango (Bild: Andreas Keller)

Stehen erst einmal eine Idee zur Botschaft und ein Designansatz, fangen wir an, diese in den Raum zu implementieren. Sichtachsen und People Flow gehen mit diesem Schritt einher. Dazu gibt es viele Erfahrungswerte: Wie lange hält ein Rezipient sich mit einem Thema auf? Was ist die maximale Komplexität der Botschaft, um den Zuschauer nicht zu verlieren? Wie lange will ich, dass das Publikum sich in einem bestimmten Teil des Raums aufhält? Wo setze ich Entertainment Peaks und wo Ruhephasen? All das fließt in die Inszenierung mit ein. Ein häufiger Ansatz in unseren Designs ist die virtuelle Erweiterung der physischen Szenografie und Architektur. Andere unserer Kreationen drehen sich um das Thema Immersion: Wie kann der Besucher Teil des Geschehens werden und ist eben nicht nur Zuschauer?

Uns geht es darum, immer neue persönliche Experiences zu erschaffen. Und dafür bringt jeder Raum und jede Bühne andere Anlagen mit. Die Wahl unserer Tools wie Software, Kameras, Tracking-Systeme usw. ist essenziell – ordnet sich aber immer den Anforderungen des Inhalts unter.

Motiondesigner Lois Kainhuber
Motiondesigner Lois Kainhuber (Bild: Privat )

Wie unterscheiden sich die Inszenierungen für Formate wie z. B. Produktpräsentationen, Ausstellungen oder Bühnen?
Vor allem in der Gewichtung von Entertainment und Informationsvermittlung. Auf Bühnen spielt man große und effektvolle Bilder. Hier kommt es mehr auf den Impact der Inszenierung an. Hier zielen wir auf Emotionen ab. Bei Ausstellungen spielen Faktoren wie People Flow, gezielte Informationsvermittlung, das Habitat des Produkts, Typographie und Layout und nicht zuletzt das Corporate Design eine große Rolle. Dennoch verbindet jegliche Form der Präsentation und Inszenierung die Reduktion auf das wirklich Nötige.

Wie greifen technische Kompetenz und Kreativität ineinander?
Das ist eine essenzielle Schnittstelle. Wir versuchen, in beiden Disziplinen immer mit größtem Innovationspotenzial zu arbeiten. Für uns ist die Technologie aber immer nur ein Werkzeug zur Umsetzung unserer Ideen. Die Ideen bestimmen die Werkzeuge. Und den Umgang mit diesen kann eigentlich jeder erlernen. Das Wichtigste ist das Verständnis und Gefühl für Ästhetik. Das muss ein guter Artist in erster Linie mitbringen.

 


 

Im folgenden Kurzinterview gibt Markus Wagner von der Agentur insglück einen spannenden Einblick in die Entstehung eines Setdesigns, das allen Anforderungen der Kunden genügt und die Zuschauer begeistert:

 

Wie beziehen Sie die verschiedenen Faktoren, also Betrachter, Raum (Bühne, Outdoor etc.) und den Inhalt zur Gestaltung und Anordnung der Elemente ein? Wie gewichten Sie diese Aspekte?
Das ist unterschiedlich, bei manchen Aufgaben, z. B. einer Bühne, suche ich zunächst nach einer strukturellen Idee, die ich entwickle und die mich durch den Gestaltungsprozess begleitet. Eine Idee in eine räumliche Anordnung zu transferieren, ist ein Balanceakt, man muss sehr gut aufpassen, nicht zu früh in Plakativität und Plattheit zu fallen. Wenn man es gut ausbalanciert und subtil bleibt, steht am Ende ein Raum, der Spaß macht. Eine zu platte räumliche Übersetzung schafft einen toten Raum: Man versteht ihn und ist sofort damit fertig. Das ist langweilig.

Eröffnung der Hannover Messe 2016, für die insglück jüngst eiFAMAB Award gewannen.
Eröffnung der Hannover Messe 2016, für die insglück jüngst einen FAMAB Award gewannen. (Bild: Deutsche Messe AG)

Seitdem ich professionell Räume entwerfe, arbeite ich sehr viel mit Entwurfsprogrammen im virtuellen 3DRaum. Da bin ich dann sozusagen mein eigenes Versuchskaninchen meiner Entwürfe. Ich ändere Farben, Formen, Anordnungen und registriere Wirkung auf mich, auf mein Wohlbefinden, meine Gedanken und Stimmungen. Natürlich ist in der Markenkommunikation mein Wohlbefinden nicht das Maß der Dinge. Aber der Prozess ist ja umgekehrt: Ich analysiere die Marke, deren Botschaften und Richtlinien im Vorhinein. Unter diesen Prämissen einen Raum zu schaffen, der mich inspiriert, ist dann die erste, und oft die schwerste Herausforderung. Die darauf folgende Anpassung an die Zielgruppe ist ein weiterer wichtiger Schritt, den ich am besten im Austausch mit anderen schaffe.

Wie unterscheiden sich die Inszenierungen für Formate wie z. B. Produktpräsentationen, Ausstellungen oder Bühnen?
Die meiste Zeit habe ich Räume für Theaterinszenierungen entworfen. Die müssen Schauspieler und Regisseure sechs Wochen Probenzeit lang inspirieren können. In ihnen sollen sie viele Stunden an sich arbeiten, spielen, Charaktere und Geschichten entwickeln, die dann ein Publikum faszinieren. Also schaffe ich Bedingungsrahmen für Interaktionen und Stimmungen. Ich versuche, keine statischen Bilder, sondern Spielfelder zu entwickeln. Mit diesem Ansatz entwerfe ich auch ein Eventdesign oder einen Messestand: Was ist in diesem Raum möglich? Welche Stimmungen und Aktionen können aufkommen?

Setdesigner Markus Wagner
Setdesigner Markus Wagner (Bild: Privat )

Wie greifen technische Kompetenz und Kreativität ineinander?
Natürlich setzt die technische Machbarkeit Grenzen, aber die Fantasie hat ihre eigene Dynamik und spinnt sich davon gerne erst einmal frei. Wenn es dann aber einen virtuellen Raum gibt, der in allen Beziehungen stimmig ist (strukturell witzig, zur Marke passt, sich gut anfühlt etc.), genieße ich es sehr, mir den Kopf über technische Lösungen zu zerbrechen, um ihn zu realisieren. Das ist eine sehr entspannende, coole Form von Kreativität. Dabei kann es zum Aufblühen des Entwurfs führen oder zu einem richtigen Erdrutsch.

 

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