Produkt: Crowd Management: Wie kann man Unglücke verhindern!
Crowd Management: Wie kann man Unglücke verhindern!
Was sind die Auslöser von Unglücken bei Veranstaltungen und was braucht man zu deren Verhinderung?
Die Geschlechterfrage

Kommentar: Frauen in der Sicherheitsbranche

Auch wenn es bereits viele Frauen in der Sicherheitsbranche gibt – ob im technischen und infrastrukturellen Teil oder auch im Bereich der Sicherheitsdienstleistungen – Quantität alleine löst das Problem der Gleichberechtigung nicht, davon ist EVENT-PARTNER-Autorin und Fachfrau für Eventsicherheit und Crowd Management Sabine Funk überzeugt. Welche Erfahrungen sie selbst schon machen musste und was ihre Antworten auf die Geschlechterfrage sind, erläutert sie in diesem Kommentar.

geschlechtergerechtigkeit(Bild: Pixabay)

[Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel stammt von Dezember 2019]

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„Ist Sicherheit männlich?“ – so sollte die Überschrift eigentlich lauten, bis klar war, dass es schon ca. 100 Artikel mit diesem Titel gibt. Also neu: „Ist Sicherheit weiblich?“ – auch schon mehrfach vergeben. Damit verbunden die Frage: Muss ich denn dann überhaupt noch was dazu schreiben?

Was es schon gibt, sind die gleichen Er- und Bekenntnisse, warum Frauen in der Branche toll wären – mal mehr, mal weniger smart formuliert. Einige Formulierungen lassen gar vermuten, dass es sich bei „der Frau“ um eine Ausnahmespezies handelt, ein besonderes Ausstattungsmerkmal: „In den letzten Jahren findet man immer öfters auch Frauen bei Security-Dienstleistern. […] Vor allem im Empfangsbereich sind Frauen oft wesentlich besser geeignet […]. Ihre Stärken sind weniger ihrer Körperkraft zuzuschreiben, Frauen üben jedoch in vielen Fällen eine deeskalierende Wirkung aus – vor allem auf das männliche Geschlecht.“ (Quelle: https://sentinel-security.at/de/einsatz-von-frauen-im-sicherheitsdienst)

Sabine Funk, Fachfrau für Eventsicherheit und Crowd Management
Sabine Funk, Fachfrau für Eventsicherheit und Crowd Management (Bild: Dirk Eisermann)

Sprache bestimmt das Denken

Überlagert werden die inhaltlichen Diskussionen durch die Diskussion um die Sprache – wichtig, zum Teil aber auch die Sachebene konterkarierend. Sprache bestimmt das Denken – dem stimme ich uneingeschränkt zu. Aber die Art, in der diese Diskussionen zuweilen geführt werden, schadet dem Thema mehr als das sie nutzen.

Natürlich möchte auch ich nicht als Geschäftsführer tituliert werden und bei unseren Kursen achten wir darauf, nicht nur vom Veranstaltungsleiter zu sprechen. Allerdings braucht es den aktiven Hinweis hierauf eher selten: Menschen, die gewohnt sind, auf Augenhöhe mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, adressieren – sofern dies terminologisch nötig ist – automatisch alle Geschlechter: ob bei „den Veranstaltungsleitern und Veranstaltungsleiterinnen“ oder den „männlichen und weiblichen Sicherheitskräften“. Es ist dem Gebrauch der Begrifflichkeiten schnell anzumerken, ob es sich dabei um sozial erwünschte Formulierungen handelt oder um eine Normalität. Also ja: Sprache bestimmt das Denken und umgekehrt.

Arbeiten auf Augenhöhe

Hier offenbart sich allerdings auch das Problem: Wir bewegen uns sehr häufig nicht auf Augenhöhe. Natürlich gibt es viele Frauen in der Branche – ob im technischen und infrastrukturellen Teil oder auch im Bereich der Sicherheitsdienstleistungen –, aber die Quantität löst das Problem nicht. Letztlich erwischte ich mich selbst dabei, wie ich auf ein Bild einer Eventmarketingfirma schaute und mit Blick auf das Gruppenfoto diverser Herren in gedeckten Anzügen dachte, dass „wir“, der „anpackende“ Teil der Branche, doch viel cooler sind – aber leider stimmt das gar nicht so generell. Wie gesagt: Es gibt viele tolle Frauen auch im „anpackenden“ Bereich der Branche, aber schon allein die Tatsache, dass es das wert ist, überhaupt gesagt zu werden, zeigt, wie weit der Ist-Zustand noch von einer tatsächlichen Normalität entfernt ist.

Schon recht früh in meiner beruflichen Entwicklung wurde ich gefragt, wie ich mich „als Frau in der Branche“ fühle. Ich habe geantwortet, dass ich das Problem nicht so sehe, weil ich mein Gegenüber eigentlich immer als Mensch betrachte und mir die Geschlechterfrage da nicht besonders wichtig ist – im Nachhinein eine ziemlich blauäugige Einstellung, denn das Konstrukt funktioniert natürlich nur auf Gegenseitigkeit. Und wer schon mal als Frau vor einer Gruppe, im besten Fall auch noch uniformierter Männer, gestanden hat, um zu sagen, dass es besser wäre, bestimmte Dinge anders zu machen – geschweige denn, zu sagen, dass etwas falsch ist –, der weiß, dass neben „uniformiert/nicht uniformiert“, „neue Generation/alte Generation“ leider auch „Mann/Frau“ ein Grund ist, warum Dinge manchmal schwierig sind.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass genau diese Haltung mir am Ende doch geholfen hat: mich darauf zu konzentrieren, was ich will, und mich nicht zu sehr in Gefechte zu verwickeln, die ich auch nicht wirklich hätte gewinnen können. Zugegeben: Geärgert habe ich mich aber schon.

Obwohl: Auf der Ebene der Spezialisten – oder heißt es Spezialistinnen? – stellt sich die Problematik nicht so sehr: Ab einer bestimmten Fachlichkeit muss jemand schon sehr ignorant sein, das Wissen des Gegenübers nicht anzuerkennen – ob nun wegen des Geschlechts, der Organisationszugehörigkeit oder sonstiger mehr oder weniger optischer Auffälligkeiten. Menschen, die das tun, diskreditieren sich schnell selbst.

Gleichheit-Gemeinsam-Zusammen-Team-Gerechtigkeit

Aufstieg, Profilierung und Deutungshoheit

Ebenfalls eher weniger Probleme gibt es auf einer Basisebene, auf der es nicht um Aufstieg, Profilierung oder Deutungshoheit geht, sondern nur darum, einen Job zu machen. Eine Umfrage im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsprojektes ProVOD – Professionalisierung des Veranstaltungsordnungsdienstes zeigte, dass auf der Ebene der Basiskräfte nur wenig geschlechtsspezifische Probleme existieren: Das Team arbeitet zusammen, der eine mit dem anderen Menschen.

Spannend wird es dazwischen: auf den mittleren Führungsebenen. Dort sind sie zu finden: die Männerclubs, die am Ende die Dinge doch untereinander regeln. Die ungerechten, weil ungleichen Bezahlungen, der irrsinnige Gedanke, dass sich Frauen besonders anstrengen müssen, hier zu bestehen.

Persönliche Erfahrungen und Ergebnisse aus dem o.g. Forschungsprojekt zeigen das gleiche Bild. Auf der Oberfläche sind alle dafür: für Gleichberechtigung – natürlich! – immerhin dürfen die Frauen ja auch wählen und Auto fahren, für gleiche Möglichkeiten, gleiche Bezahlung. Und nicht wenige meinen das tatsächlich auch so, wenn sie es sagen. Vielleicht denken sie sogar, dass es genau so ist. Beim genaueren Hinschauen finden sich aber all die Ungerechtigkeiten, die Ungleichheiten, die geschlossenen Möglichkeiten.

Die Zeiten ändern sich

Fairerweise gehört aber auch dazu, dass gerade in der Sicherheitsbranche vieles an Erfahrungen hängt. Und weil es nun mal so ist, dass die Branche noch nicht so lange „auch ein bisschen weiblich“ ist – ca. 30% sind es wohl –, sind momentan viele der (sehr) erfahrenen Menschen Männer – was in sich ja auch gar kein Problem ist. Aber die Zeiten ändern sich. Der Weg über jahrelange Erfahrung ist heute nicht mehr möglich. Menschen werden mehr oder weniger ausgebildet in mehr oder weniger Führungspositionen geworfen, und auch wenn die Wurfquote auf Geschlechtsebene noch ausgewogen ist, ist sie es auf der Ebene des dann auch gefördert- und einbezogen Werdens nicht mehr.

Was aber tun? Opferrolle annehmen und besonders hart arbeiten? Eher nicht, weil es denen in die Hände spielt, die sich nicht ändern wollen und die dann auch noch vom Mehreinsatz profitieren. Ignorieren? Funktioniert nur, wenn es um nichts geht. „Weglächeln“ oder „in aller Stille was anderes suchen“? Sicher nicht – diese Tipps stammen aus einer TV-Serie aus den 60ern.

Was mir geholfen hat: Aufstehen und die Meinung vertreten. Keine Angst haben, 50 uniformierten Männern zu sagen, dass sie mit ihrer Herangehensweise nun mal falsch liegen, wenn ich mir sicher bin, dass meine richtig ist. Aushalten können, dass die anderen einen auch mal doof finden, und vor allem: Nicht immer so eine mega Thema daraus machen. Auch mal drüber lachen und – das darf natürlich nicht fehlen – das Ganze dann geraderücken.

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Produkt: BaSiGo: Präsentation zu Sicherheit und Marketing
BaSiGo: Präsentation zu Sicherheit und Marketing
In einer Präsentation auf der Abschlussveranstaltung des BaSiGo erläuterte Prof. Dr. Gebhard Rusch die Zusammenhänge von Sicherheit und Marketing.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sehr interessant, dass auch in der Sicherheitsbranche 30% Frauen aktiv sind. Ich finde es sehr gut, dass Frauen auch immer mehr in den Berufen tätig sind, die eigentlich eher Männern zugeschrieben werden. Eine Freundin von mir ist auch geprüfte Schutz- und Sicherheitskraft. Sie geht in diesem Beruf total auf und hat jede Menge Freude daran!
    [Anmerkung der Redaktion: URL entfernt]

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  2. Das ist ein sehr interessanter Artikel zum Thema Sicherheitsdienste. Ich habe mir schon einige Beiträge dazu durchgelesen.
    [Anmerkung der Redaktion: URL entfernt]

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  3. Der Artikel gefällt mir gut da ich das genauso sehe.
    Ich bin bei einer grossen Firma angestellt nur ist es leider so das die Kollegen /in sehr ignorant sind. Als ich in diesem Objekt anfing
    musste ich schon nach ein paar Tagen klarstellen das ich nur “Kollege” bin auf den man aber zählen kann und das auch von anderen möchte, damit habe ich mich wohl unbeliebt gemacht.
    Der erste Grund das zu sagen war das ein viel jüngerer Kollege mir ständig ein Abenteuer angeboten hat und meinte wenn ich irgendwelche Probleme habe steht er dann hinter mir. Nur dann war er wohl gekränkt machte mich hinten rum schlecht die anderen ignorieren mich, oder warten auf “Fehler”die sie dann auch breit treten und es

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