Produkt: Event Partner 04/2019
Event Partner 04/2019
Titelthema: KREATIVITÄT +++ Einleuchtende Ideen: Showkonzepte von SANOSTRA +++ So kann ARTISTIK Events bereichern +++ Neue Akademie für Theater und Digitalität +++Arbeit in virtuellen Teams – Best Practice +++ Erlebnisreich Campus +++ PORTRAITS: OBJ.Studio, wolf one, trendhouse +++ Eventry in Afrika
Schluss mit lustig

Die Event-Zora über die Ur-Mütter aller Events: Award-Gala und Gigashow

Da gibt es Eventformate, die sich gerade als völlig aus der Zeit gefallen entblößen. Es sind Ur-Mütter aller Events: die Award-Gala und die Gigashow.

Die Event Zora

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Mit reichlich Popcorn und Prosecco schauen wir von Bambi über den Filmpreis bis zur Goldenen Kamera alles, was uns auf den Screen kommt. Meine Freundinnen sind völlig branchenfremd und bis vor kurzem fanden sie mich mit meinem berufsbedingten kritischen Blick nervig. „Chill doch mal“, durfte ich dann hören, wenn ich mich über die Einsätze, die Moderationen oder das gigantomanische, aber nichtssagende, buntstrahlende LED-Bühnenbild ereiferte. Mein Großvater, der Event-Zorro, riet mir auch zu Gelassenheit. Aber er hat leicht über WhatsApp reden, wenn er im Gemeinschaftssaal seines Seniorenheims mit debilen Alterskolleginnen und Frühvergreisten parallel die Übertragungen schaut. Für ihn ist das das reinste Lebenselixier, wie bei dem sagenhaften Zirkuspferd, das die Trompete hört.

Bei mir treibt es dagegen den Blutdruck in unermessliche Höhen. Da wäre zum Beispiel die „Goldene Kamera 2019“. Greta Thunberg erhält den Sonderpreis in der Kategorie Klimaschutz. Welchen Fußabdruck hat eigentlich die Veranstaltung, mal abgesehen von den visuellen Beleidigungen der Szenografie? Aber dann die Dramaturgie. „Wir leben in einer seltsamen Welt …“, sagte Greta Thunberg anlässlich ihrer Rede zum Sonderpreis für Klimaschutz. Und nur kurz darauf erhält die Nachwuchsschauspielerin Milena Tscharntke einen Mini-SUV Volkswagen T-Cross. Und alle applaudieren, wie vorher bei der schwedischen Aktivistin. Jetzt könnte man sagen, der Volkswagen-Absatz ist ungebrochen und damit war das Sponsoring erfolgreich. Aber will man die Welt so sehen?

Schnitt! Die Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2019 (hier auf YouTube in ganzer Länge). Da wird das Format der Award-Gala als reines Copy & Paste auf die Bühne gebracht. Das alles ist sehr analog, bis hin zu den Laudatoren. Die meisten outen sich als branchenfremde Nichtgamer und Digital-Bundesstaatssekretärin Bär macht sich durch kostümierte Anbiederung zum totalen Lauch 1.0. Ina Müller, auch so analog wie nur etwas, belegt das Peter-Prinzip (unbedingt googeln!). Sie hat als Moderatorin hier das Maß ihrer absoluten Unfähigkeit erreicht. Die Veranstaltung ist ungewollter und ungekonnter Trash.

Dann kam der ESC in Tel Aviv. Alles, was unsere Branche – genaugenommen PRG – an Gimmicks und Bühnentechnik zu bieten hatte, war da im Einsatz. Aber, sorry, auch dieses Format hat sich überlebt. Die großartigste Inszenierung samt LED-Floor macht aus mittelmäßigen Songs und Performern trotz Licht-, Kinetik- und Video-Schnickschnack noch kein gelungenes Event. Florian Wieder, der Szenograf, hat alles in der Liste, was so Rang und Namen hat – von Bambi über DSDS und ESC zu Wetten, dass..?. Aber ist das nicht Dinosaurier-Eventing? Mit einem ökologischen Fußabdruck von Bigfoot, King Kong und Godzilla zusammen?

Da war die fesche Lola dann doch zumindest mein Nachhaltigkeitsliebling der Eventsaison. Bei der Deutschen-Filmpreis-Verleihung in Berlin gab es sogar erstmalig kein Fleisch, ganz hart für Herrenfahrer Lindner. Die vielen Appelle an Empathie und Solidarität in einer gespaltenen Gesellschaft waren ebenso honorig wie das Nachhaltigkeitskonzept selbst. Aber bitte – das Motto „Together we are stronger“ habe ich selbst schon in ein Dutzend Konzepte von Vertriebstagungen geschrieben. Und das modernistische ModeratorInnen-Duo aus Frau und YouTuber trug nicht zu einem positiven nachhaltigen Erinnerungsanker bei.

Warum kopieren wir schlechte Inszenierungen?

Warum verwende ich eigentlich so viel geistige Energie auf Events, die für unsere Branche untypisch sind? Erstens finden landauf und landab immer noch reichlich Ehrungsveranstaltungen statt, welche die TV-Formate konzeptionell und inszenatorisch kopieren. Und zweitens waren sie mal die „Mutter aller Events“. Aber vielleicht sollten wir mal moderne Väter als Vorbild ranlassen.

 

Tschüssie!

Eure wie immer zickige, meckrige und respektlose Event-Zora

PS: Liebe BrandEx-Konzeptioner, das habe ich auch für euch geschrieben. Überrascht mich doch mal!

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Produkt: Event Partner 04/2019
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Titelthema: KREATIVITÄT +++ Einleuchtende Ideen: Showkonzepte von SANOSTRA +++ So kann ARTISTIK Events bereichern +++ Neue Akademie für Theater und Digitalität +++Arbeit in virtuellen Teams – Best Practice +++ Erlebnisreich Campus +++ PORTRAITS: OBJ.Studio, wolf one, trendhouse +++ Eventry in Afrika

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