Die Eventbranche erscheint oft wie eine einzige große Gemeinschaft. Dabei besteht sie aus vielen unterschiedlichen Interessengruppen. Stephanie Kubik von SK inspiring Hotels & Venues denkt mit MICE Connect Retreat Famtrips neu. Buyer und Supplier sollen so auf Augenhöhe zusammenkommen, zur Community werden und gemeinsam voneinander lernen. Eindrücke vom MICE Connect Retreat im AMA Stay in St. Vigil, Südtirol.
Im März lud das MICE Connect Retreat in die Südtiroler Dolomiten. (Bild: Carolin Wehmer)(Bild: Carolin Wehmer)
„Community“ ist das Wort, das die Eventbranche gerade mit am häufigsten benutzt. Es steht auf Slides, in Konzepten, in Ausschreibungen. Was genau gemeint ist, bleibt häufig im Vagen. Und wer ernsthaft fragt, was Community in einem professionellen MICE-Kontext tatsächlich bedeuten kann, bekommt selten eine konkrete Antwort.
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Stephanie Kubik hat eine. Die Gründerin der SK inspiring Hotels & Venues GmbH hat mit den MICE Connect Retreats ein Format entwickelt, das mit klarer Methodik, sowie bewusster Kuration von Programm und Teilnehmenden Gemeinschaft auf Augenhöhe avisiert. Wer hier mitkommt, ist Teil des „The Creating Experiences Club“. Wir machen uns auf zu vier Tagen im AMA Stay in St. Vigil in Enneberg, Südtirol, zum ersten MICE Connect Retreat 2026.
Handverlesene Teilnehmende
Zwanzig Teilnehmende dürfen auf einem Connect Retreat dabei sein, das unter ein konkretes Fokusthema gestellt wird. In Südtirol geht es um den Kern des Trips: Community. Dabei soll es erstmal keinen klassischen Sales-Pitch geben, wo Buyer und Supplier zusammenkommen. Was nach einer Einschränkung klingt, ist das Kern-Design des Formats. Dafür führt Kubik vor jedem Retreat persönliche Gespräche mit allen Teilnehmenden – Video-Calls, in denen sie Budgets, Destinationswünsche und laufende Projekte kennenlernt. Das Matchmaking beginnt Wochen vor dem ersten gemeinsamen Abendessen.
(Bild: Carolin Wehmer)
Auf dem Retreat selbst treten ausschließlich Partner auf, die zum Fokusthema passen. „Es geht nicht um 20 Kontakte. Es geht um 20 relevante Geschäftsbeziehungen“, sagt sie. Dass die Retreats trotz Teilnahmegebühr und Selbstzahler-Anreise für Buyer regelmäßig innerhalb von 24 bis 48 Stunden ausgebucht sind, scheint für sich zu sprechen.
Anreise: Klein, direkt, südtirolerisch
Der Flug von Hamburg nach Bozen dauert mit SkyAlps knapp zwei Stunden. Die südtiroler Regionalairline – selbstbeschriebener „Botschafter der Alpen“ – fliegt mit kleinen Dash-8-Maschinen, ohne Umsteigen, ohne anonymes Massenterminal. Regionale Snacks an Bord, eine familiäre Crew, kurze Wege nach der Landung. Wer große Flughäfen gewohnt ist, wird überrascht sein, wie schnell man in Bozen sein Gepäck in Händen hält und im Transfer sitzt. Neben Hamburg bietet die Airline auch noch Direktflüge aus etwa Berlin und Düsseldorf an.
Bild: Carolin Wehmer
Das AMA Stay mit Blick auf die wolkenverhangenen Dolomiten
Bild: Carolin Wehmer
Das Logo vom AMA Stay bildet sowohl das Wort als auch die Berge ab.
Bild: Carolin Wehmer
Einer der Meetingräume im AMA Stay
Bild: Carolin Wehmer
Barraum vom AMA Stay
Bild: Carolin Wehmer
Die Lobby des AMA Stay
Bild: Carolin Wehmer
Der Außenpool vom AMA Stay
Nach rund 90 Minuten Fahrt durch das Pustertal taucht St. Vigil in Enneberg auf 1.200 Meter Höhe mit Blick auf die Dolomiten auf. Das AMA Stay empfängt die Gruppe mit Aperitif und Türlern Taschen – gefüllten Teigtaschen, eine südtiroler Spezialität. Hausherr Markus Promberger führt persönlich durch das Hotel.
Markus Promberger, Managing Director des AMA Stay, auf der Hausführung im Locker Room für Ski-Gäste. (Bild: Carolin Wehmer)
Was dabei auffällt – Promberger redet nicht über die Stärken des Hauses. Er redet über die Fehler, die er gemacht hat. Über das, was er anders machen würde. Über die Lernkurve, die das AMA Stay als MICE-Location noch vor sich hat. Diese Offenheit eröffnet hier ein Gesprächsklima, das ein voneinander lernen ermöglicht. Promberger kommt aus einer Hospitality-Familie, hat studiert, und schließlich mit Investorengeld von Seilbahnbetreibern das AMA Stay gebaut. MICE war für ihn Neuland. Das merkt man. Aber auch: dass er es ernst nimmt.
Tag zwei: Community beginnt beim Gehen
Tag zwei startet mit einem frühen Frühstück und einer Schneeschuhwanderung. Fritz und Klaus, Markus Prombergers Vater und Bruder, führen die Gruppe bei klarer Sicht durch den Tiefschnee auf die Dolomiten. Die Gruppe läuft dabei gezielt zu zweit in Buyer-Supplier-Pärchen und anleitenden Fragen, die sich Kubik überlegt hat. So sollen die unterschiedlichen Teilnehmenden ins Gespräch kommen und erörtern, was Community für sie bedeutet. Schnell wird aber klar, dass die Fragen kaum als Anstoß benötigt werden, um sich untereinander kennenzulernen.
Was banal klingt, funktioniert. Gespräche, die im Stuhlkreis nie entstanden wären, entstehen beim Gehen. Wer sich körperlich bewegt, lässt auch mental andere Gespräche zu. „Die Idee des „Walk & Talks” bei kleinen Veranstaltungen einzubinden ist einfach und bleibt deswegen in Erinnerung“, kommentiert Nadine Maaßen, Projektleiterin KAD Kongresse & Events.
Die Gruppe auf Schneeschuhwanderung in den Dolomiten. (Bild: Carolin Wehmer)
Am Nachmittag folgt der erste Workshop – thematisch rund um Community als Umsatztreiber. Der Ansatz: wenig Input, viel Aktivierung. Am Flipchart wird gesammelt, was Community für die Teilnehmenden bedeutet. Die Beispiele, die als Impulse hereingegeben werden, sorgen für Diskussion – ein Zeichen, dass das Thema Nerven trifft.
Den Abend verbringt die Gruppe in einer Jagdhütte. Die Supplier übernehmen die Rolle der Gastgeber, servieren Käse- und Fleischfondue. Und wieder steht der fachliche und persönliche Austausch in frischen Tischkonstellationen im Vordergrund. Svenja Preiß, Cluster Director Sales, EAST Hamburg, scheint überzeugt: „Die tiefen Gespräche sind überall entstanden: bei der Aktivität, bei geselligen Abenden. Die Workshops haben eher den Rahmen für tiefen fachlichen Austausch gegeben.“
Tag drei: Höhe, Nebel und ein selbst gemalter Berg
Der dritte Tag beginnt mit einer Gondelfahrt am Kronplatz. Das Wetter hat sich verändert: dichter Nebel, kaum Sicht durch die Wolken, unter der Gondel die Umrisse von Skifahrern aller Könnensklassen. Oben angekommen führt der Weg über vereisten Schnee zum Lumen, einem Fotomuseum und Eventlocation mit einem an klaren Tagen atemberaubenden Panorama auf die Dolomiten.
Hier findet der zweite Workshop statt, thematisch rund um Storytelling. Der inhaltliche Input bleibt kurz – die eigentliche Arbeit liegt in den Kleingruppen, in denen Buyer und Supplier gemeinsam einen Community-Moment in den Locations der Supplier entwickeln sollen. Was daraus entsteht, sind weniger einzelne Momente als Konzeptskizzen, die zeigen, was in den jeweiligen Locations bereits möglich ist. „Ich hatte ein bis zwei Formate direkt im Kopf bei den Präsentationen,“ erzählt Sarah-Louise Windus, CE Marketing Events Senior Specialist bei der Boston Consulting Group, begeistert.
Der offene Austausch zwischen Buyer und Supplier stand im Vordergrund. (Bild: Carolin Wehmer)
Noch im gleichen Gebäude befindet sich das AlpiNN by Norbert Niederkofler, ein Restaurant und ebenfalls Locations, mit vollverglaster Fensterfront mit Blick auf das Tal, das zum Mittagessen zwischen den Sessions lädt. Danach geht es zum Workshop mit Paint & Connect. Jede:r malt einen Berg, Schicht für Schicht, Kontur, Schneeflächen, zuletzt einen roten Pfad nach oben – als Metapher für den eigenen Weg in die Community.
Tag vier: Was bleibt
Der letzte Tag als Abreisetag wird für eine gemeinsame Yoga-Session am Morgen, und eine Abschlussrunde genutzt. Mit Reflexionskarten, die eigens für das Retreat entwickelt wurden, finden die Teilnehmenden heraus, was sie aus dem Retreat mitnehmen.
Auch beim Abendessen blieb Zeit für Gespräche auf Augenhöhe, die die Gruppe zusammenwachsen ließen. (Bild: Carolin Wehmer)
Sie teilen außerdem Feedback, Learnings und Vorhaben. Einige Business Opportunities haben sich konkret ergeben. Viele Gespräche laufen bereits weiter. „Wenn wir aufhören miteinander zu reden, stirbt die Gedankenvielfalt im Kopf,“ kommentiert Karin Wolniczak, Managing Director, nice Agentur für Kommunikation, das neue Format im Nachgang.
Ein Club, der gerade entsteht
Das Retreat in Südtirol war der Auftakt einer Reihe. Im Mai folgt das Sublime Comporta in Portugal – Fokus: New Luxury und Content Creator Events. Im August The Hearts Hotel in Deutschland, im November das Home Hotel Havnekontoret in Bergen, Norwegen. Jede Destination bringt ein eigenes Thema mit, jede Sprache ihr eigenes Publikum: die deutschen Retreats auf Deutsch, die in Portugal und Norwegen auf Englisch.
MICE Connect Retreat ist inzwischen eine Veranstaltungsreihe, für die Stephanie Kubik mit ihrem Netzwerk zusammenarbeitet. Neben Südtirol führen die MICE Connect Retreats dieses Jahr noch nach Portugal, in den Harz und nach Norwegen.
Das sind die Termine:
10.05. – 12.05.2026: Sublime Comporta, Portugal
30.08. – 02.09.2026: The Hearts Hotel, Deutschland
06.11. – 08.11.2026: Home Hotel Havnekontoret, Bergen in Norwegen
Das Dach der Reihe ist „The Creating Experiences Club“ – eine Community, die nicht bei jedem Retreat neu zusammengestellt wird, sondern über die Stationen hinweg wächst. Kubiks Ziel ist klar formuliert: „Wir möchten langfristig als MICE-Community-Host und Wachstumspartner für Lifestyle Hotels, Resorts und Hidden Gems im deutschen MICE-Markt wahrgenommen werden.“
Was Kubik hier langfristig aufbauen möchte, ist also mehr als ein Eventformat. Es ist eine Community mit Format, mit Haltung – und mit einer klaren Antwort auf die Frage, wie Sales in der MICE-Branche der Zukunft aussehen kann. Nicht als Pitch. Nicht als Produktshow. Sondern als Vertrauen, das sich über Zeit aufbaut. In kleinen Gruppen. An außergewöhnlichen Orten. Mit Gesprächen, die etwas bewegen. Die Eventbranche redet viel über Community. Hier entsteht gerade eine.
Drei Fragen an Stephanie Kubik, Kopf hinter MICE Connect Retreat
Stephanie Kubik, Gründerin der SK inspiring Hotels & Venues GmbH (Bild: Carolin Wehmer)
Was hat dich an diesem Retreat überrascht – etwas, das du nicht geplant hattest, aber behalten würdest?
Mich hat überrascht, wie stark das „offene” Matchmaking im Workshop funktioniert hat. Weniger Vorgaben, dafür ein klarer Rahmen und Transparenz über alle Teilnehmenden; und dann haben sich die richtigen Menschen selbst gefunden. Die Ergebnisse waren beeindruckend: kreative, punktgenaue Matches zwischen Buyer & Supplier mit 100% Qualität. An einem Vormittag entstanden mehrere komplette, umsetzungsfertige Eventkonzepte der Eventplaner in den Hotels & Venues, die teilgenommen haben.
Wo hat das Format deine eigenen Ansprüche erfüllt – und wo siehst du noch Luft nach oben?
Ich lege großen Wert auf Details, wie die persönliche Begrüßung auf dem Zimmer mit unserem maßangefertigten Retreat Bundle, „The Creating Experiences Club“ Elementen, stimmungsvolle Musik beim Betreten des Workshopraums, ein offenes Set-up, passende Duftnoten und individuelle Zitate für jeden Gast schaffen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Wenn sich Menschen willkommen und in einem Kreis aus „Fremden“ wohlfühlen, öffnen sie sich und genau dann entsteht Austausch auf Augenhöhe mit Tiefgang in kürzester Zeit. Das ist uns sehr gut gelungen. Ein nächster Schritt ist, Teilnehmende noch aktiver in die Programmgestaltung mit einzubinden. In Portugal wird z. B. die Eventmanagerin von ahead eine Keynote zur Messbarkeit und ROI von Content-Creator-Events halten und das gesamte Business Retreat dabei sein. Das bringt zusätzliche Nahbarkeit und wertvolle Expertise direkt aus der Community ein.
Du bist endlich zurück zu Hause: Woran erkennst du, dass deine Idee für das MICE Connect Retreat aufgegangen ist?
Das merke ich an den LinkedIn Beiträgen der Teilnehmenden, in denen sie sich mehr solche Formate innerhalb der Branche wünschen, neue MICE-Anfragen angestoßen wurden, neue Eventkonzepte etabliert wurden und Gespräche am Telefon oder in der allgemeinen Kommunikation spürbar offener und partnerschaftlicher geworden sind. Vor allem aber, wenn die Teilnehmenden an zukünftige MICE Connect Retreats erneut teilnehmen möchten.