Die Event Zora packt aus

Wie sinnvoll sind Fam-Trips?

Endlich komme ich dazu. Habe mir gerade die Oculus Rift vom Kopf gestreift und den Schweiß von der Stirn gewischt. Die virtuellen Welten haben mich eingesogen in ihre Pseudorealität. Während ich immer noch darüber nachdenke, wie die Brillen für Events mit großen Gruppen irgendwann wirklich einsetzbar sind, fällt mir ein, dass ich gerade die dmexco verpasst habe und auch noch nichts zum Thema Fam-Trips geschrieben habe, was ich doch versprochen hatte.

Die Event Zora

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Mal schnell eine These raushauen: Fam-Trips werden überflüssig. Demnächst besuche ich Locations und Hotels in 3D-VR. Keine lästigen Verkaufsgespräche, keine endlosen Zimmerfluchten mit ähnlichen Zimmern, bei denen man am Abend vergessen hat, was man am Vormittag noch besichtigt hatte. Kein schneller Blick auf die Deckenhöhe des Ballsaales. Eigentlich ganz praktisch und auch noch ökologisch sinnvoll. Aber stelle ich da nicht auch gleich die ganze Live-Kommunikation in Frage? Und mache ich mich selbst in letzter Konsequenz überflüssig? Muss ich tatsächlich auf Storyteller für künstliche Welten umschulen?

Puh, nur eine Vision. Ich bin so Fam, ich bin so VIP, ich bin so hip, was für ein Trip: drei Tage, 20 Hotels, 40 Dienstleister in Bogota getroffen. Oder war es Bukarest? Oder Brüssel? Auch ich habe teilgenommen an Familiarity-Trips. Jenen exklusiven Reisen, hart an – oder deutlich jenseits – der Grenze zu Compliance. Aber ich nehme nicht mehr teil, auch wenn ich die eine oder andere hochattraktive Einladung nach Kanada, Australien oder Dresden erhalte. Die Reisen waren mehr oder minder immer gleich. Ich gebe zu, in fast allen besichtigten Locations habe ich noch nie etwas realisiert. Auch wenn die eine oder andere Anregung in Konzepte einfloss. Das ist sicher nicht repräsentativ. Heute fehlt mir schlicht die Zeit, da ich ohnehin null Einfluss auf die Hotels oder Locations habe. Damals fuhren so eine Melange aus Inhabern, Projektleitern und PraktikantInnen mit. Hat sich das geändert? Die Letzteren hatten die meiste Zeit und die ersten nutzten das eher als Kurzurlaub. Natürlich ist heute alles anders, zielorientierter, effizienter. Oder?

Sie machen Sinn, nicht zum Networking, von dem die „Sponsoren“ ja alle nichts oder in sehr weiter Ferne erst etwas haben. Ich fand und finde es nie schlimm, wenn auch ein Praktikant reisen darf. Wer weiß, was aus ihr oder ihm mal wird?

Man kann natürlich Business as usual machen. Aber die Menschen haben immer weniger Zeit und selbst der kostenlose Ski-Trip oder das Viergänge- und Dreisterne-Menü mit Händeschütteln des Chefs verfängt immer weniger. Sind die Angebote für die Eingeladenen wirklich interessant? Werden sie potenziell Events dort durchführen können? Wer entscheidet? Welchen Zusatznutzen gibt es?

Meine Chefin hat mich gerne mitgeschickt. Als Belohnung für meine endlosen Überstunden. Was ich schon als Praktikantin zu sehen bekam: Das war Schlemmen in den Ardennen, Fondue in der Schweiz, Kaviar-Tasting in New York. Auch der Fam-Trip-Light, der nette Fress- und Saufabend mit Produktpräsentation um die Ecke, sozusagen die Thermomixparty der MICE-Branche, war ganz nett. Ehrlich, als Praktikantin war ich auf die Einladungen angewiesen, haben sie doch mein knappes Budget für F&B geschont.

Ich war jetzt länger nicht dabei. Aber ich habe mir sagen lassen, die einen oder anderen machen das ganz gut. Bieten einen Mehrwert, der nicht nur darin besteht, seinen nächsten Jobwechsel einzustielen. Bei Incentive-Reisen, wie bei Reisen überhaupt, ist das schon sinnvoll, fremde Länder und Sitten kennenzulernen und dann ab- oder anraten zu können.

Ja die Fam-Trips. Bogota, Bukarest oder Baku? Wer macht da wirklich Events? Fam-Trips machen Sinn, wenn die Zielgruppe stimmt, das Programm auf sie abgestimmt ist und die Destination überhaupt begehrt ist oder begehrt gemacht werden kann. Der persönliche Kontakt zu potenziellen Dienstleistern, das schnelle spüren der Haken und Ösen, das ist schon nicht schlecht. Aber weniger könnte mehr sein, schon wegen des CO2s.

Früher war mehr Lametta, heißt es schon bei Loriot.

Eure Event-Zora

PS: Und in der nächsten Kolumne lesen Sie mehr über das beste aller möglichen Rankings.

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