1. Netzwerktreffen der Eventregisseure

Der Eventregisseur – Einzelkämpfer & Teamplayer

Manchen Berufen ist das Prinzip der One-Man-Show inne: Pro Event gibt es eben nur einen Regisseur. Da kommt der Austausch unter Kollegen mit dem gleichen Job natürlich so gut wie gar nicht vor. Grund genug für Chris Cuhls und Marco Dittrich, das 1. Netzwerktreffen der Eventregisseure ins Leben zu rufen.

Eventregisseure bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Storytelling – Machbarkeit – Mittel der technischen Umsetzung.
Eventregisseure bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Storytelling – Machbarkeit – Mittel der technischen Umsetzung. (Bild: POOLgroup/Ralph Larmann)

Für die eigene Weiterentwicklung ist es immens wichtig, das eigene Meinungsbild mit dem von Menschen abzugleichen, die vor den gleichen Anforderungen und Herausforderungen stehen. Aus diesem Verständnis heraus haben die beiden Regisseure Chris Cuhls und Marco Dittrich das 1. Netzwerktreffen der Eventregisseure initiiert. 15 Kollegen mit dem gleichen beruflichen Background folgten der Einladung. Nach einem lockeren Get-together am Vorabend widmete sich die Gruppe am Folgetag u.a. Themen wie der eigenen Positionierung innerhalb der Eventbranche und der Definition von Standards.

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Ein erfolgreicher Auftakt – das Netzwerktreffen soll künftig halbjährlich in jeweils einer anderen größeren Stadt stattfinden. Es gibt noch viel zu bereden.


Zur Person

Marco Dittrich (l.) und Chris Cuhls
Marco Dittrich (l.) und Chris Cuhls (Bild: Martina Courth)

Chris Cuhls:

Als Eventregisseur ist Chris Cuhls für Großunternehmen von Köln aus tätig – aber so gut wie nie in der Heimat. Besondere Projekte waren für ihn ein Musikfestival im „Wunder von Bern”-Stadion sowie Projekte in China. Der Buchautor (Events wirkungsvoll inszenieren; Begegnung gestalten) und Betreiber des Eventblogs ablaufregisseur.de berät zudem Agenturen wie Unternehmen in der Konzeption ihrer Live-Kommunikation.

Marco Dittrich:

Mit seiner Firma 15/08 entertainment, gegründet 1999, entwickelt Marco Dittrich Entertainmentkonzepte und setzt weltweit komplexe Shows im Eventkontext um. Highlights aus 2019 waren die TV-Liveübertragungen der 120 Jahrfeier der Eintracht Frankfurt mit dem HR Sinfonieorchester und 35.000 Gästen im Stadion sowie des Tags der Deutschen Einheit. Darüber hinaus coacht er auch Führungskräfte.


EVENT PARTNER: Was war für Sie das Ziel dieses ersten Treffens der Eventregisseure – und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Marco Dittrich: Ich hatte diesen Gedanken schon seit ein paar Jahren, dass man sich mal persönlich  trifft. Beim Aufsetzen des Verteilers sahen wir, dass die Szene mit knapp 50 Personen recht überschaubar ist. Für einen Berufszweig ist das sehr reduziert. Über Kunden, Künstler, Kollegen und Agenturen kannte ich bereits viele Namen, doch ich fand, man müsse sich mal zusammensetzen und über Standards sprechen. Wie ist die Herangehensweise, was sind unsere Erwartungen? Ein Erfahrungsaustausch also.

Chris Cuhls: Die Erwartung an das Treffen war, für ein Miteinander zu sorgen. Auch aus psychologischer Sicht, denn wir sind ja alle Einzelkämpfer. Am Set gibt es immer nur den einen Regisseur. In der Regel arbeitet man da allein, das liegt in der Natur der Sache. Einerseits sind wir isoliert, gleichzeitig sind aber auch wir nur Menschen, die sich nach Austausch sehnen. Unter Regisseuren herrschen unterschiedliche Mindsets vor, die ich nicht beurteilen will: Konkurrenz oder Kooperation. Ich bin von dem Spruch „What goes around, comes around“ überzeugt. Natürlich können wir voneinander profitieren. Die Frage ist ja: Wie kann sich die ganze Branche nach vorne bewegen, um noch mehr Bedeutung im Marketingmix von Unternehmen zu gewinnen? Indem man Netzwerke bildet, die für eine bessere Qualität sorgen.

1. Netzwerktreffen der Eventregisseure
1. Netzwerktreffen der Eventregisseure (Bild: Chris Cuhls)

EVENT PARTNER: Wie sieht es denn in Ihrem Beruf mit der Nachwuchsbildung aus?

Cuhls: Was wir machen, ist ja kein Beruf, den man als solches studieren könnte. Anders als Film-, Theater- oder Musicalregie ist Eventregie kein qualifizierter Ausbildungsgang. Dementsprechend braucht es Fortbildungen und Netzwerke, um sich auszutauschen und ganzheitlich besser zu werden. Bei unserem Treffen waren auch Personen dabei, die das Berufsfeld brennend interessiert, und die schon die ersten kleineren Jobs gemacht haben. Ich hätte mir vor zehn Jahren für mich selbst gewünscht, dass es so etwas gäbe, auch aus diesem Grund machen wir es jetzt.

Wichtig hierbei ist auch das Thema „Frauen und Männer“. In unserem Verteiler war ein Drittel Frauen, von denen auch drei zum Treffen kamen. Man kann kein 50:50 erzwingen, aber es ist halt auch kein Boys‘ Club. Hinsichtlich Gender und Nachwuchs ist alles bewusst total offen.

Marco Dittrich brieft die Laudatoren beim Grimme Online Award 2018.
Marco Dittrich brieft die Laudatoren beim Grimme Online Award 2018. (Bild: Georg Jorczyk / Grimme-Institut)

EVENT PARTNER: Wäre der nächste Schritt nun, solche Netzwerktreffen zu institutionalisieren?

Dittrich: Es besteht Bedarf. Wir haben festgestellt, dass wir alle bei unserer Arbeit immer die gleichen Hürden überspringen. Wenn wir diese Hürden einmal definieren würden, wären wir schon weiter. Man muss nicht mal einen richtigen Verband gründen, vielleicht würde eine Webpage reichen, auf der man Standards definiert und auf die wir uns in unserem Angebot und unserer Arbeit beziehen können. Jeder könnte so sehen, was wir anbieten und unter welchen Bedingungen wir beispielsweise agieren. Diese Kriterien wären dann solche, die wir 50 Live-Regisseure für uns definiert haben, weil sie aus unserer Erfahrung für eine erfolgreiche Inszenierung und Umsetzung eines Eventkonzeptes wichtig sind.

Eventregisseur Chris Cuhls im Live-Einsatz
Eventregisseur Chris Cuhls (mitte) im Live-Einsatz (Bild: Chris Cuhls)

EVENT PARTNER: So etwas wie eine Art freiwillige Selbstverpflichtung, an die sich alle halten, damit beispielsweise niemand unterbietet?

Cuhls: Genau, immer aus dem Gedanken der Qualitätssicherung heraus, das ist mir wichtig. Wie sorgen wir für Standards im Sinne der Wirkung, damit die Projekte letztendlich besser werden? Wir alle stellen tagtäglich fest, dass es Aspekte gibt, die unter die Räder geraten. Als Einzelner ist es schwierig, diese Standards durchzusetzen.

Dittrich: Die äußeren Umstände bringen oft Bedingungen mit sich, die für sich genommen ein riesengroßes Risiko für das Event bedeuten. Bei den Standards könnte ich mir sehr gut Empfehlungen für die Branche vorstellen.

Das Budget ist zwar wichtig, aber dafür einfach einen Probentag unter den Tisch fallen zu lassen, weil man dadurch glaubt, einen sechsstelligen Betrag zu sparen, ist nur aus budgetärer Betrachtung sinnvoll. Wenn das Event dann an die Wand fährt, weil Schlüsselmomente der Inszenierung nicht funktionieren, hat das Sparen nichts gebracht. Es braucht zum Beispiel eine Sensibilisierung bezüglich notwendiger Probenzeit; dies müsste als Statute festgehalten werden. Es bringt auch nichts, einen Tag mit 16 Stunden zu füllen. Irgendwann ist bei allen der Kopf dicht, dann absolviert man Dienst nach Vorschrift, ohne über den Tellerrand zu blicken.

Cuhls: Das Peinlichste wäre ja, wenn irgendetwas nicht klappt – denn dann rollen Köpfe. Oft müssen wir als Regisseure unseren hinhalten, auch wenn wir den Fehler gar nicht zu verantworten haben. Schlussendlich geht es Kunden immer um Sicherheit und das ist der einzige Faktor, warum ich glaube, dass Kunden auch zuhören. Wir sind so oft gezwungen, last minute mit der heißen Nadel zu stricken, weil gespart werden soll. Weil Auftraggeber keine Fachexpertise haben, verstehen sie nicht, dass für einen reibungslosen Ablauf manche Dinge unumstößlich sind. Da gilt es aufzuklären, welche Schritte zu gehen sind. Beispielsweise ist es besser, wenn man nicht in letzter Sekunde in ein Projekt geholt wird, sondern mit etwas Vorlauf ein Gespräch führt, bei dem wir beraten können, ob das Geplante überhaupt funktionieren wird oder nicht. Beratung ist immer besser, weil ein Wissensvorsprung da ist. Es ist wichtig, für bestimmte Prozesse zu sensibilisieren, damit am Ende die Wirkung erzielt wird, die sich alle wünschen.

Beim 1. Netzwerktreffen tauschten sich 15 Eventregisseure zu aktuellen Themen und Trends aus.
Beim 1. Netzwerktreffen tauschten sich 15 Eventregisseure zu aktuellen Themen und Trends aus. (Bild: Chris Cuhls)

EVENT PARTNER: Es wäre also sinnvoll, Sie früher mit ins Boot zu holen. Was wäre dafür denn ein guter Zeitpunkt? Sie könnten ja bereits den kreativen Prozess bereichern.

Cuhls: Da muss man zwischen Event- und Ablaufregisseur unterscheiden und was deren unterschiedlichen Aufgaben sind. Aber im besten Fall wird man so früh wie möglich involviert. Es gibt Kollegen, die die Ablaufregie verantworten im Sinne von reiner Umsetzung, und es gibt manche, die in Personalunion konzeptionell arbeiten. Für die macht eine Involvierung in einem noch früheren Stadium Sinn. Wenn die Agentur aber einen Konzepter hat, der ein wirklich rundes Konzept vorweisen kann, dann kommt man an dieser Stelle hinzu, damit man sich als Regisseur das Ganze noch mal dramaturgisch und von der Umsetzung her ansieht. Mein Credo dabei: Detail, Timing, Exzellenz.

Dittrich: Das ist genau unsere Schnittstelle. Wir bewegen uns ja zwischen drei Positionen. Die eine ist die dramaturgische Inszenierung dessen, was der Kunde erzählen möchte, also eine Story zu entwickeln. Wir bewerten das aber unter dem Aspekt der Machbarkeit. Wir kennen die technischen Prozesse, das Timing und alles, was es halt so braucht. Wir haben alle ein großes technisches Verständnis, dass wir das Storytelling unter dem technischen Aspekt bewerten können und ob es inszenatorisch für das Publikum Sinn macht. Wir sehen uns da also in einem Dreieck, das es zu bewerten gilt: Was soll erzählt werden? Wie wird es erzählt, dass es für den Gast der Veranstaltung spannend bleibt? Dabei geht es auch um die Aufmerksamkeitsspanne. Und der dritte Aspekt ist: Was braucht man technisch dafür, um das zu realisieren? Wir treten zumeist dazu, wenn es konkret darum geht, eine vorhandene Idee umzusetzen.

Cuhls: Dabei ist die wirklich letzte Instanz für uns, der wir verantwortlich und loyal gegenüber sind, der Gast. Dafür muss man dem Endkunden auch manchmal ehrlich widersprechen und ihm raten, für seine Zielgruppe, nämlich den Gast, etwas anders zu machen. Insofern verstehen wir uns als die Anwälte des Publikums.

Dittrich: Da kann schnell mal Misstrauen aufkommen. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Regisseur, Endkunde und Agentur, weil seitens der Agentur immer die Angst vorhanden ist, dass ein schlechtes Licht auf sie geworfen wird, wenn man bei den Proben dazu rät, einen Part im Ablauf umzustellen, weil er inszenatorisch nicht funktionieren wird – Regisseur und Kunde stehen während des Projekts ja in einem engen Kontakt miteinander. Das ist manchmal schwierig. Es hilft eben, wenn wir frühzeitig an Board geholt werden.

Cuhls: Deshalb ist Vertrauen das Wichtigste und auch die Lösung, dieses Spannungsfeld abzubauen.


Definitionen: Show Caller – Ablaufregisseur – Eventregisseur

Show Caller

Ein Anglizismus, der in der Eventbranche gerne aufgrund der Internationalität benutzt wird. Im Prinzip mit dem Inspizienten im Theater gleichzusetzen. Der Show Caller ist kein Regisseur, sondern derjenige, der nur noch die Cues für etwas gibt, das im Vorfeld von einer anderen Person definiert wurde. Er kommt meist in Produktionen zum Einsatz, bei denen dieselbe Show mehrfach gezeigt wird. Im Eventsektor sind das beispielsweise Automobilpräsentationen, die manchmal mehrere Tage in Folge absolviert werden.

Ablaufregisseur

Die Ablaufregie kümmert sich um den Ablauf, sie sorgt für die richtige Systematik sinnvoller Cues zur richtigen Zeit. Der Ablaufregisseur ist aber nicht derjenige, der sich tiefgreifende inszenatorische, konzeptionelle oder dramaturgische Gedanken im Vorfeld macht. Im Vergleich zum Showcaller ist er vor Ort jedoch die Person, die in engem Kontakt mit den Akteuren und dem Kunden agiert, Proben leitet und die Show so umsetzt, wie sie zuvor konzipiert wurde.

Eventregisseur

Der Eventregisseur ist dafür verantwortlich, dass alle Fäden zusammenkommen, die gewünschte Wirkung eintritt und letztendlich eine runde Show entsteht. Er erbringt die eigentliche Regieleistung, indem er im Vorfeld schon in die Konzeption einbezogen wird, inszenatorische Bestandteile bewertet und entwickelt und letztendlich live umsetzt.


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