Produkt: Recht & Versicherung: Besuchersicherheit und Lebensrisiko auf Events
Recht & Versicherung: Besuchersicherheit und Lebensrisiko auf Events
In der Diskussion, ob eine Veranstaltung „sicher" ist, wird oftmals das Lebensrisiko eines jeden Besuchers vergessen. Jeder Mensch hat (s)ein Lebensrisiko.
Räumungskonzepte – und nun?

Anleitung: Räumungskonzept erstellen

Seit der Veröffentlichung der MVStättVO 2014 ist es in der Welt: Die Betreiber von Versammlungsstätten sollen in einem Konzept erklären, welche Maßnahmen für die schnelle und geordnete Räumung der gesamten Versammlungsstätte oder einzelner Bereiche unter besonderer Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen vorgesehen sind. Wir erklären, wie Sie ein Räumungskonzept erstellen.

Emergency Exit

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Übersicht


Das Forschungsprojekt BaSiGo beschreibt die Räumung im Veranstaltungskontext als „… das ungeplante und kurzfristige Verlassen eines Gebietes bei akuter Gefahr“. Wolff (1998) beschreibt die Räumung als „… das schnelle In-Sicherheit-Bringen aus einem gefährdeten Bereich.“ In zahlreichen anderen Publikationen werden Räumung und Evakuierung nicht ganz korrekt synonym verwendet, im Sinne von „wegen drohender Gefahr von seinem (Wohn)platz wegbringen …“ bzw. „ausquartieren, fortbringen, fortschaffen, in Sicherheit bringen …“ (Duden).

Ein Räumungskonzept ist also ein Plan, um Menschen – auch die mit besonderen Bedürfnissen – schnell aus einem gefährdeten in einen sicheren Bereich zu bringen. Häufig findet sich im Rahmen des Brandschutzes die Räumung als Reaktion auf einen Brand – dies ist aber natürlich nicht der einzige Grund für die Räumung einer Versammlungsstätte. Die Auslöser sind so unterschiedlich wie die jeweils notwendigen Abläufe und Ausmaße der Räumungen.

Feuertreppe(Bild: Pixabay)

Räumungskonzepte sind Teil des Notfallmanagements

Das Räumungskonzept stellt einen Teil des Notfallmanagements dar und folgt idealerweise reproduzierbaren Routinen. Die Basis jedes Notfallmanagements ist dabei eine Gefährdungsbeurteilung des betrachteten Systems und führt zu der Frage, welche Ereignisse zu einer Gesamt- oder Teilräumung der Versammlungsstätte führen können. Hierbei sind sowohl die veranstaltungs- und gebäudespezifischen Gefährdungen sowie mögliche negative Einflüsse durch die Nachbarschaft zu betrachten.

Notfallmanagement heißt strukturierte Herangehensweise

Notfälle sind zeitkritisch – daher ist es wichtig, Informationen standardisiert zur Verfügung zu stellen und abzuarbeiten.

Alarmierung

Bei der Detektion und Meldung eines Ereignisses wird regelmäßig kostbare Zeit verloren. Daher muss klar sein, wie von wem gemeldet werden kann und in welcher Reihenfolge die Alarmierung weitergegeben wird.

Handelnde Personen

Die Zuständigkeit für Entscheidungen in Sicherheitsfragen sowie für die durchzuführenden Handlungen sind festzulegen – es gelten jedoch auch Bedingungen:
In der DIN EN 13200 Zuschaueranlagen – Teil 8 Sicherheitsmanagement heißt es hierzu: „Diese Personen müssen die besonderen Aufgaben kennen, die sie ausführen müssen; sie müssen in der Lage sein, diese Aufgaben auszuführen und müssen wissen, wie sie sich bei unterschiedlichen Notfällen zu verhalten haben, einschließlich Notfallsituationen, in denen Personen in Sicherheit gebracht werden müssen.“

Auslösekritierien

Die Festlegung von Auslösekriterien unterstützt die zeitschnelle Entscheidungsfindung durch das Festlegen von Eskalationsstufen und Reaktionszeiten. So muss z.B. geklärt sein, bis zu welchem Grad eine Situation gemeistert werden kann, welche Personendichten wo und wie lange akzeptabel sind oder welche Wetterbedingungen dazu führen, bestimmte Maßnahmen (vom Einklappen des Sonnenschirms bis zur Absage der Veranstaltung) zu initiieren.

Räumungsarten

Für die Durchführung einer Räumung existiert eine Vielzahl von Variablen: Nicht immer muss die gesamte Versammlungsstätte geräumt werden, noch stehen immer alle Fluchtrichtungen uneingeschränkt zur Verfügung. Aus diesem Grund sollte jedes Räumungskonzept die folgenden Grundräumungsszenarien beinhalten.

Gesamträumung

Die gesamte Versammlungsstätte muss geräumt werden. Alle Fluchtwege stehen zur Verfügung und eine gleichmäßige Verteilung der Besucher auf die vorhandenen Fluchtwege ist möglich.

Teilräumung

Ein Teil der Versammlungsstätte muss geräumt werden. Alle Fluchtwege innerhalb des betroffenen Bereiches stehen zur Verfügung und eine gleichmäßige Verteilung der Besucher auf die vorhandenen Fluchtwege ist möglich. Die Teilräumung sollte ein modularer Teil des Gesamträumungskonzepts sein.

Gerichtete Räumung

Die gesamte oder ein Teil der Versammlungsstätte muss geräumt werden. Es stehen NICHT alle Fluchtwege zur Verfügung.

Herausforderungen

Reaktionen auf eine Räumungsaufforderung sind unterschiedlich. Wissenschaftliche Studien zeigen (Drury, 2013), dass Überreaktionen auf ein Ereignis, wie z.B. individuelle Panikattacken, deutlich seltener sind als Unterreaktionen, also verzögertes oder auch Nicht-Reagieren.
Diesem Phänomen muss aktiv entgegengewirkt werden, Personen müssen angesprochen, gelenkt und geleitet werden. Dies ist aber mit teilweise erheblichem Aufwand verbunden und führt regelmäßig zu Diskussionen über die Notwendigkeit, findet sich doch immer noch die Haltung, dass die Ausweisung und das Freihalten von Fluchtwegen ausreichend für die Selbstrettung von Personen seien. Der Drang des Menschen, sich an anderen zu orientieren (Pelzmann, 2002), führt häufig zur Überlastung der Wege, die auch im Normalbetrieb als Verkehrswege gedient haben sowie zu einer Unterlast nicht regelmäßig genutzter Routen. In komplexen unübersichtlichen Veranstaltungsorten sind Orts- und Verfahrensunkunde der Selbstrettung entgegenstehende Kräfte, denen nur durch aktive Lenkung und Leitung entgegengetreten werden kann.

Berücksichtigung mobilitätseingeschränkter Personen

Alle vorgenannten Aspekte müssen auch für die Anwesenheit von Menschen mit besonderen Bedürfnissen geprüft werden. Wenn optische oder akustische Warnsignale nicht erkannt oder eigenständig auf diese reagiert werden kann, Begleitpersonen nicht bei der betroffenen Person positioniert oder gar nicht anwesend sind, laufen die Konzepte ins Leere. Barrierefreie Ausgänge sind nicht überall verfügbar oder die Wege dorthin verlaufen entgegen der generellen Fluchtrichtung.

Menschenmenge(Bild: Justine Furmanczyk / Freeimages )

Zusammengefasst muss das Räumungskonzept folgende Struktur aufweisen:

  • Gefährdungsanalyse
  • Alarmierungswege
  • Handelnde Personen
  • Auslösekriterien
  • Maßnahmen:
    • Alarmierung der Besucher
    • Aktivierung der Besucher
    • Zusätzliche Beleuchtung
    • Öffnen der zur Verfügung stehenden Notausgänge sowie das Verschlossen Halten nicht zu nutzender Ausgänge
    • Lenken und Leiten der Besucher, gleichmäßige Verteilung der Personen auf alle zur Verfügung stehenden Wege
    • Assistenz für behinderte Besucher
    • Bestätigung/Korrektur des Verhaltens während der Räumung
    • Angreifwege zur Notfallbekämpfung freihalten und Kollisionen mit nachrückenden Rettungsmitteln vermeiden

Selbstrettungsfähigkeit unterstützen

Ein Flucht- und Rettungswegeplan ist kein Räumungskonzept. Ein Konzept zur Räumung, also dem schnellen In-Sicherheit-Bringen von Personen, beinhaltet zahlreiche Aspekte der Notfallorganisation. Insbesondere muss es darum gehen, die Selbstrettungsfähigkeit der anwesenden Personen zu unterstützen. Hierzu muss der Besucher erfahren, welche Bedrohung besteht, in welcher Richtung sich ein sicherer Ort befindet und auf welchem Weg er am schnellsten dort hingelangt. Bedenkt man, dass die Räumung einer Veranstaltungsstätte eine Ultima Ratio ist, wird deutlich, dass Verzögerungen oder Unklarheiten hier nicht akzeptabel sind.

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In der Diskussion, ob eine Veranstaltung „sicher" ist, wird oftmals das Lebensrisiko eines jeden Besuchers vergessen. Jeder Mensch hat (s)ein Lebensrisiko.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für die interessante Information als Teilbereich eines Notfallmanagements.

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  2. Michael Schneider
    Planung ist natürlich richtig und wichtig. Jedoch in einer Panik, läuft alles rücksichtslos durcheinander. Ich habe sowas bei einer kleinigkeit erlebt. Man will einfach nur weg. Tip Ich informiere mich immer beim Ankommen über Fluchtwege, auch z.B. in Hotels.

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