Gesichtsanalyse bei Digital-Events

Ethical Facial Analysis mittels KI: Intelligentes Stimmungsbarometer misst Event-Effizienz

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Eventbranche: Mit der als Ethical Facial Analysis bezeichneten Technologie ist es möglich, die Stimmungslage einer Veranstaltung zu messen. Kunden von Guest-One können dieses bemerkenswerte Add-on bereits nutzen.

Online-Meeting(Bild: Shutterstock / fizkes)

Künstliche Intelligenz (KI) – für viele Menschen klingt das nach ferner Zukunft, nach Neuland. Doch das ist nicht richtig. Lange bevor es intelligente Technologien in die Schlagzeilen einschlägiger Gazetten geschafft haben, hat maschinelles Lernen das Leben der Menschen schon verändert. Vielerorts ist der Nutzen künstlicher Intelligenz völlig unumstrittener Bestandteil des Alltags. Entgegen der landläufigen Auffassung ist maschinelles Lernen keine Einbahnstraße. Meist profitieren beide Seiten – Anbieter und User. Vielfach entwickeln sich sogar klassische Win-win-Situationen.

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Ein Beispiel aus dem täglichen Leben zeigt das auf: Einerseits nutzen Multimedia-Plattformen und Streaming-Dienste wie YouTube, Spotify oder Netflix die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, um sogenannte Vorschlagslisten zu erstellen. Als Grundlage dafür dient das individuelle Sehverhalten. Die Qualität dieser Listen ist verblüffend hoch – und nimmt mit der Zeit sogar zu. Die Maschine lernt. Der User profitiert von attraktiven neuen Angeboten und bis dato ungekannten Möglichkeiten.

Andererseits liefern diese Informationen den Multimedia-Playern vielfältige Informationen, die beispielsweise im Rahmen von Finanzierungsfragen eine wichtige Entscheidungsgrundlage darstellen. So lässt sich mithilfe künstlicher Intelligenz verlässlich einschätzen, welche Investitionen und Produktionen sich in bestimmten Märkten rechnen – und welche eben nicht.

Effizienz von Events messen

Das Beispiel verdeutlicht, dass der Einsatz von KI vieles verändert. Vor allem im professionellen Umfeld sorgt maschinelles Lernen für Aufbruchstimmung. ChatGPT fördert den Hype zusätzlich. Der Prototyp eines textbasierten Dialogsystems hat künstliche Intelligenz ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Welchen Stellenwert KI in der Veranstaltungsbranche einnehmen kann, ist derzeit noch nicht ausgemacht. Fakt ist aber, dass vielerorts Chancen und Möglichkeiten ausgelotet werden.

Guest-One, das in Wuppertal ansässige Unternehmen für Gästemanagement und Teilnehmermanagement, ist bei der Anwendung von KI im Rahmen von Veranstaltungen schon einen Schritt weiter. „Wir bieten unseren Kunden bereits jetzt eine Lösung an, die es ermöglicht, Gesichter und Stimmungen zu analysieren“, berichtet Thomas Küfner, der als Guest-One-Geschäftsführer die Bereiche Entwicklung, Technologie und Innovation verantwortet. Im Fachterminus wird dies als Ethical Facial Analysis bezeichnet.

Unter Berücksichtigung aller datenrechtlichen Bestimmungen werden Parameter analysiert wie Altersgruppe, Geschlecht und Stimmung. „Personenbezogene Daten werden dabei ausdrücklich nicht erhoben“, wischt Küfner etwaige Datenschutzbedenken bereits im Vorfeld vom Tisch. „Das könnte das System auch gar nicht.“ Welche Möglichkeiten Ethical Facial Analysis bieten, das konnte Guest-One im Rahmen einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer zum Jahresauftakt 2023 unter Beweis stellen. Analysiert wurden die Redebeiträge unterschiedlicher Referent:innen. Anhand der erfassten Parameter Altersgruppe, Geschlecht und Stimmung ließ sich die Spannungs- und Aufmerksamkeitskurve der Beiträge eindrucksvoll nachzeichnen. Höchste Aufmerksamkeit und beste Stimmung konstatierte die Ethical Facial Analysis einem aus dem TV bekannten Gastredner.

Ethical Facial Analysis Graphen
Die Graphen zeigen, wie sich das Energieniveau während der entsprechenden Sitzungen im gesamten Publikum verändert hat. (Bild: Guest-One / Samuel Kümmel / lichtsignale-media.de)

Objektives Stimmungsbarometer

Dass die Besucher:innen den Auftritt des prominenten Speakers insgesamt aufmerksam verfolgten, verwundert nicht. Immerhin genießt dieser als Meteorologe, Autor sowie Wetter- und Klima-Experte bundesweite Bekanntheit. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Details der ermittelten Daten, denn: Als der Wetter-Moderator auf die Folgen der Klimakrise zu sprechen kam und über erforderliche Einschränkungen individueller Mobilität berichtete, registrierte die Ethical-Facial-Technologie einen deutlichen Stimmungsabfall beim männlichen Publikum in der Altersklasse über 60 Lebensjahren. Und zwar in Echtzeit.

„Welche Schlüsse im Einzelnen aus dieser Information zu ziehen sind, ist Interpretationssache“, meint Küfner. Allerdings – und darin liege der Mehrwert der Ethical-Facial-Technologie – hat das System den Stimmungsabfall in der speziellen Personengruppe als objektiven Tatbestand festgestellt. „Mit anderen Mitteln wäre dies nicht möglich gewesen.“ Durch den Einsatz der Ethical Facial Analysis bietet Guest-One den Kunden echten und ungefilterten Mehrwert. Umfragen, als Alternative zum Einsatz künstlicher Intelligenz, liefern dagegen häufig verfälschte oder geschönte Resultate.

Das kleine Beispiel aus der Praxis gibt einen Vorgeschmack, wie diese KI-Technik im Veranstaltungsumfeld in Zukunft nutzbringend in alle Richtungen wirken kann. Letztlich profitieren davon auch die Gäste, denn: Immerhin unterstreichen die Aufmerksamkeitswerte den Stellenwert des Gastredners für das Event.

Echtzeitauswertung der Daten

Die noch jungen Erfahrungen geben einen Hinweis darauf, wie künstliche Intelligenz bei Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Thomas Küfners Überlegungen gehen derweil schon über den Bereich der Ethical Facial Analysis hinaus. Die Technologie lässt sich auch im Rahmen des klassischen Teilnehmermanagements und im Bereich der Gästeorganisation einsetzen. Denkbar sind beispielsweise automatisiertes Badge-Scanning und die Auswertung bestimmter Merkmale mithilfe von QR-Codes. Auch fürs wichtige Networking bietet künstliche Intelligenz neue Optionen. Wie diese im Einzelnen aussehen werden, muss im Detail noch ausgearbeitet werden. Dass der Einsatz moderner Technologien auf der Grundlage von maschinellem Lernen kommen wird, bezweifelt Küfner nicht.

Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit gilt der positive Ausblick von Guest-One umso mehr. In technischer Hinsicht stellt künstliche Intelligenz – insbesondere der Bereich Ethical Facial Analysis – keine exorbitanten Ansprüche. Ein kleines Gerät in der Größe einer Set-Top-Box und herkömmliche Videokameras reichen als Analyse-Hardware aus. Auch in puncto Personaleinsatz stellt die KI keine besonderen Ansprüche. Die Echtzeitauswertung der Daten erfolgt vollautomatisch. Nur für die Interpretation und die Schlussfolgerungen, die auf der Grundlage dichter Informationen zu treffen sind, ist ein wenig Zeit erforderlich. Doch diese Investition kommt der Effizienz des nächsten Events unmittelbar zugute.

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