Das Routing-Tool des Berliner Start-ups ist nach einem Beta-Jahr für alle Agenturen verfügbar. Im Vergleich mit händisch geplanten Touren sollten die Routen des Algorithmus im Schnitt ein Drittel kürzer sein, was Arbeitszeit, Diesel und CO₂ spare.
(Bild: tourdarts)
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Auf dem Reeperbahn Festival 2026 hat Gründer Paul Ramisch das Routing-Tool tourdarts offiziell gelauncht. Das Tool hilft Booker*innen, aus Hunderten Avails eine Tour zu bauen. Es sammelt Termine und Optionen an einem Ort und schlägt per Algorithmus in rund einer Minute eine möglichst kurze Route vor. Ein Jahr zuvor hatte tourdarts auf dem Reeperbahn Festival den Startup-Award gewonnen. Seitdem setzen mehrere Agenturen das Tool im Tagesgeschäft ein, darunter All Artists Agency und Decibel Booking.
Zehn Städte, 3,6 Millionen Möglichkeiten
Wer eine Tour mit zehn Shows bucht, fragt oft bei 20 und mehr Veranstaltern an und sammelt über 200 Termine. Die landen meist in einer Excel-Tabelle, zwischen Mailverläufen, Landkarte und zweiten Optionen, wobei unklar ist, ob sie noch frei werden. Schon zehn Städte lassen sich auf über 3,6 Millionen Arten aneinanderreihen, bei 15 Städten sind es 1,3 Billionen.
„Booker*innen leisten bei diesem Routing-Tetris großartige Arbeit, aber mit Excel kann das niemand durchrechnen“, sagt Ramisch. „Genau darin sind Computer gut. Was sie dagegen nicht wissen: welche Stadt für eine Band wichtig ist oder wo sich ein Umweg lohnt. tourdarts nimmt die Fleißarbeit ab, damit wieder mehr Zeit für die Künstler*innen bleibt.“
Drei Bausteine: Überblick, Editor, Algorithmus
tourdarts besteht aus drei Teilen, die ineinandergreifen:
Projektmanagement: Venues, Avails, Optionen und der Stand jeder Anfrage liegen an einem Ort. Anfrage- und Bestätigungsmails entstehen aus Vorlagen, eine KI liest die Termine aus den Antworten der Veranstalter aus. Das fehlerbehaftete Abtippen in Excel entfällt.
Routing-Editor: Touren lassen sich per Drag-and-drop bauen. Distanzen, Fahrzeiten, Feiertage, Schulferien und Sportevents sind dabei immer im Blick.
Algorithmus: Er berücksichtigt Avails, bevorzugte Wochentage, Gebietsschutz, Off-Days, Hochverlegungs-Optionen und viele andere Variablen. Ein Klick auf „Tour werfen“, und nach rund einer Minute steht ein Vorschlag. Den Feinschliff machen weiterhin die Booker*innen.
Dazu verschickt tourdarts Avails direkt an internationale Agent*innen und exportiert fertige Routings, etwa als Ticketing-Tabelle der Agentur im Excel-Format.
Das Beta-Jahr in Zahlen
Rund 250 Touren haben Agenturen im Beta-Jahr mit tourdarts organisiert. Knapp zwei Drittel davon wurden mit dem Algorithmus geroutet. Die übrigen nutzten vor allem das Avail-Management, etwa um Termine für internationale Touren zu sammeln und an Agent*innen im Ausland weiterzugeben.
Wie viel der Algorithmus bringt, zeigt ein Test mit zwölf realen, von Hand gerouteten Touren: Der Algorithmus hat für jede Tour mit denselben Avails ein eigenes Routing berechnet. Diese Routen waren im Schnitt ein Drittel kürzer.
Pro Tour sparen Booker*innen im Schnitt fünf Stunden Arbeit. Eine durchschnittliche Van-Tour mit zehn Shows wird dabei gleichzeitig um rund 1.400 Kilometer kürzer. Das sind etwa 300 Euro weniger Diesel und rund 400 Kilogramm weniger CO₂, beim Nightliner rund 1.000 Euro und 1,4 Tonnen.
Hochgerechnet ergibt das über das bisherige Beta-Jahr mehr als 220.000 eingesparte Kilometer, rund 65 Tonnen CO₂ und über 1.000 Stunden Büroarbeit. Und viele tausend Stunden, die Bands und Crews nicht im Van gesessen haben.