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FAMAB: Veranstaltungsbranche wird ohne ein Einlenken der Politik sterben

Ohne ein Einlenken der Politik werde die gesamte Veranstaltungsbranche sterben, das hat der FAMAB jetzt in einer aktuellen Meldung prognostiziert. Weiter heißt es darin, dass ohne zusätzliche Hilfen kaum ein Unternehmen der Branche das dritte Quartal 2020 überleben werde. Ein Massensterben gesunder Unternehmen und mehrere zehntausend Arbeitslose seien zu befürchten. Die Politik müsse Perspektiven schaffen.

Achtung(Bild: Pixabay)

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Das R.I.F.E.L. (Research Institute for Exhibition and Live-Communication) hat im Auftrag des FAMAB e.V. die mittelfristigen Folgen des aktuellen Shutdown für die Branche ermittelt. Die auf Basis von Branchen-Umfragen und Szenarien ermittelten Ergebnisse lassen ein Massensterben der Unternehmen der Branche befürchten. Im Worst-Case-Szenario müsse mit einem Umsatzverlust von nahezu 90% gerechnet werden. Selbst ein abgemildertes Szenarium zeige bereits einen Umsatzverlust in Höhe von fast 50%. Die Unternehmen der Branche hätten alle Maßnahmen ergriffen, um die eigene Liquidität deutlich zu stabilisieren. Es zeige sich, dass ganze Monate ohne Umsätze durch die Unternehmen nicht im Rahmen von Reorganisationsmaßnahmen kompensiert werden könnten.

Allen Unternehmen der Branche, so heißt es in der Meldung des FAMAB, drohten erhebliche Verluste. Dies werde zu erheblich negativen Eigenkapitalbeständen am Ende des Jahres führen. Die Kompensation der Liquiditätsengpässe durch Fremdkapital müsse kritisch bewertet werden. Die Kapitaldienstfähigkeit der Unternehmen sowie die Rückführung der Liquiditätsdarlehen zu den vereinbarten Konditionen müsse in Frage gestellt werden.

Dazu Jörn Huber (Vorstandsvorsitzender des FAMAB e.V.):

„Die Ergebnisse der Studie zeigen exakt die verheerende Lage der Branche. Wir wurden faktisch qua behördlicher Verfügung mit einem Verbot, unser Geschäft auszuüben, belegt. Ich kenne kein Unternehmen, das derzeit überhaupt nennenswerte Umsätze generieren kann. Leider erscheint mir der Worst Case der Studie mittlerweile eher als das realistischste Szenarium.

Alle Kolleginnen und Kollegen der Branche haben in den zurückliegenden Wochen einen großartigen Job dabei gemacht, Ihren Unternehmen durch persönlich und unternehmerisch sehr harte Maßnahmen überhaupt einen gewissen Überlebenshorizont zu verschaffen. Ich kenne keine Kollegin und keinen Kollegen, der seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit gutem Gewissen in die Kurzarbeit und damit in eine wirtschaftliche Notsituation sendet. Trotz aller getroffenen Maßnahmen werden wir alle in diesem Jahr erhebliche Verluste machen, die in der gesamten Branche zu negativem Eigenkapital führen wird. Natürlich können die Unternehmen sich derzeit – zumindest theoretisch und zu teils horrenden Konditionen – liquiditätsseitig über Wasser halten.

Das wird allerdings nicht viel bringen, wenn dieser Shutdown anhält. Es ist natürlich die Aufgabe der Politik, geeignete Maßnahmen zum Schutz der Menschen zu ergreifen. Aber es ist genauso die Aufgabe der Politik, der Wirtschaft dieses Landes eine Perspektive zu geben. Hierzu benötigen wir realistische Szenarien, wie das alles weiter gehen soll. Einen mittelständischen Unternehmer in dieser unverschuldeten Notsituation zu zwingen, sich, ohne Aussicht auf Verbesserung seiner Situation, über beide Ohren zu verschulden und dabei die gesamte Veranstaltungsbranche zu zombifizieren, ist sicher keine gute Politik. Sollte hier nicht schnellstens nachgeregelt werden, werden viele Unternehmer unserer Branche die dann einzig vernünftige Entscheidung treffen – und in die Insolvenz gehen.“

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nach 40 Jahren in der VA-Branche (Musik) teile ich diese Einschätzung. Die Politiker haben innerhalb von 3 Wochen (ab Anfang März 2020) einen gut florierenden Wirtschaftszweig, der sich seit Jahren im Wachstum befand, einfach platt gemacht! Verzeihen Sie diese Ausdrucksweise, aber anders kann ich das nicht nennen. Und ja, viele kleine Unternehmen (und in der VA-Wirtschaft sind wir ganz viele kleine UN und Soloselbständige) werden in die Insolvenz getrieben, ohne schuldhaftes Verhalten oder Misswirtschaft! Und das vielgerühmte Soforthilfepaket scheint in vielen Bundesländern schnell und unbürokratisch zu funktionieren. Hier in Bayern leider nicht! Etliche der Akteure (Künstler, Techniker, Tourneeveranstalter,Agenturen usw.) warten seit 3 Wochen nach Antragstellung auf einen Bescheid! Eine solche mangelnde Wertschätzung gegenüber dieser Steuerzahlenden Akteure der VA-Branche ist eine Frechheit!

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    1. Ich sach ma so. So wie ich die Verwaltung in meiner Stadt kenne, ist Kultur immer ein elementarer Bestandteil im Leben einer Stadt. Bei der Finanzierung wird dies sofort um 100% schwieriger. Und nun mit Corona fährt der ” wertkonservative wie neoliberale Schnellzug” an so mancher nicht systemrelevanten Haltestelle schlicht vorbei. Ich denke, es geht genau jetzt um Organisation. Jeder Stadt würde gut zu Gesicht stehen, ein Internetprotal zu schaffen, das sich um alle Belange kunstschaffender Menschen, die in Ihr Leben wie wohnen und schaffen kümmert. Das wird nicht alle retten, aber es ist ein Anfang, die Arbeit an und mit Kunst und oder Musik mehr ins öffentliche Bewusstsein zu drücken. Zentral hierbei, kommt aus Verwaltungen jemals eine tragfähige Idee, die mit Solidaritäten zu tun hat? Eben.

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  2. Das Schlimmste und die reinste Verhöhnung ist, dass (trifft übrigens nicht nur uns als Kulturschaffende) eine weitere Ungerechtigkeit uns durchs Netz fallen und zu den großen Verlierern der Coronakrise macht: Es heißt, man werde Selbständigen neben der Soforthilfe, (die lediglich dafür da ist, dass die geschäftlichen Kosten gedeckt sind, aber durch fehlenden Gewinn noch keine Privatkosten für z. B. Freiberufler deckt), nun auch durch die Grundsicherung = Hartz IV überbrückend unterstützen und dafür die Vermögensprüfung (plus Wohnraumprüfung) aussetzen. Von wegen! Da wird in Wahrheit nix ausgesetzt bzw. weggelassen, wie die Politik sich in der Presse groß brüstet oder ev. auch gutgläubig mein, man tue etwas Gutes.

    Was wenige wissen: (Vermutlich weil es für uns eh schon schlimm genug ist, aus einem funktionierenden Geschäft plötzlich und auf Hartz IV Niveau herabgesunken zu WERDEN und sich diese Blöße zu geben = daher kaum jemand bisher dort Anträge gestellt und angeschaut hat.) Zahlung der überbrückenden Grundsicherung unabhängig vom Vermögen VORAUSGESETZT, man verfüge nicht über kein “erhebliches Vermögen”. Was das ist, hat der Gesetzgeber nicht festgelegt und bleibt schwammig. Also hat sich das zuständige Arbeitsamt die Grenze des Wohngelds hergenommen und auf die beispiellose Situation übertragen, was das ganze wieder vollkommen killt.

    Denn diese liegt bei sage und schreibe gerade mal 60.000,- Euro Vermögensobergrenze, darüber geht man leer aus, sprich, wenn man mehr angespart hat (und das wohl meist für die eigene Rente und ggf. als privater Puffer, um es in das eigene Unternehmen zu stecken), müsse man vorher erst einmal seine Anlagen, Immobilien, Aktien usw. verflüssigen. Alles was zu Geld zu machen ist, wird verscherbelt, bevor der Staat seine ruinösen Maßnahmen ausgleicht. Es werden also nicht nur unsere Unternehmen und eine ges. Branche vernichtet, sondern auch noch die Menschen degradiert. Kleiner Zusatz, ohne dass ich Trennung oder Neid verbreiten möchte, aber hier wird klar, dass der Staat wenig von der selbständigen Mittelschicht versteht, sondern mal wieder vom Main Stream der Angestellten ausgeht (und bitte entschuldigt, denn ich bin froh für alle in unserer Branche Angestellten): Die Not der Kurzarbeit wird vom Arbeitsamt aufgestockt OHNE Vermögensprüfung. Kein weiterer Kommentar. Hier hat wohl jemand nicht nachgedacht. Ich hoffe, dass hier noch nachgebessert wird wie tägliche Neubestimmungen bei der Soforthilfe, (und die Mitarbeiter der Hotlines waren übrigens sehr hilfsbereit und wohlwollend am Telefon – im Gegensatz zu der Behörde des Arbeitsamtes, wo man sich als Betroffener schon bei Anfragen sofort wie ein Schmarotzer und Bettler vorkommt… ganz andere Nummer.)

    Die eigene Altersversorgung also doch hernehmen, im Klartext heißt das, wir Selbständige werden allein gelassen und sorgen selbst dafür, die fremdproduzierte Lücke zu stopfen, und zwar mit unserer Rente, die oft eben etwas anders angelegt ist als beim klassischem Angestellten Main Stream Rentenversicherungsmodell. Klasse Idee! Und der Witz dabei: Der Staat verlangt, bevor dieser einspringe, dass man vorher z. B. seine Aktien verkauft, mit denen man eh in der Krise schon massiv verloren hat. Oder die Wohnungen als Wertobjekte verkaufen, die als einzige vor einer Inflation schützen. (Hier sei korrekterweise dazugesagt: die Zweitwohnung als Geldanlage, die eigene Wohnung in der man selbst wohnt, darf man immerhin behalten.)

    Was bedeutet das? Wer einigermaßen vernünftig gewirtschaftet hat, wird über diesem Betrag liegen (man rechne sich aus, wie lange man mit 60.000 Euro im Alter noch lebendig bleiben darf, so dass das ausreicht) und hat das Geld nicht unbedingt in altbackenen Rentenver./fonds o.ä. angelegt. (Diese zählen nämlich nicht zum erheblichen Vermögen.) Sondern in anderen, wahrscheinlich gewinnbringenderen Anlagen/Werten. Aber wir sollen erstmal alles verscherbeln und zu Geld machen, bevor man uns den Schaden ersetzt. Wenn wir überhaupt noch auf die Beine kommen. Nun ja, damit verschiebt sich das Problem nur nach hinten, und man wird halt dann später Sozialhilfefall. Ganz ganz armes Deutschland! Schämen sollten sich die Politiker. Und wenn die Kulturbranche fehlt, dann hat auch die Gesellschaft wohl nicht mehr viel zu lachen. Ausser natürlich zukünftig über Netflix, Amazon und Co. when we stay at home. Traurig. Ich empfehle, alles noch auf den Kopf zu hauen, vielleicht ne Weltreise machen, wenn das wieder geht und dann dürfen wir endlich ja ab zum Sozialamt. Einen anderen Job wird man eh kaum finden in den nächsten Jahren, schon gar nicht mit dem, was man gelernt hat. Düstere Aussichten, findet Ihr nicht? Gottesvertrauen ist wohl die einzige Antwort.

    Und wir sollten unbedingt als eine gesammelte Branche Petitionen starten und dagegen angehen, auf den Mißstand aufmerksam machen.

    Ich hoffe, es gibt wenigstens einen Untersuchungsausschluß, ob es das alles wert war, der Preis bewußt war, den wir alle bezahlen (und unser Dilemma ist nur eines von vielen), ob es sich gelohnt hat, eine ganze Branche und einen meist mit Herz und Seele idealistisch arbeitenden Mittelstand an Selbständigen und Freiberuflern den Strick umzuhängen! Herzlichen Glückwunsch zu dem Ergebnis!

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    1. Danke Bianca Harrison für den Lagebericht.
      Ich persönlich musste zu Begin dieser wirtschaftlichen Krise im Zusammenhang mit der Pandemie an die Zwangshypotheken von 1923 und 48 denken. Da dies in meinem Fall, wegen Eigentum, zutreffen würde. Erst etwas später wurde mir bewusst, dass dies im Grunde gerade geschieht nur unter einer anderen Überschrift. Kredite und Stundungen heißt es dieses mal und betrifft den gesamten Kultursektor.
      Ich bin gespannt wo wir zum ende des Jahres stehen…

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