Emotionale Lichtinstallation

Skalar: Lichtkunst im Berliner Kraftwerk

Das passende Licht kann aus einer leeren Halle einen heimeligen Ort schaffen und in einem ehemaligen Stromkraftwerk die verschiedensten Emotionen bei Besuchern wecken. Den Beweis dafür liefert das Projekt Skalar, das in den letzten Monaten überregional Bekanntheit erlangt hat. Ort des Geschehens: Das Kraftwerk Berlin.

Robe Skalar(Bild: Louise Stickland)

Mit Skalar ist dem Künstler und Designer Christoph Bauder und seinem Kollegen, Musiker und Komponist Kangding Ray, ein ganz besonderes Stück Lichtkunst gelungen. Technologie und Vorstellungskraft finden in dem Projekt eine außergewöhnliche Koexistenz, um die ursprünglichste aller menschlichsten Eigenarten bei den Besuchern hervorzulocken: Gefühle. Acht Emotionen hatte Christoph Bauder dabei besonders im Blick: Erwartung, Wut, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit, Überraschung und Vertrauen. Sie alle werden von dem renommierten amerikanischen Psychologen Robert Plutchik als Teil des „Rads der Gefühle“ verstanden – eine Lehre, die den ersten Anreiz für das Projekt Skalar gab.

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In der Installation lässt Christoph Bauder das Publikum in eine völlig neue klangliche und visuelle Welt eintauchen, ganz in dem Bewusstsein, dass die Installation sowie die unterschiedlichen Settings bei jedem Besucher andere Gefühle wecken. Schließlich bringt jeder einzelne individuelle Persönlichkeitsmerkmale mit, um die Gleichung von Skalar auf seine eigene Weise zu vervollständigen.

Robe Skalar
Insgesamt acht verschiedene Emotionen kommen zum Ausdruck – nur durch Licht. (Bild: Louise Stickland)

Skalar ist als eine 45-minütige, in Schleife laufende Show konzipiert, die sich durch verschiedene Texturen und Grade emotionaler Bindung bewegt. Tatsächlich sind allerdings nur vier der acht zuvor genannten Emotionen zu einer bestimmte Zeit in der Show eingebunden. Kommuniziert werden die Emotionen besonders auch durch musikalische Veränderungen, durch Anhebungen, Absenkungen und Intensitätsverschiebungen in der Melodie von Kangding Ray.

Dimensionen, die Ehrgeiz wecken

Um Emotionen in einer Veranstaltungshalle authentisch vermitteln zu können, muss der Raum selbst wandelbar sein und Neutralität ausstrahlen. Die idealen Voraussetzungen für Skalar fanden Bauder und Ray im Kraftwerk Berlin, der noch immer beeindruckenden Halle eines verlassenen Stromkraftwerks, das Ost-Berlin mit Strom versorgte, als die Stadt noch durch die Politik des kalten Krieges entzweit war.

Robe Skalar
Bei den Beams legte Bauder besonderen Wert auf Präzision und Schärfe. (Bild: Louise Stickland)

Skalar selbst befindet sich in der ehemaligen Turbinenhalle im dritten Stock des Kraftwerks, die neben einer Veranstaltungsfläche von 100 x 40 Metern zudem eine Deckenhöhe von 25 Metern bietet. Dimensionen, die in Christoph Bauder den Ehrgeiz weckten, ein einmaliges Werk zu gestalten, das ausschließlich auf Licht basiert. Ende November 2017 dann die Zusage der Veranstaltungshalle, dass die Location Ende Februar verfügbar sei. Trotz kurzer Vorlaufzeit startete Bauder umgehend mit der Planung und legte den Grundstein für Skalar. Dass das Konzept für die Location maßgeschneidert werden musste, war Bauder und Ray schnell klar: „Mit der Location kann man nicht verhandeln. Der Deal ist, dass man sie an Bord nimmt und mit dem Respekt behandelt, den sie verdient, und Lösungen für Probleme wie den Hall und das spezielle Rigging findet.“

Maßgeschneidertes Windensystem ermöglicht flüssige Kinetik

Wie aber die Location für die Installation von Skalar rüsten? Rein technisch betrachtet besteht Skalar aus unzähligen Beams und einem Spiegelsystem, das in der Decke des Raums angebracht wurde. Für die Beleuchtung setzte Bauder auf Technik von Robe: 75 Pointes wurden an den Wänden auf Leitern positioniert, während fünfzehn weitere Pointes auf drei Totem-Traversen auf dem Boden in der Mitte der Halle angebracht wurden. Bei der Wahl der passenden Lichtquelle setzte Bauder einen hellen und intensiven Output voraus, kombiniert in einer dynamischen Leuchte, um den Beam ganz nach Bedarf modifizieren zu können. Darüber hinaus suchte Bauder etwas Kleines und Präzises, besonders auch in Bezug auf die Cue-Reproduzierbarkeit über weitere Strecken. Dieses Set-Up erlaubt es Bauder, das Licht flexibel zu handhaben und in unzählige Richtungen zu lenken.

Robe Skalar
Technisch betrachtet besteht Skalar aus Beams, Spiegeln und Winden. (Bild: Louise Stickland)

“Zusätzlich zur Genauigkeit der Lichtqueues benötigten wir ein Licht mit hochkalibrierten Farben, die perfekt zueinander passen. Es musste sich schnell bewegen, einfach zu handhaben und zu programmieren – und auch leicht verfügbar sein. Dies und die Schärfe und Klarheit des ausgestrahlten Lichts des Pointe machten ihn perfekt für diese Installation“, erklärt Bauder.

Jeder einzelne Spiegel wird von drei Winden gesteuert, die eine Auf- und Abbewegung von bis zu sieben Metern sowie eine Schwenk- und Neigungsbewegung ermöglichen. Die Kinetik der Spiegel erweckt dadurch auf jeder Achse einen dreidimensionalen und flüssigen Bewegungsablauf. Besonders wichtig war Bauder bei der Konzeption die Relation zwischen den primären Beams, die von den Robe Pointes auf die Spiegel treffen, und den sekundären Beams, die von den Spiegeln reflektiert werden. Die Reflexion der Beams verfügt natürlich nicht über dieselbe Strahlkraft wie die ursprüngliche Quelle der Pointes, doch gerade diese Qualitätsunterschiede wollte Bauder erreichen – denn sie beeinflussen die Wahrnehmung und damit die Reaktion jedes einzelnen Besuchers.

Robe Skalar
Sieben Meter lassen sich die Spiegel hinauf- und hinunterfahren. (Bild: Louise Stickland)

Das dazu notwendige Windensystem ist maßgeschneidert und wurde genau wie die zugehörige Show Control Software von Kinetic Lights entwickelt – einer Firma von Christopher Bauder, die die Spiegelbewegungen über ArtNet mit Hilfe der KLC Software-Plattform steuerten. Die Kreativagentur Whitevoid übernahm die gesamte technische Produktion von Skalar sowie die Organisation des Equipments.

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