Leserbrief von Arzu Aydin-Mitternacht

Was tut die Eventbranche gegen Rechts?

Die Event-Zora, treue Kolumnistin des EVENT PARTNER, warf Anfang des Jahres die Frage in den Raum, was wir täten, um Rechts keine Chance zu geben. Arzu Aydin-Mitternacht, Geschäftsführerin der Agentur Freitheitblau aus Mainz, hat ihr in einem sehr persönlichen Leserbrief geantwortet.

Die Event Zora

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„Was tun WIR (in unserer Branche), um Rechts keine Chance zu geben?“ Diese Frage würde ich gerne als eigene Analyse nutzen und daraus die grundsätzliche Frage stellen: Was tue ICH als Person erst einmal?

Um es in ein Wort zu fassen und gewisse Werte zu verdeutlichen: Ich war schon immer BUNT. Nein, nicht nur mit meiner optimal pigmentierten Haut als Tochter einer türkischen Vorzeige-Gastarbeiterfamile, sondern schon immer in der Denkweise und nach AUSSEN als Ausdruck meiner Lust am Leben – unbewusst/ bewusst. (Hierfür nochmals DANKE an meine großartigen Eltern!)

Doch was bedeutet BUNT?

Mut |nicht S/W-denkend| Toleranz| Lebenslust| Mix| Multikulti| Facettenreich| Kreativität| Die Farben der Natur- und Tierwelt| Open-minded| Out-of-the-box| Lebendig| Hautfarben| Freiheit| Positiv denkend | Weltoffen| Angstfrei| u.v.m.

Warum war wohl die Flower-Power so bunt? Die o.g. Werte/ Eigenschaften/ Assoziationen wurden gelebt. Ganz bewusst als Zeichen gegen die S/W-denkende Gesellschaft. Warum fallen BUNTE heute wieder auf? Positiv sowie leider auch negativ? Der Mut, einfach auch mal anders und individuell zu sein, schwindet mehr und mehr. Hierbei geht es mir nicht darum, rebellisch zu sein.

Schauen wir doch alleine in unsere Eventbranche. Ort: ehemaliger FAMAB Award. Objekte: kreative Menschen. Zu 95 % dunkel gekleidet. M/W. Wer sich als ganz kreativ sieht, hat den männlichen Kreativschal um und eine Brille, die auch mal „extravagant“ sein kann. Ist das zu oberflächlich betrachtet? Mag sein, wenn man es wirklich nur darauf reduziert. Es geht mir aber vielmehr um die Analyse der Gesellschaft vor der Haustür und das dazugehörige Verhalten. Deshalb fange ich von AUSSEN an und gehe nach INNEN.

Natürlich spielt da die äußere Erscheinung eine tragende Rolle, eben als Ausdruck des Lebensgefühls. Geschichtlich ist dies auch immer im Wandel der Zeiten ein wesentlicher Aspekt als Spiegel der Wirtschaftslage, politischer Verhältnisse u.v.m. Und im Übrigen ist es nicht die Mode, die einem etwas vorschreiben sollte! Denn wie einst die revolutionäre Coco Chanel mit ihrer unglaublichen Geschichte sagte: „Mode ist nicht nur eine Frage der Kleidung. Mode hat etwas mit Ideen zu tun, damit, wie wir leben.“ Also spreche ich hier nicht die modischen Aspekte an, sondern vielmehr den MUT. Und um genau MUT geht es, was uns alle dazu bewegen sollte, Dinge zu tun, die in erster Linie UNS gut tun und dann immer dem anderen und somit der Gesellschaft.

Kurze Statements von mir zu MUT in den unterschiedlichen Lebenslagen: MUT zu haben, NEIN zu sagen: Zu unseren Kunden in diversen Anforderungen, zu denen wir einfach nicht stehen wollen und auch mal auf Geld verzichten. MUT zu haben, mit Menschen aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht zu reden: Wir brauchen nicht immer denken, es gäbe politisch getrennte Meinungen und somit Teilungen der Gesellschaft. Schauen wir nur vor die eigene Haustür. In welche „Location“ würde man niemals hingehen, weil …?

Weil sich dort:

  • a. zu junge Menschen aufhalten
  • b. zu versnobte Menschen aufhalten
  • c. zu versoffene Menschen an Automaten aufhalten
  • d. zu viele Ausländer/ Migranten/ Maximalpigmentierte aufhalten
  • e. zu viele Unterbelichtete aufhalten
  • f. weil es dort keine Bioprodukte bzw. handaufgezogene Lebensmittel gibt

Und noch viel mehr Gründe – was wir alle von uns kennen, wenn wir ganz ehrlich sind. Was aber genau heißt das? Das auch wir Vorurteile haben. Aber diese dabei belassen, weil es das „Unbekannte“ ist und unsere Freunde, Kollegen, Nachbarn es auch nicht tun und wir uns somit „untereinander“ aufhalten? Das passt doch nicht zusammen! Doch wer sagt das? Niemand außer WIR selbst. Was andere sagen, das sollte immer egal sein. Und da kommen wir wieder zu MUT haben. Dieser fehlt vielen. Zu sagen: Egal, was ANDERE über mich denken (solange man wirklich Gutes tut, ist hierbei vorausgesetzt). Würde es nicht unser BRAIN „bunter“ machen? Einfach mal andere Gespräche zu führen? Sich für die wirklich anderen zu interessieren?

Und im Übrigen: Ja, damit bewirkt man viel. Denn auch „die anderen“ haben ihre Vorurteile. Sind ja auch nur Menschen. Es ist die Betrachtungsweise, die jeden zum Unbekannten macht. Ich sehe es als Domino-Effekt. Selbst einen Impuls geben und die Steine kommen ins Rollen bzw. fallen, was logischerweise im positiven Sinn gemeint ist. MUT zu haben, ohne Entgelt als Agentur oder Team zu arbeiten und die kostbare Zeit zu investieren. Es ist nicht nur Chefsache, so etwas in die Hand zu nehmen.

Ich selbst habe vor Gründung meiner Agentur als Mitarbeiterin schon freiheitlich und damit verantwortlich gearbeitet und meine kostbare Extra-Zeit für soziales Engagement genutzt. Dabei festgestellt, dass man als Initiatorin ganz viele Kollegen dazu gewinnt, die sich freuen, einen Teil dazu beitragen zu können. Es funktioniert! Noch heute. Als Agenturinhaberin habe ich mehr Möglichkeiten, hieran zu arbeiten bzw. an verschiedenen Projekten zu wirken. Unvergessliche Erlebnisse entstehen für alle Seiten. Das würden wir in unserer Branche als WIN-WIN-Situation bezeichnen. Ich könnte noch so viele Beispiele nennen, mittels derer wir einfach sehen können, dass wir als Individuum viel mehr machen können, die klein sein können, nicht die WELT verändern. Nur niemals vergessen: Wir alle sind TEIL der Welt. Also ändern wir auch mit unseren Kleinigkeiten schon immens.

Arzu Aydin-Mitternacht
Arzu Aydin-Mitternacht (Bild: Privat)

Kurz zu meinem bunten Leben:

  • Von jungen, türkischen und ineinander verliebten Eltern in Deutschland gezeugt und aufgezogen worden
  • Sehr glückliche Kindheit und Jugend und somit das weiterführende Leben
  • In einer kleinen Gemeinde im schönen Taunus aufgewachsen (wir waren die zweiten Türken)
  • Bislang niemals schlechte Erfahrungen erlebt und somit auch keine Rebellin geworden oder daraus resultierende Verhaltensmuster gelebt
  • Multikulti aufgewachsen & freidenkend
  • Bis heute eine engagierte Mutter in sozialen Bereichen bis hin zur Sprecherin des Main-Taunus-Kreises im Ausländerbeirat etc.
  • Abitur, abgebrochenes Studium der Dipl.-Pädagogik (an der FH erst festgestellt, dass ich mich an die Schlange „Bildungsinländer/in“ anstellen muss, weil ich damals noch keinen D-Ausweis besaß)
  • Viele facettenreiche Berufsstationen (Moderatorin, Jugendfreizeiten, diverse Veranstaltungen, TV-Arbeiten, Behindertenbetreuung, u.v.m.), wovon ich noch heute bestimmte Skills brauche
  • Vor 13 Jahren dann meine Agentur “Freiheitblau” mit Herbert Focking gegründet, was alles vorherige vereint
  • 4 Jahre betrieben: den weiteren Traum eines Hobbyladens (glitzerwunsch.com)
  • 2017 Sabbatical-Jahr und Ausstieg aus Facebook (bis jetzt noch)
  • Weitere Ereignisse folgen – ganz sicher!

Schlusswort: Dies war für mich bis heute sehr bedeutsam. Vor allem als Köln-Liebhaberin: Am 9. November 1992 strömten 100.000 Menschen zum Chlodwigplatz. Nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Arsch huh, Zäng ussenander! Das gilt auch noch heute. Für jeden Einzelnen von uns. Und eine BUNT denkende und lebende Gesellschaft gibt allem Schlechten keine Chance – und RECHTEN/ RECHTS schon lange nicht!

Arzu Aydin-Mitternacht
Geschäftsführerin Freitheitblau GmbH

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