Produkt: Event Partner 03/2020 Digital
Event Partner 03/2020 Digital
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Umweltfreundliche Kreuzfahrtevents

Kreuzfahrten und Nachhaltigkeit: Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Doch in der Branche tut sich einiges, um die Ökobilanz der Seereisen zu verbessern. Der ehemalige Yachtkapitän Christian Mühleck erklärt, wie Events auf dem Wasser umweltfreundlich gestaltet werden können.

Norwegen lässt ab 2026 nur noch klimaneutrale Kreuzfahrtschiffe in seine Fjorde.
Norwegen lässt ab 2026 nur noch klimaneutrale Kreuzfahrtschiffe in seine Fjorde. (Bild: Sylvain Adenot Photography)

Corporate Events auf Kreuzfahrtschiffen erfreuen sich großer Beliebtheit. 2020 einmal ausgenommen, verzeichnen wir in den letzten zehn Jahren einen Zuwachs von jährlich etwa 20 %. Dabei sind Kreuzfahrten bekanntermaßen nicht unumstritten. Die Debatte darum hat allerdings eine erfreuliche Entwicklung beschleunigt: Immer mehr Kund:innen sind darauf bedacht, den ökologischen Fußabdruck ihres maritimen Events mit 100, 300 oder mehr Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten. Daran können alle „Protagonist:innen“ mitwirken.

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Wie soll das gehen?

Beginnen wir mit den Reedereien. In ihrer Verantwortung liegt es, den Schadstoffausstoß ihrer Schiffe drastisch zu reduzieren. Immer wieder hört man, ein Ozeanriese verbrauche so viel Treibstoff wie fünf Millionen Autos. Ich kann Sie beruhigen: Das ist ein Gerücht, das seriöse Medien (u.a. Die Zeit) vielfach glaubwürdig widerlegt haben.

Seereisen unterliegen seit Jahren strengen Auflagen, die das Ziel einer „klimaneutralen Kreuzfahrt“ verfolgen. So hat es der Naturschutzbund NABU ausgerufen und bewertet die Entwicklung der Anbieter in einem jährlichen Kreuzfahrt-Ranking. Aktuell belegt eine französische Reederei den ersten Platz. Ihre dreizehn Schiffe gelten in puncto Umweltverträglichkeit als die fortschrittlichste Flotte der Welt.

Klimaneutrale Kreuzfahrten

Ein Meilenstein zum Erreichen der NABU-Ziele ist der standardmäßige Einsatz von Marinegasöl in der Kreuzfahrt. Es ist sehr viel umweltverträglicher als Schweröl, das man als dreckige Pampe bezeichnen muss, die auf dem Boden der Raffinerien zurückbleibt. Mit diesem schwefeldurchsetzten Treibstoff werden noch nahezu alle Containerschiffe dieser Welt angetrieben, die 95 % (!) des gesamten Schiffsverkehrs ausmachen. Kreuzfahrtschiffen ist dies längst untersagt. Nicht zuletzt aufgrund fehlender weltweiter Verpflichtungen und Profitdenkens hinkt die Containerschifffahrt ihren ohnehin niedrig gesteckten Klimazielen ambitionslos hinterher. Wer also glaubt, seine wöchentlich konsumierte Bio-Mango aus Sri Lanka sei ökologisch vertretbarer als eine dreitägige Kreuzfahrt, dem empfehle ich eine Recherche über die Umweltbilanz importierter Waren.

Hingegen gibt es zu Kreuzfahrtschiffen viel Positives zu berichten. Etliche rüsten bereits auf LNG-Flüssiggas um. Das Ergebnis: 25 % weniger Kohlenstoff, 85 % weniger Stickoxid und 95 % weniger Feinstaubemissionen; andere auf Hybridmotoren, um in besonders sensiblen Seegebieten emissionsfrei cruisen zu können.

Und wussten Sie, dass moderne Kreuzfahrtliner fast autark fahren? Nahezu alles an Bord wird mit Bedacht verbraucht, verwertet, aufbereitet und kompostiert, um weitestgehend klimaneutral zu agieren. Der rigorose Verzicht auf Einwegkunststoffe an Bord spart Millionen Tonnen an Plastik. Pro Jahr! Bei der Vermeidung und Verwertung von Müll und Lebensmittelabfällen ist diese Branche ein Vorreiter.

Die Pflicht der Charter-Anbieter

Als Charter Broker von Events, Incentives und Konferenzen auf Kreuzfahrtschiffen trägt man ebenfalls Verantwortung, den ökologischen Fußabdruck der gebuchten Incentives zu minimieren. Es gilt, auf die Emissionswerte der weltweit verfügbaren Kreuzfahrtschiffe zu achten, und die Kunden mit dem besonderen Blick auf Nachhaltigkeit zu beraten. So lässt sich bereits mit der Wahl des Schiffes ein ökologisches Statement setzen. Jede Schiffsreise lässt sich klimaneutral stellen und speziell ausgearbeitete Routings garantieren ein schadstoffarmes Cruisen. Jeder Knoten weniger spart Tonnen an Treibstoff. Deshalb sollte man den Reedereien die Reisegeschwindigkeit vorgeben. Mit dieser Maßnahme lässt sich der Treibstoffverbrauch reduzieren – und damit der Schadstoffausstoß – um etwa 40 %.

Als Gruppe zum Schutz der Meere beitragen

Auch Sie als Veranstalter einer Schiffscharter können etwas tun! Charter Broker informieren gern über die Ökosysteme, in denen Sie als Charterkunde unterwegs sein werden. Über die Menschen in der bereisten Region, die Flora und Fauna, die Sensibilität der Meere. Nicht selten entwickeln sich daraus Ideen, als Gruppe Social Responsibility zu zeigen. Manche Teilnehmenden eines Incentives unterstützen Nachhaltigkeitsprojekte vor Ort ­– und erleben so bisweilen eine der eindrücklichsten Erinnerungen an jedes bisherige Firmenevent, wie 2019 etwa die Mitarbeitenden eines Consulting-Konzerns: Ihr Incentive auf den Seychellen fiel in die Schlupfzeit der Meeresschildkröten. Unter Aufsicht der lokalen Umweltbehörde durften sie in einer gemeinsamen „Rettungsaktion“ die frisch geschlüpften Jungen auf ihrem gefahrenvollen Weg ins Wasser begleiten.

Fazit

Unsere Meere brauchen Schutz. Das steht außer Frage und es gibt viel zu tun. Die Betreiber nahezu aller Kreuzfahrtschiffe sind längst auf einem guten Weg. Das erleben wir auf jeder Cruise, die unser Team an Bord eines Kreuzfahrtschiffes verbringt. Tragen auch Sie mit Ihren Teilnehmenden im Rahmen Ihrer maritimen Veranstaltung zum Schutz der Ökosysteme bei!


Über den Autor:

Christian Mühleck
Christian Mühleck (Bild: Rebecca Marshall / OceanEvent GmbH)

Sprechen Sie mit dem Kreuzfahrtexperten Christian Mühleck über die Möglichkeiten einer umweltverträglichen Schiffscharter: c.muehleck@oceanevent.com

Produkt: Event Partner 05/2019 Digital
Event Partner 05/2019 Digital
Titelthema: SICHERHEIT – Wie erstelle ich ein Räumungskonzept? Videoüberwachung – ja oder nein? Was tun nach einem Arbeitsunfall? +++ Frauen in der Safety-Branche – Kolumne +++ N&M Eventtech-Trends +++ satis&fy, rgb, Party Rent – Report +++ IAA 2019 – Fazit der Eventbranche

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das hört sich auf den ersten Blick nicht schlecht an. Dennoch, das Gros der Kreuzfahrtbranche ist immer noch weit davon entfernt, die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu erfüllen. DAS ist das eindeutige Ergebnis des NABU-Kreuzfahrtrankings 2020.

    Kaum eine Kreuzfahrt-Reederei hat derzeit eine konkrete Strategie, um den konsequenten Umbau der Flotte in Richtung emissionsfreiem Betrieb voranzutreiben. Ja, einzelne Unternehmen haben Vorzeigeprojekte, die sie werblich auch ganz nach vorne stellen. O-Ton NABU: „Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt scheint derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis zu sein.“

    Laut einer Berechnung der Klimaschutz-Organisation atmosfair: Vier Personen, eine Woche Mallorca: Klimabilanz etwa 2.300 kg CO2 – durch Flüge, Übernachtung und Mietauto. Eine Mittelmeer-Kreuzfahrt erzeugt deutlich mehr: knapp 10.000 kg für die Schiffsreise und Anreise. Das Von-Ort-zu-Ort-Kommen und die Übernachtung ist bei einer Kreuzfahrt zwar eins (das Schiff), dazu kommen aber meist die Flüge. Denn Kreuzfahrer fliegen lt. NABU meistens zum Hafen und wieder zurück.

    Sönke Diesener vom NABU: „Man kann überhaupt nicht davon sprechen, dass die ganze Kreuzfahrt hier sauberer wird. Es sind einzelne wenige Schiffe, die vorausgehen.“ Deshalb ist die Aussage in diesem Artikel: „Die Betreiber nahezu ALLER Kreuzfahrtschiffe sind längst auf einem guten Weg.“ wohl nicht ganz zutreffend.

    Umwelt- und Klimaschutz ist ein wichtiger Part der Nachhaltigkeit. Was ist mit der soziale Dimension, die Arbeitsbedingungen an Bord: Die Stiftung Warentest kam Anfang des Jahres 2019 zu dem Ergebnis: „hartes Pensum, wenig Lohn“, als sie die Arbeitsbedingungen bei Aida, Costa Crociere, MSC Kreuzfahrten und Tui Cruises untersuchte. Alle Reedereien erhielten lediglich ein „Ausreichend“ in der Kategorie. Zudem fahren viele Kreuzfahrtschiffe unter der Flagge von Staaten wie Malta, die besonders für untere Lohngruppen ein hartes Pensum erlauben. Oft ackern die Angestellten zehn bis zwölf Stunden, manchmal länger, nicht selten für einen Lohn von 2,65 bis 4,40 Euro pro Stunde. Freie Tage gibt es meistens monatelang nicht“, so Stiftung Warentest. Von „fragwürdigen Arbeitsbedingungen an Bord“ berichtete das ZDF. Die „Zeit“ urteilte: „Für die Besatzung ist die Arbeit auf den Schiffen oft die Hölle.“ Übrigens: bei Aida stellen Mitarbeiter*innen aus den Philippinen mehr als ein Drittel der Belegschaft.

    Hier noch eine interessante Recherche der ARD dazu:
    https://www.youtube.com/watch?v=pZM94qPZ7UM

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  2. Der abschließenden Satz des Autors dieses Artikels ist ein schönes Beispiel für ein von Eigeninteressen geleitetes “Greenwashing”, impliziert er doch, dass eine Veranstaltungsteilnahme auf einer nachweislich nicht sonderlich ökologisch und sozial verträglichen Veranstaltungsstätte (siehe dazu den Kommentar von Jürgen May) ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz sei. Ähnlich gelagert ist der Fingerzeig auf die Containerschifffahrt, um die eigene Branche in ein besseres Licht zu rücken. Schlechtere Ökobilanzen anderer Branchen sind kein sonderlich starkes Argument, um die eigene Position zu rechtfertigen.

    Weiter stellt sich die Frage, was der Autor mit “autark” meint? Der Duden beschreibt dieses Wort u.a. als “wirtschaftlich unabhängig, sich selbst versorgend, auf niemanden angewiesen”. Selbstversorgung und unabhängiges Wirtschaften treffen vielleicht auf einen Bauernhof zu, der mit entsprechenden Technologien Energie für den eigenen Bedarf produziert und seine Betreiber von den eigenen Produkten ernähren kann, aber nicht auf ein Kreuzfahrtschiff. Bei diesem ist zu vermuten, dass die an Bord angebotenen Produkte/Nahrungsmittel wahrscheinlich nicht ausschließlich von den (lokalen) Produzenten der angesteuerten Häfen stammen. Im Zweifel will der fröhlich konsumierende Kreuzfahrtgast ja auch auf Reisen in eher nördlich gelegene Gefilde (Dank des Klimawandels kann man jetzt auch die Pole unseres Planten viel besser mit einem Kreuzfahrtschiff erreichen) nicht auf seine Bio-Mango aus Sri Lanka verzichten!?

    Und wenn der Autor in seinem Beitrag Umweltbilanzen anspricht, stellt sich abschließend die Frage, wie diese eigentlich bei Kreuzfahrtschiffen aussieht, wenn man deren Lebenszyklus von der Wiege bis zur Bahre analysieren würde?

    Es wäre wünschenswert, wenn die Redaktion des “Event-Partners” solche Beiträge wenigstens kritisch begleiten oder deutlich als PR kennzeichnen würde.

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    1. Sehr geehrter Jan D.,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Unzweifelhaft berechtigte Einwände, die Sie hier einbringen. Mit dem Artikel wollte der Autor in unserem Auftrag zeigen, dass auch die Kreuzfahrtbranche sich Gedanken um die Verwirklichung von Nachhaltigkeitsaspekten macht. Es handelt sich hierbei selbstredend um keine tiefgreifende wissenschaftliche Arbeit.
      Events auf dem Wasser waren seit jeher ein Teil der MICE-Branche. Ob dies weiterhin so bleiben wird, liegt in der Hand der buchenden Kunden und deren Zielsetzungen.

      Viele Grüße
      Martina Courth

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