Meinung zu Kommunikationsverboten vor und nach Events

Tabu Event-Berichterstattung

Wie geht eine Branche, die Öffentlichkeit schafft und Botschaften möglichst gerne aus allen Rohren abfeuert, eigentlich selbst mit Öffentlichkeit um? Und wie handhaben Kunden die große Stille? 

Adidas Fußball Fresco im Kölner Hauptbahnhof zur WM 2006
Adidas Fußball Fresco im Kölner Hauptbahnhof zur WM 2006 (Bild: Oliver Blobel)

Live-Kommunikation hat einen Zweck: eben Kommunikation. Und Kommunikation arbeitet mit Öffentlichkeiten. Bei Events wird stellenweise allerdings nur mit Teilöffentlichkeiten gearbeitet, wobei es Branchen gibt, die Diskretion ganz klar bevorzugen. Dazu zählen die Banken und das Finanzgeschäft ganz allgemein. Dann gibt es Geheimhaltung, die dem Schutz von Entwicklungen dient. Denn Produktfälschung, Imitation und illegale Kopien sind weltweit ein großes Geschäft: Da ist der elegante Scheinwerfer eines neuen BMWs genauso Objekt der Begierde wie der Ball zur Fußballweltmeisterschaft.

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Auch im Nachhinein ist bisweilen noch weiteres Stillschweigen vorgeschrieben und Kommunikation tabu. Das ist für Technikdienstleister, die auch mit einem gut bestückten Tross voll exzellenter Technik punkten können, natürlich anders, als für die, die Ideen und gekonnte Abläufe verkaufen. Die können nur mit dem Hinweis auf das Gewesene Glaubwürdigkeit gewinnen und sind viel mehr darauf angewiesen, mit Beispielen zu arbeiten. Für sie ist es verständlicherweise viel härter, wenn die Verschwiegenheit eine Einbahnstraße ist und ihre Konzepte beim Wettbewerber landen – was nicht nur gelegentlich vorkommt. Der Pitch wird dabei zu einem Baukasten, aus dem man sich kostenfrei bedient.

Wir haben drei Praktiker nach ihren Vorgehensweisen bzw. Erfahrungen befragt. Den Leiter Eventmarketing eines der wohlklingendsten Häuser der deutschen Bankengeschichte, das gerade 225 Jahre alt wurde, einen führenden Kopf der Agenturszene und die Frau, die einen Technikdienstleister im Gespräch halten muss.

Statements

Jan Abele
Jan Abele (Bild: Bernd Arnold)

„Events sind bei uns im Wesentlichen strategische Mittel zur Kundengewinnung und Kundenbindung und sollen bis auf wenige Ausnahmen wie das Oppenheim Union Galopprennen keine öffentliche Wirkung entfalten. Wenn wir eine solche Ausnahme machen, dann bezieht sich unser Branding nur auf die Plattform an sich, nicht auf den Kundenbezug. Daher sind etwa Gesichter von Kunden in unserer internen und externen Kommunikation zu Veranstaltungen nie zu erkennen, es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Genehmigung vor. Kundenbezogene Daten in Bezug auf Veranstaltungen unterliegen einer strikten Kontrolle und Geheimhaltung. Sie sind nur den direkt mit der Veranstaltungsorganisation und Durchführung betrauten Personen zugänglich und auch dort nur soweit, als dies absolut unerlässlich ist.“
Jan Abele, Leiter Event Management, Sal. Oppenheim, Köln

 

Stefan Rössle
Stefan Rössle (Bild: Peter v. Vopelius)

„Das übliche Prozedere ist gelernt: Einladung zum Pitch – Zusage – vor Übersendung der Briefings das Unterzeichnen einer Geheimhaltungserklärung, die vom Kunden übersandt worden ist. Aha, kein Problem. Das Briefing wird wohl wichtige interne Strategien und Botschaften enthalten, die natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Aha, und die internen Fakten sind so sensibel, dass ein Zuwiderhandeln gleich mit 50.000 Euro Strafe belegt wird. Okay. Die Enttäuschung folgt dann oft, wenn das Briefing auf dem Tisch liegt. Marketingblasen statt wichtige Fakten zur aktuellen Lage des Unternehmens, die ja die Kommunikationsrichtung der Marketingmaßnahmen mitbestimmen sollten. Wofür also der Aufwand?

Wir müssen davon ausgehen, dass das Unternehmen nicht möchte, dass wir als betreuende Agentur über unsere Arbeit und die Aktivitäten der Kunden berichten – schade! Wir brauchen das natürlich für unsere Akquisition („Tue Gutes und …“), und wenn wir nicht über unsere Projekte berichten dürfen, wird es eng mit der eigenen Positionierung im Markt.

Dabei berichten wir nicht über sensible interne Themen, sondern wir versuchen ein Verständnis dafür zu schaffen, dass eine gelebte „Eventkultur“ zur Selbstverständlichkeit eines Unternehmens gehören sollte. Aus unserer Sicht macht es immer noch Sinn – sei es bei internen Veränderungsprozessen oder bei relevanten Marktbotschaften – live mit seinen Zielgruppen zu kommunizieren. Dahinter soll man auch nicht immer gleich vermuten, dass es um teuer belegte Häppchen und möglichst viel Tamtam geht, sondern um moderne dialogische Kommunikation. In unseren Augen durchaus eine „Feder“, mit der man sich als Unternehmen schmücken kann … ergo, auch darüber berichten sollte.

Ach, und dann warte ich auch noch auf die Geheimhaltungserklärung, in der auch gleich geregelt ist, dass die Ideen der anbietenden Agenturen ebenfalls geheim gehalten werden, wenn sie denn nicht umgesetzt werden. Oder zumindest nicht an die Pitch-Wettbewerber weitergegeben werden dürfen.“
Stefan Rössle, geschäftsführender Gesellschafter, Kontrapunkt Agentur für Kommunikation, Hamburg

 

Katrin Fougeray
Katrin Fougeray

„Die Einhaltung von Diskretions- und Geheimhaltungsklauseln ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Auch wir erwarten, dass die Details unserer Kundenbeziehungen nicht weitergereicht oder veröffentlicht werden. Es ist für uns zwar nicht so schön, wenn wir über unsere Dienstleistung, die wir erbracht haben und auf die wir doch recht häufig auch sehr stolz sind, nicht reden bzw. schreiben dürfen. Wir verstehen und respektieren aber natürlich diese Einschränkungen, denn unsere Kunden haben diverse Gründe, warum sie es nicht wünschen. Dafür gibt es wieder andere Kunden, die sich freuen, wenn über eine ihrer Veranstaltungen berichtet wird. Das freut uns dann umso mehr.“
Katrin Fougeray, Marketing & Communications, satis&fy AG, Karben

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  1. Gratis Pitch?! Nein danke! › Event Partner

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