Ein Hoch auf die Wertschätzung!

Die Event-Zora über die Branche

„Ein Hoch auf uns!”, nein, ich meine nicht „wir sind Weltmeister“ und das Gauchogate ist mir auch schnuppe. Es ist Sommerzeit und da tat sich früher nicht nur für die Journaille das Sommerloch auf, aus dem dann das Ungeheuer von Loch Ness mit Regelmäßigkeit auftauchte. Meine Chefin erzählte mir dann „Du kennst das ja nicht, aber damals, da gab es noch das Sommerloch. Da fuhr man in Urlaub …“  Und dieses Jahr? Nix mit Sommerloch. Für die Medien gibt es die Kriege in Nahost oder der Ukraine. Für uns jede Menge Arbeit. Da kann es uns ja nur gut gehen. Was ist eigentlich das Gegenteil von Sommerloch?

Event Zora

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Die Award-Saison ist eröffnet, ab jetzt wird weltweit juriert. In den Einreichungen gibt es wieder einen Rekord an Superlativen. Sitze und schwitze gerade vor den diversen Online-Einreichungstools und mir gehen langsam die schmückenden Adjektive und Adverbien aus. Vielleicht sollte ich zur Inspiration noch mal ein paar Pressemeldungen aus Wuppertal googeln? Oder aus Berlin? Oder aus Köln? Aber das lasse ich lieber im Sinn der Wertschätzung der Juroren mal sein. Langsam müsstet Ihr es doch auch raus haben, in dem ganzen verbalen und visuellen Schwulst den Kern der Projekte und ihre Idee zu erkennen, oder? Bin gespannt, ob der kommunikative Wert der Projekte diesmal realistisch wertgeschätzt werden wird. Wenn nicht, dann labere ich Euch bei der FAMAB-Award-Verleihung an. Da darf ich nämlich hinfahren, wenn eines unserer Projekte gewinnt, hat mir unser CD versprochen.

Wenn ich morgens mit meiner Chefin gähnend über den Mindestlohn diskutiere und warum ich als angehende Dauerpraktikantin nicht davon existieren kann, ohne nachts noch Pizza auszufahren, dann hat das auch was mit Wertschätzung zu tun. Eigentlich könnte man die Arbeit doch angemessen honorieren? Dabei wird auch diesen Event-Sommer wieder gepitcht, was das Zeug hält, und das nicht auf den Golfplätzen. Die Kunden freuen sich, wenn sie aus dem Werksurlaub kommen und die fertigen Konzepte im Posteingang haben. Neugierig, wie ich bin, schaue ich natürlich in die Briefingunterlagen rein, und was steht da in 90 % der Fälle: Kein Honorar und Übertragung weltweiter Rechte für immer und ewig und so weiter. Kein Wunder, dass es mit dem Mindestlohn nichts werden kann.

Wenn die Auftraggeber die Kreativleistung der Agentur so sehr wertschätzen, dass sie die kreativ aufwändigste Phase rein ehrenamtlich erbringen lassen, dann sehe ich rosige Zeiten für unsere Branchen. Viel Ehre natürlich, das Bundeseventverdienstkreuz am Bande und noch mehr Agenturen auf dem Friedhof der Live-Kommunikation. Warum schreibe ich das eigentlich hier? Wenn das ganze Gejammer von den Helden und Heldinnen unserer Branche schon nichts bringt? Münchner Manifest, Ehrenkodex des FAMAB …

Ich habe einen Traum. Ich bin bei einem Briefing mit dabei. Alle Agenturen sind gleichzeitig da. Aber keiner stellt die entscheidende Frage. Mache ich dann. Es gibt einen bösen Blick meiner Chefin, verwundertes Augenaufreißen der Kolleginnen und Kollegen und Staunen auf Kundenseite. Das unendliche Schweigen wird schließlich durch die Einkäuferin gebrochen: Es wurde schlicht vergessen. Für alle gibt es selbstverständlich ein angemessenes Konzepthonorar. Wir fallen uns alle in die Arme. Ja, dann würde ich auch mitsingen „Ein Hoch auf uns!“.

 

Tschüssie

Eure Event-Zora

 

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