Über allen Gipfeln

Eventagenturen im Alltag: Darf man Kunden ablehnen?

„Über allen Gipfeln ist Ruh’“: Den Dortmunder Gipfel der Live-Kommunikation mit der BOE, den habe ich mir dieses Jahr gespart, deshalb frei nach Goethe kein Wort dazu. Das Digital-Forum hätte mich schon interessiert, ob in den Wipfeln der erlauchten Redner ein Hauch echter Transformation zu spüren gewesen ist oder doch nur ein laues Lüftchen? Ebenso meinerseits Schweigen im Walde zum Dortmunder FAMAB Sustainability Summit 2017. Oder die Elbphilharmonie-Eröffnung?

Die Event Zora

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Ich kann ja nicht bei jedem Gipfel dabei sein, denn ich war beim Summit der Summits in Davos. Man muss einfach sagen, dass World Economic Forum 2017 war Kraft des Faktischen der relevante Live-Kommunikationsort des noch frischen Jahres. Alle Privatjets der Welt landeten auf dem kleinen Flughafen und alle VIP-Limousinen Europas verstopften gefühlt die wenigen Straßen auf dem Zauberberg. Passt ja super zum Motto „Responsive and Responsible Leadership“.

Die Wichtigen, Reichen, Klugen und Schönen versammelten sich – wie jedes Jahr – und ich durfte erstmalig dabei sein. Wie auf einem Volksparteitag finden sich die Auftritte der Unternehmen, nur globaler und enthemmt exklusiver. Denn die Entscheiderdichte ist wahrscheinlich nirgendwo auf der Welt so hoch wie an diesen wenigen Tagen im Januar. So klappt das mit der Zielgruppe.

Ich war Häppchenbeauftragte in einem der gutbeheizten temporären Bauten im Schnee. Was da z. B. an Krustentieren aufgefahren wird, wenn die Shuttle-Limos vorfahren, davon erholen sich die Bestände in Kanada wahrscheinlich nur schwer … Nur das Beste für die Besten, dagegen ist so ein High-Level-Versicherungsevent eine Gesamtschul-Klassenfete. Davos hat vielleicht mit Leadership, aber wohl wenig mit wirklicher Verantwortung zu tun. Ich hoffe, das war auf dem Nachhaltigkeitsgipfel in Dortmund deutlich besser?

Eventdienstleistungen für Rechts – Wahrheit oder Fiktion?
Thema Leadership. Da schaut ja alles nach Washington. Schon spannend, wenn sich Bernd Scheifele, Chef des Baustoffkonzerns Heidelberg Cement, für den geplanten großen Mauerbau andient. Wie halten wir es denn? Was wäre eigentlich, wenn Donald Trump bei der einen oder anderen Agentur oder Caterer anruft, um im Sommer beim G20- Gipfel eine Sause zu schmeißen? Niemals? Hm, das teste ich vielleicht mal. Angeblich hat ja die Titanic beim Ex-Spiegel- und Ex-Welt-Mann Mattusek angerufen und sich als Headhunter für Breitbart ausgegeben.

Das könnte dann so gehen: „Guten Tag, mein Name ist Petry. Wir planen da kurzfristig ein Event in Köln Ende April. Location ist das Maritim. Wir haben Sie als Top-Eventagentur ausgesucht. Es gibt auch keinen Pitch und das Konzept wird auch selbstverständlich honoriert. Ach schön, dass Sie dabei sind.“ Ich hoffe doch, dass das Fiktion bleibt.

Aber schon interessant, wie sich die Locations so verhalten. Eigentlich wäre von Anfang an eine klare Haltung gut. Zieht das Argument wirklich, es handele sich um eine demokratisch gewählte Partei? Mit Personal wie Von Storch, Höcke oder Poggenburg? Da könnte es einen Zora-Award für die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora geben, die den Thüringer Fraktionschefzur unerwünschten Person samt Hausverbot erklärte. Oder für Marcus Sartory, der Jürgen Elsässers Rechtskongress in den Sartory-Sälen im letzten Herbst einfach durch klare Kante unmöglich machte.

Ach, Maritim Gruppe, hättet Ihr doch den gleichen Mut. Schaut doch mal in Eurem eigenen Code of Conduct nach: „Als eine der führenden deutschen Hotelgesellschaften verlangt die Maritim Hotelgesellschaft mbH von sich ein in jeder Hinsicht sozial und ethisch verantwortungsbewusstes Verhalten. (…) Deshalb ist es uns wichtig, dass der Markenname Maritim immer mit Achtung der Menschenrechte, fairen Arbeitsbedingungen und umweltfreundlichen Geschäftspraktiken einhergeht.“ Passt das mit dem Programm, den Absichten und den Personen der AfD zusammen, denen Ihr Euer Kölner Hotel im April vermietet?

Der Kölner Karneval gegen das Maritim
Nein, findet schon die Kölner Karnevalszene, die Eure Säle nutzt. Sie bringt es auf den Punkt, wenn sie Euch zur Courage auffordert. Vielleicht bewegt sich die Hotelkette, wenn auch die Live-Kommunikationsbranche den „Arsch huh“ bekommt und Maritim zur Absage auffordert?

So, Fernbusticket nach Köln ist gebucht. Ich bin dann auch dabei. Ihr wisst, wo Ihr mich findet. Natürlich bei arschhuh.de, da war auch schon der Event-Zorro vor über 20 Jahren dabei.

Tschüssie
Eure Event-Zora

 

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