Eventtech in Eigenregie - dank Vibe Coding

Ersetzt ein Prompt den Dienstleistenden? So entstand das SNOCKS Ticket-Portal

Ganz ohne Programmierkenntnisse ein eigenes Ticket-Portal bauen – für viele Eventler:innen klingt das nach Zukunftsmusik. Helen Atzert, Event Managerin bei der SNOCKS Group, hat es trotzdem gewagt: mit ein paar KI-Prompts, etwas Starthilfe aus dem Team und der Vibe Coding Plattform Lovable. Wie aus einem ersten internen Testlauf ein funktionsfähiges Ticketing-System für das 10-jährige SNOCKS-Jubiläum wurde – und warum sie findet, dass mehr Eventprofis sich an Vibe Coding wagen sollten, beschreibt sie im Gastbeitrag.

(Bild: Screenshot / SNOCKS)

Ich bin kein IT-Mensch. Wer mich kennt, weiß das. Als ich bei der SNOCKS Group angefangen habe, einem Unternehmen, in dem KI eine große Rolle spielt und aktiv gepusht wird, war das erstmal eine Umstellung. Während in anderen Abteilungen die Automatisierungspotenziale klar auf der Hand liegen, ist das im Event Alltag nicht so eindeutig. Kein Arbeitstag gleicht dem anderen, wiederkehrende Workflows sind eher die Ausnahme. Wo also anfangen?

Die Antwort kam nicht aus einer Strategiesitzung, sondern aus einem konkreten Case: Für eine “halb-interne” Veranstaltung brauchten wir ein Ticketing, das mehrere Personengruppen abbilden konnte: interne Mitarbeitende mit bis zu drei Begleitpersonen, die sie selbst verwalten können, und externe Gäste. Statt lange nach passender Software oder einem Dienstleistenden zu suchen, habe ich hier das Potenzial für mein erstes KI-Projekt gesehen. Mit Starthilfe aus dem Team habe ich Claude meine Vision geschildert und daraus einen Startprompt für Lovable generieren lassen: ein Tool für personalisierte Tickets samt PDF-Export, Begleitpersonen-Verwaltung und Admin-Bereich für die Gästeliste und das Event-Backend. Nach etwa einer Stunde stand in Lovable das Grundgerüst. Kein fertiges Produkt, aber eine gute Ausgangslage.

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Vom Grundgerüst zum funktionalen Ticket-Portal

Was folgte, war vor allem eins: viel Finetuning. Ich habe das Tool Schritt für Schritt erweitert, getestet, wieder angepasst, bis ich es guten Gewissens live schalten konnte. Genau dieser Prozess war die eigentliche Lernkurve, nicht das erste Prompten, sondern das beharrliche Nachjustieren. Auch nach Go-Live musste noch nachjustiert werden, aber jedes Problem war nach wenigen Prompts behoben.

Der eigentliche Vertrauensbeweis kam später: Für unser 10-jähriges Firmenjubiläum, ein Event mit mehreren Hundert Gästen und gestaffeltem Einlass, haben wir das Tool erweitert: QR-Code-Generierung für den Einlass, Einladung externer Gäste über eigene Links, individuelle Bearbeitung der Begleitpersonen-Daten durch die Gäste selbst. Alles Funktionen, die ich mir vorher nie zugetraut hätte.

Am Event Tag selbst war meine Anspannung groß und tatsächlich funktionierte die Ticket-Scanner Funktion zu Beginn nicht. Aber das ist das Tolle an Vibe-Coding: ich muss das Problem nicht verstehen, die Ursache muss mich nicht mal interessieren. Ich muss Lovable das Problem lediglich schildern und die KI kümmert sich um die Lösung. Ein “Der Scanner funktioniert nicht, behebe das” später und der Einlass lief einwandfrei.

Was Vibe Coding im Eventalltag wirklich verändert

Der Begriff Vibe Coding klingt nach Spielerei, ist aber im Kern etwas anderes: eine Demokratisierung von IT-Themen. Wer eine klare Vorstellung davon hat, was ein Tool können soll, ist nicht mehr zwingend von externen Technik-Dienstleistenden abhängig. Zum Vergleich: Ein vergleichbares Ticketing-Tool extern entwickeln zu lassen, hätte je nach Anbieter schnell 15.000 bis 30.000 Euro gekostet, bei Tagessätzen von 700 bis 1.400 Euro. Unser Portal ist neben dem Tagesgeschäft entstanden, mit einem Bruchteil dieses Budgets.

Das heißt nicht, dass Vibe Coding jede Individualentwicklung ersetzt oder dass man unbedarft loslegen sollte. Gerade bei personenbezogenen Daten oder geschäftskritischen Prozessen lohnt sich ein zweiter Blick auf Datenschutz und Sicherheit, bevor ein selbst gebautes Tool live geht. Diesen Schritt würde ich niemandem ersparen.

Wichtig zur Einordnung: Unsere Tickets waren durchgehend kostenlos, eine Zahlungsfunktion gab es nicht, das hätte das Sicherheits- und Datenschutzniveau spürbar angehoben. Auf eine Apple- oder Google-Wallet-Integration haben wir bewusst verzichtet: sie hätte spezielle, teils kostenpflichtige Entwicklerzertifikate vorausgesetzt, und der Aufwand dafür war für unseren Case schlicht zu groß. Genau dort würde ich auch die aktuelle Grenze für Lovable sehen: Für schlankes, kostenloses Ticketing reicht die Plattform aus, bei Zahlungsverkehr oder tieferen Systemintegrationen braucht es mehr Expertise, als ein Prompt liefern kann.

Was bleibt, ist die Erfahrung, dass der Einstieg niedrigschwelliger ist, als ich dachte. Es braucht kein IT-Studium, um ein Tool zu bauen, das echte Probleme im Event Alltag löst, sondern eine klare Vorstellung, Geduld für die Feinarbeit und ein Team, das einen unterstützt. Für eine Branche, in der jedes Event andere Anforderungen mitbringt, ist das eine Superkraft, die noch zu wenige nutzen. Hierzu kann ich jede und jeden von ganzem Herzen ermutigen.


Über die Autorin

(Bild: SNOCKS / Helen Atzert)Helen Atzert ist Event Managerin bei der SNOCKS Group. Sie verantwortet Influencer-Events, interne Veranstaltungen und Brand-Aktivierungen und beschäftigt sich zunehmend mit dem Einsatz von KI-Tools im Event Alltag.

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