Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Inspirationen für Nachhaltigkeit in der Eventplanung

Ökologie, Ökonomie und Soziales – die drei Säulen der Nachhaltigkeit werden heutzutage immer bedeutsamer. Auch in der Eventbranche tut sich was. Wir werfen einen Blick auf den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und den für das Event verantwortlichen Artist-Relations-Manager Stefan Lohmann.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2019
Mehr als 800 Akteure und Projekte bewarben sich um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020. (Bild: Ralf Ruehmeier)

Deutscher Umweltpreis, Fairtrade Award oder Green Awards – warum braucht es da noch einen extra Preis für Nachhaltigkeit? Die Antwort war für den Initiator des deutschen Nachhaltigkeitspreises klar: Stefan Schulze-Hausmann, langjähriger Moderator des Deutschen Umweltpreises und Gründer der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V., kamen die drei Säulen der Nachhaltigkeit bei früheren Preisen zu kurz. Es reiche heutzutage nicht mehr, nur Umweltschutz zu fokussieren, man müsse allen Aspekten der Nachhaltigkeit, also neben ökologischem Handeln auch der Ökonomie und sozialen Aspekten, Rechnung tragen. 2008 fand der erste Deutsche Nachhaltigkeitspreis statt – mit Erfolg. Seitdem werden jedes Jahr Unternehmen und bedeutende Persönlichkeiten ausgezeichnet, die mit ihrem Handeln einen wichtigen Beitrag zu den drei Säulen der Nachhaltigkeit leisten – das letzte Mal Ende November 2019.

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Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, soll Perspektiven aus Wirtschaft, Forschung, Zivilgesellschaft und Politik in den Entscheidungsprozess einbringen. Veranstalter und ideeller Träger des Preises ist die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.. Sie ist insbesondere für die methodische Qualität und die Governance zuständig.

Stefan Schulze-Hausmann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.
Stefan Schulze-Hausmann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. (Bild: Frank Fendler)

Green Event

Wie es sich für einen Award gehört, der nachhaltiges Handeln prämiert, wird auch die Veranstaltung selbst als Green Event durchgeführt. Konkret bedeutet das: verzichten, vermeiden, verringern. Und wo das nicht möglich ist, mithilfe von Zertifikaten kompensieren. Ein wichtiger Bestandteil bei der Eventplanung ist daher die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen. So werden beispielsweise Alu-Spannrahmen für den Bühnenbau von der Düsseldorfer Firma CCS geliefert. Besonders ist dabei, dass jedes Jahr dieselben Alurahmen verwendet werden. Lediglich die Inhalte werden neu gedruckt, auf Kunststoff aus recycelten PET-Flaschen. Aus recyceltem Material ist auch der „blaue Teppich“ von Object Carpet. Er besteht aus Econyl-Garn, welches aus alten versunkenen Fischernetzen gewonnen wird. Damit löse man zwar nicht das Problem von Plastik in den Weltmeeren, es sei aber zumindest eine gute Geschichte, mit der man auf das Problem aufmerksam machen könne, so Stefan Schulze-Hausmann.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2019(Bild: Ralf Ruehmeier)

Auch beim Catering wird Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, bei der letzten Award-Verleihung ging der Veranstalter dabei noch einen Schritt weiter: Kamen in den letzten Jahren noch regionale Bio-Steaks auf den Teller, war das Catering 2019 komplett vegetarisch, zum größten Teil sogar vegan. Das führte zunächst zu Missmut bei einzelnen Gästen, so Schulze-Hausmann. „Die Erwartungshaltung bei einer Gala ist immer noch, dass ein wertvolles Stück Fleisch oder Fisch auf dem Teller liegt.“ Veranstalter sollten sich trotzdem trauen, auf ein gut gemachtes veganes Catering zu setzen, und die Brust gegen Kritiker breit machen.


„Der Nachhaltigkeitspreis liefert einen unfassbar großen Mehrwert, der viele Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen inspiriert und auch finanziell und medial unterstützt – mein allergrößter Respekt vor dieser Leistung.”

Stefan Lohmann, Talent Buyer & Booking Agent


Die nachhaltigen Preisträger

In der öffentlichen Wahrnehmung des Awards steht jedoch nicht das vegane Essen oder der nachhaltige Teppich. Der Fokus liegt klar auf den Preisträgern und ihren Projekten. 2019 wurde beispielsweise der gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V. prämiert, der Preis für nachhaltiges Wirtschaften im Bereich KMU ging an den Tofu-Hersteller Taifun-Tofu. Doch es kommen auch große Konzerne zum Zug. So wurden in der Vergangenheit beispielsweise Volkswagen ausgezeichnet oder Unilever.

Solche Preisträger führen immer wieder zu Kritik. Das findet Schulze-Hausmann jedoch wichtig und auch richtig. Natürlich seien Konzerne niemals in allen Facetten nachhaltig, es ginge jedoch darum, die guten Projekte herauszuheben und schon aufgrund des enorm großen Hebels der Wirksamkeit zu unterstützen. Der Preis und die Preisträger sollen als Leuchttürme dienen, andere Unternehmen, aber auch einzelne Personen inspirieren und zum Umdenken anregen.

Raul Krauthausen wurde mit dem Preis in der Kategorie Forschung ausgezeichnet.
Raul Krauthausen wurde mit dem Preis in der Kategorie Forschung ausgezeichnet. (Bild: Ralf Ruehmeier)

Grünes Künstler-Booking

Zu diesen Personen, die durch den Award inspiriert wurden, gehört der Hamburger Artist-Relations-Manager Stefan Lohmann. 2014 verantwortete er erstmals das Künstler-Booking des Deutschen Nachhaltigkeitspreises und war von den Preisträgern und ihrem Einsatz begeistert. Mittlerweile sind er und Stefan Schulze-Hausmann ein eingespieltes Team: „Das Booking internationaler Stars für diese Veranstaltung ist sehr komplex und beschäftigt uns beide fast das ganze Jahr, weil wir nicht nur von Jahr zu Jahr denken, sondern weit darüber hinaus”, betont Lohmann.

Stefan Lohmann, Talent Buyer & Booking Agent
Stefan Lohmann, Talent Buyer & Booking Agent (Bild: Stefan Lohmann)

Inspiriert vom Award fasste Lohmann 2014 den Entschluss, auch sein eigenes Unternehmen nachhaltig auszurichten und stieß dabei gleich auf große Hürden: verschiedenste Zertifikate, komplizierte Regelungen und schwer verständliche Handlungsanweisungen. Doch so kompliziert, wie es zunächst scheint, ist es gar nicht: „Der Anfang ist ganz leicht!“, betont Lohmann und erklärt: „Mit ein paar einfachen Schritten kann man – auch als kleines Unternehmen – schon einen signifikanten Mehrwert bei sich und der CO2-Belastung seiner Events schaffen.“ Den größten Anteil der unvermeidbaren CO2-Emissionen einer Veranstaltung verursache meist die Anreise der Gäste. Diese könne man durch eine automatisch im Ticket eingepreiste Kompensation ausgleichen. Man könne den Besuchern zudem Hilfestellungen für eine möglichst emissionsfreie Anreise geben und ein Bahn-Veranstaltungsticket zur Verfügung stellen. Auch die Umstellung auf Ökostrom sei eine einfache, aber effektive Möglichkeit, um die CO2-Emissionen des eigenen Unternehmens zu verringern.

Auftritt von Simply Red Sänger Mick Hucknall beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis (Bild: Dariusz Misztal)

Doch Lohmann wollte in seiner Firma noch weiter gehen: Mittlerweile ist nachhaltiges Wirtschaften ein fester Bestandteil seiner Unternehmensstrategie. Dabei orientiert er sich am Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Bei allen Unternehmungen will er energie- und ressourcenschonend agieren, die Umwelt schützen und die Menschenrechte achten. So richtet er auch sein privates sowie unternehmerisches Handeln und Wirtschaften bezüglich der Nachhaltigkeit an den 17 „Sustainable Development Goals“ der United Nations aus (siehe www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/). Kundenzufriedenheit, Transparenz, faire Konditionen und eine langfristige Zusammenarbeit werden bei ihm groß geschrieben.


„Ich kenne keinen Agenten in Deutschland, der unser Thema so gut verstanden hat, wie Stefan Lohmann. Sein Insiderwissen, seine guten Kontakte und sein Engagement sind für uns eine große Hilfe”

Stefan Schulze-Hausmann, Vorstandsvorsitzender Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V.


Begeistern, überzeugen, mitziehen

Lohmann reicht es jedoch nicht, in seinem eigenen Wirtschaften nachhaltig zu agieren. Sein erklärtes Ziel ist es, dass nachhaltige Veranstaltungen zum allgemeinen Standard in der Live-Kommunikationsbranche werden. So sorgte Lohmann gemeinsam mit Partnern nicht nur dafür, dass der LEA Award klimaneutral umgesetzt wurde und wird. Er gründete zusammen mit Lenn Kudrjawizki, Nora Kudrjawizki und Felix Neumann mit dem Berlin Show Orchestra auch das grünste Show-Orchester der Welt.

Auch die nächsten Schritte stehen bereits fest: Mit „Sustainable Event Solutions“ hat Lohmann eine eigene Plattform für nachhaltige Veranstaltungen gegründet. Diese soll nicht nur dem Netzwerken dienen, sondern auch eine Datenbank mit nachhaltigen Partnern, Services und Produkten für Events und Tourneen beinhalten. Veranstalter sollen hier auf einen Blick alle Anbieter nachhaltiger Lösungen für die Eventbranche finden. Ein Sustainability Rider sowie eine Checkliste komplettieren das Angebot und stehen als kostenfreier Download auf www.event-partner.de sowie auf der Website sustainable-event-solutions.de zur Verfügung. Diese sollen wirklich jeden dazu befähigen, Veranstaltungen und Tourneen nachhaltig umzusetzen. Dazu hat Lohmann gemeinsam mit Experten alle wichtigen Infos stark komprimiert auf wenigen Seiten zusammengefasst.

Musikact Angélique Kidjo beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis
Musikact Angélique Kidjo beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis (Bild: Dariusz Misztal)

Gerade für Veranstalter, die in Sachen Nachhaltigkeit noch Nachholbedarf haben oder sich unsicher sind, bietet der Sustainability Rider einen tollen Einstieg in das komplexe Thema. Mit den Guidelines und der Checkliste kann außerdem nicht nur das eigene nachhaltige Handeln überprüft werden, sondern auch das der Partner und Dienstleister. Für Stefan Lohmann ist klar, wo es in der Live-Kommunikationsbranche hingehen muss: Nachhaltige Veranstaltungen müssen zum allgemeinen Standard gehören. Lohmanns neue Plattform „Sustainable Event Solutions“ und der Rider sind ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

>> Jetzt die gesamte Checkliste als kostenfreien Download herunterladen!

Konkrete Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie bei Stefan Lohmann

  • Reduzierung und Optimierung des Energiebedarfs
  • Kein eigener Fuhrpark, Nutzung von Leih- und Sharingsystemen
  • Biogas- und Ökostrom von Greenpeace
  • Bürobedarf aus nachhaltigen Produkten
  • Umstieg auf Bioprodukte, Vermeidung von Fleischprodukten
  • Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Online-Meetings zur Reduktion von Reisen
  • Nutzung nachhaltig ausgerichteter Hotels
  • Kompensation der unvermeidbaren CO2 Emissionen
  • Nutzung der Umweltdruckerei für Visitenkarten und Druckunterlagen
  • Nachhaltige Ausrichtung bei Dienstleistern
  • Ermutigung von Kunden und Partnern, sich und Events nachhaltig auszurichten
  • Vorträge an Schulen, Hochschulen und bei Konferenzen und Foren
  • Aktive Unterstützung von Frauen im Eventbusiness
  • Transparentes Arbeiten, Offenlegung von Verträgen
  • Mitglied von Entrepreneurs for Future
  • Unterstützung von UNICEF und NABU

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