Kreativer Kopf der LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse

Interview mit Toni Quodt: Wann sich neue Technik durchsetzt

Toni Quodt setzt mit seinen „Leuchtkacheln“ Brand Worlds ins rechte Licht. Seit dem Sommersemester 2002 ist der kreative Kopf und Geschäftsführer der LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH zudem Lehrbeauftragter im Fachbereich „Lichtgestaltung/-technik“ an der Fachhochschule Köln bei den Architekten. Ein Gespräch.

Er hört auf den schönen, echt kölschen Namen Antonius. Abgekürzt wird der Name ortsüblich auf Toni. Wäre es nach dem Willen der Eltern gegangen, wäre Toni Quodt Fliesenleger geworden und hätte den elterlichen Betrieb übernommen. Wenn er sich heute mit Kacheln beschäftigt, sind die nicht aus Keramik, sondern leuchten.

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Toni Quodt
(Bild: Hilmar B. Traeger )

Herr Quodt, Sie hatten das Glück, in der Goldgräberzeit des Eventbusiness dabei zu sein. Da haben Sie so tolle Sachen gemacht wie den Meteoriten in Essen mit André Heller. Das ist 20 Jahre her. Wenn Sie zurückblicken, was hat sich verändert?
Lichttechnik hat mich schon als Schüler interessiert. Es gab diesen Beruf damals aber nicht wirklich. Man ist da einfach reingerutscht. Dann hast du von den Älteren einfach gezeigt bekommen, wie man was anfasst.

Heute sind solche Karrieren auch nicht mehr so wahrscheinlich, weil die Berufsausbildung geregelt ist.
Genau, inzwischen gibt es ja den Beruf dafür. Ich wurde dann von meinen Eltern genötigt, eine Ausbildung zu machen, und habe mich für Radio- und Fernsehtechniker entschieden. Ich hatte das Glück, auch eine Ausbildung zu bekommen. Das war der ganzen Sache natürlich noch mal sehr förderlich. So konnte ich unterwegs bei einer Produktion mal ein Netzteil reparieren oder Ähnliches. Das hat mir wieder um ermöglicht, dass mich die Älteren und Erfahrenen auf große Produktionen mitgenommen haben. Zwar vor dem Hintergrund, dass ich eigentlich keine Ahnung von den großen Sachen hatte, aber dass ich löten konnte. Wenn mal was war, dann konnte man mich vielleicht brauchen.

RWE-Meteorit von André Heller in Essen
RWE-Meteorit von André Heller in Essen . (Bild: Privat )

Jetzt, 2016, haben Sie weniger mit Showlicht zu tun, sondern mehr mit Brand Worlds bzw. Architektur. Hatten Sie vor 20 Jahren mit André Heller schon ähnliche Berührungspunkte?
Er war ja sozusagen der Initiator für Erlebnis- und Themenwelten. Das erste waren die Swarovski Kristallwelten. Durch diese Installation hat sich dann im Laufe der Jahre – danach kamen ja der Meteorit-Park und diverse andere Dinge – unser Wissen aufgebaut.

In dieser Zeit hat sich ja auch die Art zu beleuchten geändert, also die Leuchtmittel. Vor 20 Jahren waren Showlicht, Gobos und Scanner up-to-date. Dann kamen die beweglichen Scheinwerfer, die Moving Lights und heute die LED-Technik.
Es fing damals schon mit Color Kinetics an, die hatten diese 30 cm langen Plastikröhrchen mit den einzelnen LEDs drin. Zu der Zeit gab es auch noch keine Architekturbeleuchtung, nur das Anstrahlen in Warm oder Kaltweiß – und dann war Ende. Dass irgendwas passiert oder sich verändert, war nie angedacht. Zur gleichen Zeit kam auch die LED-Technik auf, sprich die blaue LED, mit der man RGB-Farbmischungen machen konnte. Und daraus resultierten dann direkt die Videowände. Die erste große Videowand, die ich gesehen habe, war 1997 bei der U2-PopMart-Tour. Das war eine abenteuerliche Konstruktion aus Dachlatten, in der während des Konzertes dauernd irgendwelche Techniker rumgeklettert sind und einzelne Dachlatten ausgetauscht haben. Zu herrlich! Nach den Scannern kamen dann relativ schnell bewegliche Scheinwerfer. Dann bewegliche Projektoren.

Das war eine Idee von Günter Jäckle bei Grönemeyer: Der hatte solch einen beweglichen Scheinwerfer, und hat diesen dann ausgebaut, ein Brett reingemacht und einen Videobeamer draufgetaped. Das war dann das erste bewegliche Videobild. Zu dieser Zeit gab es Innovation von beiden Seiten, sowohl im Bereich Architektur, ermöglicht durch LED, als auch im Bereich Bühne. Die guckten beide voneinander ab.

Toni Quodt
(Bild: Hilmar B. Traeger )

In der Entwicklung warten wir ja immer noch darauf, dass als Leuchtkörper die organischen LEDs, die OLEDs, durchstarten.
Da warten die Leute jetzt schon seit Jahren drauf. Ich habe mir das in Eindhoven bei Philips angeguckt und bei diversen anderen Herstellern. Man bekommt dann immer solch briefmarkengroße Dinger gezeigt, bei denen die Hersteller froh sind, wenn sie die Zeit der Vorführung überleben. Was dabei konzeptionell dahinter steht, finde ich ganz toll. Das sind natürlich auch Innovationen.

Eigentlich warten alle darauf, dass man große Flächen in Bildern mittels RGB zum Leuchten bringt.
Es muss ja nicht mal RGB sein. Bei Philips – und wahrscheinlich auch bei Osram – war angedacht, dass es eine Nutzbeleuchtung ist. Das heißt, man kauft sich irgendwie ein Röllchen, klebt dieses unter die Decke und das ist dann so hell wie eine Leuchtstofflampe. Aber die Entwicklung kommt nicht recht voran, außer dass die OLEDs jetzt nicht mehr so groß wie eine Briefmarke, sondern wie ein Bierdeckel sind.

Auffällig ist auch, dass das Thema Nachhaltigkeit für Sie eine Rolle spielt.
Definitiv. 54 % der elektrischen Energie, die un- sere Firma braucht, erzeugen wir inzwischen selbst und verbrauchen sie sofort. Früher hat man Solaranlagen gehabt, um möglichst viel einzuspeisen. Heute macht das gar keinen Sinn mehr. Auf dem Dach haben wir die Stromerzeugung, vor dem Haus dazu ein Auto, das elektrisch fährt. Bei uns wird es hell, alle kommen arbeiten, wir können den ganzen erzeugten Strom direkt selbst nutzen, und wenn es abends dunkel wird, ist Feierabend, alle gehen nach Hause und man braucht keinen Strom mehr. Für jede Firma, die reguläre Arbeitszeiten hat, ist eine Solaranlage ein Hauptgewinn. Wir sind auf das Thema „erneuerbare Energien“ gekommen, weil wir diese Lichtinszenierungen ja noch ein paar Jahre machen möchten, auch wenn mit Energie sorgsam gehaushaltet werden muss. Wenn sich unsere Installationen durch Sonneneinstrahlung selbst versorgen, dann sind wir technologisch ganz weit vorn.

Was erwarten Sie in den nächsten fünf bis zehn Jahren an technologischen Neuentwicklungen?
Ich musste in den letzten Jahren die Erfahrung machen, dass alles immer viel, viel länger dauert, als man glaubt. Zum Beispiel „Elektromobilität“. Ich glaube schon, dass in den nächsten Jahren richtig was passieren wird. Wenn’s nach mir ginge, hätten die Leute schon alle ein Elektroauto. Aber es braucht halt Zeit, bis das Thema bei den Menschen ankommt. Mal davon abgesehen, dass Elektroautos zurzeit noch unverschämt hohe Preise haben.

Toni Quodt
(Bild: Hilmar B. Traeger)

Es wird sich viel im Bereich des Cloud Computings tun, Smart Home ist auch gerade ein trendiger Begriff. Wir haben beispielsweise einen Kunden mit einem Hallenbad, in dem es kein Tageslicht gibt. Also haben wir ihm eine LED-Decke in 16 × 4 Metern genau über das Becken gesetzt, eine Kamera aufs Dach, und so kann er sich selbst immer schön das aktuelle Wetter ins Hallenbad holen. Die Entwicklung sieht man sehr gut an „Qivicon“, der Smart Home Plattform der Telekom: Man braucht keine Systemadministratoren mehr. Neue Techniken setzen sich in genau dem Moment durch, in dem die Leute es selbst machen können. Da ist die Telekom mit „Qivicon“ bisher der einzige Anbieter, der damit herstellerübergreifend auf dem richtigen Weg ist. Wenn die Menschen die Technik selbst im Griff haben und keinen Dritten brauchen, der richtig teuer in der Dienstleistung ist, dann setzen sich solche Systeme durch. Und dann wird auch verstanden, was da passiert. Das Prinzip der Vereinfachung geht einfach immer weiter.

Events haben sich kaum verändert. Events sind ja noch wie in Urzeiten, in denen der Mensch ums leuchtende und wärmende Lagerfeuer saß, einer tanzte drum herum, um die Götter gnädig zu stimmen. Man hatte eine Botschaft. Man wollte jemanden gnädig stimmen. Heute sind das die Kunden oder die Mitarbeiter, denen man die Geschichten erzählt.
Das Geschichtenerzählen ist ja immer noch so, nur ist es hochtechnisiert. Beim letzten Eurovision Song Contest waren die Bilder so licht- und technikgewaltig, dass du die Künstler auf der Bühne gar nicht mehr registriert hast. Eigentlich soll das Licht, die Inszenierung dazu dienen, den Künstler besonders hervorzuheben.

Der Mensch sollte also nach wie vor im Mittelpunkt stehen?
Das würde ich mir wünschen, ja. Das habe ich auch von André Heller gelernt. Damals wäre technisch auch mehr möglich ge wesen, er aber hat immer gesagt, ich solle es nicht zu kompliziert machen. Die Menschen sollen die sichtbaren Bilder auf Anhieb verstehen. Es muss wirken, es muss eine Poesie haben, es soll keine Technikschlacht sein. Weniger ist manchmal mehr.

Wir bedanken uns für das Gespräch. 

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