Human Resources

Von Roboter bis Hologramm: Ein Ausblick auf die Arbeitswelt der Zukunft

Werden wir in Zukunft alle von Robotern ersetzt? Arbeiten wir nur noch von Zuhause oder unterwegs aus und kommunizieren über Hologramme? Erübrigt sich die Veranstaltungsbranche vielleicht sogar, weil es kostengünstiger ist, sich nur noch virtuell auszutauschen anstatt Reise-, Unterbringungs- und Verpflegungskosten zu bezahlen? Wie werden wir künftig arbeiten? Wir haben einen Experten gefragt, der solche und ähnliche Fragen erforscht.

Mensch am Laptop
In der Arbeitswelt der Zukunft werden Menschen kreativere und komplexere Aufgaben übernehmen. (Bild: Dieter Schütz / Pixelio )

Als vor kurzem mit dem 21. Oktober 2015 der Tag eintrat, an den Marty McFly mit seinem DeLorean im 1989 gedrehten Film „Zurück in die Zukunft II“ reiste, wurde im heutigen Internet vielfach Bilanz gezogen: Wie hatten sich die Menschen 1989 das Jahr 2015 vorgestellt, was davon ist Wirklichkeit geworden? Die Zukunft fasziniert die Menschen schon seit jeher und wir haben Spaß daran, sie uns – mal mehr, mal weniger realistisch – auszumalen. In Wissenschaft, Medien und Literatur reicht die Spanne dabei vom pessimistischen Apokalypse-Ausblick bis hin zur rosig-goldenen Vision von Wohlstand, Hochtechnologisierung und Weltfrieden. Wie so oft liegt die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte.

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Zwei wesentliche Trends sind zu beobachten: die Automatisierung von Tätigkeiten und die Flexibilisierung der Arbeit.

 

Wie die Zukunft unserer Arbeitswelt konkret aussehen könnte, erforscht Dr. Stefan Rief mit seinen Kollegen am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Dort befassen sie sich u. a. mit der Frage, wie Arbeitsumgebungen und Infrastrukturen smarter gestaltet werden können, um Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Mitarbeiter zu steigern. Wir haben Dr. Rief gefragt, welche Trends uns in den nächsten zehn bis 15 Jahren erwarten und wie wir uns darauf vorbereiten können.

Herr Dr. Rief, wie wird unsere Arbeitswelt in absehbarer Zukunft aussehen? Was sind die großen Trends, welche Veränderungen kommen auf uns zu?
Im Grunde sind zwei wesentliche Trends zu beobachten: Zum einen die Automatisierung von Tätigkeiten und zum anderen die Flexibilisierung der Arbeit. Automatisierung von Tätigkeiten bedeutet, dass insbesondere wiederkehrende und Routinearbeiten nicht mehr nur wie jetzt ins Ausland verlagert, sondern zunehmend von intelligenten Programmen und Algorithmen übernommen werden. Dies gilt auch für viele geistige Tätigkeiten wie recherchieren, Daten sammeln und archivieren. Das hat zur Folge, dass die übrigen Aufgaben, die dann noch von Menschen ausgeführt werden, deutlich mehr Kreativität, Konzeptions- und Innovationskraft verlangen. Besonders deutlich wird das an der Industrie 4.0, wo intelligente Maschinen untereinander kommunizieren und dem Menschen die Aufgabe der Programmierung dieser Systeme zufällt.

Stefan Rief
Stefan Rief erforscht mit seinen Kollegen am Fraunhofer Institut die Arbeitswelt der Zukunft. (Bild: Privat )

Der zweite Trend ist die Flexibilisierung der Arbeit. Da die neuen Tätigkeiten höhere Ansprüche an Innovation und Kreativität der Menschen stellen, müssen Wege gefunden werden, diese stärker dafür zu motivieren und diese Fähigkeiten anzuregen. Die Leute werden tendenziell in Zukunft ja nicht weniger arbeiten, sondern nur komplexer. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, werden Arbeitszeit und Arbeitsort flexibilisiert – wir sprechen da von einer multilokalen Arbeitswelt. Ein Beispiel dafür sind auch Veranstaltungen wie Konferenzen, die nicht mehr geballt an einem Ort abgehalten werden, sondern deren Inhalte über einen längeren Zeitraum gestreckt zur Verfügung gestellt werden wie bei virtuellen Veranstaltungen. Viele dieser Veränderungen, insbesondere die Flexibilisierung, wird übrigens weniger von der Arbeitgeberseite angestoßen, sondern sehr stark von den Mitarbeitern getrieben.

Wie kann die Arbeitgeberseite dem begegnen? Worauf können und müssen sich Unternehmen schon heute vorbereiten und wie?
Beide Seiten, Unternehmen und Mitarbeiter, fordern künftig von sich gegenseitig mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Daher sollte der Arbeitgeber mit den Mitarbeitern in Dialog treten, Ideen entwickeln und gemeinsam schauen, was funktioniert. Ich rate, die Leitplanken miteinander auszuhandeln und dann experimentell vorzugehen – einfach Dinge ausprobieren und sehen, wie es klappt. Und im Zweifel etwas auch wieder zurückfahren, wenn man merkt, dass es nicht funktioniert.

Wie schätzen Sie den Einfluss dieser Veränderungen auf Branchen wie das Veranstaltungsgeschäft ein?
Die Dienstleistungen am Menschen werden definitiv präsenter, so dass die Veranstaltungsbranche eher wichtiger wird und keine Zukunftsängste hegen muss. Was die Flexibilisierung der Arbeit angeht, so ist der Trend zu großen Teilen auch hier möglich, denn die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen kann theoretisch von überall aus erledigt werden. Trotzdem sind weiterhin persönliche Treffen mit dem Team nötig, gerade in der Konzeptionsphase, in der gemeinsam Ideen entwickelt werden. Danach aber ist das Abarbeiten der organisatorischen Aufgaben flexibel möglich, und durch stärkere Automatisierung der Vorgänge vor Ort werden bei den Mitarbeitern zusätzliche Kapazitäten frei, um für die zwischenmenschlichen Erlebnisse zu sorgen.

Veranstaltungen werden durch die Teilnehmer künftig vermutlich etwas selbstgesteuerter und selbstorganisierter. Man denke an den Prosumenten, den Konsumenten der auch selbst produziert. Hier ist es wahrscheinlich, dass die Agenturen eher nur noch den Rahmen bieten und die Teilnehmer die Veranstaltung selbst ausfüllen. Auf der anderen Seite wird es aber auch die gegenläufige Entwicklung geben, dass die Agenturen richtige Inhalts- und Wissensmanager werden, die intellektuell mit den Teilnehmern auf Augenhöhe sind und sich mit dem Content auskennen. Es gibt also einerseits eine Professionalisierung in methodischer und andererseits in inhaltlicher Richtung.

Eine weitere Entwicklung könnte sein, dass es künftig mehr Vielfalt bei Veranstaltungen gibt. Beispielsweise werden hybride und virtuelle Events häufiger, weil einfach die zeitliche Verfügbarkeit von Teilnehmern und Referenten eingeschränkter ist. Virtuelle Veranstaltungen werden dabei durch Mittel wie Hologrammtechnik deutlich persönlicher und emotionaler. Allerdings ist bei aller Technologie immer noch die Authentizität wichtig, weshalb der Wunsch nach persönlicher Interaktion auch weiterhin bestehen bleiben wird. Physische Events sind daher nicht vom Aussterben bedroht.

 

Die Dienstleistungen am Menschen werden definitiv präsenter, so dass die Veranstaltungsbranche eher wichtiger wird und keine Zukunftsängste hegen muss. 

 

Hoher Qualifizierungsbedarf
Zusammenfassend werden intelligente Technologien laut Dr. Rief unsere Arbeit also weniger ersetzen als vielmehr ergänzen. Ungeliebte Fleißarbeiten können bequem und schnell vom Computersystem erledigt werden, was den Menschen Freiraum für konzeptionelle und kreative Tätigkeiten gibt. Was aber passiert mit denjenigen, die für komplexe Aufgaben weniger geeignet sind? Die ihre Talente in genau den Routinetätigkeiten haben, die künftig effizienter und kostengünstiger von selbstgesteuerten Maschinen erledigt werden, deren Programmierung wiederum zu kompliziert für den einfachen Arbeiter ist? Damit diese Menschen nicht aus dem Raster fallen, sind umfassende Qualifizierungs- und Schulungsmaßnahmen notwendig. Die Kompetenzen der Mitarbeiter müssen an die neue Tätigkeitsstruktur angepasst werden. Lebenslanges Lernen und konsequente Weiterentwicklung werden erforderlich, weshalb die Unternehmen schon heute ihren Fokus auf alle Mitarbeiterschichten richten und entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten schaffen sollten, um die künftig relevanten Kompetenzen rechtzeitig im Team zu implementieren.

Roboter in einer Lagerhalle
Fleiß- und Routinearbeiten werden in Zukunft eher von intelligenten Maschinen und Programmen übernommen. (Bild: Dieter Poschmann / Pixelio )

Kulturwandel durch neue Generationen
Dies deckt sich auch mit den Ansprüchen der kommenden Generationen von Arbeitnehmern. Die berüchtigte Generation Y startet derzeit ins Berufsleben und bringt ihre eigenen Vorstellungen und Werte mit ins Unternehmen. Dazu zählen u. a. das Streben nach regelmäßigem Feedback und Aufstieg. Man will sich selbst verbessern, optimieren und perfektionieren und anschließend dafür belohnt werden. Trotzdem legen die jungen Erwachsenen dabei weniger Wert auf Status, Macht und Karriere, sondern wollen einen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht ist ein Thema, das Unternehmen heutzutage nicht mehr ignorieren dürfen. Für Veranstalter bedeutet das nicht nur, dem Trend zu Green Meetings zu folgen. Auch pro bono Arbeiten, gemeinnützige Veranstaltungen und soziales Engagement innerhalb und außerhalb des Unternehmens kommen gut an. Nicht nur große Konzerne müssen Corporate Social Responsibility zeigen, sondern auch Agenturen und Dienstleister.

Flexibilisierung oder Entgrenzung
In ihrem neuen Selbstbewusstsein fordern die Arbeitnehmer der Gen Y außerdem eine bessere Balance zwischen Arbeits- und Privatleben. Man will nicht mehr wie die Eltern sein ganzes Leben der Karriere widmen und rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es sollen Freiräume für Hobbies, Familie und soziales Engagement bleiben. Die anstehende Flexibilisierung der Arbeit kann hier sowohl Segen als auch Fluch sein. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen darauf achten, dass die Entgrenzung zwischen Arbeit und Leben nicht zur Überbelastung führt. Schon jetzt zeigen zahlreiche Studien, dass Mitarbeiter im Homeoffice teilweise dazu tendieren, mehr zu arbeiten, anstatt wie von vielen Arbeitgebern befürchtet zuhause zu „faulenzen“. Andererseits erlauben flexible Arbeitszeiten und Orte aber eben auch, beispielsweise die Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen besser mit dem Beruf zu vereinbaren und stellen so eine große Erleichterung für die Mitarbeiter dar. Hier die richtige Balance zu finden, bleibt v. a. für die arbeitsintensive Veranstaltungsbranche eine der großen Herausforderungen der Arbeitswelt der Zukunft.

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