Der Lichtmann als Sammler

Visuelle Zeugnisse des Eventbusiness in der Lightpower Collection

Ralph-Jörg Wezorke als äußerst erfolgreichen Vertriebler von erfolgreichen internationalen Lichttechnikmarken wie MA oder Clay Paky vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Der Paderborner Unternehmer fördert auch nicht nur den Sport in seiner westfälischen Wahlheimat, wo er mit dem Abstieg seines Fußballclubs aus der zweiten Liga zu kämpfen hat; er hat quasi noch eine Dunkelkammerseite seiner Eventseele. Er sammelt exzellente Rock’n’Roll-Fotos, also Zeugnisse der Event-DNA. Denn dieser Zweig des Musikbusiness ist eine der Quellen, aus denen sich der Marketing-Event-Strom von Anfang an und immer noch unablässig speist.

Ralph-Jörg Wezorke und die Lightpower Collection
Ralph-Jörg Wezorke und die Lightpower Collection (Bild: Himar B. Traeger)

Es begann mit einem originalen Ian Drury („Sex and Drugs and Rock’n’Roll“) von Peter Blake in einem Londoner Shop. Jenem Sir Peter, der auch das Beatles-Cover für das legendäre „St. Peppers“- Album formte. Die Originalaufnahme hängt inzwischen in Eintracht in Wezorkes Lightpower Collection auf Haus Thüle, dem Landsitz derer von Ketteler, in den Wezorke vor dreißig Jahren einzog. Den Schwerpunkt seiner Sammlung machen jedoch jene rund vierzig Arbeiten von Neal Preston aus, mit denen die Sammlung durchzustarten begann. Neal Prestons Portraits von Brian Eno, Freddie Mercury und Konsorten sind Legende.

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Diese beindruckende Lightpower-Sammlung wird gerade in Stockholm gezeigt. Wezorke beabsichtigt aber weitere Pop-up-Galerien in rockverbundenen Städten wie Berlin oder Amsterdam. Haus Thüle ist sehr nett, aber weit weg von dieser Geschichte. Ralph-Jörg Wezorke versuchte sich mal als Drummer, war aber so begrenzt musikalisch begabt, wie er selbst zugibt, dass es nicht zum großen Auftritt reichte. Er benutzte den Hintereingang des Glamours mit seiner Leih-Veranstaltungstechnik und beleuchtete schon Ende der 70er des letzten Jahrhunderts deutsche Schlagerstars im Westfalenland. Ein paar Jahrzehnte später hat er das Upgrade von Chris Roberts und Bata Illic auf Robert Plant und Bruce Springsteen vollständig vollzogen.

Bilderserien von Neal Preston bis Jim Marshall
Neal Preston („In the Eye of the Rock’n’Roll Hurricane“) und Barbara Pyle („Bruce Springsteen and the E Street Band 1975“) sind im eng – lischen Kunstbuchverlag R|A|P Reel Art Press erschienen. Das Foto Urgestein Jim Marshall (nicht identisch mit dem „The Father of Loud“ Jim Marshall) ist in der Pipeline. Wezorke ist bei dem engagierten Verlag ganz privat als Investor eingestiegen und kümmert sich persönlich um den Vertrieb in Deutschland. Das macht er ebenso leidenschaftlich – was denn auch sonst? Somit ist der Beinahe-Drummer – aus Spaß trommelt er ab und an immer noch im stillen Kämmerlein – mittendrin im großen Rock’n’Roll-Zirkus und dreht munter mit am großen Rad mit den begeisternden Diven. Und so reckt der junge David Bowie auch weiter seine Hand in den Bühnenhimmel: „Rock’n’Roll will never die!“ Ein Foto eines immer grimmigen Neil Young darf natürlich auch nicht fehlen.

 

Sie wollen sich die Zeugnisse des Eventbusiness nach Hause holen? Hier können Sie die passenden Bücher im Shop bestellen:
In The Eye Of The Rock’n’Roll Hurricane von Neal Preston
Bruce Springsteen & The E Street Band 1975 von Barbara Pyle
Woodstock von Baron Wolman

 

Selbstverständlich kennt er die Fotografen inzwischen auch persönlich. Mit Neal Preston hat er eine wilde „Picture Party“ in dessen Zuhause in Los Angeles gemacht. Der Beginn einer Freundschaft, die mit einem Missverständnis anfing und dem Geschenk von 20 Bonusabzügen vorläufig endete. Inzwischen sind es ganz viele Bilder von Preston, ein dicker Brocken in der Lightpower-Sammlung. In Stockholm sind 72 Originalabzüge zu sehen. Die waren in Montreux, Las Vegas, dann kurz in Frankfurt und gehen über die Bertelsmann-Stadt Gütersloh nach London. Rendite im üblichen Sinne hat Wezorke bei dieser Erfolgs geschichte gar nicht im Blick. Alle Verkäufe daraus kommen im Sinne eines Non-Profit-Projekts der Stiftung „Behind the Scenes“ zu. Die kümmert sich um notleidende Veranstaltungstechniker. Die gibt es in Amerika und in England und das schließt natürlich einen Kreis in Wezorkes Vita; er stellt klar: „Keine Zukunft ohne Herkunft. Du musst schon wissen, wo das Ganze herkommt.“

Lightpower Collection
(Bild: Hilmar B. Traeger )

Der 59-jährige Ralph-Jörg Wezorke ist ein Vertriebler mit Leidenschaft für Lichttechnik wie Fotojournalismus. Ohne die gibt es keinen dauerhaften Erfolg. Klar, man kann mal Glück haben, aber Leidenschaft ist der Triebmotor, auch mal Schwierigkeiten zu überstehen und dann erst Recht das Besondere zu leisten. Das hat der Fußballklub Paderborn gerade vor sich.

Lightpower Collection im Eventverleih
Die Lightpower Collection kann man übrigens auch für Events ausleihen. Giulia Calani kümmert sich dabei am Lightpower-Firmensitz um das Tagesgeschäft der Sammlung. Die Originalabzüge der Bilder von den Rock’n’Roll-Stars haben eine Authentizität, gegen die jede noch so gute Tribute-Band schnell verblasst. Die Fotos der Sammlung sind echte Dokumente einer spannenden (sub)kulturellen Geschichte und keine Kopien eines Lebensgefühls, die man sich irgendwo anders kaufen könnte.

Von Paul Kantner von Jefferson Airplane oder David Crosby stammt das Zitat: „Wenn du dich an die 60er erinnern kannst, warst du nicht dabei.“ Gottseidank gab es die Peter Blakes, die Neal Prestons, die Barbara Pyles und die Jim Marshalls. Somit blicken wir auch heute noch hinter die glitzernde Fassade und sind hautnah dabei. Play it loud!

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