Messebeteiligungen im Ausland

Tipps für Aussteller und Messebauer in Indien

Plant man eine Messebeteiligung in einem anderen Kulturkreis, egal ob als Aussteller, Agentur oder Messebauer, ist es wichtig, die Gepflogenheiten und infrastrukturellen Limitierungen des Landes zu kennen. So ähnlich uns eine Kultur auch scheint, gibt es dennoch immer wieder Stolperfallen, die man als landesfremder Aussteller bzw. Messeplaner besser umgehen möchte. Auch Indien wartet mit einigen Besonderheiten auf.

Indische Flagge(Bild: Pexels.com)Unternehmen, die sich selbst, ihre Produkte oder Dienstleistungen auf dem indischen Markt erfolgreich präsentieren wollen, müssen vor allem eins sein: Authentisch. Eine für indische Besucher angepasste Selbstdarstellung ist nicht notwendig und kann sogar kontraproduktiv sein. Erfolgreicher sind Unternehmen, die ihre Philosophie genau kennen und ihre Identität ehrlich nach außen kommunizieren.

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Der Unternehmensphilosophie treu bleiben

Genau wie bei der grundlegenden Haltung gilt auch am Messestand: Internationale Unternehmen, die in Indien ihre Dienstleistungen und Produkte bewerben, müssen auch im Design ihrem Ethos und ihrer Identität treu bleiben. Authentizität ist das stärkste Kommunikationsmittel und nur durch sie kann echtes Vertrauen zwischen den Messebesuchern und dem Unternehmen aufgebaut werden. Ausländische Aussteller, die ihr Design an das lokaler Anbieter anpassen, verspielen diese Glaubwürdigkeit schnell.

Wer sich unsicher ist, kann in Bezug auf das Design in der Regel auf internationale Standards vertrauen. Aus Sicht der Infrastruktur gibt es in Indien jedoch einige Einschränkungen: So sind beispielsweise Dachaufhängungen unmöglich zu realisieren, da Messestände in Indien ausgehend vom Boden konstruiert werden. Zusammen mit lokalen Partnern können jedoch meist alternative Möglichkeiten für solche Limitierungen gefunden werden, die das grundlegende Messedesign nicht beeinflussen.

Gastfreundschaft als Besuchermagnet

Aussteller möchten gegenüber ihren Besuchern gerne besonders gastfreundlich sein und sie entsprechend willkommen heißen. Ein spezielles Rezept, wie die perfekte Begrüßung am indischen Messestand aussieht gibt es jedoch nicht. Wie auch beim Messedesign gilt: Man sollte die Variante wählen, die die Unternehmensphilosophie am meisten unterstützt. Manche setzen dazu auf geschultes Begrüßungspersonal, während andere eher durch besonders viel Aufmerksamkeit gegenüber ihren Besuchern punkten. Eine feste Regelung würde die Vielfalt einschränken und eher hinderlich als hilfreich sein.

Gastfreundschaft: Ein Mann reicht einem anderen einen Kaffee
Ob bei der Begrüßung oder im Standdesign: Authentizität ist das Stichwort. (Bild: Pexels.com)

Auch ansonsten gibt es keine großen Einschränkungen für die Interaktion mit Besuchern am Messestand. Lediglich für bestimmte Alkoholika muss eine Erlaubnis eingeholt werden, die aber problemlos vom lokalen Partner organisiert werden kann.

Bitte alles auf die Liste

Wie die meisten asiatischen Länder bietet auch Indien eine Flut von Dienstleistungen an. Welches Unternehmen man auch immer als Partner wählt – wer seine Anforderungen klar definiert, erhält von seinem lokalen Dienstleister fast alles gewünschten Service-Leistungen. In Indien sind die Services darauf ausgelegt, die Kunden vor, während und nach ihrem Projekt zu begleiten und zu unterstützen. Auch in Sachen Transport können lokale Partner beratend zur Seite stehen, denn hier warten ebenfalls einige Limitierungen.

Unternehmen aus unseren Breitengraden, die sich im indischen Markt präsentieren möchten, sehen sich meist der Aufgabe gegenüber, das Equipment weit zu transportieren. Wer dazu auf die Schifffahrt setzt, sollte sich mit den Verschiffungs- und Logistikbestimmungen Indiens vertraut machen. Denn ab und an kommt es vor, dass ein Kunde gemeinsam mit dem benötigten Equipment auch Artikel verschickt, die nicht auf der Verschiffungsliste stehen; nicht gelistete Weinflaschen könnten deshalb etwas größere Schwierigkeiten verursachen. Ein lokaler Partner kann auch hier beratend zur Seite stehen.

Containerschiff
Zu verschiffendes Equipment muss auf der Frachterliste genau angegeben werden. (Bild: Pixabay.com)

Touch & Feel trifft Demonstrate

Trotz ungewohntem Terrain möchten Unternehmen ihre Produkte dem fremden Publikum bestmöglich präsentieren. Doch bieten sich für einen Produkt-orientierten Stand am besten die echten Produkte an oder sind Grafiken die bessere Wahl? Bestenfalls setzen Aussteller auf einen Mix aus beiden Varianten: Menschen wollen Produkte gerne in die Hand nehmen und sie live begutachten – Inder sind da keine Ausnahme. So können sich die Besucher einen gesamtheitlichen Eindruck von dem Produkt verschaffen und herausfinden, ob es wirklich die erforderlichen Eigenschaften mitbringt: Wie sieht es aus, wie fühlt es sich an, wie funktioniert und arbeitet es. Touch & Feel ist hier das Stichwort.

In unserer heutigen Arbeitswelt – und auch im Hinblick auf die Industrie 4.0 – ist es besonders wichtig, dass Produkte perfekt zu den unternehmensspezifischen Anforderungen passen. Produkte „von der Stange“ erfüllen nur in wenigen Fällen diese Anforderungen. Doch auch Grafiken und Texte sind wichtig: Abhängig von der Größe des Portfolios können schließlich nicht alle Produkte ausgestellt werden. Diese Lücke kann durch Grafiken gefüllt werden.

Bei Dienstleistungen ändert sich die Präsentationsweise, die Möglichkeiten zum Anfassen und Ausprobieren sind hier begrenzt. Dienstleister sollten daher ein gewisses Maß an Interaktivität in ihren Messeauftritt integrieren. Wer eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, möchte wissen, wie dieser Service funktioniert und welchen Nutzen er bringt. Besser als durch Sprache oder Schrift lässt sich eine Dienstleistung deshalb ganz einfach durch eine Demonstration präsentieren.

Rupien
Der beliebteste Zahlungsweg in Indien: Cash. (Bild: Pexels.com)

Bargeld ist das Mittel der Wahl

Eine der gängigsten Transaktionsvarianten in Indien ist Cash. Jede zusätzliche Bestellung, die nicht über den lokalen Partner getätigt wird, wie beispielsweise ein Auftrag vom Organisator an ein drittes Unternehmen, muss in Cash beglichen werden. Im Allgemeinen akzeptieren indische Unternehmen jede ausländische Währung sowie natürlich Rupien. Sofern mit einem lokalen Unternehmen gearbeitet werden, können die Transaktionen auf die international herkömmliche Weise abgewickelt werden.


Messe-Tipps von Sanjay Kapur, Studio 360 im Video

Die International Federation of Exhibition and Event Services (IFES) gibt seit einiger Zeit die Videoserie „10 Minuten mit …“ heraus – die Folge über das indische Publikum diente als Grundlage für diesen Artikel. Hier können Sie sich das Video in voller Länge ansehen:

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Vielen Dank für den interessanten Artikel über Messebau. Ich finde das Thema sehr spannend und habe im Internet auch schon einige gute Seiten gefunden.

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