DASA Szenografie Kolloquium 2016

Kann die Eventbranche vom Museum lernen?

„Wenn Sie sich nicht neu erfinden, werden Sie in zehn Jahren nicht mehr existieren!“ Mit dieser eindringlichen These eröffnete Jasper Visser das diesjährige Szenografie-Kolloquium, das Ende Januar zum 16. Mal an der Dortmunder DASA stattfand.

DASA Szenografie Kolloquium 2016
Beim DASA Szenografie Kolloqium diskutierten Brancheninterne zwei Tage lang über die Zukunft von Museen. (Bild: Rijksmuseum)

Unter dem Titel „Museum und Stadt – Stadt und Museum“ diskutierten Museumsdirektoren, Agenturchefs, Kuratoren, Szenografen, Architekten und Gestalter zwei Tage lang über die zeitgenössische Rolle von Museen: Sie sind schon lange nicht mehr nur Musentempel, sondern sollen Problemviertel aufwerten, die Wirtschaftskraft erhöhen und ihren Standorten zu Image und Identität verhelfen.

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„Change Agent“ Jasper Visser sah diese Forderungen kritisch und mahnte die Anwesenden in seinem Eröffnungsvortrag zum Mut zur Veränderung. Alleine auf die kulturelle Bedeutung und die Strahlkraft eines Hauses zu setzen, sei keine zukunftsfähige Strategie mehr. Insbesondere der Bilbao-Effekt, also die Hoffnung, Stadtquartiere und ganze Städte durch Kultureinrichtungen aufzuwerten und daraus das eigene Selbstverständnis zu ziehen, liefere keine Existenzberechtigung mehr: „Bilbao is dead. This strategy is today as useful as a floppy disc.“ Stattdessen müssten sich die Ausstellungshäuser als „Social Museums“ neu erfinden und so eine neue gesellschaftliche Existenzberechtigung und Bedeutung erlangen. Mit einer Vielzahl anregender Beispiele belegte er die Entwicklung hin zu solchen „partizipativen“ Museen, die all ihre Stakeholder aktiv einbeziehen.

Zum Beispiel das Museum Silk Mill im englischen Derby. Das Industriemuseum am Ort der ersten Fabrik der Welt war aus der Zeit gefallen: Die Besucher blieben aus, die öffentliche Förderung war gefährdet.

“Alleine auf die kulturelle Bedeutung und die Strahlkraft eines Hauses zu setzen, ist keine zukunftsfähige Strategie mehr.”

 

Das Museumsteam entschied sich zu einem radikalen Neuanfang. Das Museum wurde verkleinert und renoviert und war bei seiner Wiedereröffnung: komplett leer. Danach wurden Ausstellung und Angebote in Workshops zusammen mit der Bevölkerung erarbeitet und umgesetzt. Das Museum widmet sich auch heute noch der Geschichte des Ortes, gleichzeitig aber ist es eine Plattform für die unterschiedlichsten Aktivitäten von der Makers’ Fair bis zu Musikveranstaltungen. Vor allem aber ist es das Museum der Menschen von Derby.

Buch-Armband von Lyske Gais
Buch-Armband von Lyske Gais und Lia Duinker, Gewinner des Rijksstudio Award 2015; inspiriert von „Die Steinigung des Heiligen Stefanus“, Rembrandt. (Bild: Andreas Horbelt )

Ein anderes Beispiel: Das Amsterdamer Rijksmuseum bietet nicht nur die eigene Sammlung komplett zum digitalen Download an, sondern lobt darüber hinaus sogar einen Preis aus, der jährlich die kreativste Nutzung der Bilder auszeichnet – den „Rijksstudio Award“. Dadurch wird die kreative Szene eng an das Museum gebunden – und die entstandenen Produkte stärken die Bekanntheit des Museums.

Partizipative & eventive Formate
Die nachfolgenden Vorträge machten deutlich, dass die Bereitschaft, derlei Wege einzuschlagen, in der Deutschen Museumslandschaft noch sehr unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Eines aber wurde in fast allen Vorträgen deutlich: Die Bedeutung partizipativer Ansätze und der Kunstvermittlung – und damit auch klassischer „eventiver“ Formate – wird an Museen immer größer. An vielen Häusern gibt es inzwischen beeindruckende Strategien und einen reichen Erfahrungsschatz, wie sich das Publikum einbeziehen lässt. Know-how, das durchaus auch die klassische Eventbranche befruchten könnte, die ja auch immer öfter klassische frontale Konzepte in Frage stellt. Partizipation ist eben nicht nur eine große Herausforderung für die Museen der Zukunft, sondern vielleicht auch für die Zukunft der Eventbranche.

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