Flashback in die 90er

Eventbusiness früher und heute: Was war anders, was war besser?

Wie sahen eigentlich die Anfangszeiten des Eventbusiness aus? Was war anders? Wir haben Christian Seidenstücker von Joke Event, Ulrich Roth von follow red und Jörg Krauthäuser von facts and fiction zu ihren Erfahrungen aus den goldenen 90ern befragt und sie die Unterschiede im Eventbusiness einmal Revue passieren lassen. Den vollständigen Round Table Talk “Flashback in die 90er” finden Sie hier

 

“In den 90ern hat man sich noch wesentlich mehr mit der Idee als mit dem Budget auseinandergesetzt.”
Christian Seidenstücker, Geschäftsführer Joke Event

Christian Seidenstücker, Geschäftsführer Joke Event
Daniela Tobias
Christian Seidenstücker, Geschäftsführer Joke Event

Herr Seidenstücker, wie waren Ihre Anfänge?

Das war eher der klassische Weg direkt von der Schule, da habe ich als DJ angefangen. Das war damals ein Abenteuer. Während meiner Schulzeit habe ich dann größere Veranstaltungen organisiert. Damals in Bremen gab es ein sehr bekanntes Format, wie in Köln der „Ball Jeunesse“, das hieß bei uns „Jugendpresseball“. Den habe ich dann schon mit 17 organisiert und bin so über das Hotel, in dem das veranstaltet wurde, zu Sponsoren gekommen. Diese Sponsoren haben mich dann auch gefragt, ob ich für sie nicht zielgruppenorientiert Jugendmarketing machen könnte. Mit 18 habe ich dann festgestellt, dass ich mir doch mal einen Gewerbeschein holen sollte. Parallel gab es dann kleinere Projekte für die Sparkasse, das Parkhotel oder die Stadthalle in Bremen. Ich habe dann parallel BWL studiert und 1992 alles über eine GbR in eine richtige Firma überführt.

 


 

“Es ist wichtig, dass es Gründer und Unternehmer gibt, die eine gewisse Haltung verkörpern, und an die ihre Mitarbeiter auch glauben.”
Ulrich Roth, Geschäftsführer follow red

Ulrich Roth, Geschäftsführer follow red
Daniela Tobias
Ulrich Roth, Geschäftsführer follow red

Herr Roth, Sie sind ja nicht ganz unerfahren in die 90er Jahre reingeschlittert. Wie haben sich für Sie die 90er Jahre dargestellt, als frisch gegründete Agentur aus den 80ern?

Wir waren Anfang der 90er ungefähr zehn Leute. Gegründet habe ich die Agentur mit Günther Lohre zusammen, einem Ex-Stabhochspringer. Ein guter Sportler und ein halbwegs guter Sportler hatten die Idee, dass sie auch etwas von Kommunikation verstehen, und machten eine Sponsoring-Beratungsagentur auf. Das war die Intention zur Gründung. Dann kam mit Rolf Lorenz von der TC-Gruppe ein weiterer Experte dazu und so wurden wir dann langsam eine „erwachsene“ Agentur. Das war schon eine Goldgräberstimmung. Große Kunden wie damals die Telekom hatten riesige Budgets. Bei Weitem nicht so fragmentiert und intensiv hinterfragt, wie man es heute oft hat.

 


 

“Die Relevanz ist heute in den Vordergrund gerückt. Man macht nicht nur die Hoch-die-Tassen-Events.”
Jörg Krauthäuser, Geschäftsführer facts and fiction

Jörg Krauthäuser, Geschäftsführer facts and fiction
Daniela Tobias
Jörg Krauthäuser, Geschäftsführer facts and fiction

Herr Krauthäuser, Sie kommen aus der alternativen Szene, oder? 

Sagen wir es mal so, ich habe früher andere Events gemacht. Die waren eher spontan und mehr auf der Straße. Das zu meinem Beruf gemacht habe ich bei der Bavaria-Tochter tv mobil, wo ich später den Bereich Industrie- und Werbefilm geleitet habe. Das war der Anfang der Eventindustrie, da wurden bei Jahreshauptversammlungen nicht nur Filme gezeigt, sondern man überlegte, dass neben der Rede des Vorstandsvorsitzenden und etwas zu essen noch irgendetwas passieren müsse. Wir von tv mobil haben damals für mehrere Automobilhersteller gearbeitet und wurden gefragt: „Was kann man da noch machen? Ihr könnt doch inszenieren.“ Wir haben uns auch etwas aufgedrängt, weil die meisten Veranstaltungen in der Tat gähnend langweilig waren (alle lachen). Dann haben wir den Kunden nach und nach überzeugen können, wenn er schon ein goldenes Kalb hat, dass es auch schön sei, dieses zu inszenieren. Da wir vom Film kamen, war das relativ einfach, weil wir uns mit Dramaturgie auskannten. Wir sind nicht nur relativ schnell auf offene Ohren gestoßen, sondern die Kunden haben das auch goutiert und fanden das cool, wenn mal mehr passierte als lecker Essen und nachher Besaufen. Das war für mich der Einstieg in Events.

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