Politik und Events

Mit Live-Kommunikation gegen Politikverdrossenheit

In einer Zeit, in der die Politikverdrossenheit immer weiter zunimmt, kann die Live-Kommunikation eine besondere Rolle einnehmen, um die Demokratie wieder zu stärken. Julian Vaterrodt, Unternehmensberater Henzgen & Schommer consult, hätte schon einige Ideen für eine solche Aufgabe.

Julian Vaterrodt
Julian Vaterrodt, Unternehmensberater bei Henzgen & Schommer consult (Bild: Privat)

Was kann die Live-Kommunikation tun, um sich für die Demokratie zu engagieren?
Ich glaube, Live Kommunikation kann helfen Politik erlebbarer zu machen. Gerade in einer Zeit, in der Menschen das Gefühl haben, dass „die da oben machen, was sie wollen“, können Live-Kommunikation und tolle Aktionen helfen, den Menschen Politik konkret näher zu bringen. Diese Kommunikation zwischen Politik und Menschen zu fördern, hilft dann wiederum der Demokratie. Oftmals ist die Ursache von Kritik Unverständnis und Unwissenheit und keine ideologische Ablehnung der Politik. Wenn wir uns die EU anschauen, sehen wir, wie viele Menschen nicht mehr realisieren, dass Reisefreiheit, der Euro und andere Dinge nicht normal sind, sondern gerade für ältere Menschen Dinge waren, die erst erkämpft werden mussten. An diesem Punkt kann Live Kommunikation vermitteln.

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Politikverdrossenheit und geringe Jugendbeteiligung an der Demokratie entstehen nicht in einem Vakuum. Sie entstehen meistens dann, wenn die Menschen und ihre gewählten Vertreter sich zu weit voneinander entfernen. Gezielte Events können helfen, diese Gruppen wieder zusammen zu bringen. Vor allem aber sollten große Vertreter dieser Branche es als Aufgabe sehen, Informationsveranstaltungen, Wahlveranstaltungen, Bürgerveranstaltungen etc. anders und kreativ zu gestalten. Hätten wir Parteitage, die mit Events vollgepackt wären, würden die Bürger das mit Sicherheit auf Phoenix verfolgen und vielleicht ein klein bisschen mehr Wissen über die politischen Inhalte einer Partei mitnehmen.

Was bewegt Sie an der aktuellen politischen Lage?
Aktuell ist ja Bundestagswahl: Mich bewegt dabei sehr die Besorgnis, welche Parteien nachher tatsächlich unser Land regieren werden, in welcher Konstellation. Außerdem mache ich mir Sorgen um die Demokratie an sich: Werden sich die Jugendlichen, wie sich im Brexit gezeigt hat, in irgendeiner Weise aufraffen können, wenn es ums Wählen geht oder entscheiden sie sich dafür, dass sie lieber zu Hause bleiben und Demokratie nicht so wichtig für sie ist?

Unterstützen Sie Parteien im Wahlkampf od. politische Organisationen/Ministerien etc. mit Ihrer Arbeit?
Ich bin zurzeit innerhalb der SPD Saar und im VDCH dem Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V. als Beirat für Internationales aktiv. Erstere kennen Sie sicherlich, letztere beschäftigt sich mit einem Sport namens „Debattieren“, bei dem Teams gegeneinander im sprachlichen Wettstreit stehen. Diese Wettbewerbe finden in ganz Deutschland, aber auch weltweit statt und verbinden politische und allgemeine Kenntnisse mit der Fähigkeit, Menschen rhetorisch überzeugen zu können.

Dadurch, dass diese Wettbewerbe unter anderem durch ZDF und die Zeit unterstützt werden, haben diese Turniere – wenn auch nur lokal – immer eine große Strahlkraft. In den Finalen dieser Turniere geht es dann häufig um Themen wie zum Beispiel, ob türkische Politiker das Recht haben sollten, in Deutschland für das damals aktuelle Referendum Werbung zu machen. Die Teilnehmer kennen die Themen nicht und bekommen Pro oder Contra Seite zugelost. Durch diesen Ansatz bekommen die Zuhörer beide Seiten einer Medaille, was für den politischen Diskurs in einem Land meiner Meinung nach sehr wichtig ist.

 

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