Die Zora träumt von Gold, Silber, Bronze und ein bisschen Frieden
Das würde sicher die AfD freuen. Aber wird das Internationale Olympische Komitee da mitmachen? Man ist ja inzwischen verunsichert, was in Zeiten von Trump & Co. alles möglich ist.
In den letzten Wochen und Tagen habe ich eure Postings in den üblichen sozialen Medien verfolgt. Yeah: Olympia-Boost für unsere gebeutelte Branche! Wir kommen endlich wieder ganz oben aufs Treppchen – als die ersten Gewinner der Spiele. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttoeventprodukt. Aber das wird wohl frühestens 2040 etwas. Also haben wir noch 14 lange Jahre – ja, was eigentlich: Marathondistanz.
Mein alter Agentur-CFO sagte mir beim seltenen Feierabendbier: „Das wäre schon ein Gamechanger, ein echter Boost.“ Gemeint ist eigentlich: Budget. Denn aus seiner Sicht sind Olympische Spiele kein Sportereignis, sondern ein Ausnahmezustand – einer, der sich hervorragend kapitalisieren lässt. Mehr Bühnen, mehr LED-Wände, mehr Events. Und dann endlich mal der Albert Speer des neuen Jahrtausends sein dürfen: AI-Drohnenshow statt totalitärem Lichtdom?
Diesmal soll alles anders sein. Keine gigantischen Neubauten, keine leeren Stadien danach. Stattdessen bestehende Arenen, temporäre Installationen und hier und da eine Modernisierung. Dazu Investitionen in Infrastruktur. Klingt vernünftig, ist politisch gut vermittelbar und wirkt auf den ersten Blick sogar nachhaltig. Das wäre gut so. Denn Ruinen der Neuzeit wie in Athen, Barcelona oder Südafrika und Brasilien nach der FIFA-WM wären wirklich uncool. Aber, wie schon gesagt: 2040. Brauchen wir nicht jetzt pünktliche Bahnen und bezahlbare Wohnungen?
Beim zweiten Bier wird weitergerechnet: mehr internationale Kunden, mehr Sponsorenaktivierung, mehr Hospitality. Mal sehen, wer von uns dann noch in der Branche arbeitet – und ob das alles wirklich so kommt. Ich würde es mir wünschen. Vielleicht machen dann KI und Roboter die ganze Arbeit, inklusive der Athlet:innen. Dann ist auch das Transgender-Thema vom Tisch. Und wir können energiesparende Dark Games veranstalten – wie die menschenlosen Dark Factories der chinesischen Automobilindustrie.
Und was meint der Event-Zorro, der von 1972 schwärmt? „Da gab es den Mut für diese bis heute irre Architektur von Günter Behnisch. Otl Aicher machte das Corporate Design, und ein Jazzmusiker wie Peter Herbolzheimer komponierte mit.“
Nach diesem nostalgischen Rückblick entgegne ich: Am Ende profitieren doch wieder die mit den großen Etats, die mit den internationalen Kontakten. Die, die schon immer dabei sind. Der Rest arbeitet mit, verdient vielleicht auch etwas – aber erlebt keinen Goldrausch. Die landen dann eher auf dem vierten Platz. Aber vielleicht landet ja der Weltfrieden endlich mal auf dem Siegertreppchen. Eigentlich sollen während der Olympischen Spiele alle Waffen schweigen. Vielleicht klappt’s ja 2040 wenigstens damit. Was denkt ihr?
Peace!
Eure Event-Zora



