Das Gleiche gilt für die Unternehmen, mit denen wir arbeiten. Auch sie sind Teil größerer Systeme – Branchen, Lieferketten, gesellschaftliche Strukturen. Was wäre, wenn Verbundenheit unser wirtschaftliches Handeln prägt – nicht als Idealvorstellung, sondern als Wettbewerbsvorteil? Wenn wir nicht nur fragen „Was nützt mir das?”, sondern: „Was braucht ihr – und was brauchen wir, um gemeinsam wirksam zu sein?”
Veranstaltungen als Räume der Transformation
Genau hier kommen Events ins Spiel. Sie sind mehr als Formate zur Informationsvermittlung oder Markeninszenierung. Sie sind Möglichkeitsräume für Beziehung – und damit für Veränderung.
Denn Wirkung braucht Beziehung. Und Beziehung braucht Raum – für echte Begegnung, Zuhören, Vertrauen. Im besten Fall entstehen bei Events kleine Gemeinschaften auf Zeit, in denen Menschen sich sehen, einander zuhören, sichverstehen lernen. Solche Erfahrungen schaffen eine Basis für gemeinsame Visionen – und gemeinsames Handeln.
In meiner Arbeit als Berater und Sparringspartner erlebe ich immer wieder: Gerade dort, wo Unternehmen vor Veränderungsprozessen stehen – ob kulturell, strategisch oder kommunikativ – werden Events zu entscheidenden Hebeln. Nicht, weil sie alles lösen, sondern weil sie Entwicklungen erlebbar machen – und Menschen mitnehmen.
Imaginalräume: Wo Neues entsteht
Ein Bild aus der Natur verdeutlicht diesen Prozess: Bevor eine Raupe zum Schmetterling wird, bilden sich Imaginalzellen – sie vernetzen sich im Verborgenen und leiten die Transformation ein. Events können genau das sein: Imaginalräume, in denen sich neue Perspektiven vernetzen, bevor sie sichtbar werden.
Nicht als großes Transformationsversprechen – sondern durch gezielte Verschiebungen in Haltung, Verständnis und Beziehung. Dort, wo Menschen echten Austausch erleben, entsteht der Boden für Veränderung.
Was macht Beziehungen tragfähig?
Die Theorie der Verbundenheit gibt uns dabei einen klaren Kompass: Tragfähige Beziehungen entstehen, wenn Bedürfnisse gesehen und geteilt werden. Das gilt im Privaten wie im Beruflichen.
Wenn wir fragen: „Was brauchst Du?” – und ehrlich zuhören – können wir füreinander gestalten. Das schafft Vertrauen, Zugehörigkeit und eine gemeinsame Wirklichkeit. Und das ist der Boden, auf dem nachhaltige Veränderung wächst.
Übertragen auf Events heißt das: Nicht nur Inhalte sauber zu senden, sondern Räume zu schaffen, in denen Menschen sich gemeint fühlen – als Mitarbeitende, als Kundinnen, als Partner.
Von der Theorie zur Praxis
Ein Beispiel: Die Genossenschaft genokom nutzt Events gezielt, um ihr ‘Wir’ erlebbar zu machen. Sie fragt ihre Mitglieder, was sie brauchen – und macht transparent, wie Ressourcen eingesetzt werden. Wie CEO Vera Viehöfer sagt: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele – Events machen dieses Prinzip erlebbar.”
Das funktioniert nicht nur für Genossenschaften. Auch klassische Unternehmen können Events so gestalten, dass aus Kontakten Beziehungen werden – und aus Beziehungen gemeinsames Handeln. Ob Strategiewechsel, Kulturwandel oder Markenpositionierung: Überall dort, wo Menschen den Wandel mittragen sollen, braucht es Formate, die verbinden.
„Die Rolle von Business Events als Plattformen für Wissenstransfer und Impulsgeber für Innovationen ist ungebrochen relevant. In einer Ära multipler Transformationsprozesse und individualisierter Arbeitswelten wird jedoch auch eine andere Wirkungsfacette immer wichtiger: Veranstaltungen sind soziale Orte, die Begegnungen ermöglichen, konstruktiven Dialog fördern und Vertrauen stiften. Diesen Wandel haben wir unter Begriffen wie „Community Building“ oder „Gap-Bridging“ im Rahmen der Forschung im Innovationsverbund Future Meeting Space (FMS) ausgiebig analysiert,“ erklärt Matthias Schultze, Managing Director, GCB German Convention Bureau e.V.
Schultze fährt fort: „Und auch bei unseren eigenen GCB-Veranstaltungen setzen wir die entsprechenden Erkenntnisse um. Ein Beispiel: Im Sommer 2024 haben wir im Rahmen eines Workshops erstmals den Baustein „Plus One“ implementiert. Inzwischen hat sich dieses Format – Berufserfahrene bringen eine*n Young Professional aus ihrer Organisation als Begleitung mit – u.a. bei der jährlichen GCB-Mitgliederversammlung fest etabliert.“
Fazit: Gemeinsam Zukunft gestalten
Das „Wir in Wirkung” heißt: Niemand verändert die Welt allein. Aber gemeinsam – in echter Beziehung, mit geteilten Werten und klarer Ausrichtung – sind wir eine Kraft, die trägt. Veranstaltungen sind dafür der perfekte Ort. Wenn wir sie mit Sinn füllen, mit echter Begegnung, mit Vertrauen, können sie zu Katalysatoren der Transformation werden.
Damit aus diesem Anspruch konkrete Wirkung entsteht, braucht es drei Dinge: Klarheit über Ziele, ein realistisches Verständnis der Rahmenbedingungen – und eine Dramaturgie, die Beziehung strategisch inszeniert. Als Eventregisseur und Konzeptberater begleite ich Organisationen genau bei dieser Übersetzungsarbeit: von der Vision zur erlebbaren Veranstaltung, die verbindet statt nur informiert.
Veränderung beginnt mit Beziehung. Und Beziehung beginnt mit einem echten „Wir”.