Musik über beide Ohren

Musiker und Event-Urgestein Bertram Ernst

Wenn der 54jährige Bochumer nicht in seinem Mönchspfeffer-Tonstudio sitzt und akustische Markenführung betreibt, ist Bertram Ernst vielleicht mit seinem Golden-Retriever-Mischling Walter rund um Bochum unterwegs und entspannt ein wenig. Das muss sein. Kreativität verlangt Pausen. Gehirn und Ohren wollen durchlüftet werden. Ernst ist trotz seiner (relativ) jungen Jahre ein absolutes Ur-Gestein der deutschen Event-Szene und in das Goldene Zeitalter der 90er hineingewachsen …

Bertram Ernst in seinem Tonstudio
Bertram Ernst in seinem Tonstudio (Bild: Marc Schlaile / Mönchspfeffer GmbH)

Vor seinem Start in der Event-Szene war Bertram Ernst unter dem Künstlernamen „Roman“ als Pop-Hero aktiv, brachte mehrere Scheiben beim Major Label Warner Germany heraus und produzierte auch die Musik von anderen Acts – eine Arbeit, für welche er manche Goldene Schallplatte bekam. Event-Awards sammelte er dann später ein. Davon hat er auch einige zu Hause, aber er ist geerdet geblieben. Dazu trägt sicherlich bei, dass er Ruhrgebietler ist, aber auch, dass er immer noch selbst im eigenen Tonstudio mit anderen Musikerkollegen arbeitet und auch live auf der Bühne steht. So sammelte er mit der Band White Orange im letzten Jahr eifrig Sommersprossen bei einer sommerlichen Spanien-Roadshow für SEAT.

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Auch im großen Getümmel mit Dutzenden von Straßenkünstlern vor der großen VW-Show auf der IAA kann man den 1,87-Meter-Mann leicht ausmachen. Er behält den Überblick und ist nach außen die Ruhe selbst. Erfahrung zahlt sich aus, paart sich im Falle von Bertram Ernst aber mit einer ungebrochenen Leidenschaft: für die Musik und seine Instrumente. Er sammelt Vintage-Kram und kann sich an einem Neve-Mischpult und seinem Klangcharakter erfreuen. Nicht nur der Teufel steckt im Detail, auch wirklich gute Sounds verlangen solche Tüfteleien.

Betram Ernst als künstlerischer Leiter beim Daimler International Dealer Congress 2012
Betram Ernst als künstlerischer Leiter beim Daimler International Dealer Congress 2012 (Bild: Mönchspfeffer GmbH)

Technik ohne Idee ist Spielerei

Seine erste Langspielplatte war „Fireball“ von Deep Purple. Danach folgten lange Zeit wenig Einkäufe. Es gab portemonnaieschonende Tonbänder und später Kassetten. Die persönlichen Helden seiner musikalischen Kindheit waren die Keyboarder George Duke, Herbie Hancock und Chick Corea. Ohnehin war die Musikszene damals sehr präsent. Radiomoderatoren wie Wilfried Trenkler, Alan Bangs oder Roger Handt waren im westlichen Sendegebiet stets gute Scouts für neue Musiktrends. Während seines Musikstudiums begann Ernst, sich regelmäßig Platten zu kaufen. Die meisten hat er heute noch. Wir wissen inzwischen, Vinyl ist alles andere als tot und für bestimmte Produktionen empfiehlt Ernst die schwarze, gerillte Scheibe mit dem Loch in der Mitte als vorzuziehendes Medium.

Markenshow für Daimler Benz in 2012
Markenshow für Daimler Benz in 2012 (Bild: Mönchspfeffer GmbH)

Bertram Ernst liebt sein Umfeld aus Menschen, die in künstlerischen Berufen tätig sind. Ihn hat nicht nur das Lebensgefühl rund um die Musik fasziniert, sondern genauso auch Tanz und Schauspiel. Eine ähnliche Faszination erlebt er in unserer Jetztzeit mit den Umsetzungsmöglichkeiten von Augmented Reality: „Sobald diese im Sinne einer echten Idee eingesetzt wird.“ Das ist ihm wichtig. Sonst bleibt es Spielerei. Konkrete Vorbilder findet er in den verschiedenen Kunstbereichen und bis heute zählt er Menschen wie Ravel, Debussy, Mussorgsky, Prince, Beckett und Sartre dazu. Also Stellvertreter von Freiheit und Innovation. Es gibt aber auch junge Künstler wie Jakob Collier, die für Ernst bereits mit Anfang 20 ihre prägenden Fußstapfen hinterlassen und ihm auch mit ihrer Leichtigkeit und Qualität imponieren. Das Staunen will er partout nicht verlernen.

Kreativität unter Kostendruck

Veränderungen steht er positiv gegenüber. Auch die der Event-Szene hat er analysiert und sich angepasst. Er hat gute Agenturkunden vom Markt verschwinden sehen. Aber er arbeitet auch für Industriekunden direkt. Auch in China, so stellt er fest, sind „German Experts“ gefragt. Es ist alle internationaler geworden und so sind auch die Teams. Die Aufgaben werden komplexer. Die Produktionszeiten der verschiedenen Gewerke verkürzen sich dramatisch und die heutigen Mail- und Telko-Kommunikationen schärfen nicht unbedingt den Blick für das Wesentliche. Summa summarum: Die Kreativität ist klar den Faktoren Kosten und scheinbare Kompatibilität untergeordnet. Diese neue Situation erfordert noch mehr professionelles und kompetentes Handeln im Vergleich zu den Anfängen der Event-Kommunikation.

Seinen Ursprung hat Bertram Ernst in der Musikerszene
Seinen Ursprung hat Bertram ernst in der Musikerszene . (Bild: Mönchspfeffer GmbH)

Ambivalenz des technologischen Fortschritts

Bertram Ernst hat bemerkt, dass der eigentliche USP seiner Mönchspfeffer GmBH -„custom made solutions“  zu kreieren-, zur Zeit weniger vom Markt abgefragt wird. Im Sinne der Kosten besteht heute eher die Nachfrage nach bereits existierenden Modulen, die dann irgendwie in eine ganzheitliche Kommunikation eingefügt werden. Theoretisch kann das, so Ernst, auch durchaus funktionieren. Deshalb bringt er mit seiner Mönchspfeffer GmbH in Zusammenarbeit mit langjährigen Weggefährten wie René Elberfeld, Manni Struck oder Dietrich Körner nun ein Modul auf den Markt, welches diesen veränderten Marktbedürfnissen gerecht wird und welches er auch als Weltneuheit erachtet.

„Legends“ heißt diese Bühnenshow und sie ist für die großen Marken-Events als Highlight-Act konzipiert. Konkret werden Musiker, Tänzer und Sängerinnen live auf der Bühne mit verstorbenen Stars wie Freddy Mercury, Michael Jackson oder Whitney Houston interagieren. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um irgendeine Tribute-Show, sondern bei „Legends“ werden die Originalstimmen der Stars genutzt und in einen neuen musikalischen und szenischen Kontext gesetzt.

Richtig zum Leben gebracht werden die Musiklegenden durch deren mediale Präsenz, welche den Gästen das Gefühl vermittelt, noch einmal ein Konzert mit ihnen zu erleben. Was Ernst persönlich dabei als spannend empfindet, ist die Verbindung von musikalischen Wurzeln mit aktuellen Beats und Trends. So entstehe ein aktiver Kreislauf von musikalischer Kreativität.  Schlussendlich erleben die Gäste bei „Legends“ wie ein Marc Bolan oder Jim Morrison heute klingen würde: „Das mit einer maximal erlebbaren Connectivity. Das Jenseits wird mit dem Diesseits verbunden, hochmoderne, interaktive Medien werden mit Livemusik kombiniert und Hitlegenden mit modernem Zeitgeist versehen“.

Eigentlich hat Bertram Ernst ein ambivalentes Verhältnis zur zunehmenden Digitalisierung, doch in diesem Zusammenhang feiert er den technischen Fortschritt. Die Augen beginnen zu leuchten, wenn er davon erzählt. Jugendlich gebliebene Neugier, die Leidenschaft des Berufenen und das Wissen des erfahrenen Profis ergeben immer ein funkelndes Amalgam.

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