Events 3.0 – Networking vom Wohnzimmer aus

Virtuelle Events im Web 3.0

Während die meisten Unternehmen gerade versuchen, das Web 2.0 – auch Social Web – in ihre Aktivitäten zu integrieren, geistert in IT-affinen Kreisen schon wieder der nächste Begriff herum: Web 3.0.

BITMI Usability Mainhall
Eingangshalle eines virtuellen Events, konzipiert von ubivent. (Bild: Jessica Hartmann )

Web 3.0 steht für das Semantic Web, das manchmal auch in Verbindung mit dem Web 2.0 als Social Semantic Web bezeichnet wird. Der Begriff symbolisiert die Verknüpfung von Inhalten mit Bedeutungen mittels Semantik, wodurch Dinge im Internet automatisch in den passenden Kontext gesetzt werden können. Nach dem Web 2.0, welches sich dadurch auszeichnet, dass der Kommunikationskanal für beide Seiten offen ist und die User selbst Inhalte produzieren können, kommt nun also das Web 3.0, in dem diese Inhalte nicht mehr manuell, sondern automatisiert interpretiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden.

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Die Virtualisierung der Veranstaltungen

Aber was sind dann Events im Web 3.0? Aus dem beschriebenen Web 3.0 ergeben sich viele neue Möglichkeiten wie Augmented Reality und Hologramm-Technologie. Übersetzt auf den Eventbereich heißt das: Hybride und komplett virtuelle Veranstaltungen. Das sieht dann so aus, dass beispielsweise eine real stattfindende Messe oder ein Kongress durch digitale Elemente wie eine Twitter-Wall, einen Live-Chat oder einen interaktiven Online-Messestand ergänzt werden. Die interaktive Komponente ist dabei sehr wichtig: Ein reales Event, das einfach nur gestreamt wird, aber keine beidseitige Kommunikation bietet, zählt nicht als hybrides Event.

Die ubivent GmbH aus Mannheim hat sich auf hybride und virtuelle Events spezialisiert. Das Unternehmen hat dafür eine spezielle Onlineplattform programmiert, die mittels virtueller Eingangshalle und Lounge, Auditorium für Vorträge und Messehalle für digitale Messestände dem Besucher das Gefühl gibt, auf einer realen Veranstaltung unterwegs zu sein. Das Design und die Größe der Kulisse können dabei den individuellen Kundenwünschen angepasst werden. So kann nicht nur eine real stattfindende Veranstaltung nebenher online erweitert werden, um die Reichweite zu erhöhen. Es ist auch möglich, Messen, Kongresse und andere Formate vollständig online stattfinden zu lassen.

BITMi Usability Showfloor
Showfloor mit Messeständen eines virtuellen Events. (Bild: Jessica Hartmann )

Und dieses Angebot wird rege genutzt: Vom Kongress über Pressekonferenz und Meeting bis hin zum Kundenevent hat ubivent schon beinahe jede Art Veranstaltung durchgeführt. Die Pressekonferenz, bei der im Vorfeld die Möglichkeit besteht, online exklusiv Fragen an den CEO zu stellen, ist dabei ebenso erfolgreich wie interne und externe Workshops oder Produktschulungen, mit denen alle Standorte des Unternehmens und Kunden weltweit einbezogen werden können. Besonders gefragt sind laut Dr. Michael Geisser, einem der Geschäftsführer von ubivent, vor allem Karrieremessen und -events. „Wir machen mittlerweile rund ein Drittel unserer Events im Karrierebereich, viele davon auch im Ausland.“ Ein virtuelles Karriereevent biete gegenüber dem Physischen den Vorteil der Anonymität: „Als Student ist es kein Problem, auf eine Karrieremesse oder einen Karrieretag zu gehen, aber wer mitten in einem Job steckt, schaut sich lieber erst einmal anonym um“, erläutert Dr. Geisser.

Nicht jedes Event kann online stattfinden

Auf die Frage, wie man nun determinieren könne, ob sich ein Event für die Virtualisierung eignet, nennt Geisser verschiedene Faktoren. Die Zielgruppe ist einer davon: Während das Alter der Teilnehmer mit zunehmender Digitalisierung eine immer geringere Rolle spielt, lohnt sich ein virtuelles oder hybrides Event eher für eine global verteilte Zielgruppe als für einen sehr regionalen Markt. Außerdem seien vor allem Veranstaltungen geeignet, bei denen die Vermittlung von Informationen im Vordergrund steht: „Die Emotionalität eines gemeinsamen Mitarbeiter-Incentives lässt sich online nicht nachstellen“, weiß auch der ubivent-Geschäftsführer. „Bei solchen Anfragen raten wir den Kunden auch offen von einem virtuellen Event ab.“

Was aber wiederum gut funktioniert, seien beispielsweise Produktmessen. Geisser berichtet von einer Kfz-Werkstatt-Messe, auf der zwischen Zulieferern und Werkstätten sogar Autobatterien und Hebebühnen über den virtuellen Ladentisch gegangen seien. Dass Produkte auf virtuellen Messen auch ohne die Möglichkeit des Anfassens und Ausprobierens verkauft werden, führt er auf den generell wachsenden Onlinehandel zurück. Durch Amazon & Co. seien die Kunden bereits daran gewöhnt, online einzukaufen – warum also sollte es auf einer Online-Messe anders sein?

Kostengünstig und flexibel

Virtuelle und hybride Veranstaltungen bieten sowohl aus Veranstalter- als auch aus Kundensicht mehrere Vorteile. Neben der oben erläuterten Anonymität profitiert der Kunde auch von der zeitlichen und räumlichen Flexibilität des Events. Zudem werden Inhalte wie Vorträge meist archiviert und auch nach der Veranstaltung noch zur Verfügung gestellt, sodass verpasste oder parallele Programmpunkte nach eigenen Wünschen nachgeholt werden können – nur dann eben ohne die interaktive Komponente. Für den Veranstalter bedeutet dies eine enorme Erhöhung der Reichweite, da viele Menschen durch virtuelle Events erreicht werden können, die anderweitig aus Zeit- oder Kostengründen nicht teilgenommen hätten. Außerdem bieten vor allem virtuelle Events große Chancen der Kostenersparnis für beide Seiten. Neben den wegfallenden Ausgaben für Logistik und Unterkunft sowohl für Kunden als auch für Veranstalter erübrigen sich für Letztere auch noch Locationmiete, Technik und Catering. Diese können stattdessen in Aufbau und Design der virtuellen Plattform fließen. Laut Dr. Michael Geisser liegt der Preis für ein virtuelles Event in der Regel im niedrigen fünfstelligen Bereich, wobei natürlich – wie bei jeder Art Veranstaltung – Abweichungen sowohl nach oben als auch nach unten möglich sind. Letztendlich setzen sich die Kosten aus dem Programmier- und Anpassungsaufwand der Plattform, der erwarteten Anzahl der Teilnehmer und der Komponente des Projektmanagements zusammen.

Neben dem ökonomischen Mehrwert zeichnet sich ein Event 3.0 natürlich zusätzlich dadurch aus, dass es seinem Veranstalter einen Imagegewinn in Sachen Nachhaltigkeit und Modernität einbringt. Wer ein gelungenes Online-Event vorweisen kann, zeigt, dass er mit dem Zeitgeist geht, innovativ ist und nebenbei darauf Wert legt, die Umwelt etwa von Abgasen und Müll zu verschonen.

BITMi Usability Vortrag
Vortrag innerhalb eines virtuellen Events. (Bild: Jessica Hartmann )

Datenschutz ist oberstes Gebot

Ein Thema, das besonders in Deutschland bei allem technischen Fortschritt nicht vergessen werden darf, ist zweifelsohne die Sicherheit der Daten. Dr. Michael Geisser von ubivent stellt den Vergleich zu den USA her: „Während dort Unternehmen wie Apple meistens damit werben, welche schicken neuen Features und Designs sie entwickelt haben, betont man in Deutschland eher sicherheitsrelevante Neuerungen wie die verbesserte Verschlüsselung.“ Die Ausrichtung auf das deutsche Sicherheitsbedürfnis ist ein entscheidender Marktvorteil von ubivent gegenüber amerikanischen Konkurrenten. Doch auch an Anfragen aus dem Ausland mangelt es dem Unternehmen nicht. Mittlerweile generiert es rund 30 % seiner Einnahmen aus Aufträgen aus der ganzen Welt. So kann es vorkommen, erzählt Geisser, dass die Programmierer bei einer virtuellen Veranstaltung selbst nicht verstehen, was im Chat auf Armenisch oder Portugiesisch gerade besprochen wird. Dank enger Zusammenarbeit mit Übersetzern lässt sich auch so ein Event jedoch problemlos auf der Plattform umsetzen. Und auch den Teilnehmerkreis kann der Veranstalter mit verschiedenen Instrumenten begrenzen. Spezielle Zugangsdaten oder IP-Ranges einfordern, eine Paywall installieren und den Zeitraum der Veranstaltung einschränken, sind nur einige Möglichkeiten, um die Exklusivität des Online-Events zu wahren.

Verschwinden klassische Events bald?

Wer nun aber fürchtet, dass die physischen Events in naher Zukunft von den Virtuellen komplett abgelöst werden, kann aufatmen: Selbst Spezialist Geisser prognostiziert, dass reale Events immer Bestand haben werden und das echte Erlebnis vor Ort nicht vom Zuschauen hinter einem Bildschirm ersetzt werden kann. Als schönes Beispiel vergleicht er dafür die virtuellen Events mit der Fernsehübertragung eines Fußballspiels: Auch hier füllen sich die Stadien trotz breitem Übertragungsangebot immer wieder, weil die Besucher nicht auf die Emotionen vor Ort verzichten wollen. Er ergänzt jedoch, dass wahrscheinlich in 10 bis 15 Jahren keine Veranstaltung mehr ganz ohne eine digitale Komponente auskommen werde und die Technik sich stärker weiterentwickle, sodass tatsächliche und virtuelle Realität noch enger miteinander verknüpft und vermischt werden.

 

Brigitte Nussbaum, Inhaberin und Geschäftsführerin der trendhouse Eventmarketing GmbH, kommentierte inwieweit die Nutzung virtueller Events sinnvoll ist. Auch Christian Seidenstücker, Vorstandsmitglied der Joke Event AG, sprach mit EVENT PARTNER über seine Meinung zu Events 3.0. 

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Virtuelle Events im Web 3.0 müssen um erfolgreich zu sein sehr gut vorbereitet werden. Heute stehen die technischen Möglichkeiten virtuelle Events erfolgreich durchzuführen zur Verfügung, von Livestream Übertragungen, Podiumsdiskussionen, Webmeeting Integrationen, Audio- Videokonferenzen, Chat Gruppen und Einzelchats, 360° Rundgängen mit Guided Tours etc. Das alles macht es möglich einen virtuellen Event / Messe mit mehreren tausend Besuchern durchzuführen.
    [Promotion entfernt – Anmerkung der Redaktion]

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