Arbeitssicherheit bei Events

Koordination im Arbeitsschutz: Wie kann man Unfälle verhindern?

Bei großen Veranstaltungen, Messen und Shows bemühen sich dutzende Firmen, Kollegen und Dienstleister teilweise gleichzeitig darum, das Projekt zum Erfolg werden zu lassen. Bei dieser Ballung von Menschen und Maschinen verschiedenster Firmen besteht naturgemäß ein erhöhtes Risiko, dass es zu Unfällen kommt, die nicht nur Sach-, sondern im schlimmsten Fall auch Personenschäden mit sich bringen.

Zur Verhinderung solch eines Unfalles sieht der Gesetzgeber bereits seit vielen Jahren vor, dass bei gemeinsamen Arbeiten ab zwei Arbeitgebern bzw. Unternehmern die Arbeitsschutzmaßnahmen koordiniert werden müssen. So fordern Staat und Berufsgenossenschaften eine Zusammenarbeit der Arbeitgeber zur Vermeidung eventueller gegenseitiger Gefährdungen. Bei dem Stichwort Koordination auf der „Baustelle“ fällt häufig der Begriff „SiGeKo“ (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator), dessen Herkunft und Grundlage ebenso erläutert wird, wie die die allgemeine Koordination.

Baustelle: Aufbau einer Bühne

Bereits im Arbeitsschutzgesetz und der Basis-Unfallverhütungsvorschrift Vorschrift 1 ist die Koordination als allgemeine, sich an alle Unternehmer richtende Pflicht vorgesehen. Wie dort vorgesehen, müssen beim Zusammentreffen von mehr als zwei ausführenden Unternehmern (auch Einzelunternehmer) auf einer Produktion diese beim Arbeits- und Gesundheitsschutz zusammen arbeiten und je nach Komplexität und Gefährlichkeit einen geeigneten Koordinator für die Arbeiten bestimmen.

 

Der Koordinator

Dieser muss zunächst „geeignet“ sein. In den einschlägigen Vorschriften ist leider die Eignung nicht besonders definiert. Jedoch wird vorausgesetzt, dass der Koordinator:

  • die relevanten Regelwerke, die staatlichen Arbeitsschutzvorschriften und sonstige sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Bestimmungen kennt
  • planerische Erfahrung bei der Abwicklung ähnlicher Projekte besitzt
  • Kenntnisse und Erfahrungen mit eventuell verwendeten Gefahrstoffen hat
  • Kenntnisse über die Arbeitsmethoden, mögliche Gefahren und anzuwendende Schutzmaßnahmen besitzt
  • über Führungsqualitäten verfügt.

 

Ist der Koordinator eingesetzt und sind alle beteiligten Firmen über seine Rolle informiert, muss er sich dann um die Einholung und Bewertung von Informationen kümmern. Zum Erkennen von möglichen gegenseitigen Gefährdungen muss er die einzelnen Arbeiten und zu ergreifende Sicherheitsmaßnahmen abstimmen und gegebenenfalls Änderungen herbeiführen. Dazu kann er beispielsweise nach den Arbeitsweisen, geplantem Anfang und Ende der Arbeiten, Ort und Personalstärke der Arbeiten und den Namen der Verantwortlichen fragen. Er hat das Recht, die bestehenden Gefährdungsbeurteilungen der beteiligten Gewerke und Firmen anzufragen.

Im weiteren Verlauf erstellt der Koordinator dann idealerweise Arbeitsablaufpläne, Organigramme und Notfallpläne, die natürlich mit den beteiligten Firmen wiederum abgestimmt werden. Vor Aufnahme der Arbeiten sind die Verantwortlichen der jeweiligen Dienstleister in die allgemeinen und die orts- oder aufgabenbezogenen besonderen Arbeitsschutz- und allgemeinen Bestimmungen zu unterweisen. Die Gewerke- bzw. Fremdfirmenverantwortlichen müssen dann die Informationen wiederum an ihre Beschäftigten weitergeben. Während der Arbeiten hat der Koordinator selbstverständlich die Aufgabe, die Abläufe und die Einhaltung der  Arbeitsschutzvorschriften zu kontrollieren und Missstände zu beseitigen. Selbstverständlich müssen die Gewerkeleiter auch laufend die Einhaltung der Vorschriften und der Inhalte der Unterweisung bei ihren Mitarbeitern kontrollieren.

 

Wo bleibt der Mehrwert?

An dieser Stelle wird spätestens die Frage kommen, wer das alles bezahlen oder wo die Zeit dafür herkommen soll. Oder gar warum nochmals jemand sich mit allen Vorgängen befassen sollte. Als Koordinator kann selbstverständlich nicht nur eine externe, zusätzliche Person beauftragt werden. Genauso gut kann z. B. der sowieso schon vorgesehene Meister oder technische Leiter die Aufgabe übernehmen, wenn er die geforderten Eigenschaften erfüllt und er durch diese zusätzliche Aufgabe seine anderen Aufgaben noch erfüllen kann.

Erfahrungen des Autors in der Koordination auf Veranstaltungen verschiedener Größenordnungen zeigen, dass mit einer rechtzeitigen Integration des Arbeitsschutzes und der damit verbundenen Koordinierungsaufgaben in der Regel Defizite aufgedeckt werden und Abläufe optimiert werden. Hier besteht eine echte Chance zu Kostenreduzierungen, besonders bei mittleren und größeren Projekten. Hinzu kommt, dass häufig während des Aufbaus weitere Anforderungen zu Arbeitsschutzthemen von Seiten der Location kommen, die ein extra bestellter Fachmann relativ einfach mithilfe seiner Fachkenntnis bearbeiten kann.

 

Ist Baustelle gleich Baustelle?

Zusätzlich zu den allgemeinen Regelungen existiert eine sehr konkrete Anforderung an die Arbeitsschutzkoordination bei Großprojekten im Bau, die seit vielen Jahren in der Bauwirtschaft erfolgreich umgesetzt wird und verpflichtend ist. Hierbei handelt es sich um die Baustellenverordnung (BaustellV), die die Umsetzung einer EU-Richtlinie darstellt.

Hier stellt sich die Frage, ob die in unserem Branchen-Sprech liebevoll als „Baustelle“ bezeichnete Produktion tatsächlich eine Baustelle im Sinne der BaustellV darstellt oder nicht. Nach den „Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen“ (RAB), die die BaustellV konkretisieren, definiert sich die Baustelle als „Ort, an dem ein Bauvorhaben ausgeführt wird, bei dem eine oder mehrere bauliche Anlagen auf Veranlassung eines Bauherren errichtet, geändert oder abgebrochen werden“. Die erwähnten „baulichen Anlagen“ wiederum „sind mit dem Erdboden verbundene aus Bauteilen hergestellte Anlagen (einschließlich Gebäudetechnik). Eine Verbindung mit dem Erdboden besteht auch dann, wenn die bauliche Anlage durch eigene Schwere auf dem Boden ruht“.

Baustelle: Aufbau einer Bühne

Der Begriff der baulichen Anlage begegnet uns wieder in der Versammlungsstättenverordnung, die als einen der Anwendungsbereiche definiert: „Versammlungsstätten im Freien mit Szenenflächen, deren Besucherbereich mehr als 1.000 Besucher fasst und ganz oder teilweise aus baulichen Anlagen besteht“. Als bauliche Anlage gilt hier nach den Erläuterungen zur VStättVO bereits die Einfriedung und die Abschrankung.

Nach Auffassung der Bauministerkonferenz kann allerdings in einem bestehenden Gebäude baurechtlich nicht ein weiteres Gebäude errichtet werden. Somit fällt hier die Grundlage für die Anwendung der BaustellV weg.

Anders sieht es hingegen im offenen Gelände aus. Hier kann es je nach Sichtweise einer zuständigen Stelle durchaus angezeigt sein, eine Koordination nach der Verordnung durchzuführen. Sollte die BaustellV als Grundlage der Koordination gewählt werden, sind die Vorgaben daraus zwingend zu beachten. Das bedeutet dann nicht nur die Einsetzung eines SiGeKo, sondern bei voraussichtlich mehr als 500 gearbeiteten Personentagen auch eine offizielle Vorankündigung an die Behörden.

 

Lesen Sie auf Seite 2 alles über die Aufgaben des SiGeKo sowie Links zu weiterführenden Informationen!

 

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